Bollywoodelfe's Blog

Eine deutsche Sicht auf Bollywood, Indien , Pakistan

Garbage – Müll menschlicher Abgründe

Heute ist der letzte Tag der Berlinale und ich habe mir den einzigen indischen Spielfilm der diesjährigen Berlinale angeschaut: Garbage.

Dieser Film ist definitiv nichts für schwache Nerven. Hier werden die hässlichsten Abgründe menschlichen Handelns in einer so ekelhaften realistischen Weise dargestellt, dass es schon sehr viel Aushaltevermögen abverlangt, sich diese Abartigkeiten anzuschauen.

Phanishwar ist ein fanatischer Anhänger des rechtsextremen Gurus „Baba“, der ihn als kleines Kind, dessen Vater bei einem Unglück starb, ein neues Zuhause gab. Nun unterstützt er seinen Guru auch bei Facebook mit fremdenfeindlichen Kommentaren.  Die „Verehrung“ für seinen Guru geht sogar soweit, dass er per oraler Befriedigung den göttlichen Samen des Gurus einsammeln muss, auf dass er ihn täglich zu sich nehme. Er hofft darauf, dass der Guru seine Krebskrankheit heilt, während er sich zu Hause ein Sklavin hält, die sich angekettet um Essen und Wäsche kümmern muss, während er sie obendrein noch schändlich misshandelt.

Phanishwar wird nun zum Taxi-Fahrer von Rami, die untertauchen muss, weil ein Sexvideo von ihr im Internet viral gegangen ist. Auch Panishwar hat dieses Video auf seinem Handy und als sie dies entdeckt und daraufhin Vergeltung übt, wird es nochmal so richtig heftig. Der sonst so heroische, über alles erhabene Mann wird hier auf brutalste Art und Weise zu einem Häufchen Elend kurz und klein gemacht.

Die Rache ist hier furchtbar und drastisch und alle endet im Müll. Der indische Regisseur Q scheint wirklich so gar keine Kontroversen zu scheuen und bleibt sich damit treu. Das ist mehr als bewundernswert. Wie viele Menschen diesen Film aushalten werden und möchten bleibt fraglich…das ist auf jeden Fall ein Film jenseits von Bollywood, wie er nicht weiter entfernt sein könnte von dieser Art von Unterhaltungsmaschinerie. Ich kann mir gut vorstellen, dass er in Indien verboten wird. Soviel Realität und Gesellschaftskritik ist dann doch zuviel für den indischen Geschmack.

 

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Liebe pro Quadrameter – Halbe Halbe

Der hart arbeitende Mensch kennt das: am Freitag Abend möchte man sich einfach nur noch berieseln lassen. Bloß kein anspruchsvoller Film, seichte Unterhaltung, bei guter Musik zwischendurch auch mal die Augen schließen können…und wenn man dabei einschläft, ist auch nicht so schlimm. Ich hoffe, das klingt nicht abwertend, aber in diese Kategorie würde ich den von Netflix eigenproduzierten ersten Film in Hindi „Love Per Square Footpacken. Auch solche Filme haben ja ihre Berechtigung. Freitag Abend zum Beispiel.

Der Film wurde passend zum Valentinstag veröffentlicht. Das Thema des Films haben wir schon in unendlich vielen anderen Filmen erlebt: aus irgendwelchen Gründen gehen zwei Menschen eine Zweckgemeinschaft ein. Und wie es dann so kommen muss, verwandelt sich der Zweck in Liebe. Natürlich nicht ohne dramatische Irrungen und Wirrungen, aber am Ende wird ja zum Glück doch alles gut. Klassische RomCom.

Die beiden Liebenden sind auf jeden Fall sehr süß (ja ok, sogar sehr süß) und dramatisch können sie auch. Schöne Musik und sogar einige bekannte Gesichter. Sehr modern und durchaus mit witzigen Szenen. Meine Lieblingszene ist auf jeden Fall die, in der es eine durchaus romantische kuschelige Couchszene gibt: während die Dame die Hand des Mannes nimmt, sie sich zärtlich auf den Bauch legt und hingebungsvoll haucht: ich habe Blähungen. Hahahaha. Wundervoll! Diese Art von Humor gefällt mir ja mal. Ziemlich unerwartet witzig. Also durchaus gut unterhaltend. Mit 2h 13 min auch nicht allzu ausufernd. Gar nicht mal so schlecht gemacht, Netflix.

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Ittefaq – finde den Mörder

Wenn Bollywood nichts mehr einfällt, dann macht man ein Remake eines erfolgreichen Films desselben Namens von 1969, der wiederum eine Adaption des amerikanischen Films „Signpost to Murder“ von 1965 ist.

Eine Nacht, zwei potentielle Mörder. Der Krimi hat durchaus seine spannenden Momente und ganz tolle Filmbilder, sehr professionell gemacht. Der durchschnittliche Europäer muss hier auch keine wilden Musikszenen oder einen 3-Stundenfilm fürchten. Man bekommt einen modernen, soliden Krimi geboten. Und dazu noch erheiternde Momente eines durchaus realen Polizistenlebens in Indien. Dass sich ein Polizist die Zeit nimmt, nicht vorschnell die offensichtlichen Indizien hinzunehmen ist auch sehr lobenswert und sicherlich nicht alltäglich. Jeder der Verdächtigen hat seine eigene Version der Geschichte und wir erleben diese unterschiedlichen Varianten mit und können uns überlegen, an welcher Stelle wohl die Wahrheit liegt.

Was mich hier stört, ist das absurde Ende, so absolut weit her geholt, dass es nicht wirklich nachvollziehbar ist und unglaubhaft bleibt. Nur, um den Zuschauer nicht in Sicherheit zu wiegen und dem Ganzen nochmal eine richtig unverhoffte Wendung zu geben. Haha lieber Zuschauer, dachtest du so.

Sidharth Malhotra bringt den Bösewicht irgendwie nicht rüber. Dafür hat der ermittelnde Polizist Akshaye Khanna das gewisse fesselnde Etwas. Sein investigativer Charme ist absolut sehenswert. Sonakshi Sinha spielt ganz nett, aber auch nicht besonders ergreifend.

Im Mai soll dieser indische „Mystery-Thriller“ (finde ich als Bezeichnung etwas übertrieben) deutsch synchronisiert in die Kinos kommen (och nööö, deutsche Synchro). Für mich persönlich ist es kein Film, für den man unbedingt ins Kino müsste, aber man wird solide unterhalten.

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Dangal – Goldmädchen

„Papa, Du schadest unserer Gesundheit!“ singen die beiden Schwestern Babita und Geeta herzzerreißend während ihrer frühmorgendlichen Trainingstortur. „Soviel Disziplin, dass wir sterben möchten“. Kein Erbarmen kennt der Vater. Er möchte aus den beiden Mädchen erfolgreiche Ringerinnen machen. Jahrelang blickte er deprimiert einer Zukunft ohne männlichen Nachkommen entgegen. Mit vier Töchtern sah er sich der Chance beraubt, seine großen Ringerkünste an einen Sohn weitergeben zu können, damit endlich auch Indien zu großem internationalen Ruhm in dieser Sportart gelangen könnte. Als dann aber seine Töchter eines Tages bezichtigt wurden, junge Kerle verprügelt zu haben, brach eine neue Zukunft für ihn an. Er schlussfolgerte richtig, dass man für Medaillen keine Jungen braucht. Damit begann für seine beiden ältesten Töchter ein zuerst unzumutbares Trainingsprogramm inklusive gesunder Ernährung und dem Schlimmsten für ein junges Mädchen: das Abschneiden der schönen langen Haare. Für Geeta und Babita ist es wahre Folter und sie verfluchen, so einen Vater zu haben. Bis ihnen ein 14jähriges Mädchen, das gerade verheiratet wurde, die Augen öffnet. Statt wie Millionen anderer indischer Mädchen für ihre Familie nur eine Last zu sein, die man so schnell wie möglich los sein möchte und deren weiteres Leben dann als Putz- und Hausfrau endet, sieht ihr Vater in ihnen Großes und eine viel bessere Zukunft. Nun sehen sie ein, dass ihr Vater sie nicht bösartig quält, sondern ihnen ein besseres Leben ermöglichen möchte. „Passt auf die wilde Katze auf, sie macht dich platt“ singen bald die Zuschauer über die erfolgreiche Ringerin, die die Kerle einen nach dem anderen platt macht. Davor stehen natürlich erstmal noch gesellschaftliche Hürden, die keine Mädchen als Ringer vorsehen. Aber als auch diese überwunden sind, geht es für Geeta als Ringerin immer weiter nach oben. „Sie verrenkt dir alle Glieder. Was für ein Mädchen!“. Stolz erringt sie einen Sieg nach dem anderen, bis sie sich einen Platz bei der Landessportschule erkämpft, von der aus auch die vom Vater ersehnten internationalen Wettkämpfe starten. Natürlich gibt es noch die ein oder anderen Probleme zwischen Vater und Tochter und andere dramatische Ereignisse, die große Spannung bis zum Schluß garantieren!

Ich habe bisher nur ein einziges Mal einen Frauenringkampf gesehen und war schwer enttäuscht. Alle zehn Sekunden wurde der Kampf vom Schiedsrichter unterbrochen. So schöne flüssige Ringkampfszenen wie man sie im Film sieht, hatte ich bis dahin also noch nicht gesehen und bin sehr begeistert. Man fiebert sofort mit, als wäre man wirklich live und selbst bei diesen Wettkämpfen dabei. Die Schauspielerinnen sind beneidenswert gut trainierte Ringerinnen. Zaira Wasim, die Geeta als Mädchen spielt, hat so großartig gespielt, dass sie dann auch gleich in Aamirs nächstem Superhit „Secret Superstar“ die Hauptrolle spielen durfte. Wie hart man trainieren muss, um diese Rollen als überzeugende Ringerin darstellen zu können, mag ich mir gar nicht vorstellen. Überzeugt haben sie mich auf jeden Fall! Nach „Sultan“ mit Salman Khan ein weiteres Highlight im Bereich Ringerfilm.

Man kann es eigentlich kaum glauben, dass diese Geschichte auf einer wahren Begebenheit beruht. Was für Heldinnen, die alles gegeben haben, um für Millionen von Mädchen ein Vorbild zu sein, die von der Gesellschaft für minderwertig gehalten werden. Was für eine großartige Botschaft! Und wer außer Aamir Khan könnte besser geeignet sein, so eine Botschaft als Film an den Mann zu bringen (und Frau ist dankbar für die Botschaft in solch prächtig trainierten Verpackung). Aamir Khan ist mein persönlicher Held, was qualitativ hochwertige indische Filme betrifft. Dieser ist wieder so einer. Ein sehr sehenswerter Film, der sich zu vielerlei gesellschaftlichen Problemen in Indien äußert! Zum Glück gibt es ihn jetzt auch bei Netflix in OmU zu sehen: https://www.netflix.com/watch/80166185 

 

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Padmavaat – ein Kult sorgt für Tumult

Ich bin sauer! So richtig sauer! Eigentlich schon wütend. Dass ich diesen Film nicht entspannt genießen konnte, sondern im Hintergrund immer ein schaler Geschmack mit mischte. Denn was diese Verfilmung der sagenumwobenen Rajputen-Königin „Padmavati“ in Indien schon seit Drehbeginn im Januar 2017 auslöste, ist einfach zu bitter. Drehorte wurden vom wildgewordenen Mob zerstört, Menschen begingen angeblich Selbstmord, drohten mit Selbstanzündung, die Zensurbehörde und Hindu-nationalistische Gruppen sorgten dafür, dass der Release um Monate verschoben wurde, sogar ein Kopfgeld wurde für die Hauptdarstellerin ausgesetzt! Einfach nur, weil das Gerücht aufkam, es könnten erotische Traumsequenzen zwischen der hinduistischen Königin und dem muslimischen Angreifer zu sehen sein. Ein Gerücht! Nichts von alledem war wahr!

Nach dem die Zensurbehörde den Konflikt scheinbar durch eine Umbenennung des Films von „Padmatavi“ in „Padmaavat“ entschärfen wollte (ihr Ernst?) und der Film endlich seinen Kinostart feiern konnte, gingen die Tumulte weiter, Autos wurden vor den Kinos angezündet, sogar ein Schulbus mit Kindern mit Steinen beworfen!!! WAS LÄUFT DA SCHIEF BEI EUCH liebe Inder??? Warum tickt ihr nicht genauso aus, wenn es um die wirklichen Probleme in Indien geht? Armut, Wahrung von Frauenrechten, Bildung für Menschen, die sie sich nicht leisten können. Stattdessen habt ihr nichts Besseres zu tun, als eure gesamte Energie in diese Kontroverse um einen verdammten Film zu stecken? Eine Fiktion! Ein Märchen, das so gar nichts mit der Realität zu tun hat. Wo ist euer Hindu-Stolz, wenn Frauen im wahren Leben schlecht behandelt werden? Ich verstehe euch nicht!!! Und ich will es auch nicht verstehen. Ich wünschte nur, ich hätte von all dem nichts mitbekommen. Dann hätte ich mich einfach nur an einem opulenten Kostümfilm erfreuen können.

Denn abgesehen von all diesen wahnsinnigen Ausschreitungen drum herum, ist der Film eine wahre Augenfreude für Fans von herrlichen Filmkulissen und überbordenden Kostümen. Deepika Padukone spielt Padmavati so voller Stolz und Würde und Weisheit, wie könnte man da annähernd davon ausgehen, diese Verfilmung würde diese historische (fiktive) Figur in irgendeiner Weise verunglimpfen? Selten so eine würdevolle Königin gesehen. Und ganz besonders stark ist der Auftritt von Ranveer Singh als muslimischer Bösewicht Sultan Alauddin Khilji, der vor lauter Machthunger über alle möglichen Leichen geht und dabei keinen Anstand kennt…am Ende zum armen Irren wird in seinem Wahn, unbedingt die Schönste aller Schönen, die Rajputen-Königin, zu sehen. Großartig gespielt! Einen sehr guten Eindruck seiner überzeugenden Rolle liefert der Song „Khalibali“.

Warum man ihm allerdings einen Diener zur Seite stellen muss, der seinen Herrn auch auf andere Weise liebt und sich darüber ständig lustig macht, habe ich nicht verstanden. Auch nicht, warum es allgemein gesehen so heroisch sein soll, sich als Frau lieber dem Feuertod zu opfern, statt in die Hände der Feinde zu fallen. Gut, in diesem Fall bringt es dem Zuschauer eine gewisse Genugtuung, weil das nun wirklich die größte Strafe für diesen miesen Sultan war, die er je hätte bekommen können. Aber auch nur, weil es ein glattgebügeltes Märchen auf der Leinwand ist (keine Falte zierte dort jegliches Gesicht). Und trotzdem fühlen sich alle möglichen Gruppen auf den Schlips getreten inklusive der Muslime, die sich durch die Darstellung als barbarische anstandslose Eroberer ebenso in ihrer Ehre mit Füßen getreten fühlen wie die Hinduisten in ihrem merkwürdigen Stolz was diese mythische Gestalt Padmavati betrifft.  Ach lasst mich doch alle in Ruhe mit eurem ewig währenden religiösen Gemetzel…es soll auch solche Filme geben dürfen! Als Europäer kann ich hier nur ungläubig mit dem Kopf schütteln, was diese Verfilmung in Indien ausgelöst hat. Da fehlt mir jegliches Verständnis.

 

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Secret Superstar – eine Liebeserklärung an alle Mütter

Wenn es einen guten Grund gibt, für einen indischen Film ins Kino zu gehen, dann ist es ein Aamir Khan Film! Hier gibt es definitiv gesellschaftskritischen INHALT, der zu Herzen geht. Und diese süßeste Liebeserklärung der Welt an alle wirklichen Stars im wahren Leben: Mütter, füllt einen mit ganz viel Liebe. Und ich kann es nicht oft genug sagen: in einer von Hass und Gewalt geprägten Gesellschaft kann es nicht genug von solchen Filmen geben. Männer, die ihre Frauen schlagen, gibt es leider noch viel zu oft. Aber Frauen sollten zurück schlagen. Nämlich auf ihre Art.

Abgesehen davon, dass mir als Aamir Khan Fan allein schon deshalb das Herz aufgeht, ihn endlich mal wieder auf der Kinoleinwand zu sehen…diese Geschichte hat Hand und Fuß, tolle Schauspieler mit ganz viel Herz, neben ganz viel Dramatik auch ganz viel Witz (Aamir Khan schafft es ja schon allein mit seiner Mimik einen Lachflashmob im Kopf auszulösen) und schöne Musik. Ich hoffe, man liest in diesen Zeilen ganz viele funkelnde Herzen. Ich bin verliebt in diesen Film. Eine Mutter, die über alle ihre Grenzen geht, um der Tochter einen Traum zu ermöglichen…das kann ein Europäer wahrscheinlich nur im Ansatz erahnen, was das für eine schier unüberwindbare Hürde sein kann. Wenn auch nur eine Frau dadurch mehr Mut bekommt, ihren Weg zu gehen, ist damit unendlich viel erreicht.

I love you Aamir! ❤ Und von deinem Song kann ich auch nicht genug bekommen. Superhit!

 

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Agnyaathavaasi – WTF?

Eigentlich wollte ich diesem Film keine einzige Zeile widmen. Aber ich muss wenigstens jeden davor warnen, der die gleiche Dummheit wie ich begehen und diesen Film schauen möchte. Ich habe verdammte 15 Euro für diese Lebenszeitverschwendung ausgegeben. Der Gesinnung dieses Films nach müsste ich mich dafür jetzt selbst grün und blau schlagen. Denn dieser Film verherrlicht Gewalt auf ganzer Linie, Rache ist cool, Schläger sind obercool, jemanden zu ermorden ist der normale Weg, Schwierigkeiten beiseite zu schaffen. Dafür braucht man dann auch keine große Story. Den größten Teil gesprickt mit dem mir verhassten indischen Slapstickhumor (boah, ist das lustig, wenn sich zwei Frauen um einen Mann schlagen…nicht!) ist der Film wirklich das grauenhafteste Produkt, dass ich je aus indischem Lande gesehen habe! Mehr möchte ich dazu jetzt auch nicht sagen außer: Bitte keinen Nachschlag!

 

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Tiger Zinda Hai – Tiger lebt, und zwar mächtig gewaltig

Der indische (Ex-)Geheimagent Tiger (ich würde ihn ja eher „der Bulle von Indien“ nennen) und seine pakistanische Frau, die ihrerseits für den pakistanischen Geheimdienst tätig ist, kämpfen hier zusammen(!!!) gegen Terroristen im Irak, um pakistanische und indische Krankenschwestern zu befreien, die dort als Geiseln fest gehalten werden.

Klingt erstmal wie ein mordsmäßiger klassischer Actionfilm (und ein Kinopublikum mit 98% Männeranteil bestätigt das auch), trägt aber eine ungeheuer liebenswürdige Botschaft in sich, die UNBEDINGT auf die Leinwand gehört. In der Realität würde es nämlich NIEMALS in Frage kommen, dass Inder und Pakistaner sich zu einer gemeinsamen Mission zusammen schließen.  Hier wird aber gezeigt, wie erfolgreich sie Seite an Seite gegen einen skrupellosen, übermächtigen Feind kämpfen können, wenn sie ihre Kraft mal nicht darauf verwenden, gegeneinander zu kämpfen. Und lassen sogar ihre Fantasie spielen und malen sich aus, was alles erreicht werden könnte, wenn man das Geld nicht in gegenseitige Aufrüstung stecken würde, sondern in Schulen und Bildung. Am Ende der Mission schwenken sogar pakistanische und indische Flagge neben einander als Zeichen des Sieges. Wahhhhhnsinn! Wo sonst in der Realität ständig Hass gegeneinander geschürt wird, sieht man hier, wie es sein könnte, wenn man für eine menschliche Sache die angestauten Feindschaften einmal ruhen lässt.

Der typische Salman Khan Fan kommt hier gewohnt auf seine Kosten. Der Tiger, dessen Körper zu 100% aus Muskelmasse besteht (aber ja, dafür ist sein Herz umso weicher), kämpft fast allein gegen Heerscharen von Terroristen. Seine taffe pakistanische Frau (Katrina Kaif) darf natürlich auch ordentlich mit mischen, das sorgt aber bei den klassisch indischen männlichen Zuschauern eher für Belustigung (ich fands super). Manchmal glaubt man sich in mitten einer wüsten Computerspielschießerei. Kein Problem für den Tiger, wild um sich knatternd dutzende Terroristen zu erledigen, ohne selbst einen einzigen Kratzer zu erleiden. Herrlich. Nehme ich persönlich sehr humoristisch und als unterhaltsam an. Für manche sonst bollywoodinteressierte Zuschauerin ist es vielleicht zu blutrünstig. Ich bin eben ein Salman Khan Fan und kann das ab.

Fazit: geniale Botschaft in gewohnter Salman Khan-legedichnichtmiteinemverwundetenTigeran-Manier

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Drum prüfe, wer sich ewig bindet…

Ravi V. Patel nimmt uns hier persönlich und live mit auf seine große Suche nach einer Frau, die er heiraten kann, um dem Wunsch seiner Eltern nachzukommen, die ganz genaue Vorstellungen davon haben, wie man die indische Tradition auch im Ausland fort führen sollte. Sein Vater wanderte damals in die USA aus und Ravi ist dort aufgewachsen und nun zwiegespalten. Er steht unter so einem emotionalen Druck, dem Wunsch seiner Eltern nach traditionellen Heirat mit einer Inderin nachzukommen, dass er den schwerwiegenden Fehler begeht, sich von seiner 2jährigen Beziehung zu trennen, die er bis dahin vor seinen Eltern verheimlichte, da diese Amerikanerin ist. Nun ist er frei für die Suche nach einer indischen Ehe. Oder doch nicht?

Die Eltern wissen, was sie zu tun haben. Sie sind verantwortlich dafür, ihm eine Braut auszusuchen. Hunderte Biodaten von heiratswilligen Inderinnen werden eingesammelt, ausgewertet und aussortiert. Hier gibt es viele Möglichkeiten, diesen wahnsinnigen Heiratsvermittlungsmarkt auf die Schippe zu nehmen. Immer sehr humorvoll, aber wir wissen genau, wie durchaus diskriminierend dieser Heiratsmarkt sein kann. Bloss nicht zu dunkle Haut haben, dann ist man schon raus. Und nicht nur die Bildung der zukünftigen Frau zählt, sondern auch die Bildung der Eltern, Leidenschaften, Haustiere, und einfach jede verfügbare Information werden hier in die Waagschale geworfen.

Ravi ist wirklich sehr geduldig, sein Bestes zu geben. Er meldet sich bei indischen Partnerbörsen an, trifft unendliche viele Frauen, fährt quer durchs Land. Aber keine scheint ihm zu gefallen und anders herum. Die Eltern sind verzweifelt und meinen, er strengt sich nicht wirklich an. Irgendwann wird es Ravi dann aber doch zuviel, denn bei der sehr intensiven Suche nach der Richtigen ist ihm zum Glück endlich ein Licht aufgegangen. Die Richtige war immer da. Dies muss er nun seinen Eltern beichten.

Es ist wirklich super unterhaltsam, diesen unglaublich erdrückenden Weg dokumentarisch mit Ravi zu gehen. Seine Schwester Geeta filmt das Ganze und so hat man schnell das Gefühl, dass man Teil dieser Familie ist. Alle sehr sympathisch, aber der Druck der Heirat schwebt über allem wie das Damoklesschwert. Für die Eltern ist der Druck gegenüber ihrer indischen Herkunft und Gesellschaft genauso groß, so dass Ravis Vater ihm letztlich sogar vorwirft, er würde ihn für einen Versager halten, wenn er Single bleibt. Am Ende aber müssen sie einsehen, dass es keinen Sinn macht, eine Tradition aufrecht zu erhalten, die ihren Sohn nicht weiter bringt und nicht glücklich macht.

Filmisch sehr clever gemacht: wenn es etwas ernster wird und die Beteiligten dies nicht unbedingt vor der Kamera austragen möchten, wird Zeichentrick angewendet. So bleibt alles im Rahmen, mit dem alle gut leben können. Eine sehr humorvolle Kritik an einer Tradition, die kaum in Frage gestellt wird. Hat mir Spaß gemacht, mit Ravi auf diese beschwerliche Reise vieler Erkenntnisse zu gehen. Auch wenn es natürlich sehr deprimierend für ihn ist, wird es immer mit genügend Augenzwinkern dargestellt. Ravis Vater hat auch ein paar schlaue Weisheiten aus seiner 35jährigen Ehe parat. Lohnt sich 🙂

https://www.meetthepatelsfilm.com/

Gesehen  bei Netflix: https://www.netflix.com/de/title/80005321 

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The Big Sick – Love isn’t easy

Der mit seinen Eltern aus Pakistan in die USA eingewanderte Kumail hat sich in Emily verliebt, verschweigt das aber vor seinen Eltern, die von ihm erwarten, dass er gefälligst eine Pakistanerin heiratet. Als Emily erfährt, dass sie verheimlicht wird und Kumail von seiner Mutter ständig „plötzlich hereingeschneite“ junge Damen als potenzielle Ehefrauen vorgestellt bekommt, macht sie wütend mit ihm Schluss. Kurz darauf fällt sie ins Koma und Kumail wird nun mit ihren Eltern konfrontiert.

Wie sagt Emilys Vater so schön: „Love isn’t easy. That’s why they call it love.“

loveisnteasy

In diesem Fall sind die Umstände wirklich verdammt hart. Aber so herzlich und intelligent verpackt, dass einem warm ums Herz wird. Und wie so oft hat das wahre Leben uns hier eine herzergreifende Geschichte geschrieben, die sich zwar erdrückend tragisch, dramatisch, ja geradezu katastrophal darstellt (man kann sich zwischenzeitlich kaum vorstellen, dass das noch gut enden kann), aber mit so einem feinsinnigen Humor ausgestattet ist, dass einem das Lachen eben nicht vergeht. Im Gegenteil. Dank der grandiosen Figuren und Situationskomik kann man jederzeit herzhaft lachen. Nicht nur über Dinge, über die man eigentlich keine Witze machen darf. Aber genauso reicht es auch, wenn Kumail seinen einzigartigen Blick aufsetzt, der schon allein so viel Witz widerspiegelt, dass man gar nicht anders kann, als unvermittelt mit schmunzeln. Oder die Wortgefechte, die er sich mit Emily liefert. Während sie behauptet, dass sie eine Beziehung im Moment so gar nicht gebrauchen kann und er daraufhin seine berühmte 2-Tage-Regel zum Besten gibt, nach der er nicht länger als 2 Tage mit einer Person zusammen sein kann. So ernsthaft wie möglich von beiden klar gestellt, doch weiß man als Zuschauer schon genau, das können und wollen sie doch nicht ernst meinen. Das Risiko für Kumail, dass sich hier eine Beziehung entwickeln könnte, ist als westlicher Zuschauer wahrscheinlich nicht im Ansatz nachzufühlen. Sein Cousin wurde schon aus der Familie verbannt, weil er eine „Weiße“ geheiratet hat. Ich selber kenne persönlich einen Fall, in dem der (indische) Mann durch die Familie so unter Druck stand, dass er sich zwangsweise mit einer Inderin verheiraten ließ, obwohl er einen Monat zuvor seine hochschwangere „weiße“ Freundin geheiratet hatte. Es gibt natürlich auch genauso Fälle, in denen die hier lebenden Familien so offen für alles sind, dass man nur staunen kann. Aber bei Kumails Familie dreht sich alle darum, die pakistanischen Wurzeln aufrecht zu erhalten. Gefühlt bekommt Kumail täglich eine neue Braut vorgestellt. Wie groß muss der Druck für diese armen Frauen sein, wenn ihnen ständig damit gedroht wird, sie würden als Äpfel mit braunen Stellen in der Kiste ganz unten landen, wenn sie nicht bald heiraten. Unverheiratet zu sein ist absolut inakzeptabel. Das andere Problem, mit dem Kumail fast täglich konfrontiert wird: mit pakistanischer Herkunft ist man potenzieller Attentäter. Was habe ich gelacht, als Emilys Vater schon immer mit so jemandem…also…einem Menschen…über den 11. September reden wollte. Kumails witzigste Antwort ever auf diese Frage, wie es für ihn war, habe ich gefeiert. Ehrlich. Dafür liebe ich diesen Film und hätte am liebsten eine ganze Serie davon.

Fazit: Zauberhaft! Die Darsteller, die Geschichte, die Situationskomik, der humoristische Umgang mit Vorurteilen, die Überreaktionen im Eifer des Gefechts, die Streitereien, die Darstellung kultureller Problematiken…alles einfach zauberhaft! Familientauglicher Film für die Weihnachtszeit.

http://www.thebigsickmovie.com

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