Bollywoodelfe's Blog

Eine deutsche Sicht auf Bollywood, Indien , Pakistan

IndoGermanFilmWeek 2020

Im Corona Jahr ist alles anders. Immerhin, die IndoGermanFilmWeek fiel nicht ganz aus, wie so viele andere Veranstaltungen in diesem Jahr und ich hatte das ganz ganz große Glück, dass ich mir die Filme alle online anschauen konnte, weil ich Teil der Jury des Filmfestivals sein durfte. Für mich eine neue, aufregende, spannende, bereichernde und wirklich interessante Gelegenheit, mich mit den anderen Jury-Mitgliedern über die gesehenen Filme zu unterhalten. Zu sehen, wo sich ganz eindeutig die Geister scheiden und wo es aber auch eindeutige Übereinstimmungen gibt. Im Folgenden möchte ich auf die gesehenen Filme mit ihren Besonderheiten eingehen und auf die Preise eingehen, die wir als Jury vergeben haben.

Roam Rome Mein – Normalerweise mag ich surreale Filme und absurde Situationen. Filme, die einen fragend zurück lassen und man noch lange darüber nachdenken muss. Normalerweise ist Nawazuddin Siddiqui als Darsteller für mich ein Garant, dass es ein schönes Filmerlebnis wird. Was ich nicht bestreiten kann: der chauvinistische Mann wird hier auf eine ganz andere Art als sonst beleuchtet. Aber für mich wirkte alles zu sehr gewollt künstlerisch, zusammengestückelt aus surrealistischen Ideen, die man schon irgendwo anders gesehen hat. Die feministischen Predigten zu plump reingeworfen, alles wirkt so erzwungen. Für den Großteil der Jury war der Film aber ein absolutes Highlight, eben so ganz anders als die sonstigen Filme, so dass “ Roam Rome Mein“ zum Siegerfilm gekürt wurde.

Pareeksha – diesen Film würde ich als klassischen Bollywoodfilm bezeichnen. Emotionsgeladen, viel zu lang, dramatisch und am Ende aber ist doch alles gut. Es gibt viele Dinge, die unrealistisch sind. Aber definitiv klagt der Film die Problematik an, dass es Kinder aus unteren Kasten es trotz einer Schulbildung nie schaffen werden, etwas aus ihren großartigen Fähigkeiten zu machen, solange es nur eine öffentliche Schule ist und keine Eliteschule. Ich habe den Film sehr genossen, auch wenn er zeitweise zu langgezogen war, ich habe mich an diese bollywoodsche Machart ja so viele Jahre gewöhnt. Adil Hussain spielt den Riksha-Fahrer so großartig und überzeugend, der auch falsche Wege bestreitet, damit sein Sohn eine bessere Zukunft hat und nicht wie er, so hart als Riksha-Fahrer ums tägliche Überleben kämpfen muss. Für diese Schauspielkunst haben wir ihn als Jury zum besten Darsteller ernannt. Für mich waren auch rundum alle Schauspieler in diesem Film absolut überzeugend und mitreißend. Toller Film!

Maighat – Am Ende siegt dann doch die Gerechtigkeit. Man muss als Mutter nur 13 lange Jahre dafür investieren, um Gerechtigkeit für ihren von Polizisten getöteten Sohn zu erlangen. Und der Film beruht auf einer wahren Geschichte. Das muss ein Film erstmal schaffen, eine so lange Zeit im Kampf um Gerechtigkeit darzustellen, ohne dass es dem Zuschauer langweilig wird. Was die Hauptdarstellerin Usha Jadhav hier leistet, ist außergewöhnlich stark. Ohne viel Worte, allein mit ihrer Mimik, ihren Gesten sagt sie alles. Für diese Leistung haben wir sie als Jury als beste Darstellerin ausgezeichnet. Eine sehr beeindruckende Geschichte, die auch beeindruckend erzählt wurde.

Nasir – Der Film plätschert erstmal so vor sich hin, es gibt viele Szenen, in denen nicht viel passiert. Es wird ein ganz normaler Alltag eines ganz normalen Geschäftsmannes in einem Kleidergeschäft gezeigt. Es gibt viele Großaufnahmen. Und dann am Ende: bäm! Dieses Ende wird niemand vergessen. Und es kommt nach all den actionfreien Szenen zuvor ziemlich brutal herein geplatzt. Ein Film zum Aufwachen, ein Appell an die Menschlichkeit. Der Sonderpreis der Jury geht an den Film für seinen besonderen sozialen Kontext.

Moothon  – Die Thematisierung einer gleichgeschlechtlichen Liebe in indischen Filmen ist immer einen Rarität und funktioniert oft nicht ganz so gut. In dem Punkt ein außergewöhnlich starker Film. Die Hindustan Times betitelt ihn als einer der besten indischen Filme des Jahres. Für mich persönlich ging das Thema insgesamt im Film etwas unter, weil man noch zu sehr damit beschäftigt war, dass die Schwester versucht, ihren Bruder in Mumbai zu finden. Gerade noch in ihrem idyllischen Inselparadies geradewegs hinein in die grausame Unterwelt von Mumbai. Alles ganz starke Bilder, keine Frage: ein toller Film. Die Jury vergab einen Sonderpreis für den Nebendarsteller, der eigens für die Rolle wirklich die Gebärdensprache lernte.

Biryaani – So tief und real bin ich bisher filmisch noch nicht in die muslimische Welt eingedrungen. Von der Beschneidung, der geopferten Ziege bis zum Sex in der islamischen Gesellschaft inklusive Prostitution. Hier wird der harte Weg einer Frau gezeigt, die von der muslimischen Gesellschaft ausgestoßen wird, weil ihr Bruder zum IS gegangen ist. Die schauspielerische Leistung der Hauptdarstellerin auf jeden Fall sehr beeindruckend.

Nirvana Inn – Für den Film muss man echt gemacht sein. Absolut düstere Thematik mit besten Horrorelementen. Wer sich auf psychologische Art gruseln möchte, ist hier gut aufgehoben. Adil Hussain zeigt auch hier wieder seine große Schauspielkunst.

Kastoori – MUSK – für mich persönlich der beste Film. Weil es keine Geschichte ist, die schon tausendmal zuvor erzählt und alles so absolut realistisch dargestellt wurde. Es wird nicht mit dem Zeigefinger auf den wunden Punkt des Kastensystems gelegt, sondern der wunde Punkt wird einfach von sich aus sichtbar beim Erzählen der Geschichte. Der Junge, der nicht zur Schule gehen darf, weil er lieber einen richtigen Job machen soll, obwohl er Klassenbester ist. Der beim Sezieren von Toten helfen muss. Wozu ein Kind in seinem Alter niemals verpflichtet sein sollte. Der sich nichts sehnlicher wünscht, als diesen Geruch der Toten loszuwerden. Der diesen Traum hat von einem ganz speziellen Duft, der ihm über diesen Verwesungsgeruch hinweg helfen könnte, den er ständig mit sich tragen muss. Der ihn stets und immer begleitet und brandmarkt als jemanden aus der untersten Kaste. Ich war total drin in dieser Geschichte, weil alles so realistisch war. Die Orte, die Menschen, die sympathische Freude des Jungen, wenn er an diesen Duft auch nur dachte. Das ging mir direkt ins Herz. Schöne Bilder. Kein Tamtam. Nichts gekünstelt. Einfach nur die Realität.

Josef Born in Grace  – Pater O’Hara nimmt Joseph als Waisenkind auf und zieht ihn mit Hilfe von Maularam, seinem Hausmeister, auf. Der Film beleuchtet die Beziehungen, die diese drei Männer untereinander haben, sowie die Einsamkeit, mit der jeder von ihnen auf eigene Faust konfrontiert ist. Ich muss ehrlich zugeben, dass mich die Naturaufnahmen vom Himalaya deutlich mehr in den Bann gezogen haben, als die Geschichte. Diese Naturaufnahmen sind absolut sehenswert und wunderschön und lassen einen entspannt zurück, als wäre man gerade selbst dort gewesen.

Breaking Barriers – The Castless Collective – beeindruckende Doku über Musiker, die sich zusammengeschlossen haben, um mit ihren Songs zu unterhalten und gleichzeitig über die Missstände der Ungleichheiten in der indischen Gesellschaft hinzuweisen, ohne zu provozieren. Das Kastenwesen ist natürlich die am meisten erkennbare Form der Ungleichheit. Sie wollen mit ihren Songs einen sozialen Wandel bewirken. Wenn sie z.B. im Menstruation Song darauf hinweisen, dass es die natürlichste Sache der Welt ist und die Frau deswegen nicht als unrein betrachtet werden sollte, die in dieser Zeit nicht in den Tempel darf oder gar draussen schlafen muss. Ich kannte die Folksmusik Gaana von den Menschen aus dem Norden Chennais bisher nicht und bin jetzt definitiv ein Stück schlauer.

The Little God – Wer kennt das nicht…manchmal wünscht man sich auch böse Dinge. Im Film sind das dann böse Gebete, wo sich ein kleiner Junge wünscht, dass jemand stirbt, damit er einen freien Tag von der Schule bekommt. Als dann allerdings der Großvater stirbt, glaubt er natürlich, er ist wegen seiner Gebete daran Schuld und versucht es mit einer guten Tat wieder gut zu machen. Insgesamt ganz nett gemacht.

Guldasta – Hier werden verschiedene Frauen-Charaktere beleuchtet. Diesen Film fand ich schwierig anzusehen, vor allem wegen der sehr leidenden betrogenen Ehefrau, die wirklich alles über sich ergehen lässt. Die sich ohne Kind vollkommen wertlos vorkommt und so gar nichts ihr eigen Leben nennen kann. Oft sehr gequälte, gekünstelt wirkende Dialoge. Wirklich wertvoll hat den Film für mich nur Swastika Mukherjee als Dolly gemacht. Ihre Schauspielkunst hat mich in ihren Bann gezogen. Ihre Art, sich in andere Menschen hinzufühlen, sich wohl fühlen zu lassen in ihrer Gegenwart und diese Wirkung in keinster Weise von der absolut schwierigen Situation, in der sie sich befindet, berühren zu lassen.

Kalla Nottam – ein Junge stiehlt eine GoPro aus einem Laden und wir sehen die ganze Geschichte aus der Sicht der GoPro. Für mich persönlich war das zu schwierig, mit dieser Sichtweise der Geschichte und den Menschen im Film näher zu kommen.

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Chaman Bahaar – original indischer Romeo

Dieser Film ist ein wunderbares Beispiel dafür, dass es nicht darum geht, mit millionenschweren Effekten und den größten Bollywoodstars zu glänzen. Dieser Film schafft es ganz ohne Effekthascherei und aufgetakelte Stars, ganz ohne durchgestylte Tanzchoreographien eine kleine, feine Geschichte zu erzählen und damit zu beeindrucken.

Im Großen und Ganzen zeigt der Film die fehlgeleitete Liebe des Paan-Verkäufers Billu zu einem Schulmädchen, das gegenüber seines kleinen Ladens wohnt. Alle jungen Männer aus der Gegend sind verrückt nach ihr, jeder will sie für sich gewinnen. Er muss sich viel ausdenken, um all seinen Konkurrenten auszuschalten. Am Ende kommt es, wie es kommen muss: es endet im Drama.

Ganz nebenbei begegnen einem die vielen gesellschaftlichen Probleme, die das Leben in Indien vor allem in dörflichen Gegenden mit sich bringt. Zum Alltag gehören Polizeigewalt, der Druck, den Politiker auf alle ausüben, der Druck, zu heiraten, weil man sonst nicht gesellschaftlich anerkannt ist, der Druck auf einen jungen Mann, beruflich erfolgreich zu sein. Und wie einfach es passiert, dass ein junger Mann aus verschmähter Liebe durchdreht. Im Film noch recht harmlos, im wahren Leben endet so etwas zu oft mit einer Säureattacke auf das Mädchen.

Vor allem beeindruckt hat mich das Schauspiel von Jitendra Kumar als Billu. Es braucht überhaupt keine vielen Worte, um zu beschreiben, wie es um ihn steht. Er zeigt alles ganz eindeutig mit seiner Mimik. Jede Gefühlsregung sieht man ihm an. Alle Schauspieler agieren so, als würden sie wirklich an diesem Ort zu dieser Zeit leben. Absolut authentisch. Ich denke, dass Leute, die in der Gegend aufgewachsen sind, sich absolut mit allem identifizieren können. Simply gut! Das realistische Indien. 

Zu sehen bei Netflix: https://www.netflix.com/de/title/81244362

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Malang – Wahninns-Rache

Ganz großes Kino! Ich bin begeistert! Manche Bilder dieses Films haben sich bei mir eingebrannt, weil sie so stark gefilmt waren. Und immer mit höchst dramatischer Musik untermalt. Wahnsinnig dramatisch auch die Geschichte. Das ist Bollywood wie ich es liebe!

Die Eröffnungssequenz mit Einblendung der Namen des Filmteams zieht sich bis Minute 27. Wir sehen einen Häftling von hinten, der sich einmal quer durchs Gefängnis prügelt. Wie in einem Videogame. Minutenlange Prügelei. Hauptdarsteller Aditya Roy Kapur als Advait dabei immer nur von hinten zu sehen. Ein Kerl wie ein Baum mit großem Kreuz. Alles, was auf ihn eingeschlagen wird, zerberstet an diesem scheinbaren Mann aus Stahl. Hu! Da weiß man als Zuschauer gleich: das wird nichts für schwache Nerven. Toll animierte Action. Toller Einstieg. Dann gibt es einen Wechsel mit Rückblenden in die Zeit, als der Häftling seine Liebe fand und verrückte Dinge mit ihr unternimmt und den Sprung in die Gegenwart, in der er zum Polizistenmörder wird. Das zieht sich fast etwas zu lang, denn man möchte jetzt doch gern den Grund wissen, was in der Zwischenzeit passiert ist. Woher kommt dieser Todeshass auf die Polizisten? Aber irgendwie sind die Bilder und Kameraeinstellungen dann doch auch spannend genug. Ein visuelles Feuerwerk. Hier ein perfekter Sonnenuntergang, da eine wunderbare Animation, hier eine schnittige Actioncam, da eine kunstvolle Kameraeinstellung mit ganz speziellem Licht. Wow. Schon fast ist das Auge überfordert, aber alles hat immer einen gewissen Charme. Nicht wie bei Sahoo, wo zwar alles perfekt stylisch abgefilmt und animiert wurde, der aber trotzdem einfach gähnend langweilig blieb.

Und dann geht’s richtig ab im zweiten Teil. Den Grund dafür, warum Advait Jagd auf vier bestimmte Polizisten macht, kann man nun wirklich nicht vorhersehen…ist aber in seiner Dramatik durchaus realistisch. Und die Durchführung der Rache: der reine Wahnsinn. Toll! Das ist cineastische Unterhaltung, wie ich sie liebe.

Zu sehen bei Netflix: https://www.netflix.com/de/title/81214289

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Firebrand – gebrandmarkt durch Missbrauch

Gerade sorgt die „Dauerausstellung“ #maennerwelten für großes Aufsehen. Eine Aktion gegen sexuelle Belästigung. Vor allem das ungewollte Zusenden sogenannter „Dick-Pics“ kennen wohl die meisten Frauen aus eigener Erfahrung. Ich habe mal gelesen, dass Männer das in der Hoffnung machen, sie würden dann im Gegenzug auch solche Fotos von der Frau bekommen. Und sie lieben ihr bestes Stück einfach sehr. Weil sie es immer vor Augen haben. Für sie ist das ein Heiligtum. Während Frauen zu ihrem Geschlechtsteil oft keine so liebenswerte Beziehung haben. Weil sie sich nicht den ganzen Tag damit beschäftigen wie Männer. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie mein Neffe seinem Penis hoch ehrenvoll Lobeslieder gesungen hat, als er klein war. Da ich mit Schwestern aufgewachsen bin, war mir diese Glorifizierung des Geschlechtsteils bis dahin gar nicht so bekannt. Bringen Eltern ihren Söhnen eigentlich bei, dass das ungefragte Versenden von Dick-Picks keine gute Idee ist?

Ich habe neulich den Film „Firebrand“ bei Netflix gesehen und war danach etwas verstört. Eine Scheidungsanwältin vertritt ihre Klientinnen erfolgreich auch in schwierigen Fällen. Schwerpunkt misshandelte Frauen, denn sie selbst wurde Opfer sexueller Gewalt. Ihre eigene Ehe leidet unter ihrem Trauma als sexuellem Missbrauchsopfer, denn als  fällt es ihr schwer, eine wirklich intime Bindung mit ihrem Ehemann einzugehen. Die Sitzungen bei einem Psychologen bringen sie nicht viel weiter. Ich kann an dieser Stelle natürlich nicht verraten, welches fragwürdige Ende dieser Film nimmt. Aber ich habe das Gefühl, dass sich Missbrauchsopfer da nicht wirklich wiederfinden in dem, wie man sein Trauma überwinden kann. Ohne ins Detail zu gehen: natürlich kann man sich nach so einem Erlebnis sagen: ich lasse das hinter mir. Was geschehen ist, ist geschehen. Ich möchte im Hier und Jetzt leben. Aber wenn es so einfach wäre wie in diesem Film, dann wäre ja alles gar nicht so schlimm. Das Ende fühlt sich definitiv ziemlich komisch an. Dabei würde es wohl sehr, sehr vielen Frauen gut tun zu sehen, wie man das Geschehene verarbeiten kann, damit man als Missbrauchsopfer zurück ins Leben kehren kann.

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Love Aaj Kal – Romantic Bullshit

Bis kurz vor Schluss wäre der Film die ideale Unterhaltung für Single-Damen am Valentinstag gewesen. Weil man darin bestätigt wird, dass Liebesbeziehungen, so schön sie auch anfangen, dann doch irgendwann in Gewohnheit und Trennung enden. Weil man als Frau lieber auf eigenen Beinen stehen sollte, anstatt sich einem Mann in einer Beziehung unterzuordnen. Und dieser Hauptdarsteller, der so gruselig überschauspielert und so gar nicht anziehend wirkt und echt keine Lust auf eine romantische Beziehung macht, spielt auch gleich noch zwei Liebesgeschichten im Film. Damals und heute. Romantik ist überhaupt nur Bullshit, den uns die Gesellschaft einredet. Heirat aus Vernunft ist doch viel besser. Da können wenigstens keine Gefühle verloren gehen. Sowieso erstmal die Karriere, heiraten kann man später immer noch. Erstmal das Leben genießen. Auch Frau hat das Recht dazu. Soweit hätte ich den Film konsequent gefunden. Aber…warum musste es dann doch in einer Romantikschnulze enden? Weil sich niemand unromantische Filme ansehen möchte? Ja manchmal aber vielleicht doch. Wenn einem als Single am Valentinstag die ganze Welt mit dem Holzpfahl darauf hinweisen will, dass man nur in einer Beziehung wirklich glücklich ist. Man hätte das doch mal dabei belassen können. Ein Film für alle, die keine Lust haben auf dieses Romantikgedöns. Liebesbeziehung. Pfff, so ein Blödsinn! Aber nein. Am Schluss des Films wird alles wieder zunichte gemacht. Schade. Mit diesem Ende finde ich den Film richtig schlecht. Als Anti-Valentinstag Film hätte er mir gefallen.

Zu sehen bei Netflix: https://www.netflix.com/de/title/81113920

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Kaamyaab – ein Nebendarsteller auf der Suche nach Ruhm

Mit indischen Filmen ist es immer ein auf- und ab. Gestern sah ich mit „Mrs. Serial Killer“ mal wieder einen unglaublich schlechten Film. Die Hauptdarstellerin schaffte es mit ihrer (talentfreien) Art von Schauspielerei, aus einem eigentlich gedachten Thriller eine lächerliche Dramödie zu machen. Ein ärgerliches Beispiel dafür, dass nur gut aussehen noch lange nicht reicht, um einen guten Film zu machen. Und dann sehe ich heute mit Kaamyaab einen so sensibel gespielten Film, dass ich schon wieder fast verwundert bin, dass Bollywood es doch schafft, auch solche hervorragenden Filme hervor zu bringen.

Hauptdarsteller Sanjay Mishra habe ich im Film Aknhon Dekhi als großartigen Schauspieler kennen und schätzen gelernt. Und auch in diesem Film hier spielt er wieder so gut, dass es einem zu Herzen geht. Er spielt Sudheer, einen ewigen Nebendarsteller, der sich nach 499 Filmen eigentlich schon zur Ruhe gesetzt hatte, aber durch ein Interview mit ihm über seine Filmvergangenheit nun doch noch mal versucht, in seinem 500ten Film eine große, unvergessliche Rolle zu spielen. Er spielt sich damit auch quasi sich selbst, denn auch Sanjay spielte in unzähligen Filmen eine Nebenrolle. Und so wirkt dieser Film wahrscheinlich doppelt so realistisch.

Ich selbst habe das Filmbusiness mit über 80 Einsätzen als Komparsin gut genug hinter den Kulissen kennen gelernt. Die Szene, in der Sudheer an einer Szene scheitert, weil er immer wieder den Text vergisst und ihn am Ende des Tages alle dafür hassen, kenne ich nur zu gut. Wenn man gegen Ende eines 12 Stunden Drehtages auf eine Schauspielerin trifft, die in jedem Take einen Lachanfall bekommt und es droht, ein 14 Stunden Tag draus zu werden, dann fängt man wirklich an, den Schauspieler dafür zu hassen. Für ihn selbst ist das vielleicht lächerlich, weil er nur ein paar Stunden am Set sein muss. Für alle anderen am Set aber, die seit den frühen Morgenstunden dabei sind, ist das dann nicht mehr witzig. Ich kann Sudheer sehr gut verstehen, dass er nach so vielen Jahren doch noch einmal eine richtig große Rolle spielen möchte. Auch wenn er seine Familie damit, wie es scheint allzu oft, bei wichtigen Feiern versetzt und verletzt und nicht für sie da ist. Es gibt so viele Menschen, die danach lechzen, auch als Kleindarsteller doch irgendwie Bedeutung zu erlangen. Aber von all diesen tausenden Menschen beim Film bleibt die Anzahl der bekannten Gesichter sehr sehr übersichtlich. Und doch erwecken die Nebendarsteller und Komparsen einen Film erst richtig zum Leben. Seit ich selbst Komparsin bin, achte ich mehr auf diese Menschen im Hintergrund. Und ich kann bestätigen, dass der Film das Filmbusiness sehr getreu wiedergibt.

Auf jeden Fall hat Sanjay Mishra im wahren Leben das Zeug zu einem großartigen Hauptdarsteller. Exzellenter Film, der sensibel über die stillen Helden im Hintergrund erzählt, die zwar nicht die gleiche Beachtung wie der Hauptdarsteller bekommen, aber ebenso beachtenswert sind.

Zu sehen bei Netflix:  https://www.netflix.com/de/title/81259883

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Meine liebsten Filme mit Irrfan Khan

Als ich gestern Abend die Nachricht las, dass Irrfan Khan ins Krankenhaus musste, weil sich sein Zustand aufgrund seiner Krebserkrankung verschlechtert hatte, ahnte ich, dass es sehr schwerwiegend sein muss. Die Nachricht heute morgen von seinem Tod traf mich, wie viele andere, sehr hart. Einer der besten Schauspieler Bollywoods wird uns nun nicht mehr mit seiner wundervollen Schauspielkunst beglücken und das ist sehr sehr traurig. Selbst den Medien hierzulande war die Nachricht von seinem Tod heute eine Meldung wert, denn Irrfan wurde auch weltweit bekannt mit „Slumdog Millionaire“ und „Life of Pi“, war in „Jurassic Park“ und „The Amazing Spiderman“ zu sehen.

So möchte ich mich bis in alle Ewigkeit an die schönen Filme mit ihm erinnern, die ich so lieb gewonnen habe. Irrfan war für mich immer ein Garant für einen guten Film. Seine zurückhaltende, fast schüchterne Art war etwas ganz besonderes in einem Filmbusiness, in dem man möglichst laut sein muss und immer posen. Das hatte Irrfan nie nötig. Filme mit ihm kamen ganz ohne den üblichen Bollywoodtrubel aus. Er gewann seine Liebsten mit einer viel nachhaltigeren Art. Zuhören, sanft und klug agieren. Während alle um ihn herum in gewohnt indischer Manier durchdrehen, blieb er stets ruhig.

Einer der schönsten Filme mit ihm ist für mich Lunchbox. Eine großartige Liebesgeschichte, die ganz ohne Tanz und große Sprüche auskommt. Hier wurde quasi das Sprichwort „Liebe geht durch den Magen“ verfilmt. Kann ich mir immer wieder anschauen. Ein schöneres Verlieben gibt es kaum.

lunchbox

Quarib Quarib Single (zu sehen bei Netflix)

Flirten kann er wirklich ganz meisterhaft, der Irrfan. In diesem Film sogar mit einer sehr merkwürdigen Erscheinung. Mit Lockenköpfchen, Schweißband und Jogginghose. Auch hier wickelt er mal wieder eine (sehr junge Dame) ordentlich um den Finger, ohne großes TamTam zu benötigen.

quaribjpg

Billu Barber (zu sehen bei Netflix)

Hier spielt Irrfan Khan den Friseur Billu, der bescheiden mit seiner Frau und den zwei Kindern in einem kleinen Ort lebt. Als Bollywood-Star Sihar Khan (gespielt von Sharukh Khan) sein Dorf besucht und das Gerücht die Runde macht, er sei ein guter Freund Billus, wird er über Nacht zu einer Berühmtheit im Ort. Doch Billu versucht erfolglos, sich dem Star zu nähern. Der Druck durch seine Mitmenschen wird immer größer und die Situation eskaliert, als die Dorfbewohner ihn schließlich wegen Betruges bei der Polizei anzeigen…

billubarber

Quissa

Irrfan Khan wollte Film erst nicht drehen, weil die Themen zu gewaltig, mit zuviel Schmerz behaftet sind. Die gewaltsame Teilung Indiens 1947 mit Millionen von Schicksalen, die bis heute nachwirken und die so viele traumatisierte Menschen hinterließ. Die Stellung der Frau in der indischen Gesellschaft, in der nur Söhne der Familie Glück und Segen bringen. Der mörderische Makel, ein Mädchen zu sein. Die Macht der Familie, die keinen Raum für ein eigenes individuelles Leben lässt. Traditionen, an denen sich festgeklammert wird und die in keiner Weise in Frage gestellt werden. Vergewaltigung…daraus wurde ein Fantasy-Film, der einen zwar etwas verwirrt zurück lässt, aber Irrfan legte hier eine seiner besten Leistungen hin, wie er meinte.

quissa

Hindi Medium

Ein wunderbarer Film zum Thema „wie erlange ich das Optimum für meinen Nachwuchs“. Irrfan Khan als Vater und seine Frau möchten wie alle Eltern ihrer Tochter einen optimalen Start ins Schulleben ermöglichen, sind aber weder besonders reich, um die Tochter auf eine teure Privatschule zu schicken, noch sind sie besonders arm, denn arme Familien bekommen eine Quote und haben auch eine Chance auf einen Platz in einer besseren Schule, die von Chinesisch bis Klavierunterricht alles bieten. Also tarnen sie sich als arme Leute und ziehen dafür sogar ins Armenviertel. Man kann sich vorstellen, wie amüsant allein diese Umstellung für die Familie ist und dass natürlich nicht alles nach Plan verläuft.

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Piku

Piku und ihr 70jähriger Vater sind zwei sehr komplizierte Menschen, die sich ohne Pause anschreien können und sich ständig annerven. Ihr Lieblingsthema sind Verdauung und Stuhlgang des Vaters. Keiner in ihrem Umfeld hält das Gezeter der beiden aus, sogar die Taxifahrer boykottieren sie. Irrfan als Taxiunternehmer allerdings erbarmt sich schließlich und fährt die beiden von Delhi nach Kalkutta. Irrfan ist wie gewohnt angenehm ruhig und man schaut ihm gerne zu, wie er die beiden Wahnsinnigen oft auf den Boden der Tatsachen herunter holt. Er scheut sich auch nicht davor, die Probleme zwischen Piku und ihrem Vater zu benennen.

piku

Ein angenehmer Ruhepol hat diese Welt verlassen. In einer Welt, in der „Poltern“, Attackieren, Hetzen, Herumschreien, Pöbeln so normal geworden ist.

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No one killed Jessica – frei gekauft

Basierend auf einem wahren Fall: 300 Partygäste als Zeugen in der Tatnacht, 7 davon sahen genau mit an, welcher Mann Jessica erschoss. Ein wasserdichter Fall. Aber nicht, wenn der Mörder der Sohn eines einflussreichen Politikers ist. Dann gibt es am Ende einen Freispruch. Somit hat niemand Jessica getötet.

Dieser Film erzählt, wie einfach es in Indien sein kann, sich als Täter frei zu kaufen. Zeugen werden beeinflusst und eingeschüchtert, Polizisten bestochen. Alles ganz normal. Alles ganz einfach. So kommt es auch oft vor, dass Opfern von Vergewaltigungen keine Gerechtigkeit widerfährt. Als reicher Mensch hat man offensichtlich einen Freibrief, auch für Mord und Vergewaltigung. Doch in diesem Fall lehnt sich das Volk auf und fordert Gerechtigkeit. 

Ich finde den Film wirklich toll! Spannend zu sehen, wie einfach es ist, einen wirklich klaren Fall so zu drehen, dass der eindeutige Täter letztlich doch frei kommt. Immer wieder unfassbar. Auch zu sehen in Filmen wie Court oder MOM. Es ist haarsträubend, aber es passiert wirklich in indischen Gerichten. Auch der Fall von Jessica ist keine reine Filmphantasie.

Und wie wunderbar diese zwei Top-Schauspielerinnen Rani Mukerji und Vidya Balan spielen! Endlich mal wieder Frauen, die jenseits der 30 sind. Ganz ohne Designerfashion und High-End Make-Up strahlen sie in diesem Film so beeindruckend, dass mir das Herz aufgeht. Bollywood braucht solche Schauspielerinnen. Genau so wird dieser Film zu einem nachhaltigen Film, den man so schnell nicht mehr vergessen wird.

Zu sehen auf Netflix: https://www.netflix.com/de/title/70139076

 

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Humpty Sharmas Braut – Superman vs. Mowgli

Kavya Pratap Singhs Vater hat den perfekten Bräutigam für seine Tochter ausgesucht: Angad lebt in den USA, ist Arzt, trinkt keinen Alkohol, sieht aus wie ein Model und ist überaus gut trainiert. Nachdem seine andere Tochter geschieden ist, weil sie sich in einen Mann verliebt hatte, der sich als schlechter Ehemann erwies, will er für seine jüngste Tochter eine Ehe arrangieren, die seiner Meinung nach bessere Erfolgsaussichten hat. Liebe steht da nur im Weg. Hier geht es um Fakten. Und die sprechen eindeutig für den ausgesuchten Schwiegersohn Angad.

Wenn da nicht…die Liebe wäre und seine Tochter Kavya sich bereits in einen anderen verliebt hätte.  Humpty Sharma hat nichts von dem, was der „Alpha-Punjabi“ Angad vorzuweisen hat. Aber er hat ein großes Herz und liebt Kavya. Nachdem er ihrem Vater seine Liebe gesteht, wird er erstmal von dessen Schlägertrupp verprügelt. Humpty kämpft aber für seine Liebe und so gibt ihm Kavyas Vater eine Chance: wenn er innerhalb von fünf Tagen einen einzigen Grund findet, warum Angad kein guter Ehemann für Kavya ist, darf er sie heiraten. An diesem Punkt hätte der Film wirklich eine spannende Auflösung des Konflikts bieten können: ein dunkles Geheimnis, das man dem Verlobten auf äußerst clevere Weise entlockt. Oder am Ende gibt Humpty zu, dass der Bräutigam perfekt ist und weil er möchte, dass Kavya ein perfektes Leben haben soll, gibt er sie frei, was wiederum dem Vater zeigt, wie sehr Humpty seine Tochter liebt. Nun. Es kommt anders. Ich musste ein wenig über mich selbst lachen, weil ich die Erwartungshaltung hatte, dass hier etwas Spannendes passiert. Mit der Erwartungshaltung war das Ende dann leider etwas lächerlich.

Ich fand den Film Humpty Sharma Ki Dulhania aber trotzdem sehr süß. Alia Bhatt kann die eigensinnige, moderne, gebildete Frau perfekt verkörpern. Trotz all ihrer emanzipierten Art möchte sie aber ihren Vater nicht enttäuschen und akzeptiert zuerst die arrangierte Ehe. Es gibt sehr viele Filme über arrangierte Ehen, da diese Form der Eheschließung  sehr oft in Indien stattfindet. In den meisten Filmen kommt es dann immer zum Drama, weil die Liebe dazwischen funkt. Liebe vs Vernunft. Also guter Stoff für romantischen Herzschmerz made in Bollywood.

Zu sehen bei Netflix: https://www.netflix.com/de/title/80073188

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Bhangra Paa Le – Bhangra Rhythmus

Bhangra ist für mich eine der härtesten Tanzarten der Welt. In erster Linie muss man dafür eine absolute Fitnesskanone sein. Ich spreche aus eigener Erfahrung, ich habe schon einige Bhangra-Tanzkurse mitgemacht. Am Ende einer solchen Stunde habe ich mehr geschwitzt, als nach einem 10 Kilometer Lauf. Es ist die Härte. Und das Wichtigste: man muss dabei Lächeln, als gäbe es kein Morgen. Es soll aussehen, als hätte man den Spaß seines Lebens. Hat man auch, aber gleichzeitig ist es eben auch wahnsinnig anstrengend. Beim Schauen dieses Films habe ich mich an die vielen Glückshormone erinnert, die ich beim Tanzen hatte. Ich liebe diese Bewegungen einfach. Und ich habe vor jedem Respekt, der das professionell macht. Ich hatte definitiv meine größte Freude an diesem Film.

Gut, dass ich so gar keine Erwartungen an diesen Film hatte, denn so wurde ich tatsächlich positiv überrascht. Zum Beispiel davon, dass die Hauptdarsteller durchaus sympathisch rüber kamen. Und eine rührende und überzeugende Liebesgeschichte, die in der Vergangenheit spielt. Zu Zeiten des zweiten Weltkrieges, in denen Inder für die britische Armee mitkämpfen mussten. Ohne diese Geschichte hätte mich der Film wahrscheinlich nicht so gefangen. Aber so wurde ich am Bildschirm gehalten. Die Geschichte wird in Abschnitten erzählt, und ich wollte unbedingt wissen, wie sie ausgeht. Eine wunderschöne Liebesgeschichte, die mich berührt hat. Nicht ganz so sehr berührte mich die Liebesgeschichte, die derweil in der Neuzeit zwischen den Bhangra-Battle-Kontrahenten lief, aber irgendwie waren sie doch sympathisch. 

Wirklich ein schöner Unterhaltungsfilm, der durchaus auch das Herz erwärmt und vor allem wahnsinnig Lust auf Bhangra macht.

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