Bollywoodelfe's Blog

Eine deutsche Sicht auf Bollywood, Indien , Pakistan

Manikarnika – die indische Jeanne d’Arc

- Februar 6, 2019

Wenn sich all die Moguln und Maharadschas einig gewesen wären und wie Manikarnika an das Wohlergehen des gesamten Indien gedacht hätten, hätten die Briten damals vielleicht nicht so ein leichtes Spiel bei der Besetzung von Indien gehabt. So aber wurde Manikarnika aus den eigenen Reihen verraten und leider wissen wir aus der Geschichte, dass ihr unglaublich tapferer Widerstand gegen die Briten leider zu dem Zeitpunkt noch lange nicht die erhoffte Freiheit für ihr Land brachte. Sie wurde aber zu einer führenden Figur der Indischen Rebellion von 1857 gegen die East India Company und ging in die Geschichte ein.

Der Film sorgte schon beim Dreh für einige Kämpfe. Hauptdarstellerin Kangana Ranaut bestand darauf, dass Sonu Sood aus dem Film entfernt wurde, weil er ihrer Meinung nach durch seine starke Leinwandpräsenz die ihre schwächte. Er wurde dann durch einen anderen Schauspieler ersetzt. Da der Regisseur aber zu der Zeit schon für ein anderes Projekt drehte, führte sie selbst Regie für die Szenen mit dem Ersatz-Schauspieler. Nach der Fertigstellung des Films gingen dann die Querelen mit dem Verleih los. Der Verleih zog den Film zurück, da es Probleme mit dem Zwischenhändler der Rechte gab, die wohl nicht rechtzeitig gelöst werden konnten. So wurde der Film gar nicht wie angekündigt in größerem Umfang in den deutschen Kinos gezeigt. Zum Glück gibt es ja immer noch das Kino Babylon in Berlin, dass gesondert indische Filme zeigt. Plötzlich aber war der Film ausverkauft, was sich dann jedoch als Fehler im System erwies und der Kinosaal blieb unerwartet leer, wo sich sonst viele Inder mit uns tummeln. Zu guter Letzt kam es kurz vor Schluss noch zu einem Kurzschluss und der Film ging mitten in der letzten Schlacht aus. Was für ein unerwartet großes Drama dieser Film doch mit sich brachte!

Aus unserer Sicht war der Regiewechsel auch irgendwie zu merken. Während man am Anfang eher unbeteiligt die Geschehnisse betrachtete und sich nicht sonderlich emotional hinein gezogen wurde, fieberte man am Ende doch sehr mit Lakshmi Bai (Manikarnikas Name nach der Hochzeit) mit, wenn sie wie im Blutrausch Brite für Brite niedermetzelt, übersät mit Blutspritzern. Hach, was für ein grandioses Gemetzel im Kampf um die Freiheit. Und während Jeanne d’Arc auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde, ließ sie sich gar nicht erst gefangen nehmen und verbrannte sich lieber selbst auf dem Schlachtfeld. Was für eine Heldin!!!

Ich würde sagen, in den letzten Zügen des Films wird er der originalen Heldin wahrscheinlich gerecht. Indische Filme, die heldenhafte Frauen auch mal als solche darstellen, gibt es leider viel zu wenig. Leider verpuffen aus meiner Sicht die Stunt-Effekte etwas. Das hat nicht im Ansatz die Qualität eines Bahubaali. Obwohl man diese Stunts in ihrer Absurdität schon eher witzig findet, bleibt es bei ihm doch trotzdem noch heroisch. Bei ihr wirkt es allzu irreal. Die echte Lakshmibai, Rani of Jhansi, konnte garantiert auch ohne Animation hervorragend reiten und fechten. Manchmal ist weniger mehr. Und ich finde es gut, dass Kangana der Frau genug Raum auf der Leinwand geben wollte, auf dass die Herren mal etwas verblassen, denn hier steht eine Frau im Mittelpunkt, die gefeiert werden sollte und nicht wie im sonstigen indischen Leben nichts wert ist.


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: