Bollywoodelfe's Blog

Eine deutsche Sicht auf Bollywood, Indien , Pakistan

Baahubali 2 – ein cineastisches Kunstwerk aus Tollywood

Das lange Warten auf die Fortsetzung von Baahubali The Beginning aus dem Jahre 2015 hat sich gelohnt! Aber sowas von! Was uns hier wieder an einfallsreichen Kampfszenen begegnet, übertrifft alle epischen Schlachtgetümmel, die man je gesehen hat. Teil 1 endete mit der dramatischen Ermordung des großen Amarendra Bahubali und erzählt nun im zweiten Teil die Geschichte, wie es dazu kam und wie sein Sohn Mahendra Bahubali seinen Vater und die Qualen von 25 Jahren Versklavung seiner Mutter rächt. Wer dachte, es könnte zum ersten Teil kaum eine Steigerung der fantasiereichen Übertreibungen geben wird eines Besseren belehrt: hier wird nochmal richtig abgefeiert, fantasievollere Schlachten und Kriegsgemetzelszenen habe ich wirklich noch nicht gesehen.

Hier stimmt einfach wieder alles! Der unfassbar heroische Hauptdarsteller Prabhas, den man einfach nur vergöttern kann…weil man ihm selbst die unglaublichsten Beweise seiner übermenschlichen Stärke so absolut abnimmt, weil er so unglaublich warmherzig lächeln kann, wenn er verliebt ist, der so unfassbar reinen Herzens ist und allen Menschen nur Gutes will. Das ist ein Filmheld, wie man ihn sich nur wünschen kann!

Und die unglaublich starke Frau an seiner Seite, die so excellent mit ihm im Kampf behaupten kann und sich von niemandem unterdrücken oder ungerecht behandeln lässt. Eine wirklich anbetungswürdige Filmheldin!

Dieser Telugu-Film ist von vorne bis hinten empfehlenswert…unglaublich dramatische und fesselnde Geschichte, geniale Schlachten, ein traumhaftes Liebespaar, fantasiereiche Bilder ohne Ende, wundervolle Musik…haaaaaaaaaach, für solche Filme muss man das indische Kino einfach lieben! Das ist Kuuuuuuuuuuuunst!

Ich schwebe dann mal mit meinem Schwanenschiff dahin, umgeben von Wolkenpferden…

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Badrinath Ki Dulhania – die rebellische Braut, die sich nicht traut

Die Entstehung der Geschichte zu „Badrinath Ki Dulhania“ (Badris Braut) stelle ich mir so vor: Die Tourismusbehörde von Singapur und die Fluggesellschaft wollten mal einen indischen Film sponsern, um ordentlich Werbung für sich zu machen. Damit ist schon mal klar: die Braut muss nach einem Streit nach Singapur abhauen und wird dort ne erfolgreiche Stewardess. Und weil Stewardessen ganz respektable Mäuse sind, machen wir nen Film darüber, dass Frauen in der indischen Gesellschaft immer noch nicht respektiert werden. Und damit die Frau in dem Film so richtig stark rüberkommt, muss der Kerl so richtig dumm und gewalttätig sein. Und der Vater von dem Kerl, dass muss so ein richtig mieser Matriarch sein, der alle Frauen in der Familie unterdrückt. Aber am Ende wird ja alles gut, der böse Vater wird ganz plötzlich lieb und die Braut kann dann doch damit leben, dass der Typ etwas unter ihrem Niveau ist, denn er ist ja total süß und lieb. Und damit das ernste Thema „Frauen Respekt zeigen“ auch beim indischen Publikum ankommt, wird es wie immer mit einer ordentlichen Portion Slapstick gesellschaftsgerecht serviert.

Ich fühle mich total verarscht von diesem Film. Ja natürlich, was will ich auch von einem indischen Blockbuster-Liebesfilm erwarten. Hatte ich auch nicht. Aber diese absurd fingierte Geschichte ist mir dann doch zuviel Gewese um Nichts. Ich habe erstmal die Nase voll von solchen flachen Filmchen. Schön bunt, und Alia Bhatt spielt großartig, keine Frage, aber die vielen Holi-Farben können nicht darüber hinweg täuschen, dass die Geschichte total farblos ist.  Auf tausendundeine von solchen hohlen Liebesdramen kann ich wirklich verzichten, wenn sie vortäuschen, ein ernsthaftes Thema zu behandeln. Schöne hohle bunte Welt.

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Lion – nur das Leben schreibt solche epischen Geschichten

Ich bin absolut „geflasht“ von Lion! Mir fehlen einfach die richtigen Worte für das, was ich hier auf großer Leinwand gesehen habe.
Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass mich doch nochmal ein Hollywood-Film so tief bewegen würde, seitdem dies seit Jahren eigentlich nur noch indische Filme wirklich schaffen.
Das Leben schreibt wie immer die unglaublichsten Geschichten, aber diese Geschichte ist so unfassbar und dazu auch noch wirklich so geschehen und so bewegend von den großartigen Schauspielern erzählt, dass man hier wirklich ein außerordentliches filmisches Ereignis erleben darf, in dem alles stimmt.

Der 5jährige indische Junge Saroo geht verloren, aber nicht mal eben um die Ecke, sondern ganze 1.600 Kilometer weit weg, weil er in einem Zug einschläft, als er seinem Bruder bei der Nachtarbeit helfen wollte.
Niemand sieht sich in der fremden Stadt verantwortlich, ihm zu helfen, wieder nach Hause zu finden. Es gibt tausende obdachlose Kinder, die sich täglich auf der Suche nach Essen und einem Schlafplatz herum treiben. Von einem Tag auf den anderen gehört nun auch er dazu und muss versuchen, in einer der härtesten Städte der Welt, Kalkutta, schutzlos zu überleben.
Er steht dabei so oft vor dramatisch gefährlichen Situationen, aus denen er sich rein instinktiv und dank einem unsichtbaren Schutzwall immer wieder befreien kann.
Ich konnte nur immer wieder ungläubig staunen, was für einen gigantischen Überlebensinstinkt so ein kleiner Mensch mit sich bringen kann.
Ich hätte keinen einzige Tag überlebt, sondern wäre wahrscheinlich sofort in die Fänge von brutalen Kinderhändlern geraten.
Und diese Dramatik wird von dem kleinen SUNNY PAWAR so unglaublich echt gespielt, dass man mit ihm zusammen diese dramatischen Ereignisse hautnah miterlebt und entsprechend gefesselt mitfiebert (hah! Sunny, was für ein grandios passender Name für diesen Sonnenschein in seiner reinsten Form).

Die Rettung zumindest aus diesem Sumpf der absoluten Schutzlosigkeit naht in Form eines Menschen, der sich dann doch seiner Geschichte annimmt und ihn aufs Polizeirevier bringt. Leider spricht er sein Heimatdorf schlichtweg falsch aus und die Suche nach seinen Verwandten bezieht sich logischerweise nur auf die Gegend, so dass bald die Hoffnung aufgegeben wird, seine Mutter zu finden, die zudem Analphabetin ist und die Zeitungsannonce nie hätte lesen können.
Nun wird Saroo (der zudem auch seinen Namen falsch ausspricht) an eine australische Familie adoptiert. Nicole Kidman als Adoptivmutter hat natürlich genug eigene Erfahrungen, um so eine Rolle absolut realistisch darzustellen und ist nicht ohne Grund hier für den Oscar nominiert.
Bei solchen Adoptionen bin ich mir immer nicht sicher, ob es für die Kinder wirklich gut ist, sie aus ihrem Land und ihrer Kultur zu reißen und es nicht besser wäre, sie vor Ort zu unterstützen.
Ohne Zweifel bewundere ich die Meinung des Ehepaares, dass es genug Kinder auf der Welt gibt, denen es nicht gut geht und denen man ein Zuhause geben sollte, anstatt eigene Kinder zu zeugen. Dieser Meinung bin ich auch.
Eines ist sicher, Saroo hätte nie ein so chancenreiches Leben in Indien gehabt. In Australien konnte er alles an Bildung und Beruf ausschöpfen.
Aber die Vergangenheit holt Saroo, nun gespielt vom charming Dev Patel, irgendwann so schmerzlich ein, dass er eben nicht mehr einfach so ein normales Leben weiterführen kann, ohne noch einmal ins Gesicht seiner Mutter zu blicken.
Natürlich nicht, ohne auch in den Konflikt zu geraten, dass er seine Adoptivmutter nicht mit diesem Wunsch, seine „biologische“ Mutter zu finden, kränken möchte.
Einer der schönsten Sätze aus diesem Film ist seine Aussage, dass es ihn krank macht, dass man sein privilegiertes Leben einfach so dahin plätschern lässt.
Eine verzweifelte Suche beginnt und man mag es eigentlich nicht glauben, aber er wollte einfach nicht aufgegeben (Never give up!) und beschwört die letzten Fetzen kindlicher Erinnerung herauf.
Und kann am Ende tatsächlich dank Google Earth sein Dorf finden und dorthin reisen und nach 25 Jahren(!!!) seine Mutter wieder in die Arme schließen.
Wer spätestens in dieser Situation keine Träne verdrückt, ist vollkommen empathielos.

Am Ende des Films beglückte uns der echte Saroo Brierley mit seiner Anwesenheit und Knut Elstermann persönlich befragte ihn zu seinem Schicksal.
Hier ein paar unglaubliche Fakten, die man noch wissen sollte (abgesehen davon, dass ich mir das Buch zum Film durchlesen werde, um noch tiefer einzutauchen)
– ein Wahrsager hatte der Mutter voraus gesagt, dass es ihrem Jungen gut geht und er eines Tages wiederkehren wird. Sie ist daher niemals umgezogen, damit er sie finden kann
– seine australische Mutter war außerordentlich davon angetan, dass sie im Film von Nicole Kidman verkörpert wird und Saroo konnte bestätigen, dass es absolut so dargestellt wurde, wie die Situation für ihn damals war
– der echte „Lion“ sieht sich als Australier…aufgewachsen mit der Kultur, Sprache, dem Land
– seine biologische Mutter in Indien ist zufrieden damit, zu wissen, dass es ihm gut geht und dass sie ihn jederzeit anrufen könnte
– Saroj Sood, die seine Adoption aus dem indischen Waisenhaus verwaltet hat, ist die Gründerin der indischen Adoptionsbehörde ISSA und war eine Schülerin von Mutter Theresa

Ich verrate hier natürlich nicht alles…einige überraschende (nicht weniger dramatische) Dinge gibt es immer noch zu erfahren, wenn man sich diesen unglaublichen tollen Film persönlich anschaut.
Die Schauspieler geben dieser Geschichte so unglaublich viel Realität, dass man noch lange lange danach von diesem Film erfasst sein wird und nicht zu vergessen, der schon fast bollywoodeske dramatische Einsatz der Filmmusik, der wirklich noch mal einiges dazu beiträgt, dass man diesen Film so emotional mit erlebt.
Für mich unerlässlich war die Originalversion mit Untertiteln. Gerade die Szenen in Indien leben ja durch die originale Sprache und die Stimme des kleinen Saroo MUSS man einfach einmal im Original gehört haben. Dann ist man sofort verliebt in diesen kleinen großen Löwen und möchte ihn auf der Stelle adoptieren.
Nicht vergessen möchte ich auch den (für mich überraschenden) Auftritt von meinem Lieblingsschauspieler Nawazuddin Siddiqui, der solch böse Rollen immer so pervers sympathisch spielen kann.

Abgesehen von den 6 Oscar-Nominierungen (bald wissen wir ja mehr), die für den Film sprechen, ist auch die Bewertung der User bei Rotten Tomatoes immer ein guter Hinweis, und hier mögen den Film ganze 93% !

Und hier noch die Bilder von der Sondervorführung im Delphi Filmpalast mit Saroj Sood, auf dessen Lebensgeschichte dieser wunderbare Film basiert:

In diesem Sinne: Never give up!

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Raees – das dramatische Leben eines mafiösen Robin Hood

Kann ein Krimineller wirklich eine Art Robin Hood für seine Mitmenschen sein, wenn er richtig viel auf dem Kerbholz hat? Kann man das gut finden?

Das Leben schreibt ja bekanntlich die spannendsten Geschichten…aber Inder legen natürlich immer noch einen drauf und als wäre dieser Film nicht schon spannend genug, müssen sie rund um die Entstehung des Films noch ein eigenes Drama anzetteln.

Schon bald nach Drehbeginn von „Raees“ wurde darüber berichtet, dass die Geschichte inspiriert von einem Gangster namens Abdul Latif sei (gespielt von unserem King Khan), der Alkohol schmuggelte und in die Terroranschläge 1993 von Mumbai verwickelt war. Aber die Filmmacher verneinen dies und verweisen darauf, dass der Film reine Fiktion ist. Vielleicht weil sie wissen, wie viel Kontroversen und Diskussionen dies nach sich ziehen würde, eine reale Geschichte ins indische Kino zu bringen.

Ich finde es durchaus realistisch, dass hier das Leben eines echten Mafioso verfilmt wurde. Da muss man sicher nicht mehr viel hinzu dichten und man hat eine Menge Stoff zu verarbeiten. Das ist gar nicht mal so einfach, wenn man versucht, so einen kriminellen Lebenslauf in Gänze darzustellen. Aber auf jeden Fall beeindruckend.

Was mich an diesem Film besonders unterhielt:

  • der unglaublich talentierte Nawazuddin Siddiqui, der mich bis jetzt in jedem seiner Filme so grandios begeistert hat, spielt einfach wieder mörderisch gut (haha) und ich muss einfach immer noch darüber schmunzeln, wie witzig die filmischen Unterschiede zwischen ihm und Shahrukh wirken…Nawazuddin mit seiner überzeugenden realistischen Schauspielkunst vs. Shahrukh Khans bollywoodeskem Overacting. Verwirrend! Ständig schwankt man zwischen „realistischer Film“ und „Bollywood-Märchen“. HERRlich unterhaltsam!
  •  wie wunderschön künstlerisch das Blut auf der Leinwand spritzt! malerisch, anmutig, und grazil wird dort gemordet und gestorben, was das Zeug hält. Das ist KUUUUUNST!
  • die wirklich gut gemachte Vintage-Optik…ach ja, diese riesigen Brillen, die in den 80ern modern waren und jetzt wieder so richtig hip sind. Und diese lustigen riesigen Telefone, als es noch keine Handys gab.
  • Shahrukh Khan mit fast natürlichem Look, Kajal, muskelbepackt, traditioneller Kleidung…echt toll anzusehen ❤ !!!

Was mich nicht so begeistern konnte:

  • mit der pakistanischen Hauptdarstellerin Mahira Khan bin ich leider nicht so warm geworden

Macht ein klares Ergebnis für gute Unterhaltung 🙂 Ein Masala-Movie mit einer brisanten und umfangreichen Mischung, die man erstmal verdauen muss. Da sitzt man am Ende des Films erstmal still und geplättet da. Gibt soviel zu verarbeiten. Raees, der Kriminelle mit dem kühlen Kopf eines Geschäftsmannes, der sich trickreich und mit dem Mut eines Kämpfers bis an die Mafiosi-Spitze empor arbeitet, seinen Mitmenschen immer hilfreich zur Seite steht und am Ende aus Verzweiflung und gut-Herzen einen schwerwiegenden Fehler begeht. Und die Politik tanzt mal mit, mal gegen seine Pfeife. Aber ein Polizist gibt nicht auf, ihn für seine Taten zu richten. Holla die Bollyfee!

 

 

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Kaabil -Rache ist süß, der Film ist bitter

Bollywoodfilme sind wie eine Pralinenschachtel…man weiß nie, was man bekommt. Leider ist dieser Film eine Praline mit schlechtem Nachgeschmack.

Da habe ich als letztes einen so tollen Film mit einer starken indischen Frau gesehen, vor der man Respekt hat, die Mut macht. Und dann sowas! In Kaabil begeht eine (blinde) Frau Selbstmord, nachdem sie vergewaltigt wurde. Weil sie nicht ertragen kann, dass ihr Mann unter der Situation leiden könnte. Hallo?!!! fragt sich der (deutsche) Zuschauer: in welches Jahrhundert sind wir hier filmisch zurück geworfen? Die Gerechtigkeit scheitert natürlich, wie sollte es anders sein, an der korrupten Polizei. Hrithik, der blinde Ehemann der geschändeten Frau will sich dann eben auf seine Weise rächen. Das wiederum ist das einzig Fesselnde an diesem Film, wie er die Fäden seiner Rache zusammen schnürt. Das ist schon teilweise sehr trickreich erdacht. Sein Plan geht auch auf, aber die Verwaltigung, die Täter, der Selbstmord…alles geht damit unter, alles wird unter den Teppich gekehrt. Wie immer. Scheiß Korruption, aber nunja, damit muss man wohl leben. Seit Ewigkeiten.

Am schlimmsten ist jedoch der Item-Song, in der sich eine junge Dame halb pornös zum Besten gibt und die Vergewaltiger dürfen lüstern die Partyhelden spielen. Hallo?!!! fragt sich wieder der deutsche Zuschauer. DAS ist zu diesem Thema so unglaublich unpassend, dass sich genau an dieser Stelle der schlechte Geschmack im Mund einbrennt.

Dieser Film ist so unglaublich 90er, dass man sich fragt, wer so etwas sehen möchte? Wollen die Inder das wirklich? Ich will das nicht. Ich will den Film ganz schnell vergessen und hoffentlich ist der nächste Film wieder eine angenehmere Praline.

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Ae Dil Hai Mushkil -in Zeiten schwerer Herzen

„Die Liebe ist wie Krebs – kommt überraschend und geht erst wieder, wenn sie dich zerstört hat“…ziemlich drastische Aussage von Ranbir Kapoor als Ayan Sanger. Er muss versuchen mit einer unerwiderten Liebe klar zu kommen, denn Alizeh, an die er sein Herz verloren hat, möchte niemals die wertvollere Freundschaft zwischen ihnen zerstören.  Und mit dieser Ansicht ist sie ziemlich hartnäckig und Ayan verzweifelt mal mehr, mal weniger daran. Abgesehen von einigen tollen Ablenkungen wie die Beziehung zu einer älteren Frau und seiner Karriere als Sänger, meistens mehr. Wahrscheinlich können die wenigstens Männer nachvollziehen, warum Alizeh ihm nicht die kleinste Chance als Liebhaber geben will. Er hat doch alles. Ist attraktiv, charmant und auch noch reich. Was will man mehr? Doch Alizeh möchte ihn niemals aus seinem Leben gehen lassen und meidet deshalb eine Liebesbeziehung. Ich verstehe zwar nicht, warum man davon ausgehen sollte, dass diese Beziehung früher oder später scheitern sollte, aber gut. An diesem Film ist einiges unverständlich. Vor allem auch das Ende. Liebe und Krebs scheint hier das Mantra des Films, was auch immer Regisseur Karan Johar damit verarbeiten möchte.

Pluspunkte hat der Film bei mir gesammelt, was die Musik angeht. Gefühlt ein Song nach dem anderen. Da hüpft das kleine Bollywoodherz. Eine absolut gelungene Parodie auf die Bollywoodindustrie. Da lacht das kleine Bollywoodherz. Und ein Kurzauftritt von Shahrukh Khan. Da schmilzt das kleine Bollywoodherz nur so dahin.

Obwohl dieser Auftritt von King Khan auch ein wenig ambivalent für mich war. Auftritt der alten Bollywood-Generation. Wirkte wie eine Zeitreise. So ganz anders als der Rest des Films. So  nach dem Motto: der muss auch noch mit rein. Egal wie. Ganz bezaubernd die Rolle von Aishwarya Rai Bachchan als reife Geliebte und Ex-Frau von Shahrukh. Hat auf keinen Fall ihren Reiz verloren und macht eine sexy Figur. Diese zauberhafte Frau hat dann auch noch intellektuell ihre absoluten Vorteile. Wahnsinn.

Der Film hält, was ein Bollywoodfilm verspricht: Liebe, Herz, Schmerz, Musik, Tanz, tolle Kostüme…ein gelungener unterhaltsamer Film. Aber nicht unbedingt nachhaltig beeindruckend.

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Die Zeit der Frauen – wer braucht schon Machos?

„Ihr werdet schon sehen, was ihr davon habt. Wie wollt ihr ohne Mann allein zurecht kommen?“ ruft der wütende Sohn, als die Mutter ihn aus dem Haus wirft, nachdem er ihr Erspartes für Alkohol und Prostituierte gestohlen und seine Frau verprügelt hat, die ihn dafür zur Rede stellte. SO VIEL BESSER, DU ARSCH!!! möchte man ihm am liebsten entgegen rufen, denn wenn man sich die Schicksale der vier Frauen anschaut, die in diesem Film so farbenprächtig beleuchtet werden, machen ihnen die Männer das Leben so unendlich schwer, dass sie ohne ihre Männer so viel besser leben könnten.

Dieser Film lässt kein einziges gutes Haar an den Männern dieser Dorfgemeinschaft. Faule, nichtsnutzige Trunkenbolde, die ihre Frauen schlagen und sie als reine Sexobjekte ansehen. Was in ländlichen Gegenden sicher auch noch sehr oft der Fall ist und jeder schlagende und vergewaltigende Mann ist ein schlagender Mann zuviel. Aber so viele Frauen haben dieses Schicksal ja stoisch ertragen und weiter an ihre Töchter gegeben und behandeln ihre Schwiegertöchter so grausam, als würden sie dadurch Vergeltung erlangen wollen für die quälenden Jahre der Erniedrigung. Sie müssten es doch so viel besser wissen. Immerhin schaffen es die vier Frauen zu einem Happy End in dem Film, so dass man die wütende Stimmung verarbeiten kann. Warum sollte man nicht auch mal so absolut schonungslos mit der daueralkoholisierten, agressiven, nichtsnutzigen, sexisitischen Männerwelt abrechnen dürfen. Es gibt ja zum Glück auch noch die gebildeten, warmherzigen, liebevollen, witzigen, treusorgenden Männer. Die kommen in dem Film zwar nur am Rande vor und werden dafür von den Idioten halb tot geprügelt…aber ja, es gibt sie.

Der Film ist auf jeden Fall sehenswert: man verbringt einen Abend mit vier tollen Frauen und ihren Lebensdramen, durch die sie keineswegs ihren Humor verlieren. Selbst ein vibrierendes Handy kann so viel schönes Gelächter hervor rufen. Das alles gespickt mit den wunderschönen Farben Rajasthans und bollywoodesken Tanzsenen. Sozialkritisches Kino auf sehr unterhaltsame Art.

Wie immer empfehlenswert in der OmU-Version, z.B. in den Hackeschen Höfen Berlin

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PSYCHO RAMAN – vom Spaß am Morden

Heute habe ich einen der besten Serienkillerfilme meines Filmlebens gesehen und kann mich den Worten des Fantasy Filmfest-Sprechers nur anschließen: ein Meisterwerk!

Als er meinte, dieser Film ist anders als die indischen Filme, die man sonst so kennt, wurde mir etwas weh ums Herz, denn es gibt so viele großartige indische Filme abseits von Bollywood, dass man Bollywood fast verfluchen möchte, wenn der indische Film an sich von Zuschauern gemieden wird, weil sie indische Filme mit Bollywood gleichsetzen. Nein, es gibt sie zahlreich, diese qualitativ hochwertigen indischen Filme und „Raman Raghav 2.0 / Psycho Raman“ gehört definitiv dazu und ich danke dem Fantasy Filmfest, dass sie diesen Film ganz besonders als „Centerpiece“ angepriesen haben und Rapid Eye Movies, dass sie den Film gekauft haben, um ihn auf zwar nicht in die Kinos, aber zumindest auf DVD heraus zu bringen. Ich werde sie mir definitiv kaufen!

Der Ansager meinte weiterhin, dass sie beim Schauen des Films auf dem Filmfestival in Cannes das dringende Bedürfnis hatten, schon nach 10 Minuten raus zu gehen, weil man diese Brutalität kaum aushalten kann, aber man solle durchhalten, damit man diesen meisterhaften Film in Gänze sieht. Das klang sehr dramatisch, ich kann mich dieser Warnung aber nicht anschließen. Keine Ahnung, ob ich schon zu viele indische Filme gesehen habe, in denen die grausame Realität in den hässlichsten Farben gezeigt wurde, aber so dramatisch grausam fand ich den Film wirklich nicht. Im Gegenteil. Ich fand die hässliche Realität Indiens noch recht entspannt dargestellt. Und überhaupt nicht düster und zu brutal. Alles genau richtig in Szene gesetzt.

Nawazuddin Siddiqui ist mittlerweile einer meiner Lieblingsschauspieler geworden. Er ist immer ein Garant für ganz besondere Filme und seine Schauspielkunst ist außergewöhnlich. Seine grinsende Mörder-Fratze ist einfach unbeschreiblich einnehmend. Fast könnte man diesen Mörder sympathisch finden. Fast könnte man ihn verstehen. Morden ist schließlich für ihn etwas ganz selbstverständliches. So wie Essen und Kacken. Haha. Fast wünschte ich, man würde eine Serie daraus machen. Ich glaube ich habe noch nie so entspannt einem Serienmörder beim Morden zugeschaut. Ganz besonders gefallen hat mir auch, dass die Drehorte absolut echt waren. Und die immer passende Musik. Mit Gänsehautfaktor. Passend zum Morden. Wie genial. Manche würde sagen: perfide! Ich sage: einfach schön. Ich kann diesen Film wirklich jedem empfehlen. Vielleicht nichts für ganz schwache Nerven. Aber auf jeden Fall etwas für den ganz besonderen Filmgenießer.

 

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WAZIR – Schachmatt – wer verliert, gewinnt

Also eines zur Warnung vorweg: wer den Film „TE3N“ gesehen hat, darf nicht enttäuscht sein, wenn der Film nur halb so viel Spannung bietet. Es gibt einfach so verdammt viele Parallelen, dass man schnell erahnt, welche Wendung dieser Film nehmen wird. Wird das jetzt DIE ewig gleiche Rolle für Amithab?

Es geht mal wieder um verlorene Kinder, Schuldzuweisungen, Trauer, Rachefeldzüge. Als Schauspielplatz der Kashmirkonflikt.

Man muss Schach mögen…denn der ganze Film dreht sich so sehr um Schach, dass man am Ende den Film vor lauter Schach nicht mehr sieht. Am Anfang konnte ich noch herrlich darüber lachen, wie die kleinen Kinder Anti-Terror-Polizist Daanish (Farhan Akhtar) so richtig beim Schach dissen, weil er ständig verliert. Dass sich ein Schachspiel bestens als Trinkspiel eignet, auch sehr amüsant. Dann muss das Schachspiel ständig für versteckte Hinweise in der Geschichte herhalten und am Ende gibt es auch noch eine Tanzaufführung in Form eines Schachspiels, welches den entscheidenden Hinweis für Polizist Daanish gibt, um das ganze Spiel, in dem er unfreiwillig mitgewirkt hat, zu durchschauen. Wahhhh! Wieviel Schach kann man ertragen, wenn man mit diesem Spiel auf Kriegsfuß steht wie ich?

Es sind die besten Schauspieler am Werk und der Film hat seine tollen Momente, z.B. wenn am Anfang in Zeitlupe die Romanze von Daanish und seiner Frau gezeigt wird, die zugleich Zeitraffer ist. Oder wenn beim Abspann Amithab und Farhan zusammen einen Song zum Film im Tonstudio einsingen. Großartig! Das hat sich gelohnt. Das ewige Schachspiel dazwischen mit den stets grimmigen Bösewichtern und der ewig leidenden Frau hat mich nicht wirklich gefesselt. Aber hey, ein Film mit Farhan lohnt doch immer. Ich hoffe nur, ich träume heut nicht von Schachfiguren. Ein Spiel ist ein Spiel ist ein Spiel.

 

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Margarita with a straw – wieviel Drama passt in einen Film?

„Margarita, with a straw“ ist der Cocktail, den sich Laila (Kalki Koechlin), durch Kinderlähmung an einen Rollstuhl angewiesen, als ersten Cocktail ihres Lebens bestellt, als sie mit ihrer blinden Mitstudentin Khanum einen Abend in einer Bar in New York verbringt. Nach New York ist sie mit Hilfe eines Stipendiums gekommen.

Bei diesem Film, so preisgekrönt er ist, hat man am Ende das Gefühl: weniger wäre mehr gewesen. Es hätte durchaus gereicht, das Leben einer an den Rollstuhl gefesselten jungen Frau zu beleuchten. Auch sie hat sexuelle Bedürfnisse, auch sie durchlebt das Drama einer unerwiderten Liebe. In Indien werden benachteiligte Personen sehr stiefmütterlich behandelt und versucht, diese nicht im öffentlichen Leben zu präsentieren. Stars wie Aamir Khan versuchen diese Situation zu ändern. Also das Thema hätte schon allein genug Stoff gegeben. Aber nein! Dann stellt Laila auch noch fest, dass sie bisexuell ist. Zwei Frauen mit Behinderung verlieben sich. (Und ihre Liebe Khanum stammt auch noch aus Pakistan). Diese Liebe bringt natürlich ein großes Drama mit den Eltern mit sich und dann erkrankt die Mutter auch noch am Ende an Krebs. Alles ungewohnt offenherzig und ungeschönt dargestellt. Hallooooo? Das ist echt too much!

Offensichtlich hatte Regisseurin Shonali Bose ganz viel zu sagen. Ihr Cousine litt an zerebraler Kinderlähmung und als sie diese sie zu ihrem 40.Geburtstag fragte, was ihren Geburtstag zum besten jemals machen würde, meinte diese „Sex“.  Über die Sexualität ihrer Cousine hatte sie bis dahin nie nachgedacht. Shonali Bose hat sich selbst als bisexuell geoutet.

Normalerweise lässt die indische Zensur solch realistische Darstellungen von Sexszenen nicht zu. Interessanterweise wurde hier von der indischen Zensurbehörde zwar verlangt, die hetereosexuelle Sex-Szene mit Lailas Mitstudenten etwas weniger deutlich darzustellen, aber die lesbische Liebesszene blieb zum Erstaunen der Regisseurin absolut ungeschnitten.

So einen Film hat man auf jeden Fall noch nicht gesehen, so viel steht fest. Darauf sollte man gefasst sein. Er will ein bisschen zuviel für meinen Geschmack. Aber hinterlässt so natürlich genug Stoff für zahlreiche Gedankenanstöße weit nach Anschauen des Films.

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