Bollywoodelfe's Blog

Eine deutsche Sicht auf Bollywood, Indien , Pakistan

Mogli – Düstere Legende des Dschungels

Ich habe inzwischen den Überblick über die zahlreichen Dschungelbuch-Verfilmungen verloren…diese Version von Netflix hat zwischen den Gute-Laune-Movies seine Nische gefunden, denn sie ist nur für Erwachsene geeignet. Für Kinder ist das Dschungelleben eindeutig zu realistisch düster und dramatisch gewalttätig dargestellt. Hier gibt es kein fröhliches Singen mit Balu oder Herumtollen mit anderen Tieren. Wer zu schwach ist, überlebt hier nicht im Dschungel. Das Überleben muss ständig trainiert werden und ist überhaupt nicht lustig. Es ist blutig, mörderisch und jederzeit gefährlich. Ständig muss man sich behaupten, keine Verschnaufpause. Düster bis zum Schluss.

Sehr gelungen finde ich die Animation in realer Umgebung. Das Dorfleben der indischen Bevölkerung mutet schon fast bollywoodesk an (ein kleiner Bruch inmitten aller Düsternheit), wenn Mogli mit den Dorfbewohnern Holi feiert. Aber das kleine neu gefundene Glück zwischen Menschen hält nicht lange an, schon gibt es wieder dramatische Kampfsituationen gegen Tiger Shir Khan (irgendein Khan spielt ja immer eine Rolle;).

Durch den Film getragen hat mich die schöne indische Hintergrundmusik.

Wer mal eine sehr sehr düstere Dschungelbuch-Verfilmung sehen möchte, ist hier an der richtigen Stelle.

Zu sehen bei Netflix: https://www.netflix.com/de/title/80993105  

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Teefa in Trouble – wer bekommt die Braut

Über diesen Film muss ich nachhaltig schmunzeln. Weil er viele Dinge beinhaltet, die ich eigentlich nicht so mag, aber irgendwie hat er mich dann doch bis zum Schluss so gut unterhalten, dass ich die dafür investierte Zeit am Ende nicht bereut habe.

Die Story ist jetzt nicht gerade originell: Damit Anya den (nicht gerade ansehnlichen) Sohn von Gangster Butt heiraten kann, will Teefa (gespielt von Ali Zafar) sie von Polen nach Pakistan entführen. Wie man sich schon denken kann, entwickelt Teefa Gefühle für sie, was natürlich zu großen Konflikten führt. Immerhin wird in einer Szene noch veranschaulicht, dass Anya ja wohl auch selbst gefragt werden möchte, mit wem sie verheiratet wird. Und Möchtegern-Gangsta Teefa, der natürlich keine Probleme hat, allein gegen 10 Männer zu kämpfen und problemlos mit unmenschlichen Parcouring-Stunts zu Fuß Autos in der Stadt verfolgen kann, erkennt am Ende, dass Geld doch nicht alles ist. Also von der Geschichte her eine recht einfach gestrickte Lovestory mit dem üblichen Slapstick-Klamauk, für den hauptsächlich der Kumpel von Teefa zuständig ist.

Inwieweit die polnische Tourismus-Industrie hier beteiligt war, weiß ich nicht, aber es sind sehr schöne und professionell gut gemachte Aufnahmen aus Polen zu sehen, von Warschau und Umgebung. Ebenso wie von Lahore. Bilder von Lahore sind ja eher selten zu sehen. Sehr spannend finde ich persönlich, dass ich jetzt keinen auffälligen Unterschied zu einem indischen Film sehen würde. „From Pakistan with love“ ist vielleicht gar nicht so übertrieben, da man schon irgendwie spürt, dass der Film mit Liebe gemacht wurde.

Zu sehen bei Netflix: https://www.netflix.com/de/title/81036338 

 

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Bucket List – Herzenswünsche

Die 40jährige Madhura (Madhuri Dixit) benötigt eine Herztransplantation und nachdem sie tatsächlich ein Herz von einem Unfallopfer bekommt, verspürt sie den Drang herauszufinden, wer der Spender ihres neuen Herzens war. Das Herz gehörte der 20jährigen Sai und nachdem Madhura auch Kontakt zu deren Freunden herstellt, findet sie heraus, dass Sai eine „Bucket List“ erstellt hatte mit Dingen, die sie unbedingt vor ihrem 21. Lebensjahr gemacht haben wollte. Madhura hat das starke Bedürfnis, sie müsse diese Liste abarbeiten in Vertretung für Sai. Zuvor nur als Mutter, Ehefrau und Familienversorgerin dafür sorgend, dass es allen anderen gut geht, findet sie beim Erfüllen der Aufgaben mehr zu sich selbst als die 40 Jahre zuvor und erkennt aber für sich am Ende, dass sie so eine Liste doch nicht benötigt, um ihrem Leben noch mehr Inhalt zu geben, da ihr Mann ja schon ihrem Leben genug Inhalt gibt. Klingt komisch? Ist es auch…

Was mir persönlich nicht gefallen hat:

-die Bucket List hätte viel spannendere Ereignisse bereit halten können. Die wirklich witzigen Dinge wie Glatze schneiden oder tätowieren, hatte Sia wohl schon erledigt. Die hier gezeigten Aufgaben sind ziemlich unaufregend

-es kam überhaupt keine emotionale Stimmung auf. Es plätschert alles etwas belanglos vor sich hin

Warum ich den Film nicht gänzlich als verschwendete Zeit ansehe:

-Madhura Dixit ist einfach so zauberhaft und charmant, dass man ihr auch stundenlang zusehen kann, ohne den Film an sich gut zu finden

-es ist ganz gut, sich mal wieder Gedanken darüber zu machen, ob es noch unerfüllte Wünsche gibt, die man noch unbedingt in diesem Leben machen wollte. Meine persönliche Liste besteht eigentlich nur daraus, immer wieder etwas Neues zu machen und zu entdecken

Zu sehen bei Netflix: https://www.netflix.com/de/title/81029848

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Andhadhun – Blinder Zeuge

Es ist fast nicht zu glauben, aber indische Filme können mich nach all der Zeit doch immer noch überraschen. Eine ernstzunehmende schwarzhumorige Krimikomödie wie diese habe ich wirklich selten gesehen. Man hat viel zu lachen, obwohl alles unglaublich blutrünstig ist und durch vielerlei illustre Absurditäten, die hier passieren, ist es jederzeit unvorhersehbar und spannend bis zum Schluss. Wunderbar! Sehr gelungen. Vom Inhalt darf ich leider so gar nichts verraten, denn jedes Detail wäre schon zu viel verraten. Nur so viel: Gute Unterhaltung!

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No toilet, no bride

Vielleicht kennt ihr den Freitagswitz: „Wo befindet sich beim Inder die Toilette? Am Ende des Ganges“.

Das Toilettendilemma in Indien ist in der Realität natürlich nicht witzig. Es gibt mehr Handys als Toiletten, wer als Reisender eine öffentliche Toilette sucht, muss lange suchen. Besonders in dörflichen Gegenden, in denen noch ein Ältestenrat Regeln für das Dorf aufstellt, werden gern aus Tradition die Dinge immer noch so gemacht, wie sie schon immer waren. Weil in einem Sanskrit-Heiligtum geschrieben steht, dass man sein Geschäft fern von Haus und Hof machen sollte (was zu der Zeit, als das Werk entstand, sicher auch ratsam war), wird dies immer noch so praktiziert, obwohl die Möglichkeiten auf ein modernes Toilettensystem durchaus vom Staat gefördert werden. Stattdessen müssen die Frauen nachts auf das Feld, um ihre Notdurft zu verrichten und werden so ein leichtes Opfer für Vergewaltigungen. Die Frauen selbst ändern aber nichts an ihrer Situation, sondern ordnen sich wie so oft (gezwungenermaßen) den Männern unter.

Die im Film dargestellten Situationen sind genauso geschehen. Frauen, die nachts aufs Feld müssen, werden leichter Opfer von Vergewaltigungen und es gibt auch die Geschichte von der Braut, die ihren Ehemann verließ, weil er keine Toilette im Haus hatte. Immer mehr Frauen weigerten sich in den letzten Jahren einen Mann zu heiraten, der keine Toilette vorweisen konnte getreu dem Motto „No toilet, no bride“.

In diesem Artikel ist das Toilettendilemma in Indien sehr schön zusammengefasst:

https://www.zeit.de/2015/20/hygiene-indien-toiletten-mangel/komplettansicht

Der bollywoodreife Stoff wurde nun sehr unterhaltsam mit „Toilet“ verfilmt und wird hoffentlich auch viele Menschen in Indien erreichen und zum Nachdenken bringen, die das Thema lieber nicht öffentlich besprechen wollen. Akshay Kumar kann den Konflikt zwischen den fast religiös fanatischen Ansichten seines Vaters gegenüber neuen Lebensweisen sehr gut nachvollziehbar darstellen. Nicht nur, dass er sich wegen seines schlechten Horoskopes schon mit einer Kuh verheiraten musste…eine Braut mit zwei Daumen zu finden wäre ohne einen Trick nicht gelungen. Ein Vater mit solch unabweichbaren traditionellen Vorstellungen vom Leben einer Frau in seinem Hause in Einklang mit seiner gebildeten modernen Frau zu bringen, war fast unmöglich. Dass der Film letztlich doch noch eine gute Wendung nehmen kann, scheint mit diesen verhärteten Fronten kaum zu glauben.

Zu sehen bei Netflix: https://www.netflix.com/de/title/80199962

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Padman – ein realer Superheld hat’s schwer

Es gibt auch im realen Leben Superhelden. Man kann sich (als Nicht-Inder) nicht annähernd ausmalen, was für schwere Brocken dem armen Arunachalam Muruganantham in den Weg gelegt wurden, der eigentlich nur das Beste für Frauen wollte und vorhatte, das Leben von indischen Frauen revolutionär mit bezahlbaren Damenbinden zu verbessern. Das menstruale Tabu war der größte Kampf seines Lebens.

Als moderne Frau möchte man die Frauen, die dem „verrückten Bindenmann“ das Leben so schwer machten, am liebsten kräftig durchschütteln und ohrfeigen, bis sie sich eines Besseren besinnen, aber man darf natürlich nicht vergessen: sie sind in einer ganz anderen Kultur aufgewachsen und gerade die Frauen im Dorf haben oft nicht die Bildung, die ihnen Aufklärung bietet. Trotzdem ist man den großen Teil des Films richtig richtig wütend auf die unbelehrbaren Frauen, die das Thema Monatsblutung gern totschweigen, sich 5 Tage wegen „Unreinheit“ aus dem Haus vertreiben lassen und lieber Krankheiten in Kauf nehmen, weil sie einen schmutzigen Lappen benutzen, den sie dann zum Trocknen auch noch unter dem Sari verstecken. Als „Padman“ dies bei seiner innig geliebten Frau entdeckt, will er, dass sie lieber saubere Binden benutzt. Diese sind aber so teuer, dass sie ihn dazu zwingt, die gekauften Binden zurück zu geben, da sie sich das nicht leisten können. „Padman“ ist verzweifelt, will er doch auf keinen Fall, dass seine Frau dadurch ernsthaft erkrankt, wie ein Arzt ihm bestätigt. Er versucht Binden selbst herzustellen, und da fängt das riesige Problem an. Sobald er das Thema anspricht, werden alle Frauen in seiner Umgebung hysterisch und schämen sich zu Tode. Es gibt zahlreiche Verwicklungen, weil er versuchen will, die Binden zum Test und als gut gemeintes Geschenk an die Frau zu bringen. Die Frauen seiner Familie sind schon alle gegen ihn, seine Frau will ihn aus Scham verlassen. Schließlich geht er einen Schritt zuviel und testet die Binde selbst auf ihre Funktion, worauf hin es ein riesen Drama im Dorf gibt und sie ihn schon am Baum aufhängen oder verprügeln wollen. „Padman“ sieht ein, dass er hier nicht weiter kommt und verlässt schweren Herzens seine Familie und das Dorf.

Nun wird sein schwerer Weg bis zur Herstellung einer Maschine, die für nur 2 Rupien statt 55 Binden herstellt, aufgezeigt. Im Film sind es dann glückliche Umstände und eine kluge Frau, die ihn letztlich ans Ziel führe. Nachdem er seine Innovation erfolgreich an einem Institut vorführen konnte, kommt alles ins Rollen und er kann seine Maschine im ganzen Land von Frauen kaufen lassen, damit sie die Binden selbst herstellen und verkaufen können.

Es ist mein erster Akshay Kumar-Film nach bestimmt 15 Jahren. Zum Glück konnte ich meine persönliche Aversion gegen ihn außer Acht lassen, weil dieser Film unendlich wichtig für die Bildung von Frauen zu diesem Thema ist. Im Film erzählt „Padman“, dass man „lebt“, wenn man Probleme überwinden muss. Ich hätte mir nie vorstellen, wie groß dieses Problem in Indien ist. Selbst heute noch wird an Tempeln mit Verbotsschildern darauf hingewiesen, dass Frauen den Tempel während ihrer Menstruation nicht betreten dürfen, weil sie zu der Zeit „unrein“ sind. Das sind wieder so Momente, wo man ungläubig den Kopf schütteln muss, weil man es einfach nicht versteht. Hoffen wir, dass der Film wirklich zu etwas mehr Offenheit führen wird. Dass „Padman“ dieses Durchhaltevermöge hatte, grenzt an ein Wunder und man kann ihn tatsächlich mit einem Superhelden vergleichen.

Zu sehen bei Netflix: https://www.netflix.com/TITLE/81016191 

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MOM – die Rache einer liebenden Mutter

Dieser Film ist nichts für schwache Nerven. Bei Vergewaltigung geht es aber auch nicht um Wohlfühlkino, sondern ist an sich ja schon spannungsgeladenes Thema. Wie schon in dem empfehlenswerten Film „Ajji“ geht es um Rache, nachdem die  Vergewaltiger eines Mädchens aus haarsträubenden Gründen vom Gericht frei gesprochen werden.

Wie heißt es so schön in einer Szene: „Gott kann nicht über allem wachen“ – „Ja, ich weiß, aber dafür hat er die Mütter erschaffen“. Was bleibt der (Stief)Mutter, gespielt von der großen Sridevi, die leider im Februar diesen Jahres verstarb, hier anders übrig, als zu überlegen, etwas falsches oder sehr falsches zu tun, wenn sie mit ansehen muss, wie grausame Individuen das Leben ihrer Tochter sogar auslöschen wollten, aber auf jeden Fall nachhaltig geschädigt haben, denn mit so einem Ereignis wird man nie wieder an das vorherige unbeschwerte Leben anknüpfen können. Allein gelassen von Polizei und Justiz muss man doch zwangsläufig an Selbstjustiz denken, wenn die Täter ohne jegliche Bestrafung fröhlich und ohne Einschränkung weiter leben können, während das Leben ihrer Tochter zerstört wurde. Ihr zu Hilfe kommt einer meiner liebsten Schauspieler Nawazuddin Siddiqui, ein Privatdetektiv, der das Leid der Mutter nachvollziehen kann. Er sammelt Informationen zu den Tätern, damit sie ihre Rachepläne schmieden kann, um deren Leben ebenso zu ruinieren. Das ist dann auch sehr spannend und man weiß als Zuschauer natürlich, dass es irgendwie nicht richtig ist, aber auf der anderen Seite muss es auch irgend eine Bestrafung für die Täter geben.

Die ersten Rachefeldzüge funktionieren auch sehr gut und wie geplant; dann nimmt es aber doch einen Verlauf, der am Ende nochmal für sehr viel Dramatik sorgt, denn sowas kann letztlich ja doch nicht gut gehen.

Spannend bis zuletzt, mit Bollywood-Größen wie Sridevi, Nawazuddin Siddiqui, Akshaye Khanna. Sridevi bekam nicht umsonst sehr viele Filmawards für diese Rolle. Die Dramatik ist typisch bollywoodesk überzogen, am Ende vielleicht etwas zu übertrieben und unrealistisch. In jedem Fall ist die Botschaft klar: Immer konfrontiert mit der extrem schwierigen Frage im Hinterkopf, ob man wirklich Rache nehmen darf oder die Täter eines so schwerwiegenden Verbrechens ungestraft lassen sollte.

Zu sehen bei Netflix: https://www.netflix.com/title/80201175 

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Der alte Mann und das Radio im Ohr

Dieser Film hat mich tief berührt! Weil alles so echt ist…als wäre es mein eigener Großvater, mit dem ich mitleiden muss, wenn er Tränen vergießt; mit dem ich mitlachen muss, wenn er sich über die kleinsten Dinge freut; mit dem ich am liebsten jeden Tag verbringen würde, den ich am liebsten umarmen würde und mich um ihn bis ans Lebensende kümmern möchte.

Der 70jährige Arunachalam hat es nicht leicht mit seinem erwachsenen Sohn. Der ist einfach nur genervt von seinen Eltern und zertrümmert aus Wut das geliebte altertümliche Radio des alten Mannes, der dieses innig liebte, weil er es mit so vielen Erinnerungen an seinen Vater verband. Es fließen Tränen. Tränen, die wirklich berühren. Der Sohn nutzt die Gelegenheit dieses Wutanfalls, lässt seine Eltern nun vollkommen im Stich und zieht aus. Wie kann jemand so grausam zu seinen Eltern sein?

Nun müssen Arunachalam und seine Frau Lakshmi allein zurecht kommen.  Arunachalam geht in seinem hohen Alter noch in einer Fabrik arbeiten. Seine Kollegen lieben ihn. Ihn muss man einfach lieben. Irgendwann beginnen die Geräusche in seinen Ohren. Der Arzt wird es das „Musik-zwischen-den-Ohren“-Syndrom nennen. Es ist eher psychischer Natur bedingt durch die Sehnsucht nach der Vergangenheit. Ihm ist es anfangs unheimlich, aber nach einer Behandlung auf Drängen des Sohnes sind die Geräusche vorläufig weg und er verliert gänzlich seine ansteckende Lebensfreude. Als die Geräusche eines Tages wieder kommen, hat er also wahre Freude daran und rockt zu seiner nur für ihn hörbaren Musik im Kopf gigantisch ab. Es ist zum Schreien schön.

Es gibt sehr viele traurige Momente, aber auch sehr viele schöne Momente im Leben des alten Ehepaares. Wir dürfen sie ein Stück weit begleiten und sie wachsen einem schnell ans Herz. Wieso ihr Sohn so grausam zu ihnen ist, bleibt einfach unbegreiflich.

Es muss nicht immer eine klassische dramatische Liebesgeschichte sein, die einen zu Tränen rührt. Dieser Film erweckt auch die letzten versteckten Emotionszellen und hinterlässt ein warmes, angenehm mitfühlendes Gefühl.

Das ist wieder eine kleine indische Perle im riesigen Film-Ozean und ich werde mir diesen Film garantiert nochmal ansehen.

Zu sehen bei Netflix: https://www.netflix.com/title/80147318 

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Court – gefangen in Absurdistan

Wenn ihr mal sehen wollt, wie sich aus einer eigentlich an den Haaren herbei gezogene Anklage zu einem unendlichen Gerichtsverhandlungsmartyrium entwickelt, dann seid ihr hier richtig . Der Fall an sich ist zwar fiktiv, aber er könnte sich genauso zutragen und das ist wirklich erschreckend. Wenn ein Polizist dich im Gefängnis sehen will, dann wird er es schaffen, egal wie absurd die Anklagepunkte sind.

Narayan Kamble ist ein Poet, bekommt keine Rente und hält sich mit Unterricht und Gesangsauftritten über Wasser. Wir sehen am Anfang einen schönen Auftritt von ihm und seine Verhaftung. Die Anklage lautet: Beihilfe zum Selbstmord. Ein Kanalarbeiter ist tot aufgefunden worden. Die Polizei geht von Selbstmord aus. Zwei Tage nachdem Narayan Kamble einen Auftritt vor den Kanalarbeitern hatte und angeblich Lieder sang, die zum Selbstmord anstiften. Wir hören einen sehr ausführliche Anklageschrift, die vor Absurditäten nur so strotzt. Trotzdem will der Richter Narayan nicht auf Kaution frei lassen, er muss erstmal in Untersuchungshaft.

So gehen dann auch bald unendliche Prozesstage ins Land. Immer wieder wird der Prozess vertagt, weil irgend ein absurder Beweis geprüft werden muss. Da wurde z.B. ein Brief mit Belanglosigkeiten in der Wohnung des Angeklagten gefunden (Durchsuchung ohne Durchsuchungsbefehl) und weil der Polizist in diesen Belanglosigkeiten einen Geheimcode von Extremisten sieht, verschiebt sich der Prozess um eine weitere Unendlichkeit, weil der Geheimdienst erstmal diesen Geheimcode entziffern soll.

Zwischendurch sehen wir das Privatleben von Verteidiger und Anwältin. Was auch schon wieder absurd wirkt. Es hätte mich ja interessiert, wie es dem armen Angeklagten geht, etwas aus seinem Leben. Stattdessen sehen wir, wie sich der Verteidiger mit seinen Eltern beim gemeinsamen Essen über das Thema Heirat streiten muss und nach Feierabend diverse Spirituosen kauft. Oder die Anwältin der Anklage im Zug nach Hause sitzt und mit ihrer Sitznachbarin über diverse Alltagsthemen spricht. Ganz normale Menschen eben, die aber für den Ausgang dieses absurden Prozesses sehr entscheidend sind und den Fortgang eines Menschenleben entscheidend beeinflussen.

Der Verteidiger kann dann letztlich alle an den Haaren herbei gezogenen Anklagepunkte stichhaltig entkräften. Was aber nicht heißt, dass der arme Poet nicht ohne Strafe davon kommt und sein Martyrium ein Ende hat. Nein, da wartet die Anklage auch schon mit einer neuen Anklage auf und das Drama beginnt von vorne.

Unglaublich deprimierend, wie machtlos man gegen die Mühlen der ewig mahlenden Justiz sein kann. Aber filmisch sehr interessant dargestellt. Es ist jederzeit spannend, wie sich das Drama weiter und weiter zuspitzt. Absurd gut. Der Film wurde zurecht mit einigen Filmpreise ausgezeichnet.

Zu sehen bei Netflix: https://www.netflix.com/de-en/title/80017218

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Ghul – die Geister, die ich rief

Ich bin kein Horrorfilm-Fan. Für diese indische Produktion habe ich mal eine Ausnahme gemacht.

Nida Rahim (Radhika Apte scheint die Lieblingsschauspielerin von Netflix-Produktionen zu sein) ist eine Kadettin des „Protection Squads“. Sie lebt in einem Indien, in dem Religionskriege und Terror dazu geführt haben, dass das Militär die Führung übernommen hat und jeden Glauben unterdrücken will. Es gibt Bücherverbrennungen. Als bei Nidas Vater Bücher gefunden werden, die laut den neuen Gesetzgebungen verboten sind, verrät sie ihn, weil sie glaubt, dass er ein Frevler ist, der Unglück über ihr Land bringt. Sie wird daraufhin in einen abgeschotteten Verhörbunker befördert, wo gefangene mutmaßliche Terroristen gefoltert werden.

Jetzt muss man sich durch die ersten zwei Teile schauen (mordende Ungeheuer sind jetzt nicht sooo überraschend), bis man im wirklich spannenden dritten Teil sogar schon die interessante Auflösung dieser Horrorgeschichte erfährt. Ein Guhl treibt sein Unwesen, in der arabischen Mythologie ein leichenfressendes Fabelwesen. Hier werden wir nun Zeuge, zu was dieser Geist fähig ist und wer ihn herauf beschworen hat.

Was ich sehr gut finde: die Serie hat einen weiblichen Hauptcharakter, den man erst nicht so recht einschätzen kann und immer wieder überrascht. Die Auflösung der Geschichte ist aus meiner Sicht nicht vorhersehbar und hat auf jeden Fall sehenswerte Qualität mit einer großen Warnung an die Gesellschaft, die sich besser nicht in eine solche Richtung entwickeln sollte.

Was ich nicht verstehe: ursprünglich sollte es ein Film werden. Als Netflix sich die Rechte kaufte, machte man eine Mini-Serie mit drei Teilen daraus, um zu schauen, ob man daraus nicht vielleicht eine längere Serie entwickeln könnte. Das finde ich nach dem auflösenden Ende nicht sehr durchdacht. Es ist alles gesagt. Es kann ja nur noch mehr Tote geben wie das unendliche „The Walking Dead“ Abgeschlachte. Aber den Grund kennen wir ja nun. Es hätte aus meiner Sicht gut bei einem Film bleiben können.

Zu sehen bei Netflix: https://www.netflix.com/de/title/80245450 (ich hatte zuerst vergessen, auf Hindi umzuschalten…die deutsche Version hätte ich nicht so ernst nehmen können)

 

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