Bollywoodelfe's Blog

Eine deutsche Sicht auf Bollywood, Indien , Pakistan

Padmavaat – ein Kult sorgt für Tumult

Ich bin sauer! So richtig sauer! Eigentlich schon wütend. Dass ich diesen Film nicht entspannt genießen konnte, sondern im Hintergrund immer ein schaler Geschmack mit mischte. Denn was diese Verfilmung der sagenumwobenen Rajputen-Königin „Padmavati“ in Indien schon seit Drehbeginn im Januar 2017 auslöste, ist einfach zu bitter. Drehorte wurden vom wildgewordenen Mob zerstört, Menschen begingen angeblich Selbstmord, drohten mit Selbstanzündung, die Zensurbehörde und Hindu-nationalistische Gruppen sorgten dafür, dass der Release um Monate verschoben wurde, sogar ein Kopfgeld wurde für die Hauptdarstellerin ausgesetzt! Einfach nur, weil das Gerücht aufkam, es könnten erotische Traumsequenzen zwischen der hinduistischen Königin und dem muslimischen Angreifer zu sehen sein. Ein Gerücht! Nichts von alledem war wahr!

Nach dem die Zensurbehörde den Konflikt scheinbar durch eine Umbenennung des Films von „Padmatavi“ in „Padmaavat“ entschärfen wollte (ihr Ernst?) und der Film endlich seinen Kinostart feiern konnte, gingen die Tumulte weiter, Autos wurden vor den Kinos angezündet, sogar ein Schulbus mit Kindern mit Steinen beworfen!!! WAS LÄUFT DA SCHIEF BEI EUCH liebe Inder??? Warum tickt ihr nicht genauso aus, wenn es um die wirklichen Probleme in Indien geht? Armut, Wahrung von Frauenrechten, Bildung für Menschen, die sie sich nicht leisten können. Stattdessen habt ihr nichts Besseres zu tun, als eure gesamte Energie in diese Kontroverse um einen verdammten Film zu stecken? Eine Fiktion! Ein Märchen, das so gar nichts mit der Realität zu tun hat. Wo ist euer Hindu-Stolz, wenn Frauen im wahren Leben schlecht behandelt werden? Ich verstehe euch nicht!!! Und ich will es auch nicht verstehen. Ich wünschte nur, ich hätte von all dem nichts mitbekommen. Dann hätte ich mich einfach nur an einem opulenten Kostümfilm erfreuen können.

Denn abgesehen von all diesen wahnsinnigen Ausschreitungen drum herum, ist der Film eine wahre Augenfreude für Fans von herrlichen Filmkulissen und überbordenden Kostümen. Deepika Padukone spielt Padmavati so voller Stolz und Würde und Weisheit, wie könnte man da annähernd davon ausgehen, diese Verfilmung würde diese historische (fiktive) Figur in irgendeiner Weise verunglimpfen? Selten so eine würdevolle Königin gesehen. Und ganz besonders stark ist der Auftritt von Ranveer Singh als muslimischer Bösewicht Sultan Alauddin Khilji, der vor lauter Machthunger über alle möglichen Leichen geht und dabei keinen Anstand kennt…am Ende zum armen Irren wird in seinem Wahn, unbedingt die Schönste aller Schönen, die Rajputen-Königin, zu sehen. Großartig gespielt! Einen sehr guten Eindruck seiner überzeugenden Rolle liefert der Song „Khalibali“.

Warum man ihm allerdings einen Diener zur Seite stellen muss, der seinen Herrn auch auf andere Weise liebt und sich darüber ständig lustig macht, habe ich nicht verstanden. Auch nicht, warum es allgemein gesehen so heroisch sein soll, sich als Frau lieber dem Feuertod zu opfern, statt in die Hände der Feinde zu fallen. Gut, in diesem Fall bringt es dem Zuschauer eine gewisse Genugtuung, weil das nun wirklich die größte Strafe für diesen miesen Sultan war, die er je hätte bekommen können. Aber auch nur, weil es ein glattgebügeltes Märchen auf der Leinwand ist (keine Falte zierte dort jegliches Gesicht). Und trotzdem fühlen sich alle möglichen Gruppen auf den Schlips getreten inklusive der Muslime, die sich durch die Darstellung als barbarische anstandslose Eroberer ebenso in ihrer Ehre mit Füßen getreten fühlen wie die Hinduisten in ihrem merkwürdigen Stolz was diese mythische Gestalt Padmavati betrifft.  Ach lasst mich doch alle in Ruhe mit eurem ewig währenden religiösen Gemetzel…es soll auch solche Filme geben dürfen! Als Europäer kann ich hier nur ungläubig mit dem Kopf schütteln, was diese Verfilmung in Indien ausgelöst hat. Da fehlt mir jegliches Verständnis.

 

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Secret Superstar – eine Liebeserklärung an alle Mütter

Wenn es einen guten Grund gibt, für einen indischen Film ins Kino zu gehen, dann ist es ein Aamir Khan Film! Hier gibt es definitiv gesellschaftskritischen INHALT, der zu Herzen geht. Und diese süßeste Liebeserklärung der Welt an alle wirklichen Stars im wahren Leben: Mütter, füllt einen mit ganz viel Liebe. Und ich kann es nicht oft genug sagen: in einer von Hass und Gewalt geprägten Gesellschaft kann es nicht genug von solchen Filmen geben. Männer, die ihre Frauen schlagen, gibt es leider noch viel zu oft. Aber Frauen sollten zurück schlagen. Nämlich auf ihre Art.

Abgesehen davon, dass mir als Aamir Khan Fan allein schon deshalb das Herz aufgeht, ihn endlich mal wieder auf der Kinoleinwand zu sehen…diese Geschichte hat Hand und Fuß, tolle Schauspieler mit ganz viel Herz, neben ganz viel Dramatik auch ganz viel Witz (Aamir Khan schafft es ja schon allein mit seiner Mimik einen Lachflashmob im Kopf auszulösen) und schöne Musik. Ich hoffe, man liest in diesen Zeilen ganz viele funkelnde Herzen. Ich bin verliebt in diesen Film. Eine Mutter, die über alle ihre Grenzen geht, um der Tochter einen Traum zu ermöglichen…das kann ein Europäer wahrscheinlich nur im Ansatz erahnen, was das für eine schier unüberwindbare Hürde sein kann. Wenn auch nur eine Frau dadurch mehr Mut bekommt, ihren Weg zu gehen, ist damit unendlich viel erreicht.

I love you Aamir! ❤ Und von deinem Song kann ich auch nicht genug bekommen. Superhit!

 

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Agnyaathavaasi – WTF?

Eigentlich wollte ich diesem Film keine einzige Zeile widmen. Aber ich muss wenigstens jeden davor warnen, der die gleiche Dummheit wie ich begehen und diesen Film schauen möchte. Ich habe verdammte 15 Euro für diese Lebenszeitverschwendung ausgegeben. Der Gesinnung dieses Films nach müsste ich mich dafür jetzt selbst grün und blau schlagen. Denn dieser Film verherrlicht Gewalt auf ganzer Linie, Rache ist cool, Schläger sind obercool, jemanden zu ermorden ist der normale Weg, Schwierigkeiten beiseite zu schaffen. Dafür braucht man dann auch keine große Story. Den größten Teil gesprickt mit dem mir verhassten indischen Slapstickhumor (boah, ist das lustig, wenn sich zwei Frauen um einen Mann schlagen…nicht!) ist der Film wirklich das grauenhafteste Produkt, dass ich je aus indischem Lande gesehen habe! Mehr möchte ich dazu jetzt auch nicht sagen außer: Bitte keinen Nachschlag!

 

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Tiger Zinda Hai – Tiger lebt, und zwar mächtig gewaltig

Der indische (Ex-)Geheimagent Tiger (ich würde ihn ja eher „der Bulle von Indien“ nennen) und seine pakistanische Frau, die ihrerseits für den pakistanischen Geheimdienst tätig ist, kämpfen hier zusammen(!!!) gegen Terroristen im Irak, um pakistanische und indische Krankenschwestern zu befreien, die dort als Geiseln fest gehalten werden.

Klingt erstmal wie ein mordsmäßiger klassischer Actionfilm (und ein Kinopublikum mit 98% Männeranteil bestätigt das auch), trägt aber eine ungeheuer liebenswürdige Botschaft in sich, die UNBEDINGT auf die Leinwand gehört. In der Realität würde es nämlich NIEMALS in Frage kommen, dass Inder und Pakistaner sich zu einer gemeinsamen Mission zusammen schließen.  Hier wird aber gezeigt, wie erfolgreich sie Seite an Seite gegen einen skrupellosen, übermächtigen Feind kämpfen können, wenn sie ihre Kraft mal nicht darauf verwenden, gegeneinander zu kämpfen. Und lassen sogar ihre Fantasie spielen und malen sich aus, was alles erreicht werden könnte, wenn man das Geld nicht in gegenseitige Aufrüstung stecken würde, sondern in Schulen und Bildung. Am Ende der Mission schwenken sogar pakistanische und indische Flagge neben einander als Zeichen des Sieges. Wahhhhhnsinn! Wo sonst in der Realität ständig Hass gegeneinander geschürt wird, sieht man hier, wie es sein könnte, wenn man für eine menschliche Sache die angestauten Feindschaften einmal ruhen lässt.

Der typische Salman Khan Fan kommt hier gewohnt auf seine Kosten. Der Tiger, dessen Körper zu 100% aus Muskelmasse besteht (aber ja, dafür ist sein Herz umso weicher), kämpft fast allein gegen Heerscharen von Terroristen. Seine taffe pakistanische Frau (Katrina Kaif) darf natürlich auch ordentlich mit mischen, das sorgt aber bei den klassisch indischen männlichen Zuschauern eher für Belustigung (ich fands super). Manchmal glaubt man sich in mitten einer wüsten Computerspielschießerei. Kein Problem für den Tiger, wild um sich knatternd dutzende Terroristen zu erledigen, ohne selbst einen einzigen Kratzer zu erleiden. Herrlich. Nehme ich persönlich sehr humoristisch und als unterhaltsam an. Für manche sonst bollywoodinteressierte Zuschauerin ist es vielleicht zu blutrünstig. Ich bin eben ein Salman Khan Fan und kann das ab.

Fazit: geniale Botschaft in gewohnter Salman Khan-legedichnichtmiteinemverwundetenTigeran-Manier

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The Big Sick – Love isn’t easy

Der mit seinen Eltern aus Pakistan in die USA eingewanderte Kumail hat sich in Emily verliebt, verschweigt das aber vor seinen Eltern, die von ihm erwarten, dass er gefälligst eine Pakistanerin heiratet. Als Emily erfährt, dass sie verheimlicht wird und Kumail von seiner Mutter ständig „plötzlich hereingeschneite“ junge Damen als potenzielle Ehefrauen vorgestellt bekommt, macht sie wütend mit ihm Schluss. Kurz darauf fällt sie ins Koma und Kumail wird nun mit ihren Eltern konfrontiert.

Wie sagt Emilys Vater so schön: „Love isn’t easy. That’s why they call it love.“

loveisnteasy

In diesem Fall sind die Umstände wirklich verdammt hart. Aber so herzlich und intelligent verpackt, dass einem warm ums Herz wird. Und wie so oft hat das wahre Leben uns hier eine herzergreifende Geschichte geschrieben, die sich zwar erdrückend tragisch, dramatisch, ja geradezu katastrophal darstellt (man kann sich zwischenzeitlich kaum vorstellen, dass das noch gut enden kann), aber mit so einem feinsinnigen Humor ausgestattet ist, dass einem das Lachen eben nicht vergeht. Im Gegenteil. Dank der grandiosen Figuren und Situationskomik kann man jederzeit herzhaft lachen. Nicht nur über Dinge, über die man eigentlich keine Witze machen darf. Aber genauso reicht es auch, wenn Kumail seinen einzigartigen Blick aufsetzt, der schon allein so viel Witz widerspiegelt, dass man gar nicht anders kann, als unvermittelt mit schmunzeln. Oder die Wortgefechte, die er sich mit Emily liefert. Während sie behauptet, dass sie eine Beziehung im Moment so gar nicht gebrauchen kann und er daraufhin seine berühmte 2-Tage-Regel zum Besten gibt, nach der er nicht länger als 2 Tage mit einer Person zusammen sein kann. So ernsthaft wie möglich von beiden klar gestellt, doch weiß man als Zuschauer schon genau, das können und wollen sie doch nicht ernst meinen. Das Risiko für Kumail, dass sich hier eine Beziehung entwickeln könnte, ist als westlicher Zuschauer wahrscheinlich nicht im Ansatz nachzufühlen. Sein Cousin wurde schon aus der Familie verbannt, weil er eine „Weiße“ geheiratet hat. Ich selber kenne persönlich einen Fall, in dem der (indische) Mann durch die Familie so unter Druck stand, dass er sich zwangsweise mit einer Inderin verheiraten ließ, obwohl er einen Monat zuvor seine hochschwangere „weiße“ Freundin geheiratet hatte. Es gibt natürlich auch genauso Fälle, in denen die hier lebenden Familien so offen für alles sind, dass man nur staunen kann. Aber bei Kumails Familie dreht sich alle darum, die pakistanischen Wurzeln aufrecht zu erhalten. Gefühlt bekommt Kumail täglich eine neue Braut vorgestellt. Wie groß muss der Druck für diese armen Frauen sein, wenn ihnen ständig damit gedroht wird, sie würden als Äpfel mit braunen Stellen in der Kiste ganz unten landen, wenn sie nicht bald heiraten. Unverheiratet zu sein ist absolut inakzeptabel. Das andere Problem, mit dem Kumail fast täglich konfrontiert wird: mit pakistanischer Herkunft ist man potenzieller Attentäter. Was habe ich gelacht, als Emilys Vater schon immer mit so jemandem…also…einem Menschen…über den 11. September reden wollte. Kumails witzigste Antwort ever auf diese Frage, wie es für ihn war, habe ich gefeiert. Ehrlich. Dafür liebe ich diesen Film und hätte am liebsten eine ganze Serie davon.

Fazit: Zauberhaft! Die Darsteller, die Geschichte, die Situationskomik, der humoristische Umgang mit Vorurteilen, die Überreaktionen im Eifer des Gefechts, die Streitereien, die Darstellung kultureller Problematiken…alles einfach zauberhaft! Familientauglicher Film für die Weihnachtszeit.

http://www.thebigsickmovie.com

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Qarib Qarib Singlle – Bereit für eine neue Liebe?

Mit einem Irrfan Khan Film ist es, wie es ist: man kann nichts falsch machen. Es geht immer direkt ins Herz, wie spielfreudig er seine Rollen zelebriert. Bei Shahrukh Khan hätte es wahrscheinlich wieder große Diskussionen darum gegeben, dass er in seinem Alter doch bitte keine Romanzen mehr mit allzu jungen Damen auf der Leinwand darstellen sollte. Bei Irrfan muss man sich darüber keinen Kopf machen. Trotz fortgeschrittenen Alters steht ihm auch eine jugendliche Leinwandpartnerin sehr gut. Und Flirten kann Irrfan ganz meisterhaft! In diesem Fall muss man sich wohl eher an seine merkwürdige Erscheinung mit Lockenköpfchen, Schweißband und Jogginghose gewöhnen. Wenn dies gelungen ist, kann man sich ganz und gar auf eine außerordentlich charmante und unaufgeregte Romanze einlassen. Unaufgeregt im Sinne von: lassen wir mal den typischen Bollywoodtrubel weg. Wir sehen z.B. das ganz einfache Indien, Orte abseits der üblichen Touristenspots. Der Fokus liegt ganz allein auf dem redefreudigen Poeten Yogi und der jungen Witwe Jaya (Irrfan und Parvathy), die sich über ein Datingportal kennen lernen. Sie machen sich schließlich gemeinsam auf den Weg, ihren verflossenen Lieben noch einmal zu begegnen und diese Beziehungen aufzuarbeiten, damit sie wirklich bereit für eine neue Beziehung sind. Auf dieser Reise lernen sie natürlich viel über sich selbst und es ist sehr unterhaltsam, ihnen dabei zu zuschauen. Der quirlige Yogi, der schon mal den Flug oder den Zug verpasst, es ihm aber zu keiner Zeit die gute Laune verdirbt und die seriöse, ernsthafte Jaya, die mit diesen ungeliebten Überraschungsmomenten erst einmal zurecht kommen muss. Es ist zwar etwas zweifelhaft, wieso Jaya diese Reise mit einem Mann unternimmt, der sie ständig zur Weißglut bringt. Wiederum gut nachvollziehbar ist es, dass Irrfan einen derart um den Finger wickelt.
Das Schöne an dem Film ist: er prügelt nicht so manipulativ aufs Herz ein, wie es sonst Bollywoodfilme gerne wollen. Er schafft es auf eine ganz leichte und frische Art, dass man sich mit der Geschichte der Figuren anfrreunden kann ohne großes Tamtam. Das ist auch mal ganz schön. Man muss ja nicht immer gleich mit dem Gefühlshammer draufhauen.

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Victoria & Abdul – Ein königliches Herz für Inder

Eine innige Freundschaft zwischen Königin Victoria, Kaiserin von Indien und dem indischen muslimischen Bediensteten Mohammed Abdul Karim. Wenn das Leben nicht tatsächlich diese Geschichte (natürlich nur ungefähr so) geschrieben hätte, würde ich meinen, das sei nicht möglich. So viel liebenswürdige Völkerverständigung allen Unterschieden in Schicht, Herkunft und Religion zum Trotz, würde selbst meine unerschütterliche Fantasie nicht annähernd hervor zaubern. Umso schöner, dass diese so unglaubliche Geschichte einen kleinen wahren Ursprung hat.

Ob es am hochbetagten Alter der Queen lag, in dem es einem so langsam egal ist, was die Anderen denken? Müde von den kräftezehrenden, endlos langweiligen Hofprotokoll-Zeremonien ohne herzliche Menschen um sich herum, ständig unter dem Druck, ein riesiges Reich zu verwalten, in dem Wissen, dass sehr viele Menschen sie hassen und Intrigen gegen sie spinnen. Da scheint der warmherzige, weltoffene, menschliche Abdul gerade wie ein retardierendes Moment im Leben zu erscheinen. So scheint es, möchte die Queen am Lebensende ja doch noch einmal ein kleines Fünkchen Glück erleben. Wenn da nicht alle Anderen wären, die Abdul seine plötzliche Gunst bei der Queen missgönnen würden. Ein „Farbiger“, ein Diener, ein Moslem! Was für ein Affront!!!

Für mich als Zuschauer aus einer anderen Zeit ist dieser Affront unheimlich unterhaltsam! Und Judi Dench und Ali Fazal spielen das freundschaftliche ungewöhnliche Paar so liebenswürdig authentisch, dass man denken könnte, es war alles ganz genauso gewesen. Judi Dench ist wahrscheinlich die viel coolere Queen, als die echte Victoria es war. Ganz genau so stellt man sich eine betagte, mächtige Frau mit soviel Last auf ihren Schultern vor. Denn ja, auch sie hat letztlich nur zu dienen.

Eddie Izzard als Prince of Wales hätte ich nie im Leben erkannt. Diesen niederträchtigen, „missratenen“ Sohn hat er ja sowas von unglaublich echt gespielt, und ich hatte ihn doch zuletzt als Komiker live auf der Bühne gesehen. Einfach herrlich.

Es ist mir nicht wichtig, wie verklärt diese Geschichte ist. Ich kann mir denken, dass hier ganz viel süße Mango um die wirkliche Geschichte geschmiert wurde.  Es stört mich auch nicht, dass der Stoff schon fast kitschiger ist als der schmalzigste Bollywoodfilm. Ich möchte auch einfach mal wieder solche schönen Geschichten! Nicht immer nur Hass und Angst und Kälte.

http://www.focusfeatures.com/victoriaandabdul/

 

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„Harry-und-Sally-Syndrom“ auf indisch

Unfassbar! Unfassbar, wie Shahrukh Khan es immer wieder schafft, diesen gewissen Charme auf die Leinwand zu zaubern…abgesehen davon, dass er für sein Alter viel zu gut aussieht, was der Dauerraucher sicher etlichen digitalen Weichzeichnern zu verdanken hat, geht von ihm ja dieses unwiderstehliche gewisse Etwas aus…und in diesem Film kann man das mal wieder so richtig genießen.

Der Titel „Jab Harry met Sejal“ lässt einen ja sofort an „When Harry Met Sally“ denken…vielleicht soll er auf das „Harry-und-Sally-Syndrom“ hinweisen: die Unmöglichkeit, eine rein platonische Beziehung zwischen Männern und Frauen führen zu können. Reiseführer Harry soll Sejal, die auf der Europareise ihren Verlobungsring verloren hat, helfen, ihn wieder zu finden, da ihr Verlobter ihr gedroht hat, dass es ohne Ring keine Heirat gibt (da hat sie wirklich einen netten Verlobten, der sie einfach so zurück lässt). Womanizer Harry, der sich offensichtlich in jeder Stadt mit einer anderen Frau vergnügt, warnt Sejal, dass er wirklich ein böser böser Bad Guy ist. Sejal kann darüber erstmal nur lachen und setzt ihren Willen durch, dass Harry ihr beiseite stehen muss, die Tour noch einmal durch zu gehen, um irgendwo ihren Ring zu finden. Jedem ist natürlich klar, was nun folgen wird…diese Reise wird natürlich nicht rein platonisch enden. Beide haben sich zwar nicht bewusst gesucht, aber am Ende gefunden.

Soweit so gut. Am Anfang wirkt zwar alles noch etwas holprig…Shahrukh als cooler Womanizer…nunjaaaa…und tun wir mal so, als könnten wir uns erst nicht leiden. Aber dann kommt der Film emotional in Fahrt und macht schon Spaß mit den Beiden.

Meine absoluten Highlights:

  • Shahkukh spricht deutsch!!! Als seine sitzen gelassene Freundin aus Frankfurt ihm die Leviten lesen möchte, spricht Shahrukh ein paar deutsche Sätze und zwar sowas von super eingeübt und gar nicht stumpfsinnig auswendig gelernt, dass ich mich zu einem Egal-Witz inspiriert fühlte: Egal wie gut du deutsch sprichst, Shahrukh Khan es besser! LOL
  • die Fado-Sängerin in Lissabon. Das war wirklich wunderschön anzuhören!

Fazit:

Shahrukh Khan Fans kommen hier auf jeden Fall auf ihre Kosten…ansonsten ist es halt typisch Bollywood: keine besonders tiefsinnige Liebesgeschichte, ganz viel Drama & Emotionen, wunderbare musikalische Untermalung, großartige Schauplätze in ganz Europa, Farbspektakel, ein gut aussehender King Khan…alles da!

 

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Lipstick under my Burkha – die Sehnsüchte der Frauen

Ach wie schön! Einer der seltenen indischen Filme, in denen reale indische Frauen dargestellt werden, keine SuperHeldinnen und keine Vamps. Frauen, die versuchen, das Beste aus ihrer Situation zu machen, eingeengt und gefangen in gesellschaftlichen Zwängen, unterdrückt und bevormundet. Und holla, die Waldfee! Da geht es ganz schön realistisch zu, vor allem in Sachen Sex. Die Zensurbehörde hatte zuerst dafür gesorgt, dass der Film nicht veröffentlicht werden darf. Nachdem die Filmemacher dagegen Berufung eingelegt hatten und einige zu eindeutige Szenen heraus geschnitten wurden, darf der Film nun doch auch in Indien starten. Die übrig gebliebenen Szenen erotischen Inhalts sind trotzdem noch hochbrisant für einen indischen Film und ich hoffe, die Hauptdarstellerinnen werden dafür nicht von einem wilden Mob verfolgt, der es nicht zulassen will, dass Frauen auch sexuelle Sehnsüchte haben und von Freiheiten träumen.

Wenigstens das Träumen kann ihnen keiner nehmen. Erzählt wird das Leben von vier Frauen zwischen 18 und 55 Jahren. Shirin, eine junge Mutter von drei Kindern, muss den ständig lieblosen Sex ihres Mannes ertragen und ist ohne sein Wissen eine erfolgreiche Verkäuferin. Leela, eine Kosmetikerin mit ehrgeizigen unternehmerischen Plänen wird gegen ihren Willen verheiratet, obwohl sie ein Verhältnis mit einem Fotografen hat. Rehana hat strenge muslimische Eltern und muss hart in deren Geschäft für Burkhas arbeiten, legt diese aber heimlich im College ab und klaut für ihr weltliches Outfit auch schon mal (da erfüllt die Burkha mal einen interessanten Zweck zum Verstecken der Beute). Und dann ist da noch Tante Usha, verwitwet, die ebenso heimlich erotische Frauenliteratur liest und sich auf ein amouröses Abenteuer telefonischer Art einlässt. Dieses aberwitzige Verlangen einer älteren Dame wird sowas von herzallerliebst von Ratna Pathak dargestellt, dass man zwischendurch vor Heiterkeit tatsächlich jauchzen muss. Auch Konkona Sen Sharma als taffe Haustür-Verkäuferin ist wie immer sehr sehenswert.  Alles in allem ein wirklich liebevoll gemachter, sehenswerter Film über die Sehnsüchte von Frauen.

Sehr köstlich finde ich auch das Video der Hauptdarsteller dazu, wie es wäre, wenn Männer wie Frauen behandelt würden:

Am besten erklärt man in Indien alles mit sehr viel Witz. Das ist hier wirklich gut gelungen. Frau hat noch zu lachen, auch wenn die Geschichten der Frauen eher zum Weinen sind.

Der Film läuft noch auf der IndoGerman Filmweek: Fr, 21.7. 19:30 Uhr und Sa, 22.7. 21:15 Uhr. Viel Vergnügen!

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IndoGerman Filmweek – Hotel Salvation

Morgen ist es wieder soweit: die mittlerweile 5. IndoGerman Filmweek verwöhnt uns mit vielen indischen Filmen und ich darf Tickets für die Berlin-Premiere von „HOTEL SALVATION“ (MUKTI BHAWAN) am 14. Juli um 19:30 Uhr im Kino Babylon verlosen. Anschließend an die Filmpremiere wird es ein Gespräch mit Filmemachern und Hauptdarsteller Adil Hussain geben, der einigen vielleicht als Zoodirektor in „Life of Pi“ bekannt sein dürfte. Der Film feierte seine Weltpremiere bei den Filmfestspielen in Venedig und erhielt unter anderem die UNESCO Gandhi Medaillie. Bei den National Awards in Indien wurden der Film und Adil Hussain als bester Darsteller ausgezeichnet.  HOTEL SALVATION wird Ende des Jahres in den deutschen Kinos zu sehen sein. In der Komödie geht es um Rajiv (Adil Hussain) der seinen alten Vater pflichtbewusst auf eine Reise in die heilige Stadt Varanasi begleiten muss, weil dieser dort auf Erlösung hofft.

Wenn ihr Tickets für die Premiere am 14.7. gewinnen möchtet, hinterlasst mir hier einen Kommentar oder schreibt mir eine Nachricht bei Twitter. Viel Glück und ansonsten schaut gern bei dem einen oder anderen Film auf der Filmweek vorbei!

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