Bollywoodelfe's Blog

Eine deutsche Sicht auf Bollywood, Indien , Pakistan

Padman – ein realer Superheld hat’s schwer

Es gibt auch im realen Leben Superhelden. Man kann sich (als Nicht-Inder) nicht annähernd ausmalen, was für schwere Brocken dem armen Arunachalam Muruganantham in den Weg gelegt wurden, der eigentlich nur das Beste für Frauen wollte und vorhatte, das Leben von indischen Frauen revolutionär mit bezahlbaren Damenbinden zu verbessern. Das menstruale Tabu war der größte Kampf seines Lebens.

Als moderne Frau möchte man die Frauen, die dem „verrückten Bindenmann“ das Leben so schwer machten, am liebsten kräftig durchschütteln und ohrfeigen, bis sie sich eines Besseren besinnen, aber man darf natürlich nicht vergessen: sie sind in einer ganz anderen Kultur aufgewachsen und gerade die Frauen im Dorf haben oft nicht die Bildung, die ihnen Aufklärung bietet. Trotzdem ist man den großen Teil des Films richtig richtig wütend auf die unbelehrbaren Frauen, die das Thema Monatsblutung gern totschweigen, sich 5 Tage wegen „Unreinheit“ aus dem Haus vertreiben lassen und lieber Krankheiten in Kauf nehmen, weil sie einen schmutzigen Lappen benutzen, den sie dann zum Trocknen auch noch unter dem Sari verstecken. Als „Padman“ dies bei seiner innig geliebten Frau entdeckt, will er, dass sie lieber saubere Binden benutzt. Diese sind aber so teuer, dass sie ihn dazu zwingt, die gekauften Binden zurück zu geben, da sie sich das nicht leisten können. „Padman“ ist verzweifelt, will er doch auf keinen Fall, dass seine Frau dadurch ernsthaft erkrankt, wie ein Arzt ihm bestätigt. Er versucht Binden selbst herzustellen, und da fängt das riesige Problem an. Sobald er das Thema anspricht, werden alle Frauen in seiner Umgebung hysterisch und schämen sich zu Tode. Es gibt zahlreiche Verwicklungen, weil er versuchen will, die Binden zum Test und als gut gemeintes Geschenk an die Frau zu bringen. Die Frauen seiner Familie sind schon alle gegen ihn, seine Frau will ihn aus Scham verlassen. Schließlich geht er einen Schritt zuviel und testet die Binde selbst auf ihre Funktion, worauf hin es ein riesen Drama im Dorf gibt und sie ihn schon am Baum aufhängen oder verprügeln wollen. „Padman“ sieht ein, dass er hier nicht weiter kommt und verlässt schweren Herzens seine Familie und das Dorf.

Nun wird sein schwerer Weg bis zur Herstellung einer Maschine, die für nur 2 Rupien statt 55 Binden herstellt, aufgezeigt. Im Film sind es dann glückliche Umstände und eine kluge Frau, die ihn letztlich ans Ziel führe. Nachdem er seine Innovation erfolgreich an einem Institut vorführen konnte, kommt alles ins Rollen und er kann seine Maschine im ganzen Land von Frauen kaufen lassen, damit sie die Binden selbst herstellen und verkaufen können.

Es ist mein erster Akshay Kumar-Film nach bestimmt 15 Jahren. Zum Glück konnte ich meine persönliche Aversion gegen ihn außer Acht lassen, weil dieser Film unendlich wichtig für die Bildung von Frauen zu diesem Thema ist. Im Film erzählt „Padman“, dass man „lebt“, wenn man Probleme überwinden muss. Ich hätte mir nie vorstellen, wie groß dieses Problem in Indien ist. Selbst heute noch wird an Tempeln mit Verbotsschildern darauf hingewiesen, dass Frauen den Tempel während ihrer Menstruation nicht betreten dürfen, weil sie zu der Zeit „unrein“ sind. Das sind wieder so Momente, wo man ungläubig den Kopf schütteln muss, weil man es einfach nicht versteht. Hoffen wir, dass der Film wirklich zu etwas mehr Offenheit führen wird. Dass „Padman“ dieses Durchhaltevermöge hatte, grenzt an ein Wunder und man kann ihn tatsächlich mit einem Superhelden vergleichen.

Zu sehen bei Netflix: https://www.netflix.com/TITLE/81016191 

Advertisements
Hinterlasse einen Kommentar »

MOM – die Rache einer liebenden Mutter

Dieser Film ist nichts für schwache Nerven. Bei Vergewaltigung geht es aber auch nicht um Wohlfühlkino, sondern ist an sich ja schon spannungsgeladenes Thema. Wie schon in dem empfehlenswerten Film „Ajji“ geht es um Rache, nachdem die  Vergewaltiger eines Mädchens aus haarsträubenden Gründen vom Gericht frei gesprochen werden.

Wie heißt es so schön in einer Szene: „Gott kann nicht über allem wachen“ – „Ja, ich weiß, aber dafür hat er die Mütter erschaffen“. Was bleibt der (Stief)Mutter, gespielt von der großen Sridevi, die leider im Februar diesen Jahres verstarb, hier anders übrig, als zu überlegen, etwas falsches oder sehr falsches zu tun, wenn sie mit ansehen muss, wie grausame Individuen das Leben ihrer Tochter sogar auslöschen wollten, aber auf jeden Fall nachhaltig geschädigt haben, denn mit so einem Ereignis wird man nie wieder an das vorherige unbeschwerte Leben anknüpfen können. Allein gelassen von Polizei und Justiz muss man doch zwangsläufig an Selbstjustiz denken, wenn die Täter ohne jegliche Bestrafung fröhlich und ohne Einschränkung weiter leben können, während das Leben ihrer Tochter zerstört wurde. Ihr zu Hilfe kommt einer meiner liebsten Schauspieler Nawazuddin Siddiqui, ein Privatdetektiv, der das Leid der Mutter nachvollziehen kann. Er sammelt Informationen zu den Tätern, damit sie ihre Rachepläne schmieden kann, um deren Leben ebenso zu ruinieren. Das ist dann auch sehr spannend und man weiß als Zuschauer natürlich, dass es irgendwie nicht richtig ist, aber auf der anderen Seite muss es auch irgend eine Bestrafung für die Täter geben.

Die ersten Rachefeldzüge funktionieren auch sehr gut und wie geplant; dann nimmt es aber doch einen Verlauf, der am Ende nochmal für sehr viel Dramatik sorgt, denn sowas kann letztlich ja doch nicht gut gehen.

Spannend bis zuletzt, mit Bollywood-Größen wie Sridevi, Nawazuddin Siddiqui, Akshaye Khanna. Sridevi bekam nicht umsonst sehr viele Filmawards für diese Rolle. Die Dramatik ist typisch bollywoodesk überzogen, am Ende vielleicht etwas zu übertrieben und unrealistisch. In jedem Fall ist die Botschaft klar: Immer konfrontiert mit der extrem schwierigen Frage im Hinterkopf, ob man wirklich Rache nehmen darf oder die Täter eines so schwerwiegenden Verbrechens ungestraft lassen sollte.

Zu sehen bei Netflix: https://www.netflix.com/title/80201175 

Hinterlasse einen Kommentar »

Der alte Mann und das Radio im Ohr

Dieser Film hat mich tief berührt! Weil alles so echt ist…als wäre es mein eigener Großvater, mit dem ich mitleiden muss, wenn er Tränen vergießt; mit dem ich mitlachen muss, wenn er sich über die kleinsten Dinge freut; mit dem ich am liebsten jeden Tag verbringen würde, den ich am liebsten umarmen würde und mich um ihn bis ans Lebensende kümmern möchte.

Der 70jährige Arunachalam hat es nicht leicht mit seinem erwachsenen Sohn. Der ist einfach nur genervt von seinen Eltern und zertrümmert aus Wut das geliebte altertümliche Radio des alten Mannes, der dieses innig liebte, weil er es mit so vielen Erinnerungen an seinen Vater verband. Es fließen Tränen. Tränen, die wirklich berühren. Der Sohn nutzt die Gelegenheit dieses Wutanfalls, lässt seine Eltern nun vollkommen im Stich und zieht aus. Wie kann jemand so grausam zu seinen Eltern sein?

Nun müssen Arunachalam und seine Frau Lakshmi allein zurecht kommen.  Arunachalam geht in seinem hohen Alter noch in einer Fabrik arbeiten. Seine Kollegen lieben ihn. Ihn muss man einfach lieben. Irgendwann beginnen die Geräusche in seinen Ohren. Der Arzt wird es das „Musik-zwischen-den-Ohren“-Syndrom nennen. Es ist eher psychischer Natur bedingt durch die Sehnsucht nach der Vergangenheit. Ihm ist es anfangs unheimlich, aber nach einer Behandlung auf Drängen des Sohnes sind die Geräusche vorläufig weg und er verliert gänzlich seine ansteckende Lebensfreude. Als die Geräusche eines Tages wieder kommen, hat er also wahre Freude daran und rockt zu seiner nur für ihn hörbaren Musik im Kopf gigantisch ab. Es ist zum Schreien schön.

Es gibt sehr viele traurige Momente, aber auch sehr viele schöne Momente im Leben des alten Ehepaares. Wir dürfen sie ein Stück weit begleiten und sie wachsen einem schnell ans Herz. Wieso ihr Sohn so grausam zu ihnen ist, bleibt einfach unbegreiflich.

Es muss nicht immer eine klassische dramatische Liebesgeschichte sein, die einen zu Tränen rührt. Dieser Film erweckt auch die letzten versteckten Emotionszellen und hinterlässt ein warmes, angenehm mitfühlendes Gefühl.

Das ist wieder eine kleine indische Perle im riesigen Film-Ozean und ich werde mir diesen Film garantiert nochmal ansehen.

Zu sehen bei Netflix: https://www.netflix.com/title/80147318 

Hinterlasse einen Kommentar »

Court – gefangen in Absurdistan

Wenn ihr mal sehen wollt, wie sich aus einer eigentlich an den Haaren herbei gezogene Anklage zu einem unendlichen Gerichtsverhandlungsmartyrium entwickelt, dann seid ihr hier richtig . Der Fall an sich ist zwar fiktiv, aber er könnte sich genauso zutragen und das ist wirklich erschreckend. Wenn ein Polizist dich im Gefängnis sehen will, dann wird er es schaffen, egal wie absurd die Anklagepunkte sind.

Narayan Kamble ist ein Poet, bekommt keine Rente und hält sich mit Unterricht und Gesangsauftritten über Wasser. Wir sehen am Anfang einen schönen Auftritt von ihm und seine Verhaftung. Die Anklage lautet: Beihilfe zum Selbstmord. Ein Kanalarbeiter ist tot aufgefunden worden. Die Polizei geht von Selbstmord aus. Zwei Tage nachdem Narayan Kamble einen Auftritt vor den Kanalarbeitern hatte und angeblich Lieder sang, die zum Selbstmord anstiften. Wir hören einen sehr ausführliche Anklageschrift, die vor Absurditäten nur so strotzt. Trotzdem will der Richter Narayan nicht auf Kaution frei lassen, er muss erstmal in Untersuchungshaft.

So gehen dann auch bald unendliche Prozesstage ins Land. Immer wieder wird der Prozess vertagt, weil irgend ein absurder Beweis geprüft werden muss. Da wurde z.B. ein Brief mit Belanglosigkeiten in der Wohnung des Angeklagten gefunden (Durchsuchung ohne Durchsuchungsbefehl) und weil der Polizist in diesen Belanglosigkeiten einen Geheimcode von Extremisten sieht, verschiebt sich der Prozess um eine weitere Unendlichkeit, weil der Geheimdienst erstmal diesen Geheimcode entziffern soll.

Zwischendurch sehen wir das Privatleben von Verteidiger und Anwältin. Was auch schon wieder absurd wirkt. Es hätte mich ja interessiert, wie es dem armen Angeklagten geht, etwas aus seinem Leben. Stattdessen sehen wir, wie sich der Verteidiger mit seinen Eltern beim gemeinsamen Essen über das Thema Heirat streiten muss und nach Feierabend diverse Spirituosen kauft. Oder die Anwältin der Anklage im Zug nach Hause sitzt und mit ihrer Sitznachbarin über diverse Alltagsthemen spricht. Ganz normale Menschen eben, die aber für den Ausgang dieses absurden Prozesses sehr entscheidend sind und den Fortgang eines Menschenleben entscheidend beeinflussen.

Der Verteidiger kann dann letztlich alle an den Haaren herbei gezogenen Anklagepunkte stichhaltig entkräften. Was aber nicht heißt, dass der arme Poet nicht ohne Strafe davon kommt und sein Martyrium ein Ende hat. Nein, da wartet die Anklage auch schon mit einer neuen Anklage auf und das Drama beginnt von vorne.

Unglaublich deprimierend, wie machtlos man gegen die Mühlen der ewig mahlenden Justiz sein kann. Aber filmisch sehr interessant dargestellt. Es ist jederzeit spannend, wie sich das Drama weiter und weiter zuspitzt. Absurd gut. Der Film wurde zurecht mit einigen Filmpreise ausgezeichnet.

Zu sehen bei Netflix: https://www.netflix.com/de-en/title/80017218

Hinterlasse einen Kommentar »

Ghul – die Geister, die ich rief

Ich bin kein Horrorfilm-Fan. Für diese indische Produktion habe ich mal eine Ausnahme gemacht.

Nida Rahim (Radhika Apte scheint die Lieblingsschauspielerin von Netflix-Produktionen zu sein) ist eine Kadettin des „Protection Squads“. Sie lebt in einem Indien, in dem Religionskriege und Terror dazu geführt haben, dass das Militär die Führung übernommen hat und jeden Glauben unterdrücken will. Es gibt Bücherverbrennungen. Als bei Nidas Vater Bücher gefunden werden, die laut den neuen Gesetzgebungen verboten sind, verrät sie ihn, weil sie glaubt, dass er ein Frevler ist, der Unglück über ihr Land bringt. Sie wird daraufhin in einen abgeschotteten Verhörbunker befördert, wo gefangene mutmaßliche Terroristen gefoltert werden.

Jetzt muss man sich durch die ersten zwei Teile schauen (mordende Ungeheuer sind jetzt nicht sooo überraschend), bis man im wirklich spannenden dritten Teil sogar schon die interessante Auflösung dieser Horrorgeschichte erfährt. Ein Guhl treibt sein Unwesen, in der arabischen Mythologie ein leichenfressendes Fabelwesen. Hier werden wir nun Zeuge, zu was dieser Geist fähig ist und wer ihn herauf beschworen hat.

Was ich sehr gut finde: die Serie hat einen weiblichen Hauptcharakter, den man erst nicht so recht einschätzen kann und immer wieder überrascht. Die Auflösung der Geschichte ist aus meiner Sicht nicht vorhersehbar und hat auf jeden Fall sehenswerte Qualität mit einer großen Warnung an die Gesellschaft, die sich besser nicht in eine solche Richtung entwickeln sollte.

Was ich nicht verstehe: ursprünglich sollte es ein Film werden. Als Netflix sich die Rechte kaufte, machte man eine Mini-Serie mit drei Teilen daraus, um zu schauen, ob man daraus nicht vielleicht eine längere Serie entwickeln könnte. Das finde ich nach dem auflösenden Ende nicht sehr durchdacht. Es ist alles gesagt. Es kann ja nur noch mehr Tote geben wie das unendliche „The Walking Dead“ Abgeschlachte. Aber den Grund kennen wir ja nun. Es hätte aus meiner Sicht gut bei einem Film bleiben können.

Zu sehen bei Netflix: https://www.netflix.com/de/title/80245450 (ich hatte zuerst vergessen, auf Hindi umzuschalten…die deutsche Version hätte ich nicht so ernst nehmen können)

 

Hinterlasse einen Kommentar »

Ankhon Dekhi – mit eigenen Augen

Es ist so schön, dass man bei Netflix immer wieder mit kleinen, feinen indischen Filmen überrascht wird. Diesen hier fand ich überraschend gut.

Vater Rajesh Bauji lebt mit seiner eigenen und der Familie seines Bruders zusammen in Delhi. Es kommt zu einem dramatischen Vorfall als bekannt wird, dass sich seine Tochter mit einem jungen Mann getroffen hat. Die Familie rottet sich wutentbrannt zusammen und will dem jungen Mann Gewalt antun, um ihn von weiteren Treffer abzuhalten, weil sie gehört haben, dass er ein schlechter Mensch ist, der seine Eroberungen mit Strichlisten führt. Als sie fast mord lüstern mit einem Polizisten samt Schlagstock bei ihm ankommen, erkennt Bauji, dass der junge Mann überhaupt nicht der böse Mann ist, der ihm beschrieben wurde. Er schämt sich so dafür, dass er einfach den Erzählungen anderer blind vertraute, dass er fortan beschließt, nur noch Dinge zu glauben, die er mit eigenen Augen gesehen hat.  In diesem Sinne wird es dann sehr heiter und turbulent, wenn er zum Beispiel nun weder der Religion, noch der Mathematik Glauben schenken will. Wie sollten sich Parallelen in der Unendlichkeit schneiden? Er kann das nicht mit eigenen Augen sehen. Irgendwann treibt er es dann sogar so weit, dass er auch nicht mehr reden möchte. Seine Frau verzweifelt so langsam, weil ihn die Meisten für einen armen Irren halten, der sogar in aller Öffentlichkeit dafür wirbt, dass man nur das glauben sollte, was man mit eigenen Augen gesehen hat.

AnkhonDekhi

Er findet aber auch einige Anhänger inklusive des Mathematiklehrers seines Neffen, den er durch seine Hinterfragungen völlig verwirrt zurück ließ, die ihn für eine Art Guru halten und ihm in allem folgen. Was dann aber irgendwann eskaliert, weil er ihnen erklären muss, dass er sie nicht mehr wiedersehen will, weil sie ihn nur imitieren. Ihre Erleuchtung soll ihnen schließlich selbst gelingen.

Den Part, dass man Dingen nur noch vertraut, die man mit eigenen Augen gesehen hat, hätte man vielleicht noch etwas mehr ausschmücken können…so viele alltägliche Angewohnheiten/Traditionen könnten doch so mal ernsthaft hinterfragt werden. Aber vielleicht reicht das auch so als Ansatz, mal selbst eingefahrene Dinge zu hinterfragen. Schön ist auf jeden Fall auch mit zu erleben, wie schnell jemand zum Guru werden kann, weil alle irgendwie hungrig sind nach einer höheren Erkenntnis im Leben. Wie sich Verwandte und Bekannte täglich zusammen rotten und sich über alles lustig machen und über Gott und die Welt palavern. Ein meiner Meinung nach sehr reales Bild einer indischen Familie und auf mich hat alles so sympathisch gewirkt, dass der Film so federleicht dahin fliegt, wie Bauji, ein wirklich großartiger Schauspieler, am Ende des Films.

Fazit: ich finde ihn wirklich sehenswert

Netflix: https://www.netflix.com/title/70307997 

Hinterlasse einen Kommentar »

Brij Mohan -ein Fluchtversuch vom „Fuck“ des Lebens

Kommen wir zu einem sehr absurden Film. Normalerweise mag ich groteske Filme. Dieser hauseigenen Netflix-Produktion stehe ich ziemlich ambivalent gegenüber.

Hauptakteur Brij Mohan teilt das Leben in „Luck“ und „Fuck“ ein. Bisher ist er in seinem Leben ziemlich am Arsch. Seine nervige Frau liebt ihn nicht und  will ihn in den finanziellen Ruin treiben. Dann lässt er sich auch noch von einem Geschäftspartner verarschen und setzt sehr viel Geld für ein total dummes Geschäft in den Sand. Das Geld hatte er sich natürlich von einem kriminellen Bösewicht geliehen und als er es nicht zurück geben kann, entstehen viele ungewollte Situationen, die schließlich damit enden, dass er für den Mord an sich selbst angeklagt wird.

Nach der ersten halben Stunde geriet ich in Versuchung, diesen Film abzuschalten. Er war nervig, der Hauptdarsteller hatte nicht wirklich etwas Interessantes an sich. Irgendwie alles sehr flach…Aber ich dachte mir, dass ich vielleicht das Konzept des Films einfach noch nicht verstanden habe und schaute weiter. Dann musste ich bis zum Ende des Films durchhalten, weil ich doch wissen wollte, wie dieses Drama endet. Also für mich war es eher ein Durchhalten als Genuss. Immerhin ist der Film nicht total vorhersehbar. Und letztlich doch wieder viel zu realistisch, als dass es eine Parodie sein könnte. Die ganzen gesellschaftlichen Dramen, die hier angesprochen werden, sind nämlich traurige Realität. Wie man dank der korrupten Behörden von einem einfachen Handydieb in null komma nichts zu einem angeklagten Mörder werden kann; wie sich das gesamte Polizisten- und Beamtenleben daraufhin abspielt, möglichst schnell auf illegale Art und Weise an viel Geld zu kommen. Wie man von skrupellosen Geschäftemachern in den Ruin getrieben wird. Und wie aus völlig ungewollten Situationen Verbrechen entstehen. An einigen Stellen will uns dieser Film also schon wichtige Dinge vermitteln…aber im Großen und Ganzen noch zu uncharmant verpackt. Vielleicht könnte Bollywood was Größeres draus machen. Immerhin fand ich Polizeiinspektor Manav Vij sehr sehenswert, der mir auch schon bei Phillauri und Lucknow Central positiv aufgefallen ist.

manavvij

Warum Netflix den Titel „Der Unsterbliche Brij Mohan“ gewählt hat, erschließt sich mir überhaupt nicht, aber der Titel „Wenn man versucht, sich aus dem „Fuck“ des Lebens zu befreien und am Ende doch verliert“ wäre wohl zu lang gewesen…

https://www.netflix.com/title/80992995

 

Hinterlasse einen Kommentar »

Sacred Games – der Pate von Bombay

Als ich hörte, wer die Hauptdarsteller dieser ersten von Netflix produzierten indischen Serie sind, waren meine Erwartungen ziemlich hoch. Und was soll ich sagen: sie wurden sogar noch übertroffen!

Die Hauptdarsteller überzeugen perfekt mit ihren Rollen:

  • Saif Ali Khan spielt Inspektor Sartaj Singh. Ein Bulle im wahrsten Sinne des Wortes mit großem Herz.  Ihn sieht man in letzter Zeit leider viel zu selten. Diese Rolle hier ist wirklich eine Bereicherung.
  • Nawazuddin Siddiqui spielt Gangsterboss Ganesh Gaitonde. Wie schon in meinem Lieblings-Psychothriller „Psycho Raman“ spielt er kriminelle Monster so überzeugend, aber gleichzeitig menschlich nachvollziehbar, dass man fast schon mit ihnen sympathisieren könnte.
  • Radhika Apte spielt RAW Agentin Anjali Mathur.  In die „Zeit der Frauen“ spielt sie eine tolle starke, nach Unabhängigkeit strebende Frau und in „Lust Stories“ war sie unglaublich nervtötend mit ihrer Art, nicht nachzulassen. Beides passt super zu ihrer Rolle als unerbittlich nachjagende Agentin.

Die Geschichte basiert auf dem preisgekrönten Roman von Vikram Chandra.

Polizeiinspektor Sartaj Singh versucht in einem Geflecht aus Korruption und Lügen seinem Job als Polizist auf ehrliche Weise zu nachzukommen. Das bringt ihm viel Ärger mit seinen Kollegen ein, die ihn dafür auch schon mal verprügeln. Privat hat er auch noch eine schwere Bürde zu tragen: als verlassener Ehemann ist die Stimmung nach dem Dienst eher melancholisch und ihm fehlt sichtlich das Zuhause, aus dem er Kraft schöpfen kann. Um den Dienst zu überstehen, muss er auch schon mal zu Tabletten greifen.

Plötzlich bekommt er seltsame Anrufe von einem Mann, der seinen Namen nicht nennen will. Er hat Sartaj ausgewählt, um ihm seine Geschichte zu erzählen und ihn zu warnen, dass in 25 Tagen ein großes Unglück über die Stadt Bombay (heute Mumbai) hereinbricht. Wieso ausgerechnet Sartaj kontaktiert wird, erfährt der Zuschauer erst kurz vor Ende der 1.Staffel. Bei dem anonymen Anrufer handelt sich um den Gangsterboss Gaitonde, der eigentlich schon lange von der Bildfläche verschwunden ist.

Noch am Ende der ersten Episode treffen die beiden das erste Mal in einem Bunker aufeinander. Über die folgenden Episoden erfährt man durch Rückblenden in die Vergangenheit, wie dieser Gaitonde vom Sohn eines Bettlers zu einem der gefürchtetsten Paten von Bombay aufgestiegen ist. Die Rückblenden in die Kindheit werden von meinem Lieblingskind Sunny Pawar gespielt, den ich seit Lion in mein Herz geschlossen habe.

Was mir an der Serie sehr gefallen hat:

  • Die Rückblenden sind einfach großartig. Man taucht so tief mit in Bombays spannende Unterwelt ein, als wäre man fast selbst mit dabei beim Aufstieg eines Kleinkriminellen zum größten Gangsterboss der Stadt. Fast wünscht man ihm Glück dabei, seine großen Ziele im Kampf gegen die anderen Unterwelt-Bosse zu erreichen. Es werden einem mal wieder deutlich die Besonderheiten der indischen Gesellschaft vor Augen geführt: Waffen und Drogen sind im kriminellen Alltagsgeschäft nur Peanuts…richtig was zu holen gibt es, wenn es um Politik geht. Vor allem wenn Religion dabei eine Rolle spielt. Hindus gegen Moslems ist ein unendliches Thema.
  • Die Kameraeffekte sind grandios. Mit starken Lichteffekten wird zu jeder Zeit eine ganz besondere intensive und spannungsgeladene Stimmung gezaubert. Das warme gelbe Licht tauchte mich zugleich in ein sehr wohliges Gefühl.
  • Beide Geschichten, die des Gangsterbosses in der Vergangenheit und die des Inspektors in der jetzigen Zeit sind so spannend, dass man unbedingt wissen möchte, wie ihre Geschichte verläuft. Die Charaktere sind so anziehend, dass ich mich sehr mit ihnen verbunden fühlte. Und umso spannender ist es, dass sich diese beiden Geschichten auch noch kreuzen.

Möglicherweise findet jemand, der bisher nicht so tief in die Eigenheiten der indischen Lebensweise eingetaucht ist wie ich, einiges befremdlich. Für mich ist das alles so vertraut, dass ich mich fast wie zu Hause in der Serie fühle.

Es passiert allerdings so viel auf einmal und ist alles so detailreich dargestellt, dass ich die Serie definitiv nochmal schauen muss, damit einiges noch klarer wird. Man muss aber auch nicht alles bis ins Detail verstehen.

Fazit: Es war mir ein absolutes Sehvergnügen und ich hoffe natürlich inständig, dass ich bald die zweite Staffel zu sehen bekomme!

https://www.netflix.com/title/80115328 

 

Hinterlasse einen Kommentar »

Lust Stories – Beziehungsweise…

Ich glaube, bei diesem Titel scheiden sich die europäischen und indischen Geister, was die Erwartung hinter einem solchen betrifft. In der westlichen Welt würde man sicher sehr viel mehr Gelüste auf dem Bildschirm erwarten, als letztlich geboten wird. Für Inder ist der Titel wahrscheinlich sehr wichtig, denn er macht deutlich: Achtung, hier wird offen über Sex geredet und auch offen angedeutet. Vorsicht!

In 4 Kurzfilmen beschäftigen sich die Regisseure Anurag KashyapZoya AkhtarDibakar Banerjee, und Karan Johar mit dem Thema Lust. Ich muss gestehen, dass mich nur das letzte Filmchen von Karan Johar richtig gut amüsiert hat.  Die Szene, in der die junge Ehefrau unbefriedigt von ihrem immer lustvollen Ehemann, nur bedacht auf seine Freude am Sex, mit Hilfe eines Werkzeuges unbeabsichtigt vor der Familie ihres Mannes zu ihrem ersten Orgasmus kommt, ist einfach unwiderstehlich grandios. Das ist auch nicht gespoilert, das sollte man sich in allen Einzelheiten zu Gemüte führen.

Für manche Inder wird das wahrscheinlich schon viel zu heiß sein. Ich finde diese Szene unglaublich gut getroffen…vor allem, dass man zur Musik von Kabhi Khushi Kabhie Gham einen Orgasmus erlebt…großartig! Ich denke, die Moral von dieser Geschichte ist noch mit am Wichtigsten. Heiraten bedeutet nicht, dass man als junger Mann endlich seine sexuellen Gelüste täglich befriedigen kann, sondern dass es ums Zusammen erleben geht. So absurd das auch erst für jungen Bräutigam erscheint. Der wird übrigens von meinem neuen Lieblingsschauspieler Vicky Kaushal gespielt. Noch ein guter Grund, sich diese Geschichte anzuschauen. Bei Netflix kann man ja gut vorspulen.

Insgesamt würde der Begriff „Beziehungsgeschichten“ doch eher zu dieser Reihe von Kurzfilmen passen. Frauen werden sich wahrscheinlich eher angesprochen fühlen, denn es geht sehr stark um die Sicht der Frau aufs Geschehen rund um die Liebe.

Zu sehen bei Netflix: https://www.netflix.com/title/80991033

Hinterlasse einen Kommentar »

Lucknow Central – Jail House Rock 2017

Schade, schade, schade! Von einem Film mit Farhan Akthar hätte ich mehr erwartet. Ein Jail House Rock 2017 hätte Potenzial gehabt. Basiert ja auch auf wahren Begebenheiten. Die Gefängnisband gab es wirklich. Leider fand ich nur die letzten 15min des Films sehenswert. Der Song fetzt. „Kaavaan Kaavaan“ ist ein berühmter Song, der gern auf Hochzeiten gespielt wird. Alle haben sich dann am Ende auch irgendwie gefunden und endlich ist man auch den Figuren menschlich etwas näher. Vorher passiert lange nichts. Nichts, was man nicht schon in etlichen Gefängnisfilmen nicht schon gesehen hätte. Und die Figuren kommen irgendwie nicht in Schwung. Fast emotionslos schaut man zu. Aber man will ja dann doch wissen, wie es mit den Gefängnisinsassen endet (da Farhan zu Unrecht im Knast sitzt und ständig die Todesstrafe droht). Klar hat der Film auch Botschaften: Träume kann niemand einsperren. Die Problematik, dass man als Gefangener Wünsche und Hoffnungen für das Leben draußen hat, sich dort aber das Leben weiter dreht, während es im Gefängnis relativ still steht und es eigentlich gar keinen Sinn macht, zu fliehen, weil nichts mehr so ist, wie es vor dem Gefängnis war. Nebenbei flirtet Farhan auch noch etwas mit einer ihm gut gesinnten Frau. Ist aber alles wie gesagt nichts Neues, was man da zu sehen bekommt und nicht sonderlich aufwühlend oder beeindruckend.

Es gibt definitiv sehr viel sehenswertere Filme. Wer mag, kann ja bei Netflix zum Finale vorspulen.

https://www.netflix.com/de/title/80204433 

Hinterlasse einen Kommentar »