Bollywoodelfe's Blog

Eine deutsche Sicht auf Bollywood, Indien , Pakistan

Padman – ein realer Superheld hat’s schwer

Es gibt auch im realen Leben Superhelden. Man kann sich (als Nicht-Inder) nicht annähernd ausmalen, was für schwere Brocken dem armen Arunachalam Muruganantham in den Weg gelegt wurden, der eigentlich nur das Beste für Frauen wollte und vorhatte, das Leben von indischen Frauen revolutionär mit bezahlbaren Damenbinden zu verbessern. Das menstruale Tabu war der größte Kampf seines Lebens.

Als moderne Frau möchte man die Frauen, die dem „verrückten Bindenmann“ das Leben so schwer machten, am liebsten kräftig durchschütteln und ohrfeigen, bis sie sich eines Besseren besinnen, aber man darf natürlich nicht vergessen: sie sind in einer ganz anderen Kultur aufgewachsen und gerade die Frauen im Dorf haben oft nicht die Bildung, die ihnen Aufklärung bietet. Trotzdem ist man den großen Teil des Films richtig richtig wütend auf die unbelehrbaren Frauen, die das Thema Monatsblutung gern totschweigen, sich 5 Tage wegen „Unreinheit“ aus dem Haus vertreiben lassen und lieber Krankheiten in Kauf nehmen, weil sie einen schmutzigen Lappen benutzen, den sie dann zum Trocknen auch noch unter dem Sari verstecken. Als „Padman“ dies bei seiner innig geliebten Frau entdeckt, will er, dass sie lieber saubere Binden benutzt. Diese sind aber so teuer, dass sie ihn dazu zwingt, die gekauften Binden zurück zu geben, da sie sich das nicht leisten können. „Padman“ ist verzweifelt, will er doch auf keinen Fall, dass seine Frau dadurch ernsthaft erkrankt, wie ein Arzt ihm bestätigt. Er versucht Binden selbst herzustellen, und da fängt das riesige Problem an. Sobald er das Thema anspricht, werden alle Frauen in seiner Umgebung hysterisch und schämen sich zu Tode. Es gibt zahlreiche Verwicklungen, weil er versuchen will, die Binden zum Test und als gut gemeintes Geschenk an die Frau zu bringen. Die Frauen seiner Familie sind schon alle gegen ihn, seine Frau will ihn aus Scham verlassen. Schließlich geht er einen Schritt zuviel und testet die Binde selbst auf ihre Funktion, worauf hin es ein riesen Drama im Dorf gibt und sie ihn schon am Baum aufhängen oder verprügeln wollen. „Padman“ sieht ein, dass er hier nicht weiter kommt und verlässt schweren Herzens seine Familie und das Dorf.

Nun wird sein schwerer Weg bis zur Herstellung einer Maschine, die für nur 2 Rupien statt 55 Binden herstellt, aufgezeigt. Im Film sind es dann glückliche Umstände und eine kluge Frau, die ihn letztlich ans Ziel führe. Nachdem er seine Innovation erfolgreich an einem Institut vorführen konnte, kommt alles ins Rollen und er kann seine Maschine im ganzen Land von Frauen kaufen lassen, damit sie die Binden selbst herstellen und verkaufen können.

Es ist mein erster Akshay Kumar-Film nach bestimmt 15 Jahren. Zum Glück konnte ich meine persönliche Aversion gegen ihn außer Acht lassen, weil dieser Film unendlich wichtig für die Bildung von Frauen zu diesem Thema ist. Im Film erzählt „Padman“, dass man „lebt“, wenn man Probleme überwinden muss. Ich hätte mir nie vorstellen, wie groß dieses Problem in Indien ist. Selbst heute noch wird an Tempeln mit Verbotsschildern darauf hingewiesen, dass Frauen den Tempel während ihrer Menstruation nicht betreten dürfen, weil sie zu der Zeit „unrein“ sind. Das sind wieder so Momente, wo man ungläubig den Kopf schütteln muss, weil man es einfach nicht versteht. Hoffen wir, dass der Film wirklich zu etwas mehr Offenheit führen wird. Dass „Padman“ dieses Durchhaltevermöge hatte, grenzt an ein Wunder und man kann ihn tatsächlich mit einem Superhelden vergleichen.

Zu sehen bei Netflix: https://www.netflix.com/TITLE/81016191 

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MOM – die Rache einer liebenden Mutter

Dieser Film ist nichts für schwache Nerven. Bei Vergewaltigung geht es aber auch nicht um Wohlfühlkino, sondern ist an sich ja schon spannungsgeladenes Thema. Wie schon in dem empfehlenswerten Film „Ajji“ geht es um Rache, nachdem die  Vergewaltiger eines Mädchens aus haarsträubenden Gründen vom Gericht frei gesprochen werden.

Wie heißt es so schön in einer Szene: „Gott kann nicht über allem wachen“ – „Ja, ich weiß, aber dafür hat er die Mütter erschaffen“. Was bleibt der (Stief)Mutter, gespielt von der großen Sridevi, die leider im Februar diesen Jahres verstarb, hier anders übrig, als zu überlegen, etwas falsches oder sehr falsches zu tun, wenn sie mit ansehen muss, wie grausame Individuen das Leben ihrer Tochter sogar auslöschen wollten, aber auf jeden Fall nachhaltig geschädigt haben, denn mit so einem Ereignis wird man nie wieder an das vorherige unbeschwerte Leben anknüpfen können. Allein gelassen von Polizei und Justiz muss man doch zwangsläufig an Selbstjustiz denken, wenn die Täter ohne jegliche Bestrafung fröhlich und ohne Einschränkung weiter leben können, während das Leben ihrer Tochter zerstört wurde. Ihr zu Hilfe kommt einer meiner liebsten Schauspieler Nawazuddin Siddiqui, ein Privatdetektiv, der das Leid der Mutter nachvollziehen kann. Er sammelt Informationen zu den Tätern, damit sie ihre Rachepläne schmieden kann, um deren Leben ebenso zu ruinieren. Das ist dann auch sehr spannend und man weiß als Zuschauer natürlich, dass es irgendwie nicht richtig ist, aber auf der anderen Seite muss es auch irgend eine Bestrafung für die Täter geben.

Die ersten Rachefeldzüge funktionieren auch sehr gut und wie geplant; dann nimmt es aber doch einen Verlauf, der am Ende nochmal für sehr viel Dramatik sorgt, denn sowas kann letztlich ja doch nicht gut gehen.

Spannend bis zuletzt, mit Bollywood-Größen wie Sridevi, Nawazuddin Siddiqui, Akshaye Khanna. Sridevi bekam nicht umsonst sehr viele Filmawards für diese Rolle. Die Dramatik ist typisch bollywoodesk überzogen, am Ende vielleicht etwas zu übertrieben und unrealistisch. In jedem Fall ist die Botschaft klar: Immer konfrontiert mit der extrem schwierigen Frage im Hinterkopf, ob man wirklich Rache nehmen darf oder die Täter eines so schwerwiegenden Verbrechens ungestraft lassen sollte.

Zu sehen bei Netflix: https://www.netflix.com/title/80201175 

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Der alte Mann und das Radio im Ohr

Dieser Film hat mich tief berührt! Weil alles so echt ist…als wäre es mein eigener Großvater, mit dem ich mitleiden muss, wenn er Tränen vergießt; mit dem ich mitlachen muss, wenn er sich über die kleinsten Dinge freut; mit dem ich am liebsten jeden Tag verbringen würde, den ich am liebsten umarmen würde und mich um ihn bis ans Lebensende kümmern möchte.

Der 70jährige Arunachalam hat es nicht leicht mit seinem erwachsenen Sohn. Der ist einfach nur genervt von seinen Eltern und zertrümmert aus Wut das geliebte altertümliche Radio des alten Mannes, der dieses innig liebte, weil er es mit so vielen Erinnerungen an seinen Vater verband. Es fließen Tränen. Tränen, die wirklich berühren. Der Sohn nutzt die Gelegenheit dieses Wutanfalls, lässt seine Eltern nun vollkommen im Stich und zieht aus. Wie kann jemand so grausam zu seinen Eltern sein?

Nun müssen Arunachalam und seine Frau Lakshmi allein zurecht kommen.  Arunachalam geht in seinem hohen Alter noch in einer Fabrik arbeiten. Seine Kollegen lieben ihn. Ihn muss man einfach lieben. Irgendwann beginnen die Geräusche in seinen Ohren. Der Arzt wird es das „Musik-zwischen-den-Ohren“-Syndrom nennen. Es ist eher psychischer Natur bedingt durch die Sehnsucht nach der Vergangenheit. Ihm ist es anfangs unheimlich, aber nach einer Behandlung auf Drängen des Sohnes sind die Geräusche vorläufig weg und er verliert gänzlich seine ansteckende Lebensfreude. Als die Geräusche eines Tages wieder kommen, hat er also wahre Freude daran und rockt zu seiner nur für ihn hörbaren Musik im Kopf gigantisch ab. Es ist zum Schreien schön.

Es gibt sehr viele traurige Momente, aber auch sehr viele schöne Momente im Leben des alten Ehepaares. Wir dürfen sie ein Stück weit begleiten und sie wachsen einem schnell ans Herz. Wieso ihr Sohn so grausam zu ihnen ist, bleibt einfach unbegreiflich.

Es muss nicht immer eine klassische dramatische Liebesgeschichte sein, die einen zu Tränen rührt. Dieser Film erweckt auch die letzten versteckten Emotionszellen und hinterlässt ein warmes, angenehm mitfühlendes Gefühl.

Das ist wieder eine kleine indische Perle im riesigen Film-Ozean und ich werde mir diesen Film garantiert nochmal ansehen.

Zu sehen bei Netflix: https://www.netflix.com/title/80147318 

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Court – gefangen in Absurdistan

Wenn ihr mal sehen wollt, wie sich aus einer eigentlich an den Haaren herbei gezogene Anklage zu einem unendlichen Gerichtsverhandlungsmartyrium entwickelt, dann seid ihr hier richtig . Der Fall an sich ist zwar fiktiv, aber er könnte sich genauso zutragen und das ist wirklich erschreckend. Wenn ein Polizist dich im Gefängnis sehen will, dann wird er es schaffen, egal wie absurd die Anklagepunkte sind.

Narayan Kamble ist ein Poet, bekommt keine Rente und hält sich mit Unterricht und Gesangsauftritten über Wasser. Wir sehen am Anfang einen schönen Auftritt von ihm und seine Verhaftung. Die Anklage lautet: Beihilfe zum Selbstmord. Ein Kanalarbeiter ist tot aufgefunden worden. Die Polizei geht von Selbstmord aus. Zwei Tage nachdem Narayan Kamble einen Auftritt vor den Kanalarbeitern hatte und angeblich Lieder sang, die zum Selbstmord anstiften. Wir hören einen sehr ausführliche Anklageschrift, die vor Absurditäten nur so strotzt. Trotzdem will der Richter Narayan nicht auf Kaution frei lassen, er muss erstmal in Untersuchungshaft.

So gehen dann auch bald unendliche Prozesstage ins Land. Immer wieder wird der Prozess vertagt, weil irgend ein absurder Beweis geprüft werden muss. Da wurde z.B. ein Brief mit Belanglosigkeiten in der Wohnung des Angeklagten gefunden (Durchsuchung ohne Durchsuchungsbefehl) und weil der Polizist in diesen Belanglosigkeiten einen Geheimcode von Extremisten sieht, verschiebt sich der Prozess um eine weitere Unendlichkeit, weil der Geheimdienst erstmal diesen Geheimcode entziffern soll.

Zwischendurch sehen wir das Privatleben von Verteidiger und Anwältin. Was auch schon wieder absurd wirkt. Es hätte mich ja interessiert, wie es dem armen Angeklagten geht, etwas aus seinem Leben. Stattdessen sehen wir, wie sich der Verteidiger mit seinen Eltern beim gemeinsamen Essen über das Thema Heirat streiten muss und nach Feierabend diverse Spirituosen kauft. Oder die Anwältin der Anklage im Zug nach Hause sitzt und mit ihrer Sitznachbarin über diverse Alltagsthemen spricht. Ganz normale Menschen eben, die aber für den Ausgang dieses absurden Prozesses sehr entscheidend sind und den Fortgang eines Menschenleben entscheidend beeinflussen.

Der Verteidiger kann dann letztlich alle an den Haaren herbei gezogenen Anklagepunkte stichhaltig entkräften. Was aber nicht heißt, dass der arme Poet nicht ohne Strafe davon kommt und sein Martyrium ein Ende hat. Nein, da wartet die Anklage auch schon mit einer neuen Anklage auf und das Drama beginnt von vorne.

Unglaublich deprimierend, wie machtlos man gegen die Mühlen der ewig mahlenden Justiz sein kann. Aber filmisch sehr interessant dargestellt. Es ist jederzeit spannend, wie sich das Drama weiter und weiter zuspitzt. Absurd gut. Der Film wurde zurecht mit einigen Filmpreise ausgezeichnet.

Zu sehen bei Netflix: https://www.netflix.com/de-en/title/80017218

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Ghul – die Geister, die ich rief

Ich bin kein Horrorfilm-Fan. Für diese indische Produktion habe ich mal eine Ausnahme gemacht.

Nida Rahim (Radhika Apte scheint die Lieblingsschauspielerin von Netflix-Produktionen zu sein) ist eine Kadettin des „Protection Squads“. Sie lebt in einem Indien, in dem Religionskriege und Terror dazu geführt haben, dass das Militär die Führung übernommen hat und jeden Glauben unterdrücken will. Es gibt Bücherverbrennungen. Als bei Nidas Vater Bücher gefunden werden, die laut den neuen Gesetzgebungen verboten sind, verrät sie ihn, weil sie glaubt, dass er ein Frevler ist, der Unglück über ihr Land bringt. Sie wird daraufhin in einen abgeschotteten Verhörbunker befördert, wo gefangene mutmaßliche Terroristen gefoltert werden.

Jetzt muss man sich durch die ersten zwei Teile schauen (mordende Ungeheuer sind jetzt nicht sooo überraschend), bis man im wirklich spannenden dritten Teil sogar schon die interessante Auflösung dieser Horrorgeschichte erfährt. Ein Guhl treibt sein Unwesen, in der arabischen Mythologie ein leichenfressendes Fabelwesen. Hier werden wir nun Zeuge, zu was dieser Geist fähig ist und wer ihn herauf beschworen hat.

Was ich sehr gut finde: die Serie hat einen weiblichen Hauptcharakter, den man erst nicht so recht einschätzen kann und immer wieder überrascht. Die Auflösung der Geschichte ist aus meiner Sicht nicht vorhersehbar und hat auf jeden Fall sehenswerte Qualität mit einer großen Warnung an die Gesellschaft, die sich besser nicht in eine solche Richtung entwickeln sollte.

Was ich nicht verstehe: ursprünglich sollte es ein Film werden. Als Netflix sich die Rechte kaufte, machte man eine Mini-Serie mit drei Teilen daraus, um zu schauen, ob man daraus nicht vielleicht eine längere Serie entwickeln könnte. Das finde ich nach dem auflösenden Ende nicht sehr durchdacht. Es ist alles gesagt. Es kann ja nur noch mehr Tote geben wie das unendliche „The Walking Dead“ Abgeschlachte. Aber den Grund kennen wir ja nun. Es hätte aus meiner Sicht gut bei einem Film bleiben können.

Zu sehen bei Netflix: https://www.netflix.com/de/title/80245450 (ich hatte zuerst vergessen, auf Hindi umzuschalten…die deutsche Version hätte ich nicht so ernst nehmen können)

 

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Dr. Rakhmabai – Indiens erste Ärztin

Die Geschichte von der ersten indischen Frau, die als Ärztin praktizierte und ihr schwieriger Weg dorthin mit einer Rechtsstreit-Odyssee um ihre mit 11 Jahren zwangsweise vollstreckte Kinderehe gehört auf jeden Fall auf die Leinwand.

So ist die Geschichte an sich sehenswert, die filmische Umsetzung wirkt allerdings fast steril, was die Emotionen betrifft. Wenn Rakhmabai wirklich in allem eher sachlich abgeklärt war und kaum Gemütsregung zeigte, ist das natürlich nachvollziehbar, bewirkt allerdings, dass man als Zuschauer auch kaum emotional berührt wird. Und aus welcher Laienspielgruppe auch immer die britischen Schauspieler stammten…das konnte man teilweise nicht recht ernst nehmen. Ich hätte mir auch sehr viel mehr Szenen der praktizierenden Ärztin zu jener Zeit gewünscht . Was liebe ich die Serie „Call the Midwife“, in der man soviele spannende Details darüber erfährt, welche medizinischen Errungenschaften noch gar nicht so lange her sind, welche Irrglauben es noch gab und wie der Wissensstand zu der Zeit war. Stattdessen müssen wir ewig lange Gerichtsprozesse miterleben, die natürlich für Rakhmabai sehr bedeutsam waren, aber für meinen Geschmack doch auch gern etwas kürzer hätten ausfallen können. Die wenigen Szenen, in denen Rakhmabai dann mal in ärtzlicher Aktion zu sehen war, wirkten auf mich leider nicht sehr professionell. Die angedeuteten Schwierigkeiten in Bezug auf ihre Fähigkeiten als Ärztin gab es eigentlich nur, weil man sie und ihre Eheproblematik persönlich kannte. Es muss doch auch allgemein Vorurteile gegen sie als Frau gegeben haben.

Also insgesamt von der Geschichte her wertvoll: eine stille Revolte in der indischen Gesellschaft , aus der die erste indische praktizierende Ärztin hervor ging. Eine Frau, die lieber das Gefängnis wählte, als mit einem Mann zusammen leben zu müssen, mit dem sie als Kind ohne Einwilligung verheiratet wurde und den sie gar nicht mochte. Die filmische Umsetzung mit wenig Emotionen und eher laienhaft anmutend.

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Aruvi – am Abgrund

Wenn ein Vater seine Tochter aus dem Haus wirft, weil er glaubt, sie lügt in einer schwerwiegenden Sache: welche Chancen hat die junge, auf sich allein gestellte Frau am Rande der Gesellschaft dann, dass sie von irgendjemandem angehört wird, wenn ihr etwas Schlimmes widerfährt? Daran zu Grunde gehen…oder einen ziemlich radikalen Weg gehen? Die junge „rebellische“ Frau Aruvi wählt einen für den Zuschauer sehr überraschenden und dramatischen Weg.

Bis dahin sehen wir das Leben von Aruvi im Zeitraffer. Wohlbehütet und heißgeliebt vom Vater wächst sie in einer Gegend mit schöner Natur auf. Eine glückliche Kindheit mit viel Liebe.

Dann ziehen sie in die Stadt. Dort geht sie zur Schule und hat später eine tolle beste Freundin, mit der sie das Leben genießt. Irgendwann passiert etwas Dramatisches und sie muss von zu Hause weg. Doch anstatt zu verzweifeln und zu verlottern, macht sie zusammen mit einem Transgender diese ganz andere Welt zu einem neuen Zuhause, in der sie auch Freude haben kann.

Plötzlich sitzt sie in einem Fernsehstudio und klagt 3 Männer an, sie vergewaltigt zu haben. Den eigentlichen, dramatischen Hintergrund dieser Aktion erfährt der Zuschauer dann Knall auf Fall und ich war mit diesen Ereignissen, die so gar nicht abzusehen waren erst einmal so überfordert, dass ich nicht mehr wusste, was ich glauben sollte. War das jetzt wirklich Ernst? Was stimmt hier und was nicht?

Soviel ist klar: der Film wirft auch im Nachhinein viele Fragen auf. Und ist vollbepackt mit jeder Menge Gesellschaftkritik. Am besten ist die Szene, in der Aruvi der Moderatorin der Wahrheitssendung wie aus der Pistole geschossen in einem minutenlangen Monolog, ganz Poetry Slam-mäßig ihre Sicht auf die ach so feine Gesellschaft herunterpredigt, in der man nur etwas wert ist, wenn man Geld hat und in der es nur im Materielle Dinge geht. Einfach großartig und beeindruckend vom Leder gezogen! Und dann gibt es da noch so viel, was in dem Film kritisch dargestellt wird…die Behandlung von „Randgruppen“ der Gesellschaft, was die Medien mit den Menschen machen, was die Vorverurteilung von Ereignissen betrifft…eigentlich viel zu viel für einen Kinoabend, aber sehr unterhaltsam und auf jeden Fall spannend und dramatisch und nachhaltig nachwirkend.

Fazit: sehenswertes sozio-politisches Drama mit tollen Schauspielern

 

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Ankhon Dekhi – mit eigenen Augen

Es ist so schön, dass man bei Netflix immer wieder mit kleinen, feinen indischen Filmen überrascht wird. Diesen hier fand ich überraschend gut.

Vater Rajesh Bauji lebt mit seiner eigenen und der Familie seines Bruders zusammen in Delhi. Es kommt zu einem dramatischen Vorfall als bekannt wird, dass sich seine Tochter mit einem jungen Mann getroffen hat. Die Familie rottet sich wutentbrannt zusammen und will dem jungen Mann Gewalt antun, um ihn von weiteren Treffer abzuhalten, weil sie gehört haben, dass er ein schlechter Mensch ist, der seine Eroberungen mit Strichlisten führt. Als sie fast mord lüstern mit einem Polizisten samt Schlagstock bei ihm ankommen, erkennt Bauji, dass der junge Mann überhaupt nicht der böse Mann ist, der ihm beschrieben wurde. Er schämt sich so dafür, dass er einfach den Erzählungen anderer blind vertraute, dass er fortan beschließt, nur noch Dinge zu glauben, die er mit eigenen Augen gesehen hat.  In diesem Sinne wird es dann sehr heiter und turbulent, wenn er zum Beispiel nun weder der Religion, noch der Mathematik Glauben schenken will. Wie sollten sich Parallelen in der Unendlichkeit schneiden? Er kann das nicht mit eigenen Augen sehen. Irgendwann treibt er es dann sogar so weit, dass er auch nicht mehr reden möchte. Seine Frau verzweifelt so langsam, weil ihn die Meisten für einen armen Irren halten, der sogar in aller Öffentlichkeit dafür wirbt, dass man nur das glauben sollte, was man mit eigenen Augen gesehen hat.

AnkhonDekhi

Er findet aber auch einige Anhänger inklusive des Mathematiklehrers seines Neffen, den er durch seine Hinterfragungen völlig verwirrt zurück ließ, die ihn für eine Art Guru halten und ihm in allem folgen. Was dann aber irgendwann eskaliert, weil er ihnen erklären muss, dass er sie nicht mehr wiedersehen will, weil sie ihn nur imitieren. Ihre Erleuchtung soll ihnen schließlich selbst gelingen.

Den Part, dass man Dingen nur noch vertraut, die man mit eigenen Augen gesehen hat, hätte man vielleicht noch etwas mehr ausschmücken können…so viele alltägliche Angewohnheiten/Traditionen könnten doch so mal ernsthaft hinterfragt werden. Aber vielleicht reicht das auch so als Ansatz, mal selbst eingefahrene Dinge zu hinterfragen. Schön ist auf jeden Fall auch mit zu erleben, wie schnell jemand zum Guru werden kann, weil alle irgendwie hungrig sind nach einer höheren Erkenntnis im Leben. Wie sich Verwandte und Bekannte täglich zusammen rotten und sich über alles lustig machen und über Gott und die Welt palavern. Ein meiner Meinung nach sehr reales Bild einer indischen Familie und auf mich hat alles so sympathisch gewirkt, dass der Film so federleicht dahin fliegt, wie Bauji, ein wirklich großartiger Schauspieler, am Ende des Films.

Fazit: ich finde ihn wirklich sehenswert

Netflix: https://www.netflix.com/title/70307997 

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Brij Mohan -ein Fluchtversuch vom „Fuck“ des Lebens

Kommen wir zu einem sehr absurden Film. Normalerweise mag ich groteske Filme. Dieser hauseigenen Netflix-Produktion stehe ich ziemlich ambivalent gegenüber.

Hauptakteur Brij Mohan teilt das Leben in „Luck“ und „Fuck“ ein. Bisher ist er in seinem Leben ziemlich am Arsch. Seine nervige Frau liebt ihn nicht und  will ihn in den finanziellen Ruin treiben. Dann lässt er sich auch noch von einem Geschäftspartner verarschen und setzt sehr viel Geld für ein total dummes Geschäft in den Sand. Das Geld hatte er sich natürlich von einem kriminellen Bösewicht geliehen und als er es nicht zurück geben kann, entstehen viele ungewollte Situationen, die schließlich damit enden, dass er für den Mord an sich selbst angeklagt wird.

Nach der ersten halben Stunde geriet ich in Versuchung, diesen Film abzuschalten. Er war nervig, der Hauptdarsteller hatte nicht wirklich etwas Interessantes an sich. Irgendwie alles sehr flach…Aber ich dachte mir, dass ich vielleicht das Konzept des Films einfach noch nicht verstanden habe und schaute weiter. Dann musste ich bis zum Ende des Films durchhalten, weil ich doch wissen wollte, wie dieses Drama endet. Also für mich war es eher ein Durchhalten als Genuss. Immerhin ist der Film nicht total vorhersehbar. Und letztlich doch wieder viel zu realistisch, als dass es eine Parodie sein könnte. Die ganzen gesellschaftlichen Dramen, die hier angesprochen werden, sind nämlich traurige Realität. Wie man dank der korrupten Behörden von einem einfachen Handydieb in null komma nichts zu einem angeklagten Mörder werden kann; wie sich das gesamte Polizisten- und Beamtenleben daraufhin abspielt, möglichst schnell auf illegale Art und Weise an viel Geld zu kommen. Wie man von skrupellosen Geschäftemachern in den Ruin getrieben wird. Und wie aus völlig ungewollten Situationen Verbrechen entstehen. An einigen Stellen will uns dieser Film also schon wichtige Dinge vermitteln…aber im Großen und Ganzen noch zu uncharmant verpackt. Vielleicht könnte Bollywood was Größeres draus machen. Immerhin fand ich Polizeiinspektor Manav Vij sehr sehenswert, der mir auch schon bei Phillauri und Lucknow Central positiv aufgefallen ist.

manavvij

Warum Netflix den Titel „Der Unsterbliche Brij Mohan“ gewählt hat, erschließt sich mir überhaupt nicht, aber der Titel „Wenn man versucht, sich aus dem „Fuck“ des Lebens zu befreien und am Ende doch verliert“ wäre wohl zu lang gewesen…

https://www.netflix.com/title/80992995

 

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Mangolassi Cheesecake

Da mein Lieblingslieferant für den Mangolassi Cheesecake in der wohlverdienten Sommerpause weilt, musste ich mich wohl oder übel selbst ans Werk wagen. Da ich kein Rezept speziell für diesen Kuchen gefunden habe, habe ich es einfach mal probiert. Für Hinweise, die zu einem noch besseren Ergebnis führen könnten, wäre ich sehr dankbar.

Ich habe die drei Schichten-Variante gewählt, da mit nur zwei Schichten das Mango-Püree-Muster zu sehr im Teig versinkt.

Für den Boden:

100 g Mehl
30 g Zucker
¼ TL Zimt
¼ TL Natron
¼ TL Backpulver
50 g weiche Butter
2 TL Honig
1/2 TL Vanillepulver
etwas Salz

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Alle Zutaten außer Butter und Honig kurz in einer Schüssel vermengen. Dann Butter und Honig dazugeben und zu einem festen, bröseligen Teig verkneten. Diesen in die vorher gebutterten Form festdrücken. Bei 175°C im Ofen backen. Abkühlen lassen.

Fertig ist der Boden.

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Jetzt kommt die Mittelschicht:

280 g Frischkäse
70 g Zucker
1 Ei
1/2 TL Zitronensaft
1/4 TL Vanillepulver
1 TL „Chai-Küsschen“ von Sonnentor
1 TL Kardamom (gemahlen)
1 TL Tonka-Zucker (z.B. von RUF)
etwas Salz

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Für die Mittelschicht Frischkäse mit dem Zucker, Tonka-Zucker, Chai Küsschen und dem Ei cremig aufschlagen,  danach Vanillepulver, Kardamom und Zitronensaft hinzugeben Die Füllung auf dem abgekühlten Boden schichten und bei 190°C  im Ofen 20 Minuten backen. Danach lange abkühlen lassen.

Und nun folgt der letzte Streich. Die oberste Schicht:

300 g saure Sahne
4 TL Puderzucker
1/2 TL Zucker
1 Prise Salz
½ TL Vanillepulver*
Abrieb von 1 Bio-Zitrone
Mangopüree

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Für die Oberschicht alle Zutaten vermengen. Auf die Mittelschicht verteilen. Nun das Mangopüree kreisförmig rauftröpfeln und mit einem langen Stiel ein Muster ziehen.

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Bei 215°C nochmal für 5 Minuten in den Ofen. Nach dem Backen wiederum abkühlen lassen und am Besten im Kühlschrank lagern.

Et voilà! Fertig ist das leckere Teil! Ein erfrischender Sommerkuchen.

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