Bollywoodelfe's Blog

Eine deutsche Sicht auf Bollywood, Indien , Pakistan

Vorsicht, Indien! Zu Risiken und Nebenwirkungen befragen sie dieses Buch…

20161124_082858

Als mir neulich ein Kollege von seiner Idee erzählte, demnächst einen Freund in Indien besuchen zu wollen und ich ein paar Hinweise gab, was ihn dort erwarten würde, waren alle erstmal etwas schockiert und meinten, das ist ja jetzt eher abschreckend. War natürlich absolut nicht abschreckend gemeint. Ich finde nur, dass man nicht absolut blauäugig nach Indien reisen sollte, da man sonst vielleicht wie viele nach einem Indienbesuch der Meinung ist: nie wieder Indien! oder wie ein anderer Kollege schockiert nach seiner Indienreise meinte: „Indien ist toll, wenn nur die Inder nicht wären.“

So ist dieses Buch „Was sie dachten, niemals über Indien wissen zu wollen“ von Andrea Glaubacker genau mein Thema. Ich habe mich schon immer auch mit den Schattenseiten dieses Landes beschäftigt und war dann sehr zwiespaltig, ob ich wirklich in ein Land reisen möchte, in dem Frauen und Mädchen so viel Leid geschieht, ein Land in dem das Kastenwesen soviel Ungerechtigkeit hervor bringt, ein Land, in dem bloße Gerüchte einen wütenden Mob dazu bringen, jemanden Unschuldigen zu töten. Die Erlösung kam in Gestalt meiner Hindi-Lehrerin, mit der allein ich mich traute, das Land in all seiner Vielfalt zu erleben.

Die Autorin beschreibt in ihrem Buch sehr viele Fakten, die ich schon kenne, aber immer mit einem gut recherchierten Hintergrund und eigenen Erfahrungen, so dass ich es jederzeit spannend fand, zu lesen.

Am unterhaltsamsten fand ich die Übersicht in einer Tabelle, die den Unterschied in der Arbeitswelt unglaublich deutlich macht:

niemalsindien

Ich musste herzlich lachen! Ja genauso ticken wir und die Inder.

Ich konnte alle Beschreibungen der Autorin aus meinen eigenen Erfahrungen nachvollziehen und die Auswirkungen auf einen distanzgewohnten, in einer perfekten Welt lebenden Europäer. Dass man als Tourist ein großes Geldbündel auf zwei Beinen ist, mit dem man zu jeder Zeit ein Geschäft machen möchte, ist wahrlich anstrengend. Dass Absprachen und „morgen“ und Busfahrpläne absolut nichts zu bedeuten haben, nervenaufreibend.

Ich denke, wenn man auf eigene Faust nach Indien reist, benötigt man sehr viel Zeit, mit den Eigenheiten klar zu kommen. Dank meiner Hindi-Lehrerin habe ich mir bei meinem Indienbesuch viel Lehrgeld gespart.

Ich kann das Buch sehr empfehlen, nicht nur als Reisevorbereitung, auch schon erfahrene Indienreisende können sich hier wiederfinden. Das Buch ist sehr unterhaltsam und informativ. Und wie die Autorin auch richtig meint, es soll auf keinen Fall abschreckend wirken, sondern vorbeugen, dass der Indienurlaub mit einer allzu rosaroten Brille betrachtet wird. Das Abenteuer Indien lohnt sich auf jeden Fall. Allein weil man dort als Europäer ziemlich unsanft aus einer perfekten Welt ins scheinbare Chaos gestürzt wird. Ich konnte dort (zumindest als Touristin…als dort lebende Frau wäre das eher nicht möglich) unheimlich viel Augenblicke der Freiheit, Gastfreundschaft, Abenteuer erleben. Das Land ist einfach so unglaublich, spannend und vielfältig, dass es gut ist, sich den Fakten, die in diesem Buch beschrieben werden, bewusst zu sein.

Vielen Dank an den Conbook-Verlag für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars. Es war mir eine Lesefreude!

2 Kommentare »

Gewinnspiel The Flying Sikh

Am 11.11. veröffentlichte Incredible Films DVD & Blu-ray der einzigartigen Sportlerbiographie des „Flying Sikh“ (Originaltitel Bhaag Milkha Bhaag – Lauf Milkha, Lauf!) und ich freue mich sehr, dass ich hiermit drei Exemplare dieses großartigen Films „Der Lauf seines Lebens“ verlosen darf!

flyingsikhdvd

Lasst euch diese tolle Gelegenheit nicht entgehen, denn das ist ein wirklicher beeindruckender Film, und zwar nicht nur für Fans des indischen Films! In jeder Hinsicht ein sehr wertvoller Film: geschichtlich, filmisch, schauspielerisch und zurecht mit vielen vielen Auszeichnungen versehen. IMDB vergibt 8,3 von 10 Sternen und bei Rotten Tomatoes mögen 84% der Zuschauer den Film.

Wie macht ihr beim Gewinnspiel mit? Einfach einen Kommentar hinterlassen, warum ihr gern die DVD/Blu-ray gewinnen möchtet. Alle Kommentatoren kommen in den Lostopf.

Das Gewinnspiel läuft bis Mittwoch, den 30. November 24.00 Uhr – Teilnahmeberechtigt sind User aus Deutschland. Die GewinnerInnen werden nach dem Zufallsprinzip ermittelt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Die Gewinner gebe ich am 1.12. hier auf dem Blog bekannt und dann solltet ihr mir bitte innerhalb 1 Woche per Message oder Mail die Adresse für den Versand melden und ob ihr eine DVD oder Blu-ray möchtet.

Also macht fleißig mit, ich wünsche euch viel Glück!

Update: Herzlichen Glückwunsch an Sven B., Jay und thisisafuckingtest. Ihr habt diesen wundervollen Film fürs Heimkino gewonnen!

 

5 Kommentare »

Ae Dil Hai Mushkil -in Zeiten schwerer Herzen

„Die Liebe ist wie Krebs – kommt überraschend und geht erst wieder, wenn sie dich zerstört hat“…ziemlich drastische Aussage von Ranbir Kapoor als Ayan Sanger. Er muss versuchen mit einer unerwiderten Liebe klar zu kommen, denn Alizeh, an die er sein Herz verloren hat, möchte niemals die wertvollere Freundschaft zwischen ihnen zerstören.  Und mit dieser Ansicht ist sie ziemlich hartnäckig und Ayan verzweifelt mal mehr, mal weniger daran. Abgesehen von einigen tollen Ablenkungen wie die Beziehung zu einer älteren Frau und seiner Karriere als Sänger, meistens mehr. Wahrscheinlich können die wenigstens Männer nachvollziehen, warum Alizeh ihm nicht die kleinste Chance als Liebhaber geben will. Er hat doch alles. Ist attraktiv, charmant und auch noch reich. Was will man mehr? Doch Alizeh möchte ihn niemals aus seinem Leben gehen lassen und meidet deshalb eine Liebesbeziehung. Ich verstehe zwar nicht, warum man davon ausgehen sollte, dass diese Beziehung früher oder später scheitern sollte, aber gut. An diesem Film ist einiges unverständlich. Vor allem auch das Ende. Liebe und Krebs scheint hier das Mantra des Films, was auch immer Regisseur Karan Johar damit verarbeiten möchte.

Pluspunkte hat der Film bei mir gesammelt, was die Musik angeht. Gefühlt ein Song nach dem anderen. Da hüpft das kleine Bollywoodherz. Eine absolut gelungene Parodie auf die Bollywoodindustrie. Da lacht das kleine Bollywoodherz. Und ein Kurzauftritt von Shahrukh Khan. Da schmilzt das kleine Bollywoodherz nur so dahin.

Obwohl dieser Auftritt von King Khan auch ein wenig ambivalent für mich war. Auftritt der alten Bollywood-Generation. Wirkte wie eine Zeitreise. So ganz anders als der Rest des Films. So  nach dem Motto: der muss auch noch mit rein. Egal wie. Ganz bezaubernd die Rolle von Aishwarya Rai Bachchan als reife Geliebte und Ex-Frau von Shahrukh. Hat auf keinen Fall ihren Reiz verloren und macht eine sexy Figur. Diese zauberhafte Frau hat dann auch noch intellektuell ihre absoluten Vorteile. Wahnsinn.

Der Film hält, was ein Bollywoodfilm verspricht: Liebe, Herz, Schmerz, Musik, Tanz, tolle Kostüme…ein gelungener unterhaltsamer Film. Aber nicht unbedingt nachhaltig beeindruckend.

Hinterlasse einen Kommentar »

Die Zeit der Frauen – wer braucht schon Machos?

„Ihr werdet schon sehen, was ihr davon habt. Wie wollt ihr ohne Mann allein zurecht kommen?“ ruft der wütende Sohn, als die Mutter ihn aus dem Haus wirft, nachdem er ihr Erspartes für Alkohol und Prostituierte gestohlen und seine Frau verprügelt hat, die ihn dafür zur Rede stellte. SO VIEL BESSER, DU ARSCH!!! möchte man ihm am liebsten entgegen rufen, denn wenn man sich die Schicksale der vier Frauen anschaut, die in diesem Film so farbenprächtig beleuchtet werden, machen ihnen die Männer das Leben so unendlich schwer, dass sie ohne ihre Männer so viel besser leben könnten.

Dieser Film lässt kein einziges gutes Haar an den Männern dieser Dorfgemeinschaft. Faule, nichtsnutzige Trunkenbolde, die ihre Frauen schlagen und sie als reine Sexobjekte ansehen. Was in ländlichen Gegenden sicher auch noch sehr oft der Fall ist und jeder schlagende und vergewaltigende Mann ist ein schlagender Mann zuviel. Aber so viele Frauen haben dieses Schicksal ja stoisch ertragen und weiter an ihre Töchter gegeben und behandeln ihre Schwiegertöchter so grausam, als würden sie dadurch Vergeltung erlangen wollen für die quälenden Jahre der Erniedrigung. Sie müssten es doch so viel besser wissen. Immerhin schaffen es die vier Frauen zu einem Happy End in dem Film, so dass man die wütende Stimmung verarbeiten kann. Warum sollte man nicht auch mal so absolut schonungslos mit der daueralkoholisierten, agressiven, nichtsnutzigen, sexisitischen Männerwelt abrechnen dürfen. Es gibt ja zum Glück auch noch die gebildeten, warmherzigen, liebevollen, witzigen, treusorgenden Männer. Die kommen in dem Film zwar nur am Rande vor und werden dafür von den Idioten halb tot geprügelt…aber ja, es gibt sie.

Der Film ist auf jeden Fall sehenswert: man verbringt einen Abend mit vier tollen Frauen und ihren Lebensdramen, durch die sie keineswegs ihren Humor verlieren. Selbst ein vibrierendes Handy kann so viel schönes Gelächter hervor rufen. Das alles gespickt mit den wunderschönen Farben Rajasthans und bollywoodesken Tanzsenen. Sozialkritisches Kino auf sehr unterhaltsame Art.

Wie immer empfehlenswert in der OmU-Version, z.B. in den Hackeschen Höfen Berlin

Hinterlasse einen Kommentar »

La Tomatina – Zindagi Na Milegi Dobara im Realitycheck

Als ich den Film „Zindagi Na Milegi Dobara“ (Man lebt nur einmal) das erste Mal sah, war sofort klar: ich muss unbedingt auch einmal zum Tomatina Festival, denn der Spaß und die Freude der Hauptdarsteller war so ungemein ansteckend. Dieses Jahr war es nun soweit, ich konnte mich selbst ins Tomatenmatschgewimmel stürzen. Wie wir feststellen konnten, hat der Film auch sehr viele Inder inspiriert, denn bestimmt 1/3 des Publikums waren eindeutig indischen Ursprungs (wie das bei solchen Veranstaltungen so ist, sind es vor allem Touristen und keine einheimischen Leute, die sich zum Tomatina versammeln). Auf der offiziellen Webseite wird auch mit dem Film geworben.

zindaginamilegi07

Wie realistisch ist nun die Darstellung im Film?

zindaginamilegi05

Hier spazieren sie mit ihrer Tüte Tomaten zum Fest. Das geht natürlich so nicht. Man muss eine Sicherheitskontrolle durchschreiten und Tomaten nimmt man nicht extra mit, sondern nimmt sich dann die Tomaten, die aus den Wagen abgeladen werden, vom Boden.

zindaginamilegi04

Knietief wird man in Tomaten eher nicht stehen. Diese Situation scheint extra für den Film nachgestellt.

zindaginamilegi02

Auf die Wagen kommt man nicht. Das ist dem Personal des Tomatina vorbehalten.

zindaginamilegi03

Diese extra Rutschparty scheint auch nachgestellt.

zindaginamilegi06

Diese Wasserwerfer hätten wir am Ende sehr gut gefunden, aber davon haben wir nichts mitbekommen. Man hätte eine After-Water-Party für 10 Euro bezahlen können.

zindaginamilegi01

Sehr realistisch ist die Färbung der Sachen und die Tomatenreste in den Haaren. Sehr mutig ist es, das Ganze ohne Taucherbrille zu machen. Die Tomatensäure brennt nämlich tierisch in den Augen. Durchgehende Musik wie im Film gab es nicht. Die mit blauer Plastefolie geschützten Häuser konnten wir auch sehen.

Wovor ich warnen muss: besser keine organisierte Busreise über diese Seiten buchen http://tomatina.es/en/. Die Organisation war so chaotisch, dass die Mitarbeiterin aus unserem Bus einen Nervenzusammenbruch bekam.

Ansonsten war es aber die Erfahrung mal wert und die Leute haben schon vor Freude gequietscht, sich mal ungehemmt mit Tomatenmatsch bewerfen zu können. Die Leute im Austragungsort Brunol waren super nett und hatten auch ihren Spaß an den Verrückten. Ein wenig verrückt muss man für diese Tomatenschlacht auf jeden Fall sein 🙂

Empfehlen kann ich aber immer wieder diesen Film, denn er macht super gute Laune!

2 Kommentare »

PSYCHO RAMAN – vom Spaß am Morden

Heute habe ich einen der besten Serienkillerfilme meines Filmlebens gesehen und kann mich den Worten des Fantasy Filmfest-Sprechers nur anschließen: ein Meisterwerk!

Als er meinte, dieser Film ist anders als die indischen Filme, die man sonst so kennt, wurde mir etwas weh ums Herz, denn es gibt so viele großartige indische Filme abseits von Bollywood, dass man Bollywood fast verfluchen möchte, wenn der indische Film an sich von Zuschauern gemieden wird, weil sie indische Filme mit Bollywood gleichsetzen. Nein, es gibt sie zahlreich, diese qualitativ hochwertigen indischen Filme und „Raman Raghav 2.0 / Psycho Raman“ gehört definitiv dazu und ich danke dem Fantasy Filmfest, dass sie diesen Film ganz besonders als „Centerpiece“ angepriesen haben und Rapid Eye Movies, dass sie den Film gekauft haben, um ihn auf zwar nicht in die Kinos, aber zumindest auf DVD heraus zu bringen. Ich werde sie mir definitiv kaufen!

Der Ansager meinte weiterhin, dass sie beim Schauen des Films auf dem Filmfestival in Cannes das dringende Bedürfnis hatten, schon nach 10 Minuten raus zu gehen, weil man diese Brutalität kaum aushalten kann, aber man solle durchhalten, damit man diesen meisterhaften Film in Gänze sieht. Das klang sehr dramatisch, ich kann mich dieser Warnung aber nicht anschließen. Keine Ahnung, ob ich schon zu viele indische Filme gesehen habe, in denen die grausame Realität in den hässlichsten Farben gezeigt wurde, aber so dramatisch grausam fand ich den Film wirklich nicht. Im Gegenteil. Ich fand die hässliche Realität Indiens noch recht entspannt dargestellt. Und überhaupt nicht düster und zu brutal. Alles genau richtig in Szene gesetzt.

Nawazuddin Siddiqui ist mittlerweile einer meiner Lieblingsschauspieler geworden. Er ist immer ein Garant für ganz besondere Filme und seine Schauspielkunst ist außergewöhnlich. Seine grinsende Mörder-Fratze ist einfach unbeschreiblich einnehmend. Fast könnte man diesen Mörder sympathisch finden. Fast könnte man ihn verstehen. Morden ist schließlich für ihn etwas ganz selbstverständliches. So wie Essen und Kacken. Haha. Fast wünschte ich, man würde eine Serie daraus machen. Ich glaube ich habe noch nie so entspannt einem Serienmörder beim Morden zugeschaut. Ganz besonders gefallen hat mir auch, dass die Drehorte absolut echt waren. Und die immer passende Musik. Mit Gänsehautfaktor. Passend zum Morden. Wie genial. Manche würde sagen: perfide! Ich sage: einfach schön. Ich kann diesen Film wirklich jedem empfehlen. Vielleicht nichts für ganz schwache Nerven. Aber auf jeden Fall etwas für den ganz besonderen Filmgenießer.

 

Hinterlasse einen Kommentar »

WAZIR – Schachmatt – wer verliert, gewinnt

Also eines zur Warnung vorweg: wer den Film „TE3N“ gesehen hat, darf nicht enttäuscht sein, wenn der Film nur halb so viel Spannung bietet. Es gibt einfach so verdammt viele Parallelen, dass man schnell erahnt, welche Wendung dieser Film nehmen wird. Wird das jetzt DIE ewig gleiche Rolle für Amithab?

Es geht mal wieder um verlorene Kinder, Schuldzuweisungen, Trauer, Rachefeldzüge. Als Schauspielplatz der Kashmirkonflikt.

Man muss Schach mögen…denn der ganze Film dreht sich so sehr um Schach, dass man am Ende den Film vor lauter Schach nicht mehr sieht. Am Anfang konnte ich noch herrlich darüber lachen, wie die kleinen Kinder Anti-Terror-Polizist Daanish (Farhan Akhtar) so richtig beim Schach dissen, weil er ständig verliert. Dass sich ein Schachspiel bestens als Trinkspiel eignet, auch sehr amüsant. Dann muss das Schachspiel ständig für versteckte Hinweise in der Geschichte herhalten und am Ende gibt es auch noch eine Tanzaufführung in Form eines Schachspiels, welches den entscheidenden Hinweis für Polizist Daanish gibt, um das ganze Spiel, in dem er unfreiwillig mitgewirkt hat, zu durchschauen. Wahhhh! Wieviel Schach kann man ertragen, wenn man mit diesem Spiel auf Kriegsfuß steht wie ich?

Es sind die besten Schauspieler am Werk und der Film hat seine tollen Momente, z.B. wenn am Anfang in Zeitlupe die Romanze von Daanish und seiner Frau gezeigt wird, die zugleich Zeitraffer ist. Oder wenn beim Abspann Amithab und Farhan zusammen einen Song zum Film im Tonstudio einsingen. Großartig! Das hat sich gelohnt. Das ewige Schachspiel dazwischen mit den stets grimmigen Bösewichtern und der ewig leidenden Frau hat mich nicht wirklich gefesselt. Aber hey, ein Film mit Farhan lohnt doch immer. Ich hoffe nur, ich träume heut nicht von Schachfiguren. Ein Spiel ist ein Spiel ist ein Spiel.

 

Hinterlasse einen Kommentar »

Margarita with a straw – wieviel Drama passt in einen Film?

„Margarita, with a straw“ ist der Cocktail, den sich Laila (Kalki Koechlin), durch Kinderlähmung an einen Rollstuhl angewiesen, als ersten Cocktail ihres Lebens bestellt, als sie mit ihrer blinden Mitstudentin Khanum einen Abend in einer Bar in New York verbringt. Nach New York ist sie mit Hilfe eines Stipendiums gekommen.

Bei diesem Film, so preisgekrönt er ist, hat man am Ende das Gefühl: weniger wäre mehr gewesen. Es hätte durchaus gereicht, das Leben einer an den Rollstuhl gefesselten jungen Frau zu beleuchten. Auch sie hat sexuelle Bedürfnisse, auch sie durchlebt das Drama einer unerwiderten Liebe. In Indien werden benachteiligte Personen sehr stiefmütterlich behandelt und versucht, diese nicht im öffentlichen Leben zu präsentieren. Stars wie Aamir Khan versuchen diese Situation zu ändern. Also das Thema hätte schon allein genug Stoff gegeben. Aber nein! Dann stellt Laila auch noch fest, dass sie bisexuell ist. Zwei Frauen mit Behinderung verlieben sich. (Und ihre Liebe Khanum stammt auch noch aus Pakistan). Diese Liebe bringt natürlich ein großes Drama mit den Eltern mit sich und dann erkrankt die Mutter auch noch am Ende an Krebs. Alles ungewohnt offenherzig und ungeschönt dargestellt. Hallooooo? Das ist echt too much!

Offensichtlich hatte Regisseurin Shonali Bose ganz viel zu sagen. Ihr Cousine litt an zerebraler Kinderlähmung und als sie diese sie zu ihrem 40.Geburtstag fragte, was ihren Geburtstag zum besten jemals machen würde, meinte diese „Sex“.  Über die Sexualität ihrer Cousine hatte sie bis dahin nie nachgedacht. Shonali Bose hat sich selbst als bisexuell geoutet.

Normalerweise lässt die indische Zensur solch realistische Darstellungen von Sexszenen nicht zu. Interessanterweise wurde hier von der indischen Zensurbehörde zwar verlangt, die hetereosexuelle Sex-Szene mit Lailas Mitstudenten etwas weniger deutlich darzustellen, aber die lesbische Liebesszene blieb zum Erstaunen der Regisseurin absolut ungeschnitten.

So einen Film hat man auf jeden Fall noch nicht gesehen, so viel steht fest. Darauf sollte man gefasst sein. Er will ein bisschen zuviel für meinen Geschmack. Aber hinterlässt so natürlich genug Stoff für zahlreiche Gedankenanstöße weit nach Anschauen des Films.

http://www.facebook.com/MWASOfficial 

Hinterlasse einen Kommentar »

Te3n – wer findet den Mörder

Teen, stylisiert zu Te3n (in Hindi bedeutet es die Zahl 3) war gestern der Eröffnungsfilm bei der IndoGerman Filmweek. Kein kunterbunter Quietsche-Bollywoodschmalz, sondern ein durchaus packender und düsterer Thriller nach koreanischer Filmvorlage mit der Starbesetzung Amitabh Bachchan, Nawazuddin Siddiqui und Vidya Balan. Es geht um das ernste Thema Kidnapping/Kindesentführung. Nach acht Jahren versucht der Großvater (Amitabh) immer noch täglich die Entführung und den damit verbundenen Tod seiner Enkelin aufzuklären. Der frühere Polizist (Nawazuddin), der mit dem Fall betraut war, ist inzwischen Priester geworden, wird aber vom Großvater immer wieder wegen des Falls bedrängt. Täglich fährt er zudem zur Polizeistation, um die dortigen Polizeiinspektorin (Vidya) immer wieder nach dem Fall zu fragen, der nie aufgeklärt werden konnte. Als dann plötzlich ein neuer Fall von Kindesentführung geschieht, der allerlei Parallelen zu dem von vor acht Jahren aufweist, machen sich alle drei intensiv auf die Suche.

Die drei Hauptdarsteller sind einfach großartig. Da kann man auch über kleine Ungereimtheiten und unlogischen Entwicklungen in der Geschichte hinweg sehen. Es ist sehr rührend mit anzusehen, mit welcher Sisyphos-Arbeit Amithab versucht, den Fall anhand  noch so kleinster Hinweise wie einem Stift nachzugehen oder riesige Listen mit Namen bearbeitet. Für ihn gibt es im Leben nur noch ein Ziel, dieses schwere Schicksal zu verarbeiten, indem er den Verbrecher seiner gerechten Strafe zuführt. Der Ausgang dieses Films ist tatsächlich ungewiss, man kann die Entwicklungen nicht wirklich voraussehen und es bleibt bis zum Schluss spannend. Amithab spielt den gebrochenen Großvater absolut realistisch und herzergreifend.

Also kein Film für unbeschwerte Stunden, in denen man sich nach bunter Unterhaltung ala Bollywood sehnt. Aber ein absolut qualitatives Filmereignis.

Heißt der Film eigentlich „3“, weil sich die 3 (Haupt)Personen mit dem Fall beschäftigen? So wirklich hinweisend darauf, um was es in diesem Film geht, finde ich den Filmtitel nicht.

Hinterlasse einen Kommentar »

Sultan – Wenn Knochen brechen und Herzen schmelzen

Ach was soll ich hier viele Worte verlieren, diesen Film sollte man einfach gesehen haben! Salman Khan ist nicht nur ein absolut sehenswerter Weltklasse-Ringer, er kann auch so verdammt gut einen gebrochenen Helden spielen. Gebt Salman eine gute Rolle und er macht etwas richtig Besonderes draus. Vergesst Rocky, er ist der King of the Ring!

Auch wenn der Sport die treibende Kraft des Films ist, so ist er doch nur die große Metapher auf das Leben. Gib nicht auf! Der wahre Held ist der, der Niederlagen erträgt und sich zurück kämpft ins Leben. Und Mädchen sind genauso gute Kämpferinnen. Es gibt wieder viele schöne Lebensweisheiten zu sehen, und Salman Khan verpackt das alles so unglaublich herzerwärmend, so rührend, und gleichzeitig so kraftvoll, dass einen dieser Film auf jeden Fall packt! So eine innerliche Anmut in so einem Stiernackenkörper! Das glaubt man nicht, wenn man es nicht mit eigenen Augen gesehen hat. Romantic Wrestler Salman Khan gibt sich wieder einmal die ganz besonders Ehre. Mehr Fan kann ich eigentlich gar nicht mehr werden.

Unbedingt sehenswert!

Hinterlasse einen Kommentar »