Bollywoodelfe's Blog

Eine deutsche Sicht auf Bollywood, Indien , Pakistan

Victoria & Abdul – Ein königliches Herz für Inder

Eine innige Freundschaft zwischen Königin Victoria, Kaiserin von Indien und dem indischen muslimischen Bediensteten Mohammed Abdul Karim. Wenn das Leben nicht tatsächlich diese Geschichte (natürlich nur ungefähr so) geschrieben hätte, würde ich meinen, das sei nicht möglich. So viel liebenswürdige Völkerverständigung allen Unterschieden in Schicht, Herkunft und Religion zum Trotz, würde selbst meine unerschütterliche Fantasie nicht annähernd hervor zaubern. Umso schöner, dass diese so unglaubliche Geschichte einen kleinen wahren Ursprung hat.

Ob es am hochbetagten Alter der Queen lag, in dem es einem so langsam egal ist, was die Anderen denken? Müde von den kräftezehrenden, endlos langweiligen Hofprotokoll-Zeremonien ohne herzliche Menschen um sich herum, ständig unter dem Druck, ein riesiges Reich zu verwalten, in dem Wissen, dass sehr viele Menschen sie hassen und Intrigen gegen sie spinnen. Da scheint der warmherzige, weltoffene, menschliche Abdul gerade wie ein retardierendes Moment im Leben zu erscheinen. So scheint es, möchte die Queen am Lebensende ja doch noch einmal ein kleines Fünkchen Glück erleben. Wenn da nicht alle Anderen wären, die Abdul seine plötzliche Gunst bei der Queen missgönnen würden. Ein „Farbiger“, ein Diener, ein Moslem! Was für ein Affront!!!

Für mich als Zuschauer aus einer anderen Zeit ist dieser Affront unheimlich unterhaltsam! Und Judi Dench und Ali Fazal spielen das freundschaftliche ungewöhnliche Paar so liebenswürdig authentisch, dass man denken könnte, es war alles ganz genauso gewesen. Judi Dench ist wahrscheinlich die viel coolere Queen, als die echte Victoria es war. Ganz genau so stellt man sich eine betagte, mächtige Frau mit soviel Last auf ihren Schultern vor. Denn ja, auch sie hat letztlich nur zu dienen.

Eddie Izzard als Prince of Wales hätte ich nie im Leben erkannt. Diesen niederträchtigen, „missratenen“ Sohn hat er ja sowas von unglaublich echt gespielt, und ich hatte ihn doch zuletzt als Komiker live auf der Bühne gesehen. Einfach herrlich.

Es ist mir nicht wichtig, wie verklärt diese Geschichte ist. Ich kann mir denken, dass hier ganz viel süße Mango um die wirkliche Geschichte geschmiert wurde.  Es stört mich auch nicht, dass der Stoff schon fast kitschiger ist als der schmalzigste Bollywoodfilm. Ich möchte auch einfach mal wieder solche schönen Geschichten! Nicht immer nur Hass und Angst und Kälte.

http://www.focusfeatures.com/victoriaandabdul/

 

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„Harry-und-Sally-Syndrom“ auf indisch

Unfassbar! Unfassbar, wie Shahrukh Khan es immer wieder schafft, diesen gewissen Charme auf die Leinwand zu zaubern…abgesehen davon, dass er für sein Alter viel zu gut aussieht, was der Dauerraucher sicher etlichen digitalen Weichzeichnern zu verdanken hat, geht von ihm ja dieses unwiderstehliche gewisse Etwas aus…und in diesem Film kann man das mal wieder so richtig genießen.

Der Titel „Jab Harry met Sejal“ lässt einen ja sofort an „When Harry Met Sally“ denken…vielleicht soll er auf das „Harry-und-Sally-Syndrom“ hinweisen: die Unmöglichkeit, eine rein platonische Beziehung zwischen Männern und Frauen führen zu können. Reiseführer Harry soll Sejal, die auf der Europareise ihren Verlobungsring verloren hat, helfen, ihn wieder zu finden, da ihr Verlobter ihr gedroht hat, dass es ohne Ring keine Heirat gibt (da hat sie wirklich einen netten Verlobten, der sie einfach so zurück lässt). Womanizer Harry, der sich offensichtlich in jeder Stadt mit einer anderen Frau vergnügt, warnt Sejal, dass er wirklich ein böser böser Bad Guy ist. Sejal kann darüber erstmal nur lachen und setzt ihren Willen durch, dass Harry ihr beiseite stehen muss, die Tour noch einmal durch zu gehen, um irgendwo ihren Ring zu finden. Jedem ist natürlich klar, was nun folgen wird…diese Reise wird natürlich nicht rein platonisch enden. Beide haben sich zwar nicht bewusst gesucht, aber am Ende gefunden.

Soweit so gut. Am Anfang wirkt zwar alles noch etwas holprig…Shahrukh als cooler Womanizer…nunjaaaa…und tun wir mal so, als könnten wir uns erst nicht leiden. Aber dann kommt der Film emotional in Fahrt und macht schon Spaß mit den Beiden.

Meine absoluten Highlights:

  • Shahkukh spricht deutsch!!! Als seine sitzen gelassene Freundin aus Frankfurt ihm die Leviten lesen möchte, spricht Shahrukh ein paar deutsche Sätze und zwar sowas von super eingeübt und gar nicht stumpfsinnig auswendig gelernt, dass ich mich zu einem Egal-Witz inspiriert fühlte: Egal wie gut du deutsch sprichst, Shahrukh Khan es besser! LOL
  • die Fado-Sängerin in Lissabon. Das war wirklich wunderschön anzuhören!

Fazit:

Shahrukh Khan Fans kommen hier auf jeden Fall auf ihre Kosten…ansonsten ist es halt typisch Bollywood: keine besonders tiefsinnige Liebesgeschichte, ganz viel Drama & Emotionen, wunderbare musikalische Untermalung, großartige Schauplätze in ganz Europa, Farbspektakel, ein gut aussehender King Khan…alles da!

 

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Lipstick under my Burkha – die Sehnsüchte der Frauen

Ach wie schön! Einer der seltenen indischen Filme, in denen reale indische Frauen dargestellt werden, keine SuperHeldinnen und keine Vamps. Frauen, die versuchen, das Beste aus ihrer Situation zu machen, eingeengt und gefangen in gesellschaftlichen Zwängen, unterdrückt und bevormundet. Und holla, die Waldfee! Da geht es ganz schön realistisch zu, vor allem in Sachen Sex. Die Zensurbehörde hatte zuerst dafür gesorgt, dass der Film nicht veröffentlicht werden darf. Nachdem die Filmemacher dagegen Berufung eingelegt hatten und einige zu eindeutige Szenen heraus geschnitten wurden, darf der Film nun doch auch in Indien starten. Die übrig gebliebenen Szenen erotischen Inhalts sind trotzdem noch hochbrisant für einen indischen Film und ich hoffe, die Hauptdarstellerinnen werden dafür nicht von einem wilden Mob verfolgt, der es nicht zulassen will, dass Frauen auch sexuelle Sehnsüchte haben und von Freiheiten träumen.

Wenigstens das Träumen kann ihnen keiner nehmen. Erzählt wird das Leben von vier Frauen zwischen 18 und 55 Jahren. Shirin, eine junge Mutter von drei Kindern, muss den ständig lieblosen Sex ihres Mannes ertragen und ist ohne sein Wissen eine erfolgreiche Verkäuferin. Leela, eine Kosmetikerin mit ehrgeizigen unternehmerischen Plänen wird gegen ihren Willen verheiratet, obwohl sie ein Verhältnis mit einem Fotografen hat. Rehana hat strenge muslimische Eltern und muss hart in deren Geschäft für Burkhas arbeiten, legt diese aber heimlich im College ab und klaut für ihr weltliches Outfit auch schon mal (da erfüllt die Burkha mal einen interessanten Zweck zum Verstecken der Beute). Und dann ist da noch Tante Usha, verwitwet, die ebenso heimlich erotische Frauenliteratur liest und sich auf ein amouröses Abenteuer telefonischer Art einlässt. Dieses aberwitzige Verlangen einer älteren Dame wird sowas von herzallerliebst von Ratna Pathak dargestellt, dass man zwischendurch vor Heiterkeit tatsächlich jauchzen muss. Auch Konkona Sen Sharma als taffe Haustür-Verkäuferin ist wie immer sehr sehenswert.  Alles in allem ein wirklich liebevoll gemachter, sehenswerter Film über die Sehnsüchte von Frauen.

Sehr köstlich finde ich auch das Video der Hauptdarsteller dazu, wie es wäre, wenn Männer wie Frauen behandelt würden:

Am besten erklärt man in Indien alles mit sehr viel Witz. Das ist hier wirklich gut gelungen. Frau hat noch zu lachen, auch wenn die Geschichten der Frauen eher zum Weinen sind.

Der Film läuft noch auf der IndoGerman Filmweek: Fr, 21.7. 19:30 Uhr und Sa, 22.7. 21:15 Uhr. Viel Vergnügen!

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IndoGerman Filmweek – Hotel Salvation

Morgen ist es wieder soweit: die mittlerweile 5. IndoGerman Filmweek verwöhnt uns mit vielen indischen Filmen und ich darf Tickets für die Berlin-Premiere von „HOTEL SALVATION“ (MUKTI BHAWAN) am 14. Juli um 19:30 Uhr im Kino Babylon verlosen. Anschließend an die Filmpremiere wird es ein Gespräch mit Filmemachern und Hauptdarsteller Adil Hussain geben, der einigen vielleicht als Zoodirektor in „Life of Pi“ bekannt sein dürfte. Der Film feierte seine Weltpremiere bei den Filmfestspielen in Venedig und erhielt unter anderem die UNESCO Gandhi Medaillie. Bei den National Awards in Indien wurden der Film und Adil Hussain als bester Darsteller ausgezeichnet.  HOTEL SALVATION wird Ende des Jahres in den deutschen Kinos zu sehen sein. In der Komödie geht es um Rajiv (Adil Hussain) der seinen alten Vater pflichtbewusst auf eine Reise in die heilige Stadt Varanasi begleiten muss, weil dieser dort auf Erlösung hofft.

Wenn ihr Tickets für die Premiere am 14.7. gewinnen möchtet, hinterlasst mir hier einen Kommentar oder schreibt mir eine Nachricht bei Twitter. Viel Glück und ansonsten schaut gern bei dem einen oder anderen Film auf der Filmweek vorbei!

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Tubelight – der Glaube versetzt Berge

Was für eine Erleuchtung! Nicht die Leuchte, um die es eigentlich im Film geht, sondern der Gastauftritt von Shahrukh Khan als Magier! Wie er es auch nach so vielen Jahren immer noch schafft, einen so unglaublich überraschenden Auftritt hinzulegen…so positiv überraschend. Was für eine tolle Rolle ist das denn bitte wieder? Können wir mehr davon sehen? Ich bin verzaubert! Herrlich! Magisch! Zum Dahinschmelzen!

magiersharukh

Ja doch, allein für diese Szene hat sich der Film für mich schon gelohnt.

Als Salman Khan-Fan habe ich allerdings schon ergreifendere Filme von ihm gesehen. Natürlich steht ihm die Rolle als kleine Dumpfbacke mit dem unschlagbar reinem Herzen super gut, aber so habe ich ihn in letzter Zeit dann doch zu oft gesehen. Und er kommt hier nicht annähernd an seine Rolle in „Bajrangi Bhaijaan“ ran, auch wenn sie so ähnlich gestrickt ist. Ein liebenswerter Trottel versucht die Welt zu ändern und ein kleines Kind wird zu (s)einer Herausforderung.

„Tubelight“ ist eher ein Schimpfwort für Laxman, gespielt von Salman Khan, weil seine Gehirnzellen vor sich hin flackern wie eine erstmals angeschaltete Leuchtstoffröhre. Seine Rechenkünste sind eher so lala, aber vor allem vergisst er ständig, seinen Hosenstall zu schließen. Aber er hat ja seinen Bruder. Der ist zwar jünger, verpasst den bösen Jungs, die Laxman necken, aber trotzdem eine wie ein Großer. So sind die Brüder unzertrennlich und haben sich tooootal lieb, bis 1962 der indisch-chinesische Grenzkrieg ausbricht. Laxman ist untauglich für den Wehrdienst und sein Bruder Bharat muss in den Kampf ziehen. Für Laxman ist dies ein großer Verlust seiner zweiten Hälfte.

Sein Onkel, gespielt vom inzwischen verstorbenen Om Puri, gibt ihm derweil den Auftrag, sich nach den Lehren von Ghandi entsprechend den Feind zum Freund zu machen und mit dem Glauben Berge zu versetzen. Der Feind lauert im Dorf in Form von einer Mutter und ihrem Sohn, die zwar dem Äußeren nach für Chinesen gehalten werden können, aber in Indien geboren sind und sich auch als Inder fühlen.

Als Bharat in chinesische Gefangenschaft gerät, bricht für Laxman eine Welt zusammen. Aber seine große Liebe und sein ungebrochener Glaube daran, dass sein Bruder wieder zurück kommt, macht am Ende natürlich alles wieder gut (natürlich erst, nachdem man bis dahin wieder alle dramatischen Möglichkeiten ausgeschöpft hat).

Leider war mir das alles ein wenig zu gewollt lehrreich, es war zu gewollt auf die Tränendrüse drückend. So richtig mit gelitten habe ich nicht wirklich. Also alles in allem ein ganz netter belehrender Familienfilm mit einer großen Hauptattraktion: dem Magier!

 

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Baahubali 2 – ein cineastisches Kunstwerk aus Tollywood

Das lange Warten auf die Fortsetzung von Baahubali The Beginning aus dem Jahre 2015 hat sich gelohnt! Aber sowas von! Was uns hier wieder an einfallsreichen Kampfszenen begegnet, übertrifft alle epischen Schlachtgetümmel, die man je gesehen hat. Teil 1 endete mit der dramatischen Ermordung des großen Amarendra Bahubali und erzählt nun im zweiten Teil die Geschichte, wie es dazu kam und wie sein Sohn Mahendra Bahubali seinen Vater und die Qualen von 25 Jahren Versklavung seiner Mutter rächt. Wer dachte, es könnte zum ersten Teil kaum eine Steigerung der fantasiereichen Übertreibungen geben wird eines Besseren belehrt: hier wird nochmal richtig abgefeiert, fantasievollere Schlachten und Kriegsgemetzelszenen habe ich wirklich noch nicht gesehen.

Hier stimmt einfach wieder alles! Der unfassbar heroische Hauptdarsteller Prabhas, den man einfach nur vergöttern kann…weil man ihm selbst die unglaublichsten Beweise seiner übermenschlichen Stärke so absolut abnimmt, weil er so unglaublich warmherzig lächeln kann, wenn er verliebt ist, der so unfassbar reinen Herzens ist und allen Menschen nur Gutes will. Das ist ein Filmheld, wie man ihn sich nur wünschen kann!

Und die unglaublich starke Frau an seiner Seite, die so excellent mit ihm im Kampf behaupten kann und sich von niemandem unterdrücken oder ungerecht behandeln lässt. Eine wirklich anbetungswürdige Filmheldin!

Dieser Telugu-Film ist von vorne bis hinten empfehlenswert…unglaublich dramatische und fesselnde Geschichte, geniale Schlachten, ein traumhaftes Liebespaar, fantasiereiche Bilder ohne Ende, wundervolle Musik…haaaaaaaaaach, für solche Filme muss man das indische Kino einfach lieben! Das ist Kuuuuuuuuuuuunst!

Ich schwebe dann mal mit meinem Schwanenschiff dahin, umgeben von Wolkenpferden…

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Badrinath Ki Dulhania – die rebellische Braut, die sich nicht traut

Die Entstehung der Geschichte zu „Badrinath Ki Dulhania“ (Badris Braut) stelle ich mir so vor: Die Tourismusbehörde von Singapur und die Fluggesellschaft wollten mal einen indischen Film sponsern, um ordentlich Werbung für sich zu machen. Damit ist schon mal klar: die Braut muss nach einem Streit nach Singapur abhauen und wird dort ne erfolgreiche Stewardess. Und weil Stewardessen ganz respektable Mäuse sind, machen wir nen Film darüber, dass Frauen in der indischen Gesellschaft immer noch nicht respektiert werden. Und damit die Frau in dem Film so richtig stark rüberkommt, muss der Kerl so richtig dumm und gewalttätig sein. Und der Vater von dem Kerl, dass muss so ein richtig mieser Matriarch sein, der alle Frauen in der Familie unterdrückt. Aber am Ende wird ja alles gut, der böse Vater wird ganz plötzlich lieb und die Braut kann dann doch damit leben, dass der Typ etwas unter ihrem Niveau ist, denn er ist ja total süß und lieb. Und damit das ernste Thema „Frauen Respekt zeigen“ auch beim indischen Publikum ankommt, wird es wie immer mit einer ordentlichen Portion Slapstick gesellschaftsgerecht serviert.

Ich fühle mich total verarscht von diesem Film. Ja natürlich, was will ich auch von einem indischen Blockbuster-Liebesfilm erwarten. Hatte ich auch nicht. Aber diese absurd fingierte Geschichte ist mir dann doch zuviel Gewese um Nichts. Ich habe erstmal die Nase voll von solchen flachen Filmchen. Schön bunt, und Alia Bhatt spielt großartig, keine Frage, aber die vielen Holi-Farben können nicht darüber hinweg täuschen, dass die Geschichte total farblos ist.  Auf tausendundeine von solchen hohlen Liebesdramen kann ich wirklich verzichten, wenn sie vortäuschen, ein ernsthaftes Thema zu behandeln. Schöne hohle bunte Welt.

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Rangoon – und was nun?

Also wenn ihr mal so einen richtig merkwürdigen indischen Film sehen wollt: da ist er! Rangoon ist allerdings nicht unbedingt merkwürdig gut…mehr so die Frage: ist das Kunst, oder kann das weg?

Ich habe schon das Gefühl, dass der Film einen künstlerischen Anspruch haben sollte, aber irgendwie ist bei mir der Funke so gar nicht übergesprungen…und ich bin eigentlich für alles offen.

Die Geschichte hinter dem Film ist eigentlich perfekt für eine dramatische Liebesgeschichte: 1944, der 2. Weltkrieg wütet. Indien steht kurz vor dem Befreiungsschlag aus der Britischen Kolonialherrschaft. Die Sängerin Miss Julia (Kangana Ranaut) soll den Soldaten an der Front mir ihren Auftritten etwas Lichtblick verschaffen. Der Mann, der Julia beschützen soll, kommt ihr näher, als er sollte. Krieg – Liebe und Verrat erwarten den Zuschauer.

Soweit so gut. Wenn da nicht zwischendurch so groteske Szenen wären. Die hässlichen Seiten des Krieges sind so realistisch dargestellt wie in den großen Hollywoodschinken Platoon oder Soldat James Ryan…wenn die Kamera hinterher wackelt, dass einem gleich schwindelig wird. Brutal, unmenschlich, die Wahrheit. Und dann plötzlich: Auftritt der Heldin Julia in Form eines 40er Jahre Hollywood-Broadway-Musical. Ähhhm. Wie bitte? Nein! Das passt einfach nicht zusammen. Diese einzelnen Genres für sich, ok, aber zusammen gemixt eher eine Katastrophe für den Zuschauer, der ständig zwischen groteskem Musical und Realität und Lovestory und dramatischem Unabhängigkeitskampf Indiens hin- und herschalten muss. Und dieser verdammte britische Offizier, der ein so abartiges Hindi spricht, dass einem die Ohren bluten…argh!

Das Drehbuch wurde von Matthew Robbins geschrieben, der auch schon an „7 Koon Maaf“ beteiligt war. Der auch einen sehr ungewöhnlichen Stil hatte, aber der war durchgehend und hat einfach gepasst. In Rangoon passt das alles irgendwie nicht zusammen. Was wollte man damit bezwecken? Dass die britische Besatzungsmacht nicht ganz so beschissen dasteht, weil man ja am Ende als Zuschauer gar nicht mehr weiß, war das jetzt ein Theaterstück oder Realität? Weil man mal wieder etwas außergewöhnliches wagen wollte? Lobenswertes Vorhaben…ist bei mir nur leider nicht angekommen.

Bitte melden, wenn jemand diesen Film in seiner künstlerischen Darbietung versteht. Ich kann das so nicht als „historisches“ Drama verstehen.

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Lion – nur das Leben schreibt solche epischen Geschichten

Ich bin absolut „geflasht“ von Lion! Mir fehlen einfach die richtigen Worte für das, was ich hier auf großer Leinwand gesehen habe.
Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass mich doch nochmal ein Hollywood-Film so tief bewegen würde, seitdem dies seit Jahren eigentlich nur noch indische Filme wirklich schaffen.
Das Leben schreibt wie immer die unglaublichsten Geschichten, aber diese Geschichte ist so unfassbar und dazu auch noch wirklich so geschehen und so bewegend von den großartigen Schauspielern erzählt, dass man hier wirklich ein außerordentliches filmisches Ereignis erleben darf, in dem alles stimmt.

Der 5jährige indische Junge Saroo geht verloren, aber nicht mal eben um die Ecke, sondern ganze 1.600 Kilometer weit weg, weil er in einem Zug einschläft, als er seinem Bruder bei der Nachtarbeit helfen wollte.
Niemand sieht sich in der fremden Stadt verantwortlich, ihm zu helfen, wieder nach Hause zu finden. Es gibt tausende obdachlose Kinder, die sich täglich auf der Suche nach Essen und einem Schlafplatz herum treiben. Von einem Tag auf den anderen gehört nun auch er dazu und muss versuchen, in einer der härtesten Städte der Welt, Kalkutta, schutzlos zu überleben.
Er steht dabei so oft vor dramatisch gefährlichen Situationen, aus denen er sich rein instinktiv und dank einem unsichtbaren Schutzwall immer wieder befreien kann.
Ich konnte nur immer wieder ungläubig staunen, was für einen gigantischen Überlebensinstinkt so ein kleiner Mensch mit sich bringen kann.
Ich hätte keinen einzige Tag überlebt, sondern wäre wahrscheinlich sofort in die Fänge von brutalen Kinderhändlern geraten.
Und diese Dramatik wird von dem kleinen SUNNY PAWAR so unglaublich echt gespielt, dass man mit ihm zusammen diese dramatischen Ereignisse hautnah miterlebt und entsprechend gefesselt mitfiebert (hah! Sunny, was für ein grandios passender Name für diesen Sonnenschein in seiner reinsten Form).

Die Rettung zumindest aus diesem Sumpf der absoluten Schutzlosigkeit naht in Form eines Menschen, der sich dann doch seiner Geschichte annimmt und ihn aufs Polizeirevier bringt. Leider spricht er sein Heimatdorf schlichtweg falsch aus und die Suche nach seinen Verwandten bezieht sich logischerweise nur auf die Gegend, so dass bald die Hoffnung aufgegeben wird, seine Mutter zu finden, die zudem Analphabetin ist und die Zeitungsannonce nie hätte lesen können.
Nun wird Saroo (der zudem auch seinen Namen falsch ausspricht) an eine australische Familie adoptiert. Nicole Kidman als Adoptivmutter hat natürlich genug eigene Erfahrungen, um so eine Rolle absolut realistisch darzustellen und ist nicht ohne Grund hier für den Oscar nominiert.
Bei solchen Adoptionen bin ich mir immer nicht sicher, ob es für die Kinder wirklich gut ist, sie aus ihrem Land und ihrer Kultur zu reißen und es nicht besser wäre, sie vor Ort zu unterstützen.
Ohne Zweifel bewundere ich die Meinung des Ehepaares, dass es genug Kinder auf der Welt gibt, denen es nicht gut geht und denen man ein Zuhause geben sollte, anstatt eigene Kinder zu zeugen. Dieser Meinung bin ich auch.
Eines ist sicher, Saroo hätte nie ein so chancenreiches Leben in Indien gehabt. In Australien konnte er alles an Bildung und Beruf ausschöpfen.
Aber die Vergangenheit holt Saroo, nun gespielt vom charming Dev Patel, irgendwann so schmerzlich ein, dass er eben nicht mehr einfach so ein normales Leben weiterführen kann, ohne noch einmal ins Gesicht seiner Mutter zu blicken.
Natürlich nicht, ohne auch in den Konflikt zu geraten, dass er seine Adoptivmutter nicht mit diesem Wunsch, seine „biologische“ Mutter zu finden, kränken möchte.
Einer der schönsten Sätze aus diesem Film ist seine Aussage, dass es ihn krank macht, dass man sein privilegiertes Leben einfach so dahin plätschern lässt.
Eine verzweifelte Suche beginnt und man mag es eigentlich nicht glauben, aber er wollte einfach nicht aufgegeben (Never give up!) und beschwört die letzten Fetzen kindlicher Erinnerung herauf.
Und kann am Ende tatsächlich dank Google Earth sein Dorf finden und dorthin reisen und nach 25 Jahren(!!!) seine Mutter wieder in die Arme schließen.
Wer spätestens in dieser Situation keine Träne verdrückt, ist vollkommen empathielos.

Am Ende des Films beglückte uns der echte Saroo Brierley mit seiner Anwesenheit und Knut Elstermann persönlich befragte ihn zu seinem Schicksal.
Hier ein paar unglaubliche Fakten, die man noch wissen sollte (abgesehen davon, dass ich mir das Buch zum Film durchlesen werde, um noch tiefer einzutauchen)
– ein Wahrsager hatte der Mutter voraus gesagt, dass es ihrem Jungen gut geht und er eines Tages wiederkehren wird. Sie ist daher niemals umgezogen, damit er sie finden kann
– seine australische Mutter war außerordentlich davon angetan, dass sie im Film von Nicole Kidman verkörpert wird und Saroo konnte bestätigen, dass es absolut so dargestellt wurde, wie die Situation für ihn damals war
– der echte „Lion“ sieht sich als Australier…aufgewachsen mit der Kultur, Sprache, dem Land
– seine biologische Mutter in Indien ist zufrieden damit, zu wissen, dass es ihm gut geht und dass sie ihn jederzeit anrufen könnte
– Saroj Sood, die seine Adoption aus dem indischen Waisenhaus verwaltet hat, ist die Gründerin der indischen Adoptionsbehörde ISSA und war eine Schülerin von Mutter Theresa

Ich verrate hier natürlich nicht alles…einige überraschende (nicht weniger dramatische) Dinge gibt es immer noch zu erfahren, wenn man sich diesen unglaublichen tollen Film persönlich anschaut.
Die Schauspieler geben dieser Geschichte so unglaublich viel Realität, dass man noch lange lange danach von diesem Film erfasst sein wird und nicht zu vergessen, der schon fast bollywoodeske dramatische Einsatz der Filmmusik, der wirklich noch mal einiges dazu beiträgt, dass man diesen Film so emotional mit erlebt.
Für mich unerlässlich war die Originalversion mit Untertiteln. Gerade die Szenen in Indien leben ja durch die originale Sprache und die Stimme des kleinen Saroo MUSS man einfach einmal im Original gehört haben. Dann ist man sofort verliebt in diesen kleinen großen Löwen und möchte ihn auf der Stelle adoptieren.
Nicht vergessen möchte ich auch den (für mich überraschenden) Auftritt von meinem Lieblingsschauspieler Nawazuddin Siddiqui, der solch böse Rollen immer so pervers sympathisch spielen kann.

Abgesehen von den 6 Oscar-Nominierungen (bald wissen wir ja mehr), die für den Film sprechen, ist auch die Bewertung der User bei Rotten Tomatoes immer ein guter Hinweis, und hier mögen den Film ganze 93% !

Und hier noch die Bilder von der Sondervorführung im Delphi Filmpalast mit Saroj Sood, auf dessen Lebensgeschichte dieser wunderbare Film basiert:

In diesem Sinne: Never give up!

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Viceroy’s House – eine emotionale Geschichtsstunde für Außenstehende

Bevor ich mich so tief in die Materie der indischen Filme wagte, war mir das Thema der Trennung von Indien in Indien und Pakistan kaum bewusst.
Etliche indische Filme später wurde mir klar, dass dieses Ereignis so dramatisch bis in die nachfolgenden Generationen nachwirkt, dass die blutige Trennung mit ihren vielen Opfern nicht vergessen werden darf.
Somit finde ich es sehr gut, dass dieses Them mit Viceroy’s House, einer Koproduktion von Indien und Großbritannien, vielleicht noch einer größeren Zuschauermenge näher gebracht werden kann.

Der letzte Vizekönig, Lord Mountbatten, soll in Delhi den Schritt Indiens in die Unabhängigkeit überwachen. Als die Lage unter den verschiedenen religiösen Lagern eskaliert und es zu immer blutigeren Auseinandersetzungen kommt,
scheint die Lösung, das Land in das muslimische Pakistan und das säkulare Indien zu teilen, die einzige Lösung zu sein, nicht den totalen Bürgerkrieg auszulösen.
Während die indischen Filme eher den Fokus auf die Folgen für die Menschen legen, wird in Viceroy’s House beleuchtet, wie die politischen Hintergründe dieser tragischen Ereignisse zustande kamen.
Das ist sehr spannend und war mir so in diesen perfiden Details noch nicht bewusst (sollten diese stimmen).

Der Film lädt ein zum Nachdenken, wie man selbst in dieser Situation entschieden hätte. Die Zeit drängte vorm Hintergrund der immer massiveren Ausschreitungen.
Was die dramatischen Folgen dieser Trennung waren, wissen wir heute. 14 Millionen Vertriebene. 1 Millionen Sikhs, Hindus und Moslems wurden ermordet. Pakistan steht immer am Rande des wirtschaftlichen Ruins. Der Hass zwischen Indien und Pakistan scheint ungebrochen.

Mountbatten selbst wurde 1979 in der Republik Irland Opfer eines Bombenattentates der IRA.

Schwere Kost…keine Frage…da spaziert man jetzt nicht unbedingt fröhlich unterhalten aus dem Kino. Aber sehr gerührt und sensibilisiert für die Hintergründe der indischen Geschichte.

Hugh Bonneville (Lord Mountbatten), Gillian Anderson (Lady Mountbatten), Manish Dayal (Jeet), Huma Qureshi (Aalia) spielen alle wirklich großartig. Den meisten Applaus bekam Gillian Anderson.

 

Der letzte große Auftritt von Schauspieler Om Puri (starb im Januar diesen Jahres) wurde von den wissenden Zuschauern im Saal der Berlinale-Palastes mit Szenenaupplaus bedacht.

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