Bollywoodelfe's Blog

Eine deutsche Sicht auf Bollywood, Indien , Pakistan

Raees – das dramatische Leben eines mafiösen Robin Hood

Kann ein Krimineller wirklich eine Art Robin Hood für seine Mitmenschen sein, wenn er richtig viel auf dem Kerbholz hat? Kann man das gut finden?

Das Leben schreibt ja bekanntlich die spannendsten Geschichten…aber Inder legen natürlich immer noch einen drauf und als wäre dieser Film nicht schon spannend genug, müssen sie rund um die Entstehung des Films noch ein eigenes Drama anzetteln.

Schon bald nach Drehbeginn von „Raees“ wurde darüber berichtet, dass die Geschichte inspiriert von einem Gangster namens Abdul Latif sei (gespielt von unserem King Khan), der Alkohol schmuggelte und in die Terroranschläge 1993 von Mumbai verwickelt war. Aber die Filmmacher verneinen dies und verweisen darauf, dass der Film reine Fiktion ist. Vielleicht weil sie wissen, wie viel Kontroversen und Diskussionen dies nach sich ziehen würde, eine reale Geschichte ins indische Kino zu bringen.

Ich finde es durchaus realistisch, dass hier das Leben eines echten Mafioso verfilmt wurde. Da muss man sicher nicht mehr viel hinzu dichten und man hat eine Menge Stoff zu verarbeiten. Das ist gar nicht mal so einfach, wenn man versucht, so einen kriminellen Lebenslauf in Gänze darzustellen. Aber auf jeden Fall beeindruckend.

Was mich an diesem Film besonders unterhielt:

  • der unglaublich talentierte Nawazuddin Siddiqui, der mich bis jetzt in jedem seiner Filme so grandios begeistert hat, spielt einfach wieder mörderisch gut (haha) und ich muss einfach immer noch darüber schmunzeln, wie witzig die filmischen Unterschiede zwischen ihm und Shahrukh wirken…Nawazuddin mit seiner überzeugenden realistischen Schauspielkunst vs. Shahrukh Khans bollywoodeskem Overacting. Verwirrend! Ständig schwankt man zwischen „realistischer Film“ und „Bollywood-Märchen“. HERRlich unterhaltsam!
  •  wie wunderschön künstlerisch das Blut auf der Leinwand spritzt! malerisch, anmutig, und grazil wird dort gemordet und gestorben, was das Zeug hält. Das ist KUUUUUNST!
  • die wirklich gut gemachte Vintage-Optik…ach ja, diese riesigen Brillen, die in den 80ern modern waren und jetzt wieder so richtig hip sind. Und diese lustigen riesigen Telefone, als es noch keine Handys gab.
  • Shahrukh Khan mit fast natürlichem Look, Kajal, muskelbepackt, traditioneller Kleidung…echt toll anzusehen ❤ !!!

Was mich nicht so begeistern konnte:

  • mit der pakistanischen Hauptdarstellerin Mahira Khan bin ich leider nicht so warm geworden

Macht ein klares Ergebnis für gute Unterhaltung 🙂 Ein Masala-Movie mit einer brisanten und umfangreichen Mischung, die man erstmal verdauen muss. Da sitzt man am Ende des Films erstmal still und geplättet da. Gibt soviel zu verarbeiten. Raees, der Kriminelle mit dem kühlen Kopf eines Geschäftsmannes, der sich trickreich und mit dem Mut eines Kämpfers bis an die Mafiosi-Spitze empor arbeitet, seinen Mitmenschen immer hilfreich zur Seite steht und am Ende aus Verzweiflung und gut-Herzen einen schwerwiegenden Fehler begeht. Und die Politik tanzt mal mit, mal gegen seine Pfeife. Aber ein Polizist gibt nicht auf, ihn für seine Taten zu richten. Holla die Bollyfee!

 

 

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Kaabil -Rache ist süß, der Film ist bitter

Bollywoodfilme sind wie eine Pralinenschachtel…man weiß nie, was man bekommt. Leider ist dieser Film eine Praline mit schlechtem Nachgeschmack.

Da habe ich als letztes einen so tollen Film mit einer starken indischen Frau gesehen, vor der man Respekt hat, die Mut macht. Und dann sowas! In Kaabil begeht eine (blinde) Frau Selbstmord, nachdem sie vergewaltigt wurde. Weil sie nicht ertragen kann, dass ihr Mann unter der Situation leiden könnte. Hallo?!!! fragt sich der (deutsche) Zuschauer: in welches Jahrhundert sind wir hier filmisch zurück geworfen? Die Gerechtigkeit scheitert natürlich, wie sollte es anders sein, an der korrupten Polizei. Hrithik, der blinde Ehemann der geschändeten Frau will sich dann eben auf seine Weise rächen. Das wiederum ist das einzig Fesselnde an diesem Film, wie er die Fäden seiner Rache zusammen schnürt. Das ist schon teilweise sehr trickreich erdacht. Sein Plan geht auch auf, aber die Verwaltigung, die Täter, der Selbstmord…alles geht damit unter, alles wird unter den Teppich gekehrt. Wie immer. Scheiß Korruption, aber nunja, damit muss man wohl leben. Seit Ewigkeiten.

Am schlimmsten ist jedoch der Item-Song, in der sich eine junge Dame halb pornös zum Besten gibt und die Vergewaltiger dürfen lüstern die Partyhelden spielen. Hallo?!!! fragt sich wieder der deutsche Zuschauer. DAS ist zu diesem Thema so unglaublich unpassend, dass sich genau an dieser Stelle der schlechte Geschmack im Mund einbrennt.

Dieser Film ist so unglaublich 90er, dass man sich fragt, wer so etwas sehen möchte? Wollen die Inder das wirklich? Ich will das nicht. Ich will den Film ganz schnell vergessen und hoffentlich ist der nächste Film wieder eine angenehmere Praline.

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Where to, Miss? Eine indische Taxifahrerin erkämpft sich ihren Weg

Dieser Dokumentarfilm ist ein wahrer Goldschatz, denn er zeigt die unterdrückten Frauen in Indien nicht als Opfer, sondern als Heldinnen, die versuchen keine Angst zu zeigen, um Vorbild zu sein und die ihren Traum eines selbstbestimmten Lebens mit aller Kraft verfolgen und das ist verdammt nochmal ziemlich beeindruckend!

Nachdem die Gruppenvergewaltigung 2012 in Delhi für weltweites Entsetzen sorgte, gründeten sich einige Organisationen, darunter auch „Women on Wheels“ von der Azad Foundation. Hier fahren Frauen Taxis, damit Frauen sicher durch Delhi fahren können. Das Großartige daran: Hier lernen die Frauen nicht nur Taxi fahren, sondern auch Englisch, Selbstverteidigung und Gender Studies.

Der größte Wunsch der Hauptdarstellerin Devki ist es, eine solche Taxifahrerin zu werden. Devki fällt schon vom Äußeren her aus dem Rahmen. Mit Jeans und Hemd ist sie für eine Frau ungewöhnlich leger in Delhi unterwegs. Und auch ihr Wunsch zu arbeiten, und das auch noch als Taxifahrerin, ist für eine Frau ihres Standes ungewöhnlich. Von ihrem Vater bekommt sie für diesen Wunsch erst einmal eine Tracht Prügel. Aber nichts hält sie davon ab, für ihren Traum zu kämpfen. Auch als sie ihren (zweiten) Mann kennen lernt (vom ersten hatte sie sich aus guten Gründen getrennt) und dieser wie auch der Schwiegervater nicht möchte, dass sie diesen Job verrichtet, setzt sie alles daran, trotzdem zu fahren. Devki möchte sie selbst sein…nicht nur die Tochter ihres Vaters, die Frau ihres Mannes, die Mutter ihres Sohnes. Sie, Devki, möchte Taxifahrerin sein.

Und auch wenn ihr Weg dorthin natürlich mit vielen beschwerlichen Momenten gepflastert ist, ist man als Zuschauer so hinein gezogen, dass man unheimlich stolz auf Devki ist, als wäre man mit ihr in dieser kurzen Zeit sehr gut bekannt. Alle vor der Kamera sind so natürlich und ich habe mich in vielem an meine Indienreise erinnert gefühlt. Die Kameraführung, die Musik, die Menschen…irgendwie wurde hier alles richtig gemacht.

Nachdem Regisseurin Manuela Bastian 2011 für den Dokumentarfilm „Kampf in Pink“ das Drehbuch schrieb (gekleidet in pinke Saris kämpfen die Frauen der Gulabi Gang notfalls auch mit Stöcken gegen Ungerechtigkeit), war dieser Dokumentarfilm ein weiteres Projekt, welches starke Frauen in Indien porträtiert. Über drei Jahre gingen die Dreharbeiten, oft musste Devki erst wieder mühsam aufgespürt werden, da sie immer wieder umgezogen war und die Handynummern wechselte. Das Festhalten an Devkis Geschichte hat sich in jeder Hinsicht gelohnt. Sehr sehenswert und Mut machend!

Der Film läuft ab 19.1. im Kino (leider nicht in allen Städten). Also wenn er in eurer Stadt läuft, anschauen! http://wfilm.de/where-to-miss/kinotermine/

P.S. wirklich toller Soundtrack!

 

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Dear Zindagi – Hi Leben!

Was ist das für eine geniale Rolle! Shahrukh Khan als Psychiater Jehangi Khan. Das ist so unglaublich überraschend gut! Wer würde nicht gern jeden Tag eine Sitzung mit Brain Doctor Jehangi Khan haben. Ist auch nicht so schlimm, wenn er dabei gar nicht so weltbewegendes von sich gibt. Eine tägliche Dosis Herzausschüttung mit Shahrukh…kann mal bitte jemand eine Serie draus machen?!!! Hammer!

Gut, eigentlich geht es ja hauptsächlich um seine Patientin Kaira (Alia Bhatt), die findet einfach nicht den richtigen Partner und natürlich, wie sollte es anders sein, liegen die Beziehungsprobleme in ihrer Kindheit, wie sich im Laufe der Sitzungen bei the Brain Doctor „Jug“ heraus stellt. Das ist dann auch ganz dramatisch und hat mich wiederum auch überrascht, wie unglaublich echt Alia Bhatt diese Szene spielt. Als würde sie gerade auf einen sehr grausamen Teil ihrer eigenen Kindheit blicken. Da muss man den Hut vor ziehen, das war schauspielerisch Spitzenklasse.

Ansonsten war ich von dem Teil, in dem erstmal ihre aktuelle Situation geschildert wird, eher nicht so ergriffen. Ihr Charakter wurde sehr sehr ausführlich dargestellt. Gut, ich gebe zu, ich hätte lieber noch etwas mehr Zeit mit Shahrukh verbracht und die Suche nach dem richtigen Stuhl/Kursi fürs Leben. Die Suche nach dem richtigen Partner mit der Wahl des richtigen Stuhls zu vergleichen…kann man machen, lieferte mir allerdings auch keine großen Neuigkeiten, was dieses Business angeht. Ist aber vielleicht für Inder, die zu großen Teilen von den Eltern vermittelte Partner bekommen, ein großes Neuland. Das hab ich dann persönlich doch vermisst: noch etwas tiefgreifendere Erkenntnisse zum Thema Leben. „Soul-Searching“ passiert hier nur am Rande. Nichts, was ein normal selbst reflektierender Mensch nicht schon gewusst hätte.

Oder mit welchen Hürden und Hindernissen eine Frau zu kämpfen hat, die nicht verheiratet ist, sondern Karriere machen möchte. Das wurde zwar teilweise angedeutet, z.b. als der Vermieter sie hinaus wirft, weil in seiner Wohnanlage nur Platz für verheiratete Frauen mit Familie ist. Dass sie als Frau in ihrem Beruf oft zurück stecken muss und härter für alles kämpfen. Ganz großes Kino, als Raghuvendra, der sie verlassen hatte am Ende meint, dass sie ihren großartigen Kurzfilm nie hätte machen können, wenn er bei ihr geblieben wäre. Alter! Da rollen sich mir die Nägel auf! Aus persönlichen Gründen. Wir gehen auch so unseren Weg, ob mit oder ohne euch verdammt! Ich glaube, ich habe auch eine Psychose und muss dringend zu Dr. Khan..

Also abschließend kann ich nur nochmal betonen, Shahrukh Khan als Psychiater: HAMMER! Allein dafür hat sich der Film gelohnt. Ich werde dann jetzt immer im Traum meine Sitzungen mit ihm abhalten und mit ihm um die Wette mit den Wellen des Lebens laufen…

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Vorsicht, Indien! Zu Risiken und Nebenwirkungen befragen sie dieses Buch…

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Als mir neulich ein Kollege von seiner Idee erzählte, demnächst einen Freund in Indien besuchen zu wollen und ich ein paar Hinweise gab, was ihn dort erwarten würde, waren alle erstmal etwas schockiert und meinten, das ist ja jetzt eher abschreckend. War natürlich absolut nicht abschreckend gemeint. Ich finde nur, dass man nicht absolut blauäugig nach Indien reisen sollte, da man sonst vielleicht wie viele nach einem Indienbesuch der Meinung ist: nie wieder Indien! oder wie ein anderer Kollege schockiert nach seiner Indienreise meinte: „Indien ist toll, wenn nur die Inder nicht wären.“

So ist dieses Buch „Was sie dachten, niemals über Indien wissen zu wollen“ von Andrea Glaubacker genau mein Thema. Ich habe mich schon immer auch mit den Schattenseiten dieses Landes beschäftigt und war dann sehr zwiespaltig, ob ich wirklich in ein Land reisen möchte, in dem Frauen und Mädchen so viel Leid geschieht, ein Land in dem das Kastenwesen soviel Ungerechtigkeit hervor bringt, ein Land, in dem bloße Gerüchte einen wütenden Mob dazu bringen, jemanden Unschuldigen zu töten. Die Erlösung kam in Gestalt meiner Hindi-Lehrerin, mit der allein ich mich traute, das Land in all seiner Vielfalt zu erleben.

Die Autorin beschreibt in ihrem Buch sehr viele Fakten, die ich schon kenne, aber immer mit einem gut recherchierten Hintergrund und eigenen Erfahrungen, so dass ich es jederzeit spannend fand, zu lesen.

Am unterhaltsamsten fand ich die Übersicht in einer Tabelle, die den Unterschied in der Arbeitswelt unglaublich deutlich macht:

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Ich musste herzlich lachen! Ja genauso ticken wir und die Inder.

Ich konnte alle Beschreibungen der Autorin aus meinen eigenen Erfahrungen nachvollziehen und die Auswirkungen auf einen distanzgewohnten, in einer perfekten Welt lebenden Europäer. Dass man als Tourist ein großes Geldbündel auf zwei Beinen ist, mit dem man zu jeder Zeit ein Geschäft machen möchte, ist wahrlich anstrengend. Dass Absprachen und „morgen“ und Busfahrpläne absolut nichts zu bedeuten haben, nervenaufreibend.

Ich denke, wenn man auf eigene Faust nach Indien reist, benötigt man sehr viel Zeit, mit den Eigenheiten klar zu kommen. Dank meiner Hindi-Lehrerin habe ich mir bei meinem Indienbesuch viel Lehrgeld gespart.

Ich kann das Buch sehr empfehlen, nicht nur als Reisevorbereitung, auch schon erfahrene Indienreisende können sich hier wiederfinden. Das Buch ist sehr unterhaltsam und informativ. Und wie die Autorin auch richtig meint, es soll auf keinen Fall abschreckend wirken, sondern vorbeugen, dass der Indienurlaub mit einer allzu rosaroten Brille betrachtet wird. Das Abenteuer Indien lohnt sich auf jeden Fall. Allein weil man dort als Europäer ziemlich unsanft aus einer perfekten Welt ins scheinbare Chaos gestürzt wird. Ich konnte dort (zumindest als Touristin…als dort lebende Frau wäre das eher nicht möglich) unheimlich viel Augenblicke der Freiheit, Gastfreundschaft, Abenteuer erleben. Das Land ist einfach so unglaublich, spannend und vielfältig, dass es gut ist, sich den Fakten, die in diesem Buch beschrieben werden, bewusst zu sein.

Vielen Dank an den Conbook-Verlag für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars. Es war mir eine Lesefreude!

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Gewinnspiel The Flying Sikh

Am 11.11. veröffentlichte Incredible Films DVD & Blu-ray der einzigartigen Sportlerbiographie des „Flying Sikh“ (Originaltitel Bhaag Milkha Bhaag – Lauf Milkha, Lauf!) und ich freue mich sehr, dass ich hiermit drei Exemplare dieses großartigen Films „Der Lauf seines Lebens“ verlosen darf!

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Lasst euch diese tolle Gelegenheit nicht entgehen, denn das ist ein wirklicher beeindruckender Film, und zwar nicht nur für Fans des indischen Films! In jeder Hinsicht ein sehr wertvoller Film: geschichtlich, filmisch, schauspielerisch und zurecht mit vielen vielen Auszeichnungen versehen. IMDB vergibt 8,3 von 10 Sternen und bei Rotten Tomatoes mögen 84% der Zuschauer den Film.

Wie macht ihr beim Gewinnspiel mit? Einfach einen Kommentar hinterlassen, warum ihr gern die DVD/Blu-ray gewinnen möchtet. Alle Kommentatoren kommen in den Lostopf.

Das Gewinnspiel läuft bis Mittwoch, den 30. November 24.00 Uhr – Teilnahmeberechtigt sind User aus Deutschland. Die GewinnerInnen werden nach dem Zufallsprinzip ermittelt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Die Gewinner gebe ich am 1.12. hier auf dem Blog bekannt und dann solltet ihr mir bitte innerhalb 1 Woche per Message oder Mail die Adresse für den Versand melden und ob ihr eine DVD oder Blu-ray möchtet.

Also macht fleißig mit, ich wünsche euch viel Glück!

Update: Herzlichen Glückwunsch an Sven B., Jay und thisisafuckingtest. Ihr habt diesen wundervollen Film fürs Heimkino gewonnen!

 

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Ae Dil Hai Mushkil -in Zeiten schwerer Herzen

„Die Liebe ist wie Krebs – kommt überraschend und geht erst wieder, wenn sie dich zerstört hat“…ziemlich drastische Aussage von Ranbir Kapoor als Ayan Sanger. Er muss versuchen mit einer unerwiderten Liebe klar zu kommen, denn Alizeh, an die er sein Herz verloren hat, möchte niemals die wertvollere Freundschaft zwischen ihnen zerstören.  Und mit dieser Ansicht ist sie ziemlich hartnäckig und Ayan verzweifelt mal mehr, mal weniger daran. Abgesehen von einigen tollen Ablenkungen wie die Beziehung zu einer älteren Frau und seiner Karriere als Sänger, meistens mehr. Wahrscheinlich können die wenigstens Männer nachvollziehen, warum Alizeh ihm nicht die kleinste Chance als Liebhaber geben will. Er hat doch alles. Ist attraktiv, charmant und auch noch reich. Was will man mehr? Doch Alizeh möchte ihn niemals aus seinem Leben gehen lassen und meidet deshalb eine Liebesbeziehung. Ich verstehe zwar nicht, warum man davon ausgehen sollte, dass diese Beziehung früher oder später scheitern sollte, aber gut. An diesem Film ist einiges unverständlich. Vor allem auch das Ende. Liebe und Krebs scheint hier das Mantra des Films, was auch immer Regisseur Karan Johar damit verarbeiten möchte.

Pluspunkte hat der Film bei mir gesammelt, was die Musik angeht. Gefühlt ein Song nach dem anderen. Da hüpft das kleine Bollywoodherz. Eine absolut gelungene Parodie auf die Bollywoodindustrie. Da lacht das kleine Bollywoodherz. Und ein Kurzauftritt von Shahrukh Khan. Da schmilzt das kleine Bollywoodherz nur so dahin.

Obwohl dieser Auftritt von King Khan auch ein wenig ambivalent für mich war. Auftritt der alten Bollywood-Generation. Wirkte wie eine Zeitreise. So ganz anders als der Rest des Films. So  nach dem Motto: der muss auch noch mit rein. Egal wie. Ganz bezaubernd die Rolle von Aishwarya Rai Bachchan als reife Geliebte und Ex-Frau von Shahrukh. Hat auf keinen Fall ihren Reiz verloren und macht eine sexy Figur. Diese zauberhafte Frau hat dann auch noch intellektuell ihre absoluten Vorteile. Wahnsinn.

Der Film hält, was ein Bollywoodfilm verspricht: Liebe, Herz, Schmerz, Musik, Tanz, tolle Kostüme…ein gelungener unterhaltsamer Film. Aber nicht unbedingt nachhaltig beeindruckend.

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Die Zeit der Frauen – wer braucht schon Machos?

„Ihr werdet schon sehen, was ihr davon habt. Wie wollt ihr ohne Mann allein zurecht kommen?“ ruft der wütende Sohn, als die Mutter ihn aus dem Haus wirft, nachdem er ihr Erspartes für Alkohol und Prostituierte gestohlen und seine Frau verprügelt hat, die ihn dafür zur Rede stellte. SO VIEL BESSER, DU ARSCH!!! möchte man ihm am liebsten entgegen rufen, denn wenn man sich die Schicksale der vier Frauen anschaut, die in diesem Film so farbenprächtig beleuchtet werden, machen ihnen die Männer das Leben so unendlich schwer, dass sie ohne ihre Männer so viel besser leben könnten.

Dieser Film lässt kein einziges gutes Haar an den Männern dieser Dorfgemeinschaft. Faule, nichtsnutzige Trunkenbolde, die ihre Frauen schlagen und sie als reine Sexobjekte ansehen. Was in ländlichen Gegenden sicher auch noch sehr oft der Fall ist und jeder schlagende und vergewaltigende Mann ist ein schlagender Mann zuviel. Aber so viele Frauen haben dieses Schicksal ja stoisch ertragen und weiter an ihre Töchter gegeben und behandeln ihre Schwiegertöchter so grausam, als würden sie dadurch Vergeltung erlangen wollen für die quälenden Jahre der Erniedrigung. Sie müssten es doch so viel besser wissen. Immerhin schaffen es die vier Frauen zu einem Happy End in dem Film, so dass man die wütende Stimmung verarbeiten kann. Warum sollte man nicht auch mal so absolut schonungslos mit der daueralkoholisierten, agressiven, nichtsnutzigen, sexisitischen Männerwelt abrechnen dürfen. Es gibt ja zum Glück auch noch die gebildeten, warmherzigen, liebevollen, witzigen, treusorgenden Männer. Die kommen in dem Film zwar nur am Rande vor und werden dafür von den Idioten halb tot geprügelt…aber ja, es gibt sie.

Der Film ist auf jeden Fall sehenswert: man verbringt einen Abend mit vier tollen Frauen und ihren Lebensdramen, durch die sie keineswegs ihren Humor verlieren. Selbst ein vibrierendes Handy kann so viel schönes Gelächter hervor rufen. Das alles gespickt mit den wunderschönen Farben Rajasthans und bollywoodesken Tanzsenen. Sozialkritisches Kino auf sehr unterhaltsame Art.

Wie immer empfehlenswert in der OmU-Version, z.B. in den Hackeschen Höfen Berlin

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La Tomatina – Zindagi Na Milegi Dobara im Realitycheck

Als ich den Film „Zindagi Na Milegi Dobara“ (Man lebt nur einmal) das erste Mal sah, war sofort klar: ich muss unbedingt auch einmal zum Tomatina Festival, denn der Spaß und die Freude der Hauptdarsteller war so ungemein ansteckend. Dieses Jahr war es nun soweit, ich konnte mich selbst ins Tomatenmatschgewimmel stürzen. Wie wir feststellen konnten, hat der Film auch sehr viele Inder inspiriert, denn bestimmt 1/3 des Publikums waren eindeutig indischen Ursprungs (wie das bei solchen Veranstaltungen so ist, sind es vor allem Touristen und keine einheimischen Leute, die sich zum Tomatina versammeln). Auf der offiziellen Webseite wird auch mit dem Film geworben.

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Wie realistisch ist nun die Darstellung im Film?

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Hier spazieren sie mit ihrer Tüte Tomaten zum Fest. Das geht natürlich so nicht. Man muss eine Sicherheitskontrolle durchschreiten und Tomaten nimmt man nicht extra mit, sondern nimmt sich dann die Tomaten, die aus den Wagen abgeladen werden, vom Boden.

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Knietief wird man in Tomaten eher nicht stehen. Diese Situation scheint extra für den Film nachgestellt.

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Auf die Wagen kommt man nicht. Das ist dem Personal des Tomatina vorbehalten.

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Diese extra Rutschparty scheint auch nachgestellt.

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Diese Wasserwerfer hätten wir am Ende sehr gut gefunden, aber davon haben wir nichts mitbekommen. Man hätte eine After-Water-Party für 10 Euro bezahlen können.

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Sehr realistisch ist die Färbung der Sachen und die Tomatenreste in den Haaren. Sehr mutig ist es, das Ganze ohne Taucherbrille zu machen. Die Tomatensäure brennt nämlich tierisch in den Augen. Durchgehende Musik wie im Film gab es nicht. Die mit blauer Plastefolie geschützten Häuser konnten wir auch sehen.

Wovor ich warnen muss: besser keine organisierte Busreise über diese Seiten buchen http://tomatina.es/en/. Die Organisation war so chaotisch, dass die Mitarbeiterin aus unserem Bus einen Nervenzusammenbruch bekam.

Ansonsten war es aber die Erfahrung mal wert und die Leute haben schon vor Freude gequietscht, sich mal ungehemmt mit Tomatenmatsch bewerfen zu können. Die Leute im Austragungsort Brunol waren super nett und hatten auch ihren Spaß an den Verrückten. Ein wenig verrückt muss man für diese Tomatenschlacht auf jeden Fall sein 🙂

Empfehlen kann ich aber immer wieder diesen Film, denn er macht super gute Laune!

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PSYCHO RAMAN – vom Spaß am Morden

Heute habe ich einen der besten Serienkillerfilme meines Filmlebens gesehen und kann mich den Worten des Fantasy Filmfest-Sprechers nur anschließen: ein Meisterwerk!

Als er meinte, dieser Film ist anders als die indischen Filme, die man sonst so kennt, wurde mir etwas weh ums Herz, denn es gibt so viele großartige indische Filme abseits von Bollywood, dass man Bollywood fast verfluchen möchte, wenn der indische Film an sich von Zuschauern gemieden wird, weil sie indische Filme mit Bollywood gleichsetzen. Nein, es gibt sie zahlreich, diese qualitativ hochwertigen indischen Filme und „Raman Raghav 2.0 / Psycho Raman“ gehört definitiv dazu und ich danke dem Fantasy Filmfest, dass sie diesen Film ganz besonders als „Centerpiece“ angepriesen haben und Rapid Eye Movies, dass sie den Film gekauft haben, um ihn auf zwar nicht in die Kinos, aber zumindest auf DVD heraus zu bringen. Ich werde sie mir definitiv kaufen!

Der Ansager meinte weiterhin, dass sie beim Schauen des Films auf dem Filmfestival in Cannes das dringende Bedürfnis hatten, schon nach 10 Minuten raus zu gehen, weil man diese Brutalität kaum aushalten kann, aber man solle durchhalten, damit man diesen meisterhaften Film in Gänze sieht. Das klang sehr dramatisch, ich kann mich dieser Warnung aber nicht anschließen. Keine Ahnung, ob ich schon zu viele indische Filme gesehen habe, in denen die grausame Realität in den hässlichsten Farben gezeigt wurde, aber so dramatisch grausam fand ich den Film wirklich nicht. Im Gegenteil. Ich fand die hässliche Realität Indiens noch recht entspannt dargestellt. Und überhaupt nicht düster und zu brutal. Alles genau richtig in Szene gesetzt.

Nawazuddin Siddiqui ist mittlerweile einer meiner Lieblingsschauspieler geworden. Er ist immer ein Garant für ganz besondere Filme und seine Schauspielkunst ist außergewöhnlich. Seine grinsende Mörder-Fratze ist einfach unbeschreiblich einnehmend. Fast könnte man diesen Mörder sympathisch finden. Fast könnte man ihn verstehen. Morden ist schließlich für ihn etwas ganz selbstverständliches. So wie Essen und Kacken. Haha. Fast wünschte ich, man würde eine Serie daraus machen. Ich glaube ich habe noch nie so entspannt einem Serienmörder beim Morden zugeschaut. Ganz besonders gefallen hat mir auch, dass die Drehorte absolut echt waren. Und die immer passende Musik. Mit Gänsehautfaktor. Passend zum Morden. Wie genial. Manche würde sagen: perfide! Ich sage: einfach schön. Ich kann diesen Film wirklich jedem empfehlen. Vielleicht nichts für ganz schwache Nerven. Aber auf jeden Fall etwas für den ganz besonderen Filmgenießer.

 

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