Bollywoodelfe's Blog

Eine deutsche Sicht auf Bollywood, Indien , Pakistan

Baahubali 2 – ein cineastisches Kunstwerk aus Tollywood

Das lange Warten auf die Fortsetzung von Baahubali The Beginning aus dem Jahre 2015 hat sich gelohnt! Aber sowas von! Was uns hier wieder an einfallsreichen Kampfszenen begegnet, übertrifft alle epischen Schlachtgetümmel, die man je gesehen hat. Teil 1 endete mit der dramatischen Ermordung des großen Amarendra Bahubali und erzählt nun im zweiten Teil die Geschichte, wie es dazu kam und wie sein Sohn Mahendra Bahubali seinen Vater und die Qualen von 25 Jahren Versklavung seiner Mutter rächt. Wer dachte, es könnte zum ersten Teil kaum eine Steigerung der fantasiereichen Übertreibungen geben wird eines Besseren belehrt: hier wird nochmal richtig abgefeiert, fantasievollere Schlachten und Kriegsgemetzelszenen habe ich wirklich noch nicht gesehen.

Hier stimmt einfach wieder alles! Der unfassbar heroische Hauptdarsteller Prabhas, den man einfach nur vergöttern kann…weil man ihm selbst die unglaublichsten Beweise seiner übermenschlichen Stärke so absolut abnimmt, weil er so unglaublich warmherzig lächeln kann, wenn er verliebt ist, der so unfassbar reinen Herzens ist und allen Menschen nur Gutes will. Das ist ein Filmheld, wie man ihn sich nur wünschen kann!

Und die unglaublich starke Frau an seiner Seite, die so excellent mit ihm im Kampf behaupten kann und sich von niemandem unterdrücken oder ungerecht behandeln lässt. Eine wirklich anbetungswürdige Filmheldin!

Dieser Telugu-Film ist von vorne bis hinten empfehlenswert…unglaublich dramatische und fesselnde Geschichte, geniale Schlachten, ein traumhaftes Liebespaar, fantasiereiche Bilder ohne Ende, wundervolle Musik…haaaaaaaaaach, für solche Filme muss man das indische Kino einfach lieben! Das ist Kuuuuuuuuuuuunst!

Ich schwebe dann mal mit meinem Schwanenschiff dahin, umgeben von Wolkenpferden…

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Badrinath Ki Dulhania – die rebellische Braut, die sich nicht traut

Die Entstehung der Geschichte zu „Badrinath Ki Dulhania“ (Badris Braut) stelle ich mir so vor: Die Tourismusbehörde von Singapur und die Fluggesellschaft wollten mal einen indischen Film sponsern, um ordentlich Werbung für sich zu machen. Damit ist schon mal klar: die Braut muss nach einem Streit nach Singapur abhauen und wird dort ne erfolgreiche Stewardess. Und weil Stewardessen ganz respektable Mäuse sind, machen wir nen Film darüber, dass Frauen in der indischen Gesellschaft immer noch nicht respektiert werden. Und damit die Frau in dem Film so richtig stark rüberkommt, muss der Kerl so richtig dumm und gewalttätig sein. Und der Vater von dem Kerl, dass muss so ein richtig mieser Matriarch sein, der alle Frauen in der Familie unterdrückt. Aber am Ende wird ja alles gut, der böse Vater wird ganz plötzlich lieb und die Braut kann dann doch damit leben, dass der Typ etwas unter ihrem Niveau ist, denn er ist ja total süß und lieb. Und damit das ernste Thema „Frauen Respekt zeigen“ auch beim indischen Publikum ankommt, wird es wie immer mit einer ordentlichen Portion Slapstick gesellschaftsgerecht serviert.

Ich fühle mich total verarscht von diesem Film. Ja natürlich, was will ich auch von einem indischen Blockbuster-Liebesfilm erwarten. Hatte ich auch nicht. Aber diese absurd fingierte Geschichte ist mir dann doch zuviel Gewese um Nichts. Ich habe erstmal die Nase voll von solchen flachen Filmchen. Schön bunt, und Alia Bhatt spielt großartig, keine Frage, aber die vielen Holi-Farben können nicht darüber hinweg täuschen, dass die Geschichte total farblos ist.  Auf tausendundeine von solchen hohlen Liebesdramen kann ich wirklich verzichten, wenn sie vortäuschen, ein ernsthaftes Thema zu behandeln. Schöne hohle bunte Welt.

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Rangoon – und was nun?

Also wenn ihr mal so einen richtig merkwürdigen indischen Film sehen wollt: da ist er! Rangoon ist allerdings nicht unbedingt merkwürdig gut…mehr so die Frage: ist das Kunst, oder kann das weg?

Ich habe schon das Gefühl, dass der Film einen künstlerischen Anspruch haben sollte, aber irgendwie ist bei mir der Funke so gar nicht übergesprungen…und ich bin eigentlich für alles offen.

Die Geschichte hinter dem Film ist eigentlich perfekt für eine dramatische Liebesgeschichte: 1944, der 2. Weltkrieg wütet. Indien steht kurz vor dem Befreiungsschlag aus der Britischen Kolonialherrschaft. Die Sängerin Miss Julia (Kangana Ranaut) soll den Soldaten an der Front mir ihren Auftritten etwas Lichtblick verschaffen. Der Mann, der Julia beschützen soll, kommt ihr näher, als er sollte. Krieg – Liebe und Verrat erwarten den Zuschauer.

Soweit so gut. Wenn da nicht zwischendurch so groteske Szenen wären. Die hässlichen Seiten des Krieges sind so realistisch dargestellt wie in den großen Hollywoodschinken Platoon oder Soldat James Ryan…wenn die Kamera hinterher wackelt, dass einem gleich schwindelig wird. Brutal, unmenschlich, die Wahrheit. Und dann plötzlich: Auftritt der Heldin Julia in Form eines 40er Jahre Hollywood-Broadway-Musical. Ähhhm. Wie bitte? Nein! Das passt einfach nicht zusammen. Diese einzelnen Genres für sich, ok, aber zusammen gemixt eher eine Katastrophe für den Zuschauer, der ständig zwischen groteskem Musical und Realität und Lovestory und dramatischem Unabhängigkeitskampf Indiens hin- und herschalten muss. Und dieser verdammte britische Offizier, der ein so abartiges Hindi spricht, dass einem die Ohren bluten…argh!

Das Drehbuch wurde von Matthew Robbins geschrieben, der auch schon an „7 Koon Maaf“ beteiligt war. Der auch einen sehr ungewöhnlichen Stil hatte, aber der war durchgehend und hat einfach gepasst. In Rangoon passt das alles irgendwie nicht zusammen. Was wollte man damit bezwecken? Dass die britische Besatzungsmacht nicht ganz so beschissen dasteht, weil man ja am Ende als Zuschauer gar nicht mehr weiß, war das jetzt ein Theaterstück oder Realität? Weil man mal wieder etwas außergewöhnliches wagen wollte? Lobenswertes Vorhaben…ist bei mir nur leider nicht angekommen.

Bitte melden, wenn jemand diesen Film in seiner künstlerischen Darbietung versteht. Ich kann das so nicht als „historisches“ Drama verstehen.

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Lion – nur das Leben schreibt solche epischen Geschichten

Ich bin absolut „geflasht“ von Lion! Mir fehlen einfach die richtigen Worte für das, was ich hier auf großer Leinwand gesehen habe.
Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass mich doch nochmal ein Hollywood-Film so tief bewegen würde, seitdem dies seit Jahren eigentlich nur noch indische Filme wirklich schaffen.
Das Leben schreibt wie immer die unglaublichsten Geschichten, aber diese Geschichte ist so unfassbar und dazu auch noch wirklich so geschehen und so bewegend von den großartigen Schauspielern erzählt, dass man hier wirklich ein außerordentliches filmisches Ereignis erleben darf, in dem alles stimmt.

Der 5jährige indische Junge Saroo geht verloren, aber nicht mal eben um die Ecke, sondern ganze 1.600 Kilometer weit weg, weil er in einem Zug einschläft, als er seinem Bruder bei der Nachtarbeit helfen wollte.
Niemand sieht sich in der fremden Stadt verantwortlich, ihm zu helfen, wieder nach Hause zu finden. Es gibt tausende obdachlose Kinder, die sich täglich auf der Suche nach Essen und einem Schlafplatz herum treiben. Von einem Tag auf den anderen gehört nun auch er dazu und muss versuchen, in einer der härtesten Städte der Welt, Kalkutta, schutzlos zu überleben.
Er steht dabei so oft vor dramatisch gefährlichen Situationen, aus denen er sich rein instinktiv und dank einem unsichtbaren Schutzwall immer wieder befreien kann.
Ich konnte nur immer wieder ungläubig staunen, was für einen gigantischen Überlebensinstinkt so ein kleiner Mensch mit sich bringen kann.
Ich hätte keinen einzige Tag überlebt, sondern wäre wahrscheinlich sofort in die Fänge von brutalen Kinderhändlern geraten.
Und diese Dramatik wird von dem kleinen SUNNY PAWAR so unglaublich echt gespielt, dass man mit ihm zusammen diese dramatischen Ereignisse hautnah miterlebt und entsprechend gefesselt mitfiebert (hah! Sunny, was für ein grandios passender Name für diesen Sonnenschein in seiner reinsten Form).

Die Rettung zumindest aus diesem Sumpf der absoluten Schutzlosigkeit naht in Form eines Menschen, der sich dann doch seiner Geschichte annimmt und ihn aufs Polizeirevier bringt. Leider spricht er sein Heimatdorf schlichtweg falsch aus und die Suche nach seinen Verwandten bezieht sich logischerweise nur auf die Gegend, so dass bald die Hoffnung aufgegeben wird, seine Mutter zu finden, die zudem Analphabetin ist und die Zeitungsannonce nie hätte lesen können.
Nun wird Saroo (der zudem auch seinen Namen falsch ausspricht) an eine australische Familie adoptiert. Nicole Kidman als Adoptivmutter hat natürlich genug eigene Erfahrungen, um so eine Rolle absolut realistisch darzustellen und ist nicht ohne Grund hier für den Oscar nominiert.
Bei solchen Adoptionen bin ich mir immer nicht sicher, ob es für die Kinder wirklich gut ist, sie aus ihrem Land und ihrer Kultur zu reißen und es nicht besser wäre, sie vor Ort zu unterstützen.
Ohne Zweifel bewundere ich die Meinung des Ehepaares, dass es genug Kinder auf der Welt gibt, denen es nicht gut geht und denen man ein Zuhause geben sollte, anstatt eigene Kinder zu zeugen. Dieser Meinung bin ich auch.
Eines ist sicher, Saroo hätte nie ein so chancenreiches Leben in Indien gehabt. In Australien konnte er alles an Bildung und Beruf ausschöpfen.
Aber die Vergangenheit holt Saroo, nun gespielt vom charming Dev Patel, irgendwann so schmerzlich ein, dass er eben nicht mehr einfach so ein normales Leben weiterführen kann, ohne noch einmal ins Gesicht seiner Mutter zu blicken.
Natürlich nicht, ohne auch in den Konflikt zu geraten, dass er seine Adoptivmutter nicht mit diesem Wunsch, seine „biologische“ Mutter zu finden, kränken möchte.
Einer der schönsten Sätze aus diesem Film ist seine Aussage, dass es ihn krank macht, dass man sein privilegiertes Leben einfach so dahin plätschern lässt.
Eine verzweifelte Suche beginnt und man mag es eigentlich nicht glauben, aber er wollte einfach nicht aufgegeben (Never give up!) und beschwört die letzten Fetzen kindlicher Erinnerung herauf.
Und kann am Ende tatsächlich dank Google Earth sein Dorf finden und dorthin reisen und nach 25 Jahren(!!!) seine Mutter wieder in die Arme schließen.
Wer spätestens in dieser Situation keine Träne verdrückt, ist vollkommen empathielos.

Am Ende des Films beglückte uns der echte Saroo Brierley mit seiner Anwesenheit und Knut Elstermann persönlich befragte ihn zu seinem Schicksal.
Hier ein paar unglaubliche Fakten, die man noch wissen sollte (abgesehen davon, dass ich mir das Buch zum Film durchlesen werde, um noch tiefer einzutauchen)
– ein Wahrsager hatte der Mutter voraus gesagt, dass es ihrem Jungen gut geht und er eines Tages wiederkehren wird. Sie ist daher niemals umgezogen, damit er sie finden kann
– seine australische Mutter war außerordentlich davon angetan, dass sie im Film von Nicole Kidman verkörpert wird und Saroo konnte bestätigen, dass es absolut so dargestellt wurde, wie die Situation für ihn damals war
– der echte „Lion“ sieht sich als Australier…aufgewachsen mit der Kultur, Sprache, dem Land
– seine biologische Mutter in Indien ist zufrieden damit, zu wissen, dass es ihm gut geht und dass sie ihn jederzeit anrufen könnte
– Saroj Sood, die seine Adoption aus dem indischen Waisenhaus verwaltet hat, ist die Gründerin der indischen Adoptionsbehörde ISSA und war eine Schülerin von Mutter Theresa

Ich verrate hier natürlich nicht alles…einige überraschende (nicht weniger dramatische) Dinge gibt es immer noch zu erfahren, wenn man sich diesen unglaublichen tollen Film persönlich anschaut.
Die Schauspieler geben dieser Geschichte so unglaublich viel Realität, dass man noch lange lange danach von diesem Film erfasst sein wird und nicht zu vergessen, der schon fast bollywoodeske dramatische Einsatz der Filmmusik, der wirklich noch mal einiges dazu beiträgt, dass man diesen Film so emotional mit erlebt.
Für mich unerlässlich war die Originalversion mit Untertiteln. Gerade die Szenen in Indien leben ja durch die originale Sprache und die Stimme des kleinen Saroo MUSS man einfach einmal im Original gehört haben. Dann ist man sofort verliebt in diesen kleinen großen Löwen und möchte ihn auf der Stelle adoptieren.
Nicht vergessen möchte ich auch den (für mich überraschenden) Auftritt von meinem Lieblingsschauspieler Nawazuddin Siddiqui, der solch böse Rollen immer so pervers sympathisch spielen kann.

Abgesehen von den 6 Oscar-Nominierungen (bald wissen wir ja mehr), die für den Film sprechen, ist auch die Bewertung der User bei Rotten Tomatoes immer ein guter Hinweis, und hier mögen den Film ganze 93% !

Und hier noch die Bilder von der Sondervorführung im Delphi Filmpalast mit Saroj Sood, auf dessen Lebensgeschichte dieser wunderbare Film basiert:

In diesem Sinne: Never give up!

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Viceroy’s House – eine emotionale Geschichtsstunde für Außenstehende

Bevor ich mich so tief in die Materie der indischen Filme wagte, war mir das Thema der Trennung von Indien in Indien und Pakistan kaum bewusst.
Etliche indische Filme später wurde mir klar, dass dieses Ereignis so dramatisch bis in die nachfolgenden Generationen nachwirkt, dass die blutige Trennung mit ihren vielen Opfern nicht vergessen werden darf.
Somit finde ich es sehr gut, dass dieses Them mit Viceroy’s House, einer Koproduktion von Indien und Großbritannien, vielleicht noch einer größeren Zuschauermenge näher gebracht werden kann.

Der letzte Vizekönig, Lord Mountbatten, soll in Delhi den Schritt Indiens in die Unabhängigkeit überwachen. Als die Lage unter den verschiedenen religiösen Lagern eskaliert und es zu immer blutigeren Auseinandersetzungen kommt,
scheint die Lösung, das Land in das muslimische Pakistan und das säkulare Indien zu teilen, die einzige Lösung zu sein, nicht den totalen Bürgerkrieg auszulösen.
Während die indischen Filme eher den Fokus auf die Folgen für die Menschen legen, wird in Viceroy’s House beleuchtet, wie die politischen Hintergründe dieser tragischen Ereignisse zustande kamen.
Das ist sehr spannend und war mir so in diesen perfiden Details noch nicht bewusst (sollten diese stimmen).

Der Film lädt ein zum Nachdenken, wie man selbst in dieser Situation entschieden hätte. Die Zeit drängte vorm Hintergrund der immer massiveren Ausschreitungen.
Was die dramatischen Folgen dieser Trennung waren, wissen wir heute. 14 Millionen Vertriebene. 1 Millionen Sikhs, Hindus und Moslems wurden ermordet. Pakistan steht immer am Rande des wirtschaftlichen Ruins. Der Hass zwischen Indien und Pakistan scheint ungebrochen.

Mountbatten selbst wurde 1979 in der Republik Irland Opfer eines Bombenattentates der IRA.

Schwere Kost…keine Frage…da spaziert man jetzt nicht unbedingt fröhlich unterhalten aus dem Kino. Aber sehr gerührt und sensibilisiert für die Hintergründe der indischen Geschichte.

Hugh Bonneville (Lord Mountbatten), Gillian Anderson (Lady Mountbatten), Manish Dayal (Jeet), Huma Qureshi (Aalia) spielen alle wirklich großartig. Den meisten Applaus bekam Gillian Anderson.

 

Der letzte große Auftritt von Schauspieler Om Puri (starb im Januar diesen Jahres) wurde von den wissenden Zuschauern im Saal der Berlinale-Palastes mit Szenenaupplaus bedacht.

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Newton – ein Prinzipienreiter in Hochform

Der indische Film „Newton“ feierte auf der Berlinale seine Weltpremiere und das laut lachende Publikum dürfte den anwesenden Filmemachern und Schauspielern sehr gefallen haben.

Feinsinnigen Humor sucht man in indischen Filmen leider oft vergebens, denn die Inder mögen anscheinend eher den gröberen Slapstick-Humor. Umso freudig überraschend, dass Newton mit einer ganz besonderen Art von Witz unterhält. Sarkastisch satirisch wird hier die Demokratie in Indien beleuchtet. Newton, gespielt von Rajkummar Rao, ist ein wahnsinnig korrekter Büroangestellter, dem die korrekte Durchführung seiner Arbeit sehr am Herzen liegt. Das ist urkomisch, wenn solch ein Mann versucht, in einem gefährlich umkämpften Dschungelgebiet korrekte Wahlen mit der rebellischen indigenen Bevölkerung vor Ort durchzuführen, die so gar kein Interesse daran hat, irgendwelche weit entfernten, nie gehörten Politiker aus Delhi zu wählen. Dem Unwillen des Militärs vor Ort, sich in das umkämpfte Gebiet zu begeben, entgegnet er mit seiner stoischen Art, seine Aufgabe als Wahlhelfer durch zu ziehen, komme was da wolle. Und da nimmt die Situationskomik sehr absurde Seiten an, über die man herzlich lachen kann, aber am Ende hat er seinen persönlichen Sieg errungen. Die Filmemacher wollten zeigen, dass auch ein Mensch alleine die Dinge verändern kann mit seiner unerschütterlichen Art, sein Ziel zu erreichen und wenn es mehr Newtons auf der Welt gäbe, wäre es eine viel bessere Welt. Das mag wohl stimmen. Ich persönlich wäre wohl eher einer der Wahlhelfer gewesen, die diese Sache nur mit machen, weil sie deswegen einmal mit dem Hubschrauber fliegen durften^^

In einer Szene wird die Gegend der Rebellen als „Pakistan“ bezeichnet, da Pakistan in Indien einfach als Synonym für „Feind“ steht. Der Regisseur wollte darauf hinweisen, dass die Medien immer ihre Überzeugungen darstellen wollen und man den Medien immer kritisch gegenüber stehen sollte.

Ich habe diesen Humor genossen und möchte jetzt am liebsten auch an der Seite von Newton versuchen, bürokratische Strukturen in die Wildnis zu bringen. Nichts scheint absurder.

Ganz besonders hat mir auch das Militäroberhaupt gespielt von Pankaj Tripathi gefallen. Er meinte zwar bescheiden, dass Rajkummar Rao so gut spielte, dass er gar nicht groß schauspielern musste, aber die beiden waren schon echt ein ganz besonders humoristisches Duo.

 

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Raees – das dramatische Leben eines mafiösen Robin Hood

Kann ein Krimineller wirklich eine Art Robin Hood für seine Mitmenschen sein, wenn er richtig viel auf dem Kerbholz hat? Kann man das gut finden?

Das Leben schreibt ja bekanntlich die spannendsten Geschichten…aber Inder legen natürlich immer noch einen drauf und als wäre dieser Film nicht schon spannend genug, müssen sie rund um die Entstehung des Films noch ein eigenes Drama anzetteln.

Schon bald nach Drehbeginn von „Raees“ wurde darüber berichtet, dass die Geschichte inspiriert von einem Gangster namens Abdul Latif sei (gespielt von unserem King Khan), der Alkohol schmuggelte und in die Terroranschläge 1993 von Mumbai verwickelt war. Aber die Filmmacher verneinen dies und verweisen darauf, dass der Film reine Fiktion ist. Vielleicht weil sie wissen, wie viel Kontroversen und Diskussionen dies nach sich ziehen würde, eine reale Geschichte ins indische Kino zu bringen.

Ich finde es durchaus realistisch, dass hier das Leben eines echten Mafioso verfilmt wurde. Da muss man sicher nicht mehr viel hinzu dichten und man hat eine Menge Stoff zu verarbeiten. Das ist gar nicht mal so einfach, wenn man versucht, so einen kriminellen Lebenslauf in Gänze darzustellen. Aber auf jeden Fall beeindruckend.

Was mich an diesem Film besonders unterhielt:

  • der unglaublich talentierte Nawazuddin Siddiqui, der mich bis jetzt in jedem seiner Filme so grandios begeistert hat, spielt einfach wieder mörderisch gut (haha) und ich muss einfach immer noch darüber schmunzeln, wie witzig die filmischen Unterschiede zwischen ihm und Shahrukh wirken…Nawazuddin mit seiner überzeugenden realistischen Schauspielkunst vs. Shahrukh Khans bollywoodeskem Overacting. Verwirrend! Ständig schwankt man zwischen „realistischer Film“ und „Bollywood-Märchen“. HERRlich unterhaltsam!
  •  wie wunderschön künstlerisch das Blut auf der Leinwand spritzt! malerisch, anmutig, und grazil wird dort gemordet und gestorben, was das Zeug hält. Das ist KUUUUUNST!
  • die wirklich gut gemachte Vintage-Optik…ach ja, diese riesigen Brillen, die in den 80ern modern waren und jetzt wieder so richtig hip sind. Und diese lustigen riesigen Telefone, als es noch keine Handys gab.
  • Shahrukh Khan mit fast natürlichem Look, Kajal, muskelbepackt, traditioneller Kleidung…echt toll anzusehen ❤ !!!

Was mich nicht so begeistern konnte:

  • mit der pakistanischen Hauptdarstellerin Mahira Khan bin ich leider nicht so warm geworden

Macht ein klares Ergebnis für gute Unterhaltung 🙂 Ein Masala-Movie mit einer brisanten und umfangreichen Mischung, die man erstmal verdauen muss. Da sitzt man am Ende des Films erstmal still und geplättet da. Gibt soviel zu verarbeiten. Raees, der Kriminelle mit dem kühlen Kopf eines Geschäftsmannes, der sich trickreich und mit dem Mut eines Kämpfers bis an die Mafiosi-Spitze empor arbeitet, seinen Mitmenschen immer hilfreich zur Seite steht und am Ende aus Verzweiflung und gut-Herzen einen schwerwiegenden Fehler begeht. Und die Politik tanzt mal mit, mal gegen seine Pfeife. Aber ein Polizist gibt nicht auf, ihn für seine Taten zu richten. Holla die Bollyfee!

 

 

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Kaabil -Rache ist süß, der Film ist bitter

Bollywoodfilme sind wie eine Pralinenschachtel…man weiß nie, was man bekommt. Leider ist dieser Film eine Praline mit schlechtem Nachgeschmack.

Da habe ich als letztes einen so tollen Film mit einer starken indischen Frau gesehen, vor der man Respekt hat, die Mut macht. Und dann sowas! In Kaabil begeht eine (blinde) Frau Selbstmord, nachdem sie vergewaltigt wurde. Weil sie nicht ertragen kann, dass ihr Mann unter der Situation leiden könnte. Hallo?!!! fragt sich der (deutsche) Zuschauer: in welches Jahrhundert sind wir hier filmisch zurück geworfen? Die Gerechtigkeit scheitert natürlich, wie sollte es anders sein, an der korrupten Polizei. Hrithik, der blinde Ehemann der geschändeten Frau will sich dann eben auf seine Weise rächen. Das wiederum ist das einzig Fesselnde an diesem Film, wie er die Fäden seiner Rache zusammen schnürt. Das ist schon teilweise sehr trickreich erdacht. Sein Plan geht auch auf, aber die Verwaltigung, die Täter, der Selbstmord…alles geht damit unter, alles wird unter den Teppich gekehrt. Wie immer. Scheiß Korruption, aber nunja, damit muss man wohl leben. Seit Ewigkeiten.

Am schlimmsten ist jedoch der Item-Song, in der sich eine junge Dame halb pornös zum Besten gibt und die Vergewaltiger dürfen lüstern die Partyhelden spielen. Hallo?!!! fragt sich wieder der deutsche Zuschauer. DAS ist zu diesem Thema so unglaublich unpassend, dass sich genau an dieser Stelle der schlechte Geschmack im Mund einbrennt.

Dieser Film ist so unglaublich 90er, dass man sich fragt, wer so etwas sehen möchte? Wollen die Inder das wirklich? Ich will das nicht. Ich will den Film ganz schnell vergessen und hoffentlich ist der nächste Film wieder eine angenehmere Praline.

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Where to, Miss? Eine indische Taxifahrerin erkämpft sich ihren Weg

Dieser Dokumentarfilm ist ein wahrer Goldschatz, denn er zeigt die unterdrückten Frauen in Indien nicht als Opfer, sondern als Heldinnen, die versuchen keine Angst zu zeigen, um Vorbild zu sein und die ihren Traum eines selbstbestimmten Lebens mit aller Kraft verfolgen und das ist verdammt nochmal ziemlich beeindruckend!

Nachdem die Gruppenvergewaltigung 2012 in Delhi für weltweites Entsetzen sorgte, gründeten sich einige Organisationen, darunter auch „Women on Wheels“ von der Azad Foundation. Hier fahren Frauen Taxis, damit Frauen sicher durch Delhi fahren können. Das Großartige daran: Hier lernen die Frauen nicht nur Taxi fahren, sondern auch Englisch, Selbstverteidigung und Gender Studies.

Der größte Wunsch der Hauptdarstellerin Devki ist es, eine solche Taxifahrerin zu werden. Devki fällt schon vom Äußeren her aus dem Rahmen. Mit Jeans und Hemd ist sie für eine Frau ungewöhnlich leger in Delhi unterwegs. Und auch ihr Wunsch zu arbeiten, und das auch noch als Taxifahrerin, ist für eine Frau ihres Standes ungewöhnlich. Von ihrem Vater bekommt sie für diesen Wunsch erst einmal eine Tracht Prügel. Aber nichts hält sie davon ab, für ihren Traum zu kämpfen. Auch als sie ihren (zweiten) Mann kennen lernt (vom ersten hatte sie sich aus guten Gründen getrennt) und dieser wie auch der Schwiegervater nicht möchte, dass sie diesen Job verrichtet, setzt sie alles daran, trotzdem zu fahren. Devki möchte sie selbst sein…nicht nur die Tochter ihres Vaters, die Frau ihres Mannes, die Mutter ihres Sohnes. Sie, Devki, möchte Taxifahrerin sein.

Und auch wenn ihr Weg dorthin natürlich mit vielen beschwerlichen Momenten gepflastert ist, ist man als Zuschauer so hinein gezogen, dass man unheimlich stolz auf Devki ist, als wäre man mit ihr in dieser kurzen Zeit sehr gut bekannt. Alle vor der Kamera sind so natürlich und ich habe mich in vielem an meine Indienreise erinnert gefühlt. Die Kameraführung, die Musik, die Menschen…irgendwie wurde hier alles richtig gemacht.

Nachdem Regisseurin Manuela Bastian 2011 für den Dokumentarfilm „Kampf in Pink“ das Drehbuch schrieb (gekleidet in pinke Saris kämpfen die Frauen der Gulabi Gang notfalls auch mit Stöcken gegen Ungerechtigkeit), war dieser Dokumentarfilm ein weiteres Projekt, welches starke Frauen in Indien porträtiert. Über drei Jahre gingen die Dreharbeiten, oft musste Devki erst wieder mühsam aufgespürt werden, da sie immer wieder umgezogen war und die Handynummern wechselte. Das Festhalten an Devkis Geschichte hat sich in jeder Hinsicht gelohnt. Sehr sehenswert und Mut machend!

Der Film läuft ab 19.1. im Kino (leider nicht in allen Städten). Also wenn er in eurer Stadt läuft, anschauen! http://wfilm.de/where-to-miss/kinotermine/

P.S. wirklich toller Soundtrack!

 

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Dear Zindagi – Hi Leben!

Was ist das für eine geniale Rolle! Shahrukh Khan als Psychiater Jehangi Khan. Das ist so unglaublich überraschend gut! Wer würde nicht gern jeden Tag eine Sitzung mit Brain Doctor Jehangi Khan haben. Ist auch nicht so schlimm, wenn er dabei gar nicht so weltbewegendes von sich gibt. Eine tägliche Dosis Herzausschüttung mit Shahrukh…kann mal bitte jemand eine Serie draus machen?!!! Hammer!

Gut, eigentlich geht es ja hauptsächlich um seine Patientin Kaira (Alia Bhatt), die findet einfach nicht den richtigen Partner und natürlich, wie sollte es anders sein, liegen die Beziehungsprobleme in ihrer Kindheit, wie sich im Laufe der Sitzungen bei the Brain Doctor „Jug“ heraus stellt. Das ist dann auch ganz dramatisch und hat mich wiederum auch überrascht, wie unglaublich echt Alia Bhatt diese Szene spielt. Als würde sie gerade auf einen sehr grausamen Teil ihrer eigenen Kindheit blicken. Da muss man den Hut vor ziehen, das war schauspielerisch Spitzenklasse.

Ansonsten war ich von dem Teil, in dem erstmal ihre aktuelle Situation geschildert wird, eher nicht so ergriffen. Ihr Charakter wurde sehr sehr ausführlich dargestellt. Gut, ich gebe zu, ich hätte lieber noch etwas mehr Zeit mit Shahrukh verbracht und die Suche nach dem richtigen Stuhl/Kursi fürs Leben. Die Suche nach dem richtigen Partner mit der Wahl des richtigen Stuhls zu vergleichen…kann man machen, lieferte mir allerdings auch keine großen Neuigkeiten, was dieses Business angeht. Ist aber vielleicht für Inder, die zu großen Teilen von den Eltern vermittelte Partner bekommen, ein großes Neuland. Das hab ich dann persönlich doch vermisst: noch etwas tiefgreifendere Erkenntnisse zum Thema Leben. „Soul-Searching“ passiert hier nur am Rande. Nichts, was ein normal selbst reflektierender Mensch nicht schon gewusst hätte.

Oder mit welchen Hürden und Hindernissen eine Frau zu kämpfen hat, die nicht verheiratet ist, sondern Karriere machen möchte. Das wurde zwar teilweise angedeutet, z.b. als der Vermieter sie hinaus wirft, weil in seiner Wohnanlage nur Platz für verheiratete Frauen mit Familie ist. Dass sie als Frau in ihrem Beruf oft zurück stecken muss und härter für alles kämpfen. Ganz großes Kino, als Raghuvendra, der sie verlassen hatte am Ende meint, dass sie ihren großartigen Kurzfilm nie hätte machen können, wenn er bei ihr geblieben wäre. Alter! Da rollen sich mir die Nägel auf! Aus persönlichen Gründen. Wir gehen auch so unseren Weg, ob mit oder ohne euch verdammt! Ich glaube, ich habe auch eine Psychose und muss dringend zu Dr. Khan..

Also abschließend kann ich nur nochmal betonen, Shahrukh Khan als Psychiater: HAMMER! Allein dafür hat sich der Film gelohnt. Ich werde dann jetzt immer im Traum meine Sitzungen mit ihm abhalten und mit ihm um die Wette mit den Wellen des Lebens laufen…

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