Bollywoodelfe's Blog

Eine deutsche Sicht auf Bollywood, Indien , Pakistan

Vorsicht, Indien! Zu Risiken und Nebenwirkungen befragen sie dieses Buch…

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Als mir neulich ein Kollege von seiner Idee erzählte, demnächst einen Freund in Indien besuchen zu wollen und ich ein paar Hinweise gab, was ihn dort erwarten würde, waren alle erstmal etwas schockiert und meinten, das ist ja jetzt eher abschreckend. War natürlich absolut nicht abschreckend gemeint. Ich finde nur, dass man nicht absolut blauäugig nach Indien reisen sollte, da man sonst vielleicht wie viele nach einem Indienbesuch der Meinung ist: nie wieder Indien! oder wie ein anderer Kollege schockiert nach seiner Indienreise meinte: „Indien ist toll, wenn nur die Inder nicht wären.“

So ist dieses Buch „Was sie dachten, niemals über Indien wissen zu wollen“ von Andrea Glaubacker genau mein Thema. Ich habe mich schon immer auch mit den Schattenseiten dieses Landes beschäftigt und war dann sehr zwiespaltig, ob ich wirklich in ein Land reisen möchte, in dem Frauen und Mädchen so viel Leid geschieht, ein Land in dem das Kastenwesen soviel Ungerechtigkeit hervor bringt, ein Land, in dem bloße Gerüchte einen wütenden Mob dazu bringen, jemanden Unschuldigen zu töten. Die Erlösung kam in Gestalt meiner Hindi-Lehrerin, mit der allein ich mich traute, das Land in all seiner Vielfalt zu erleben.

Die Autorin beschreibt in ihrem Buch sehr viele Fakten, die ich schon kenne, aber immer mit einem gut recherchierten Hintergrund und eigenen Erfahrungen, so dass ich es jederzeit spannend fand, zu lesen.

Am unterhaltsamsten fand ich die Übersicht in einer Tabelle, die den Unterschied in der Arbeitswelt unglaublich deutlich macht:

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Ich musste herzlich lachen! Ja genauso ticken wir und die Inder.

Ich konnte alle Beschreibungen der Autorin aus meinen eigenen Erfahrungen nachvollziehen und die Auswirkungen auf einen distanzgewohnten, in einer perfekten Welt lebenden Europäer. Dass man als Tourist ein großes Geldbündel auf zwei Beinen ist, mit dem man zu jeder Zeit ein Geschäft machen möchte, ist wahrlich anstrengend. Dass Absprachen und „morgen“ und Busfahrpläne absolut nichts zu bedeuten haben, nervenaufreibend.

Ich denke, wenn man auf eigene Faust nach Indien reist, benötigt man sehr viel Zeit, mit den Eigenheiten klar zu kommen. Dank meiner Hindi-Lehrerin habe ich mir bei meinem Indienbesuch viel Lehrgeld gespart.

Ich kann das Buch sehr empfehlen, nicht nur als Reisevorbereitung, auch schon erfahrene Indienreisende können sich hier wiederfinden. Das Buch ist sehr unterhaltsam und informativ. Und wie die Autorin auch richtig meint, es soll auf keinen Fall abschreckend wirken, sondern vorbeugen, dass der Indienurlaub mit einer allzu rosaroten Brille betrachtet wird. Das Abenteuer Indien lohnt sich auf jeden Fall. Allein weil man dort als Europäer ziemlich unsanft aus einer perfekten Welt ins scheinbare Chaos gestürzt wird. Ich konnte dort (zumindest als Touristin…als dort lebende Frau wäre das eher nicht möglich) unheimlich viel Augenblicke der Freiheit, Gastfreundschaft, Abenteuer erleben. Das Land ist einfach so unglaublich, spannend und vielfältig, dass es gut ist, sich den Fakten, die in diesem Buch beschrieben werden, bewusst zu sein.

Vielen Dank an den Conbook-Verlag für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars. Es war mir eine Lesefreude!

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„Ich bin Malala“ – über ein Bildungsprojekt in Pakistan – kritische Buchbesprechung

Ich habe gestern zum ersten Mal am Interaktiven Lesekreis: Frauen am Hindukusch des Vereins „AMIKAL center for educational and cultural exchange e.V.”  teilgenommen. Dieses Mal wurde das Buch „„Ich bin Malala: Das Mädchen, das die Taliban erschießen wollten, weil es für das Recht auf Bildung kämpft“ besprochen. An dieser Veranstaltung kann auch jeder teilnehmen, der dieses Buch nicht gelesen hat. Da ich das Buch tatsächlich noch nicht gelesen habe, kann ich bestätigen, dass man genügend über das Buch erfährt und sich an den Diskussionen darum gut beteiligen kann und viele Anregungen erfährt.

Die Pakistanerin Malala Yousafzai (geb. 1997), um die es in diesem Buch geht, führte schon lange  für die BBC ein Blog-Tagebuch über ihren Alltag unter den Islamisten im Swat-Tal (Region im Nordwesten Pakistans). Am 9. Oktober 2012 wurde sie auf ihrem Schulweg von Taliban-Kämpfern überfallen und niedergeschossen. Die Fünfzehnjährige hatte sich den Taliban widersetzt, die Mädchen verbieten, zur Schule zu gehen. Sie überlebte glücklicherweise, mit für immer bleibenden Schäden und kämpft weiter für das Recht auf Bildung in Pakistan. In diesem Buch wird Malala’s Geschichte autobiographisch beschrieben.

Ihr Vater hatte immer den Traum, eine Schule aufzubauen. Malala wurde geboren, kurz nachdem die Schule tatsächlich eröffnet wurde. Dieses große Engagement ihres Vaters verinnerlichte Malala in großem Maße. Neben der Geschichte ihrer Familie wird in dem Buch beschrieben, wie ein islamistischer Radiosender nach und nach das Leben der Menschen im SWAT-Tal bestimmte. Mädchen sollten nicht mehr zu Schule gehen. Erst gab es öffentlich Lob für die Mädchen, die dies nicht mehr taten. Später wurde der Ton aggressiver und die Mädchen öffentlich angeprangert, die sich nicht davon abhalten ließen, weiterhin zur Schule zu gehen. Die Mullas nutzten die Organisationsproblematik nach dem Afghanistan-Krieg. Auch in weiteren Krisen wie der Überschwemmungskatastrophe 2010 waren sie für die Menschen vor Ort da, während internationale Hilfsorganisationen schnell wieder verschwunden waren und Gericht & Polizei zu ineffizient, um wirklich zu helfen. Im Buch werden viele politische & geschichtliche Zusammenhänge beschrieben, die zur Radikalisierung in dieser Region beigetragen haben.

Die Autorin ist Christina Lamb, und da setzt schon die Kritik des Leserkreises an. Die Erwartung, dass man die Ereignisse aus der Sicht des jungen Mädchens erfährt, wird nicht erfüllt. All die geschichtlichen Hintergründe, die Art, wie gewisse Dinge über den Islam geschrieben werden, lassen erkennen, dass die Autorin einen großen Anteil an dem Buch hat und nicht Malala. Nirgendwo werden dem Leser Informationen dazu gegeben, wie dieses Buch geschrieben wurde, wer welchen Anteil daran hatte. Es lässt sich nur erahnen. Ebenfalls ungewiss ist, inwieweit ihr Vater sie vielleicht für seinen Traum dazu „drängt“, derart aktivistisch zu handeln.

Per Skype zugeschaltet war die pakistanische Menschenrechtsexpertin Anila Noor, die gerade in Den Haag ihre Doktorarbeit schreibt. Sie berichtete, dass Malala in Pakistan sehr kritisch gesehen wird, denn sie steht für eine professionelle westliche Bildungskampagne. Praktisch ein „Werkzeug“ des Westens. Hier ist die Frage, wieviel sie wirklich verändern kann, wenn ihr in ihrem Land soviel Misstrauen entgegengebracht wird. Aber natürlich stößt sie damit dringende Diskussionen über die Bildungspolitik an. In Pakistan ist Bildung eine private Sache. Da müssen schonmal 40.000 Rupien pro Monat für die Schulbildung der Kinder ausgegeben werden. Die wenigsten dort können sich das leisten.

Die Teilnehmer des Lesekreises sind sich einig, dass das Buch eher für ein westliches Publikum geschrieben wurde. Es führt durchaus dazu, dass sich einige jetzt näher mit Pakistan beschäftigen möchten. Bei allem kritischen Blick auf das Buch, finde ich dieses Ergebnis wunderbar, denn dies ist nur ein kleiner Blick auf eine bestimmte Region und Problematik in Pakistan.

Aus dem Leserkreis gab es noch den Hinweis, dass derzeit ein kostenloser Online-Kurs der Stanford Universität läuft, der sehr spannende Materialen zum Thema „International Women’s Health & Human Rights“ bereithält:  http://class.stanford.edu/courses/GlobalHealth/IWHHR/Summer2014/about 

Vielen Dank an AMIKAL für die anregende Diskussion zu diesem Buch!

Mehr zum Thema:

http://www.faz.net/aktuell/politik/politische-buecher/malala-yousafzai-erhaelt-sacharow-preis-gefeiert-von-der-welt-angefeindet-zu-hause-12609269.html

Update: Nun hat sie ihn bekommen, den Friedensnobelpreis 2014, zusammen mit dem Kinderrechtler Kailash Satyarthi.

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„Mitternachtskinder“ – angenehm leichte Verfilmung

Die Verfilmung von Salman Rushdies Roman „Mitternachtskinder“ zeigt sich etwas widerspenstig. Zum einen wegen der ungewöhnlich schwierigen Informationssituation zum Kinoprogramm. Am Starttag des Films wurde er nur in einem Kino in Berlin gezeigt, die Woche darauf auch nur in sehr wenigen weiteren Kinos. Und nur in einem wurde die Originalversion gezeigt. Es schien, als scheue sich der Film, gezeigt zu werden. Zum anderen waren die bis dahin veröffentlichen Kritiken alles andere einladend, diesen Film zu sehen, sondern durchaus abschreckend:

„Weder die Literatur noch das Kino haben mit dieser Verfilmung etwas gewonnen“ (http://www.taz.de/!113602/)
„Mitternachts¬kinder ist somit eine kleine Enttäuschung: Ein gefälliger in der Machart sehr verwestlicher Blick auf Indien, ein Film, der nicht stört, nicht weiter anstößig ist, aber auch nicht wirklich fesselt. „ (http://www.artechock.de/film/text/kritik/m/mitter.htm)
„Unter der Perfektion der schillernden Oberfläche hat kein Geheimnis mehr Platz, da ist kein Raum für Imaginationen. So entsteht Gleichgültigkeit statt Emphase. Das langweilt. Und über indische Geschichte lernt man so erst recht nichts.“
(http://www.fr-online.de/film/salman-rushdie–mitternachtskinder–mit-viel-abrakadabra-in-den-sand-gesetzt,1473350,22228398,view,asFirstTeaser.html)
„Erfolgreiche Romane werden nun einmal verfilmt, koste es künstlerisch, was es wolle“ (http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kino/video-filmkritiken/filmkritik-videos/video-filmkritik-mitternachtskinder-12129996.html?ressort=2.1686)

Da ich mir gern selber ein Bild von dem Film machen wollte, habe ich mich also trotzdem hinein gewagt. Und das Gute an so vernichtenden Kritiken ist, dass man am Ende des Films beschwingt aus dem Kino schlendert, weil es doch gar nicht so schlimm war, wie man befürchten musste.

Natürlich können 700 Seiten großer Erzählkunst kaum ansprechend in einem 146minütigen Film verarbeitet werden, aber das hätte ich auch nie erwartet. Und mit Deepa Mehta war doch auch eine durchaus passende Regisseurin kritischer Bollywoodfilme mit diesem Vorhaben betraut. Es stimmt schon, der Film ist nicht weiter aufwühlend, fesselnd, überdramatisch…aber das kann auch durchaus erholsam sein. Ich habe mich nicht bedrückt und überfordert durch gefühlt, der Film erzählt einfach die Geschichte in einer angenehmen Kinoerzählzeit und damit ist gut. Die unendlich vielen phantastischen Bilder, die sich beim Lesen ergeben, könnten nie in einen Film gepresst werden. Natürlich ist es vorstellbar, dass sich dieser Roman in einem 3teiler oder in einer Serie vielleicht besser darstellen ließe, wenn mehr Zeit für Details wäre, für die ausufernden magischen Momente des Romans. Aber man könnte den Film auch als Appetithäppchen zum Buch sehen. Für weitere, ausführlichere Informationen zur Geschichte Indiens/Pakistans/Kashmir/Bangladeschs, verpackt in einem einfallsreichen Familienepos mit phantastischen Elementen, wenden sie sich vertrauensvoll an die Romanvorlage, die gewiss eine größere Herausforderung ist.

Liebhaber indischer Filme kommen auf jeden Fall auf ihre Kosten, da es ein Wiedersehen mit sehr vielen bekannten indischen Schauspielern gibt. Nur sollte man den Film dann tatsächlich lieber im Original sehen. Die deutsche Synchronisierung klingelt einem bei einigen original gehaltenen Wörtern schrecklich laienhaft in den Ohren.

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BNA Germany vs. ISHQ – Hat das neue Bollywood-Magazin Überlebenschancen?

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Entgegen der Entwicklung, dass Printmedien einen deutlichen Rückgang verzeichnen, bekommt die deutsche Bollywood-Fangemeinde nun ein neues Bollywood-Magazin.  BNA Germany fühlte sich durch ihren Erfolg der Web Edition dazu ermutigt, auch mit einem Print-Magazin auf den Markt zu kommen.  Doch braucht der Markt ein weiteres Bollywood-Bunte-Magazin? Der Versuch, eine deutsche Ausgabe der indischen „Filmfare“ herauszubringen, scheiterte recht schnell, denn diese automatisch übersetzte Ausgabe war einfach kein Lesevergnügen und war so gar nicht auf die deutschen Fans zugeschnitten. Nach nur 8 Ausgaben war Schluß. Auch das Magazin „Indien“ gibt es nicht mehr. Der Spiegel bezeichnete es als das „anspruchsvollste unter den Indien-Heften“. 2 1/2 Jahre konnte es sich halten, doch ohne Werbeeinnahmen war es nicht mehr zu finanzieren. Die Herausgeberin schrieb damals, dass die indische Touristikindustrie kaum noch an deutschen Touristen interessiert sei und somit dieses Magazin, welches vor allen Dingen für touristische Ziele und Möglichkeiten werben wollte, aufrecht zu erhalten. Überlebt haben bisher nur die ISHQ und die Bollywood-Sammlung.

Das BNA Germany-Magazin kostet im Gegensatz zur ISHQ nur 2,50 Euro. Auf den ersten Blick wird klar, dass eindeutig an Design und Aufmachung gespart wurde. Es ist nicht wirklich ansprechend. Das kleinere Format der ISHQ finde ich viel praktischer (passt besser in die Handtasche *hüstel*). Inhaltlich bietet das Magazin viele gleichen Themen wie die ISHQ: Previews und Reviews, Stars, Interviews, Fashion, Rezepte, Musik, Wissen über Indien. Viel Wert wird auch aufs regionale Kino gelegt. Das Horoskop finde ich eine sehr nette Idee. Nicht zu finden sind Buchbesprechungen, Kreuzworträtsel, Kalender mit wichtigen Informationen zu Events und TV-Ereignissen. Der Schreibstil ist professionell, wie es sich für eine Nachrichtenagentur gehört. „Warm“ geworden bin ich mit dem Magazin noch nicht. Ob ich es mir noch einmal kaufe, hängt wohl davon ab, ob es ein bestimmtes Thema gibt, was mich sehr interessiert. Ansonsten sehe ich die Überlebenschancen aber als eher gering an. Die Online Edition finde ich vollkommen ausreichend.

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Edition LE MONDE diplomatique No. 7: Indien – Die barfüßige Großmacht

Die neueste Edition Le Monde diplomatique widmet sich dem Thema Indien.
Neben sehr detaillierten Artikeln zur Geschichte,der politischen und wirtschaftlichen Lage und gesellschaftlichen Themen wie dem Kastenwesengibt es auch einen Artikel über den neuen Realismus in Bollywood.
 
Die Autorin führt an, dass die Branche bisher "den eher konservativen Filmgeschmack der "Auslandsinder" bediente und deren verstaubtes Indienbild bestätigt". In letzter Zeit jedoch gibt es immer mehr junge Drehbuchautoren, die sich neuen Themen widmen, die sich mehr mit dem realen Leben in Indien beschäftigen. Sie führt Filme wie "My Name is Khan" (Terrorismus), "Ishqiya" (Mafia-Millieu) und "Peepli live" (Bauernselbstmorde) an. Ob vielleicht der unglaubliche Erfolg von Slumdog Millionär sein Gutes dazu getan hat, dass man sich nun auch traut, den bisher ausgeblendeten Realismus zu zeigen, vermag sie nicht zu sagen.
 
Ich bin auf jeden Fall sehr begeistert von der neuen Entwicklung. Gab es bei der Berlinale 2009 keinen einzigen indischen Beitrag, so wurde man in diesem Jahr mit tollen Beiträgen aus Indien geradezu überhäuft. Ich hoffe, dieser Trend wird uns auch in der nächsten Zeit wieder viele interessante Filme bescheren.
 
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Anosh Irani – Die Weisheit meines verlorenen Arms

Die Rezensionen bei Perlentaucher beschreiben den Roman „Die Weisheit meines verlorenen Arms“ von Anosh Irani als „Hardcore-Horrorfilm“, in dem ein „zu unmotivierten Gewaltausbrüchen neigender Verlierertyp“ durch Bombay irrt und seinen linken Arm sucht, der ihm unter unbekannten Umständen abhanden gekommen ist und es wird dem Roman vorgeworfen, dass er dem Leser „weder Zuwachs an Weisheit noch einen Einblick in die komplexe Lebenswirklichkeit der indischen Megapolis“ verspricht. 

Ich finde es ganz gut, dass es auch solche Bücher gibt, die einfach nur eine vollkommen abstruse Geschichte erzählen und gerade der schwarze Humor, der einen von jeder Seite entgegenschreit, hat mich sehr entzückt. Hier sind eine meiner Lieblingsstellen:

„Aber ich habe in meinem Leben nie einen Finger krummgemacht. Eigentlich ein schrecklicher Gedanke. Arbeit. Das einzige Wort, das noch deprimierender klingt, ist Ehe.“

„Der Mahlstein wird meinen Flug beschleunigen. … Je höher die Geschwindigkeit, desto härter der Aufprall. Je härter der Aufprall, desto weiter die Ausbreitung der Hirnmasse auf dem Gehweg. Ich werde den Behörden das Saubermachen möglichst erschweren.“

„Wie groß sind sie?“
„Zwischen eins einundsiebzig und eins dreiundsiebzig.“
„Entscheiden Sie sich.“
„Welche Rolle spielen denn zwei Zentimeter?“
„Fragen Sie Ihre Frau.“

Fazit: für Freunde des schwarzen Humors und skurrilen Geschichten

Vielen Dank an anwyn fürs Ausleihen!

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Kamala Markandaya – Eine Handvoll Reis

Eines der vielen Bücher, die den unfairen und aussichtlosen Kampf ums Überleben in einer indischen Großstadt beschreibt. Es geht um Ravi, der aus seinem indischen Dorf in der Hoffnung geflohen war, zumindest in der Großstadt überleben zu können. Zuerst auf Gelegenheitsarbeiten und Diebereien angewiesen, findet er doch noch den Weg zur ehrlichen Arbeit. Doch auch dieser Weg bietet letztendlich keine Lösung für ein besseres Leben. Wenn er anfangs noch der Meinung war, dass man sich das bessere Leben mit höheren Löhnen erkämpfen muss und jedem predigte, dass etwas gegen die ständig größer werdende Ungerechtigkeit zwischen arm und reich, gegen Korruption getan werden muss, so prügelt doch der harte tägliche Überlebenskampf derart auf ihn ein, dass am Ende nichts von seinem stolzen Denken übrig bleibt und er sogar so tief sinkt, seine Frau und Kinder zu schlagen und den ganzen Druck mit Alkohol zu betäuben.

Wie schon „Nektar in einem Sieb“ besticht dieser Roman durch seinen Realismus und man kann sich vorstellen, dass sich die Geschichte einmal genauso zugetragen hat. 

An dieser Stelle möchte ich mich bei Petra bedanken, die mir dieses Buch geschenkt und meinen Blog somit bereichert hat.

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Kamala Markandaya – Nektar in einem Sieb

Kamala Markandaya – Nektar in einem Sieb, Unionsverlag 

Wenn man dieses Buch gelesen hat, ist man ungemein froh, nicht selber die Erfahrungen dieses dermaßen beschwerlichen Bauernlebens in Indien machen zu müssen, tagtäglich von der Hand in den Mund zu leben und bei Ernteausfällen durch Dürre ständig mit dem Tod durch Verhungern konfrontiert zu sein. Und wenn der Verpächter des Landes sein Land verkauft, ist von einem Tag auf den anderen die Lebensgrundlage dahin. Da wundert es nicht, dass sich Jahr für Jahr auch zu dieser Zeit die Bauern vor Verzweiflung das Leben nehmen, weil sie sich hoch verschulden mussten und gewisse Konzerne mit ihrem überteuerten und trotzdem schlechten Saatgut, aber dem alleinigen Patent, dafür sorgen, dass ihr Kampf ums Überleben immer aussichtsloser wird.

Im Roman gibt es den in größter Not helfenden Engländer Kenny, der in seinem Land Spenden für das Dorf sammelt und sogar ein Krankenhaus damit aufbauen lässt. Er kann einfach nicht verstehen, dass die Leute ihr Leiden einfach nur ruhig hinnehmen und es nicht in die weite Welt hinaus schreien, damit ihnen geholfen wird. Doch die indische Bauersfrau Rukmani gibt zu bedenken, dass ihnen gelehrt wurde, alle Sorgen und Leiden schweigend zu ertragen und das alles so sein soll, damit die Seele gereinigt wird. Hier zeigt sich, dass sich die Autorin sehr gut in beiden Kulturen auskennt und das Unverständnis gegenüber der jeweils anderen Kultur zum Ausdruck bringt.

Das Erstlingswerk der Autorin gilt als Grundstein der indoenglischen Frauenliteratur und wurde mit dem LiBeraturpreis ausgezeichnet. Es ist alles so lebendig beschrieben, dass man mit dieser Bauernfamilie lebt, leidet und sich über jeden noch so kleinen Erfolg mit ihr freut. Allerdings überwiegt das Leiden und so bleibt als Erinnerung an dieses Buch vor allem dieser Schmerz der Hilflosigkeit gegenüber aller Ungerechtigkeiten auf dieser Welt haften.  

An dieser Stelle möchte ich mich bei Petra bedanken, die mir dieses Buch geschenkt und meinen Blog somit bereichert hat.
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Berliner Märchentage – GARUDA: HIMMELSADLER

Die Berliner Märchentage vom 5. bis 22. November stehen dieses Jahr unter dem Motto „Weltgeschichten“ und natürlich gibt es auch eine indische Geschichte zu erzählen:
 
20.11.09, 10:00 Uhr
Bibliothek am Luisenbad
Travemünder Str. 2
13357 Berlin-Mitte
 
GARUDA: HIMMELSADLER
Indiens gewaltiger Vogel raubt den Tank der Unsterblichkeit und verdingt sich als Reittier von Gott Vishnu. Vorgetragen von Silvia Freund.
ab 7 Jahre
60 min, Eintritt: frei, Voranmeldung erforderlich
Tel.: 90 18 456 10 (Mo-Fr 10-19 Uhr, Sa 10-14 Uhr)
 
Garuda [sanskritisch, „Verschlinger“] ist in der hinduistischen Mythologie ein halbgöttliches Wesen, meist dargestellt als Mensch mit Adlerkopf, Flügeln und Krallen. Garuda wird als König der Vögel und Vernichter der Schlangen (Nagas) bezeichnet und symbolisiert den Wind und die Sonne; Tragtier des Vishnu.
 
 
 
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Ye kitab achi hai – Vishnus Tod

 

Vishnus Tod – The Death of Vishnu von Manil Suri

Der alte Vishnu haust auf dem untersten Treppenabsatz, geduldet von den anderen Bewohnern und ist sehr krank. Sein Tod steht bald bevor. Vishnus schillernde Erinnerungen an die Vergangenheit liefern Bilder aus seiner Kindheit und auch durchaus erotische Erinnerungen an seine Jugendliebe. Währenddessen ereignen sich viele turbulente, dramatische Geschichten im Haus.

Für einige mag das ein wenig zuviel Ereignisreichtum auf einmal zu sein, aber so vielfältig, spannend, abstoßend, gegensätzlich und voller Leben ist Indien nunmal.

Wer einmal in einem Haus mit vielen spannenden Ereignissen leben möchte, dem sei dieses Buch empfohlen. Man ist mittendrin und wirklich dabei.
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