Bollywoodelfe's Blog

Eine deutsche Sicht auf Bollywood, Indien , Pakistan

Raazi – Agentin mit Gewissen

Wow! Spannungsgeladene Agenten-Action geht auch ohne die neueste, hochmoderne Spitzentechnologie! Der Film spielt nämlich in den 70er Jahren, zu Zeiten des Indo-Pakistanischen Kriegs von 1971  und Agenten dieser Zeit müssen noch mit recht altertümlich anmutenden Mitteln auskommen. Da werden kritische Informationen eben mit noch mit Morsezeichen übermittelt. Keine KI flüstert einem Telefonnummern oder Namen ins Ohr, alles muss auswendig gelernt werden. Was an sich auch schon mal spannend ist, denn der Rückblick in diese Zeit erscheint sehr authentisch. Aber noch viel spannender ist es, wenn die indische Agentin Sehmat, gespielt von Alia Bhatt, in Pakistan ihren Aufgaben nachkommt und man als Zuschauer jedes Mal mit ihr kurz vorm Herzinfarkt steht, weil sie entdeckt werden könnte, denn das wäre ja ihr Todesurteil.

Das macht diesen Film aus: Agentin Sehmat ist so dermaßen menschlich, keine reine Agenten-Powermaschine, die jeden eiskalt aus dem Weg räumt. Nein, es zerreißt ihr das Herz, wenn sie Menschen töten muss. Sie ist keine Agentin aus Leidenschaft. In Gehorsam zu ihrem Vater möchte sie alles für ihr geliebtes Indien tun. Sogar in eine pakistanische Familie einheiraten, die sorglos die junge Frau aus Indien bei sich willkommen heißt. Aber was Sehmat wahrscheinlich verdrängen wollte: im Notfall muss sie zur Mörderin werden. Und eine kleine Unachtsamkeit ihrerseits sorgt dafür, dass sie tatsächlich töten muss. Was wiederum noch mehr Leid erzeugt, denn die ermordete Person hinterlässt ja trauernde Menschen. Sie erzeugt damit so viel Unglück in ihrem Umfeld…alles zum Wohle ihres Heimatlandes. In ihrer Vision ging es wahrscheinlich nur darum, Informationen zu sammeln und dabei nicht entdeckt zu werden. Der grausame Part, an dessen Ende auch ihr Leben rein gar nichts bedeutet, wenn es um die Sicherheit Indiens geht, überfordert ihre Vorstellungskraft. Ihr Plan geht nicht auf und nun muss sie mit dem Umstand leben, dass sie Menschen auf dem Gewissen hat. Und Sehmat hat ein Gewissen. Das wird dem Zuschauer sehr deutlich gemacht.

In Pakistan wird der Film nicht in den Kinos gezeigt. Wenn Pakistan in einem Film schlecht wegkommt, versprechen sich die Kinobesitzer nicht viel davon. Dabei kommt Pakistan gar nicht schlecht weg. Jeder normale Mensch kann sich denken, dass es genauso erfolgreiche Missionen von pakistanischen Agenten gegeben haben wird. In diesem Film geht es vielmehr um den menschlichen Aspekt. Warum macht ein Mensch so etwas und was macht es mit ihm. Dem Land dienen ist die eine Sache. Mit all den Konsequenzen leben zu müssen, die diese Tätigkeit mit sich bringt, ist die andere Sache. Der Film macht leider wieder die immerwährende Kluft und die Feindschaft der beiden Länder deutlich. Es hat sich nichts geändert. Über Generationen hinweg wird der Hass aufeinander weiter gegeben. Es scheint keinen Ausweg zu geben.

Ganz und gar unerwartet entzückt war ich auch vom pakistanischen Ehemann, gespielt von Vicky Kaushal. Er spielt auch in meinem Lieblingsthriller „Psycho Raman“ mit und im eigens von Netflix produzierten „Liebe pro Quadratzentimeter“, wo er mir auch schon positiv aufgefallen war. Aber hier war ich einfach hin und weg! So anmutige Inder bin ich gar nicht mehr gewohnt…und dann ist er auch noch so nett und lässt ihr alle Zeit der Welt nach der Hochzeit, um sich näher zu kommen. Das ist dann zwar doch ein etwas unrealistischer Märchenprinz. Aber so schön mit anzusehen!

Der Film lohnt sich definitiv: spannungsgeladen, authentisch, anrührend, feinsinnig. Großartig! So mag ich indische Filme.

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Was werden die Leute sagen…

„Wenn Du wie die westlichen Idioten lebst, wirst Du in Einsamkeit sterben“ droht der Vater seiner Tochter. Ich, westliche Idiotin, bin heilfroh, dass ich diese unmenschliche Unterdrückung der Frau bisher nur aus Filmen und Büchern kenne. Nisha macht nur das, was alle anderen Teenager in Norwegen/Europa/westlicher Kultur machen: Mit Freunden abhängen, Party machen, mit Jungs flirten, ausprobieren, was das Leben zu bieten hat…zu Hause im Kreis ihrer pakistanischen Familie darf natürlich keiner davon wissen, dort gelten andere Werte. Wenn sie gewusst hätte, was da auf sie zukommt, als ihr Vater sie dann doch mit ihrem Freund bei ihr zu Hause erwischt…der Vater ist so verzweifelt, nichts scheint für ihn schlimmer, als dass der gute Ruf seiner Familie zerstört wird und die pakistanische Gemeinschaft ihn verstößt, dass er sich nicht anders zu helfen weiß, als Nisha nach Pakistan zu bringen, um ihr die Grenzen ihrer Kultur aufzuzeigen. Doch Nisha kommt dort auch nur vom Regen in die Traufe und es nimmt kein gutes Ende wie vom Vater erhofft…ich möchte nicht zu viel spoilern…aber eine Entführung ins Land der Ursprungskultur bringt hier nicht das gewünschte Ergebnis einer Umwandlung in ein unterwürfiges, jungfräuliches Mädchen.

Es gibt leider viel zu viele Länder, in denen mit Mädchen so dramatisch umgegangen wird. Und selbst in Deutschland sind sie ja sogar vor Ehrenmorden nicht sicher. Zwangsheirat scheint oft die letzte Lösung der Eltern, um den guten Ruf wieder herzustellen. Am schlimmsten finde ich immer die Mütter, die dieses grausame Spiel weiter spielen, obwohl sie selbst doch wissen müssen, wie sehr diese Unterdrückung aufgrund von selbst auferlegten Traditionen alles zerstört. Wenn die Mütter nur genug Mut hätten, diesen Teufelskreis zu unterbrechen…immer nur geht es darum, was die Leute sagen. Nie geht es darum, was am besten für das Mädchen ist, was das Mädchen möchte. Es hat sich gefälligst still zu verhalten, bis es ordentlich verheiratet ist. Schweift sie nur einen Grad von ihrer Tugend ab, soll sie sich lieber die Klippen herunter stürzen, als ihre Familie ins Unglück zu stürzen. Das Unglück, dass die anderen Leute sie meiden und schlecht über sie reden. Ein westlicher Kopf wird das nie verstehen. Auch wenn man die Verzweiflung des Vaters sehr gut nachvollziehen kann. Auch wenn er natürlich nur das Beste für seine Tochter will. Aber um welchen Preis.

Adil Hussain, dem europäischen Publikum aus „Life of Pi“ bekannt, spielt den grausamen Vater so überzeugend, dass man ihn wirklich hasst. Maria Mozhdah bringt es sehr menschlich auf die Leinwand, sich um des Friedens Willen der Familie beugen zu wollen, versuchen sich unterzuordnen, aber es schließlich einfach nicht zu können, weil es nicht ihr Leben ist, sondern das, was die anderen für sie beschließen.

Es kann nicht genug solcher Filme geben, die einem so realistisch das Schicksal von Millionen von Mädchen vor Augen führen. Ein Leben unter Zwang.

http://wwdls.pandorafilm.de/

 

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Ittefaq – finde den Mörder

Wenn Bollywood nichts mehr einfällt, dann macht man ein Remake eines erfolgreichen Films desselben Namens von 1969, der wiederum eine Adaption des amerikanischen Films „Signpost to Murder“ von 1965 ist.

Eine Nacht, zwei potentielle Mörder. Der Krimi hat durchaus seine spannenden Momente und ganz tolle Filmbilder, sehr professionell gemacht. Der durchschnittliche Europäer muss hier auch keine wilden Musikszenen oder einen 3-Stundenfilm fürchten. Man bekommt einen modernen, soliden Krimi geboten. Und dazu noch erheiternde Momente eines durchaus realen Polizistenlebens in Indien. Dass sich ein Polizist die Zeit nimmt, nicht vorschnell die offensichtlichen Indizien hinzunehmen ist auch sehr lobenswert und sicherlich nicht alltäglich. Jeder der Verdächtigen hat seine eigene Version der Geschichte und wir erleben diese unterschiedlichen Varianten mit und können uns überlegen, an welcher Stelle wohl die Wahrheit liegt.

Was mich hier stört, ist das absurde Ende, so absolut weit her geholt, dass es nicht wirklich nachvollziehbar ist und unglaubhaft bleibt. Nur, um den Zuschauer nicht in Sicherheit zu wiegen und dem Ganzen nochmal eine richtig unverhoffte Wendung zu geben. Haha lieber Zuschauer, dachtest du so.

Sidharth Malhotra bringt den Bösewicht irgendwie nicht rüber. Dafür hat der ermittelnde Polizist Akshaye Khanna das gewisse fesselnde Etwas. Sein investigativer Charme ist absolut sehenswert. Sonakshi Sinha spielt ganz nett, aber auch nicht besonders ergreifend.

Im Mai soll dieser indische „Mystery-Thriller“ (finde ich als Bezeichnung etwas übertrieben) deutsch synchronisiert in die Kinos kommen (och nööö, deutsche Synchro). Für mich persönlich ist es kein Film, für den man unbedingt ins Kino müsste, aber man wird solide unterhalten.

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Padmavaat – ein Kult sorgt für Tumult

Ich bin sauer! So richtig sauer! Eigentlich schon wütend. Dass ich diesen Film nicht entspannt genießen konnte, sondern im Hintergrund immer ein schaler Geschmack mit mischte. Denn was diese Verfilmung der sagenumwobenen Rajputen-Königin „Padmavati“ in Indien schon seit Drehbeginn im Januar 2017 auslöste, ist einfach zu bitter. Drehorte wurden vom wildgewordenen Mob zerstört, Menschen begingen angeblich Selbstmord, drohten mit Selbstanzündung, die Zensurbehörde und Hindu-nationalistische Gruppen sorgten dafür, dass der Release um Monate verschoben wurde, sogar ein Kopfgeld wurde für die Hauptdarstellerin ausgesetzt! Einfach nur, weil das Gerücht aufkam, es könnten erotische Traumsequenzen zwischen der hinduistischen Königin und dem muslimischen Angreifer zu sehen sein. Ein Gerücht! Nichts von alledem war wahr!

Nach dem die Zensurbehörde den Konflikt scheinbar durch eine Umbenennung des Films von „Padmatavi“ in „Padmaavat“ entschärfen wollte (ihr Ernst?) und der Film endlich seinen Kinostart feiern konnte, gingen die Tumulte weiter, Autos wurden vor den Kinos angezündet, sogar ein Schulbus mit Kindern mit Steinen beworfen!!! WAS LÄUFT DA SCHIEF BEI EUCH liebe Inder??? Warum tickt ihr nicht genauso aus, wenn es um die wirklichen Probleme in Indien geht? Armut, Wahrung von Frauenrechten, Bildung für Menschen, die sie sich nicht leisten können. Stattdessen habt ihr nichts Besseres zu tun, als eure gesamte Energie in diese Kontroverse um einen verdammten Film zu stecken? Eine Fiktion! Ein Märchen, das so gar nichts mit der Realität zu tun hat. Wo ist euer Hindu-Stolz, wenn Frauen im wahren Leben schlecht behandelt werden? Ich verstehe euch nicht!!! Und ich will es auch nicht verstehen. Ich wünschte nur, ich hätte von all dem nichts mitbekommen. Dann hätte ich mich einfach nur an einem opulenten Kostümfilm erfreuen können.

Denn abgesehen von all diesen wahnsinnigen Ausschreitungen drum herum, ist der Film eine wahre Augenfreude für Fans von herrlichen Filmkulissen und überbordenden Kostümen. Deepika Padukone spielt Padmavati so voller Stolz und Würde und Weisheit, wie könnte man da annähernd davon ausgehen, diese Verfilmung würde diese historische (fiktive) Figur in irgendeiner Weise verunglimpfen? Selten so eine würdevolle Königin gesehen. Und ganz besonders stark ist der Auftritt von Ranveer Singh als muslimischer Bösewicht Sultan Alauddin Khilji, der vor lauter Machthunger über alle möglichen Leichen geht und dabei keinen Anstand kennt…am Ende zum armen Irren wird in seinem Wahn, unbedingt die Schönste aller Schönen, die Rajputen-Königin, zu sehen. Großartig gespielt! Einen sehr guten Eindruck seiner überzeugenden Rolle liefert der Song „Khalibali“.

Warum man ihm allerdings einen Diener zur Seite stellen muss, der seinen Herrn auch auf andere Weise liebt und sich darüber ständig lustig macht, habe ich nicht verstanden. Auch nicht, warum es allgemein gesehen so heroisch sein soll, sich als Frau lieber dem Feuertod zu opfern, statt in die Hände der Feinde zu fallen. Gut, in diesem Fall bringt es dem Zuschauer eine gewisse Genugtuung, weil das nun wirklich die größte Strafe für diesen miesen Sultan war, die er je hätte bekommen können. Aber auch nur, weil es ein glattgebügeltes Märchen auf der Leinwand ist (keine Falte zierte dort jegliches Gesicht). Und trotzdem fühlen sich alle möglichen Gruppen auf den Schlips getreten inklusive der Muslime, die sich durch die Darstellung als barbarische anstandslose Eroberer ebenso in ihrer Ehre mit Füßen getreten fühlen wie die Hinduisten in ihrem merkwürdigen Stolz was diese mythische Gestalt Padmavati betrifft.  Ach lasst mich doch alle in Ruhe mit eurem ewig währenden religiösen Gemetzel…es soll auch solche Filme geben dürfen! Als Europäer kann ich hier nur ungläubig mit dem Kopf schütteln, was diese Verfilmung in Indien ausgelöst hat. Da fehlt mir jegliches Verständnis.

 

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Secret Superstar – eine Liebeserklärung an alle Mütter

Wenn es einen guten Grund gibt, für einen indischen Film ins Kino zu gehen, dann ist es ein Aamir Khan Film! Hier gibt es definitiv gesellschaftskritischen INHALT, der zu Herzen geht. Und diese süßeste Liebeserklärung der Welt an alle wirklichen Stars im wahren Leben: Mütter, füllt einen mit ganz viel Liebe. Und ich kann es nicht oft genug sagen: in einer von Hass und Gewalt geprägten Gesellschaft kann es nicht genug von solchen Filmen geben. Männer, die ihre Frauen schlagen, gibt es leider noch viel zu oft. Aber Frauen sollten zurück schlagen. Nämlich auf ihre Art.

Abgesehen davon, dass mir als Aamir Khan Fan allein schon deshalb das Herz aufgeht, ihn endlich mal wieder auf der Kinoleinwand zu sehen…diese Geschichte hat Hand und Fuß, tolle Schauspieler mit ganz viel Herz, neben ganz viel Dramatik auch ganz viel Witz (Aamir Khan schafft es ja schon allein mit seiner Mimik einen Lachflashmob im Kopf auszulösen) und schöne Musik. Ich hoffe, man liest in diesen Zeilen ganz viele funkelnde Herzen. Ich bin verliebt in diesen Film. Eine Mutter, die über alle ihre Grenzen geht, um der Tochter einen Traum zu ermöglichen…das kann ein Europäer wahrscheinlich nur im Ansatz erahnen, was das für eine schier unüberwindbare Hürde sein kann. Wenn auch nur eine Frau dadurch mehr Mut bekommt, ihren Weg zu gehen, ist damit unendlich viel erreicht.

I love you Aamir! ❤ Und von deinem Song kann ich auch nicht genug bekommen. Superhit!

 

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Agnyaathavaasi – WTF?

Eigentlich wollte ich diesem Film keine einzige Zeile widmen. Aber ich muss wenigstens jeden davor warnen, der die gleiche Dummheit wie ich begehen und diesen Film schauen möchte. Ich habe verdammte 15 Euro für diese Lebenszeitverschwendung ausgegeben. Der Gesinnung dieses Films nach müsste ich mich dafür jetzt selbst grün und blau schlagen. Denn dieser Film verherrlicht Gewalt auf ganzer Linie, Rache ist cool, Schläger sind obercool, jemanden zu ermorden ist der normale Weg, Schwierigkeiten beiseite zu schaffen. Dafür braucht man dann auch keine große Story. Den größten Teil gesprickt mit dem mir verhassten indischen Slapstickhumor (boah, ist das lustig, wenn sich zwei Frauen um einen Mann schlagen…nicht!) ist der Film wirklich das grauenhafteste Produkt, dass ich je aus indischem Lande gesehen habe! Mehr möchte ich dazu jetzt auch nicht sagen außer: Bitte keinen Nachschlag!

 

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Tiger Zinda Hai – Tiger lebt, und zwar mächtig gewaltig

Der indische (Ex-)Geheimagent Tiger (ich würde ihn ja eher „der Bulle von Indien“ nennen) und seine pakistanische Frau, die ihrerseits für den pakistanischen Geheimdienst tätig ist, kämpfen hier zusammen(!!!) gegen Terroristen im Irak, um pakistanische und indische Krankenschwestern zu befreien, die dort als Geiseln fest gehalten werden.

Klingt erstmal wie ein mordsmäßiger klassischer Actionfilm (und ein Kinopublikum mit 98% Männeranteil bestätigt das auch), trägt aber eine ungeheuer liebenswürdige Botschaft in sich, die UNBEDINGT auf die Leinwand gehört. In der Realität würde es nämlich NIEMALS in Frage kommen, dass Inder und Pakistaner sich zu einer gemeinsamen Mission zusammen schließen.  Hier wird aber gezeigt, wie erfolgreich sie Seite an Seite gegen einen skrupellosen, übermächtigen Feind kämpfen können, wenn sie ihre Kraft mal nicht darauf verwenden, gegeneinander zu kämpfen. Und lassen sogar ihre Fantasie spielen und malen sich aus, was alles erreicht werden könnte, wenn man das Geld nicht in gegenseitige Aufrüstung stecken würde, sondern in Schulen und Bildung. Am Ende der Mission schwenken sogar pakistanische und indische Flagge neben einander als Zeichen des Sieges. Wahhhhhnsinn! Wo sonst in der Realität ständig Hass gegeneinander geschürt wird, sieht man hier, wie es sein könnte, wenn man für eine menschliche Sache die angestauten Feindschaften einmal ruhen lässt.

Der typische Salman Khan Fan kommt hier gewohnt auf seine Kosten. Der Tiger, dessen Körper zu 100% aus Muskelmasse besteht (aber ja, dafür ist sein Herz umso weicher), kämpft fast allein gegen Heerscharen von Terroristen. Seine taffe pakistanische Frau (Katrina Kaif) darf natürlich auch ordentlich mit mischen, das sorgt aber bei den klassisch indischen männlichen Zuschauern eher für Belustigung (ich fands super). Manchmal glaubt man sich in mitten einer wüsten Computerspielschießerei. Kein Problem für den Tiger, wild um sich knatternd dutzende Terroristen zu erledigen, ohne selbst einen einzigen Kratzer zu erleiden. Herrlich. Nehme ich persönlich sehr humoristisch und als unterhaltsam an. Für manche sonst bollywoodinteressierte Zuschauerin ist es vielleicht zu blutrünstig. Ich bin eben ein Salman Khan Fan und kann das ab.

Fazit: geniale Botschaft in gewohnter Salman Khan-legedichnichtmiteinemverwundetenTigeran-Manier

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The Big Sick – Love isn’t easy

Der mit seinen Eltern aus Pakistan in die USA eingewanderte Kumail hat sich in Emily verliebt, verschweigt das aber vor seinen Eltern, die von ihm erwarten, dass er gefälligst eine Pakistanerin heiratet. Als Emily erfährt, dass sie verheimlicht wird und Kumail von seiner Mutter ständig „plötzlich hereingeschneite“ junge Damen als potenzielle Ehefrauen vorgestellt bekommt, macht sie wütend mit ihm Schluss. Kurz darauf fällt sie ins Koma und Kumail wird nun mit ihren Eltern konfrontiert.

Wie sagt Emilys Vater so schön: „Love isn’t easy. That’s why they call it love.“

loveisnteasy

In diesem Fall sind die Umstände wirklich verdammt hart. Aber so herzlich und intelligent verpackt, dass einem warm ums Herz wird. Und wie so oft hat das wahre Leben uns hier eine herzergreifende Geschichte geschrieben, die sich zwar erdrückend tragisch, dramatisch, ja geradezu katastrophal darstellt (man kann sich zwischenzeitlich kaum vorstellen, dass das noch gut enden kann), aber mit so einem feinsinnigen Humor ausgestattet ist, dass einem das Lachen eben nicht vergeht. Im Gegenteil. Dank der grandiosen Figuren und Situationskomik kann man jederzeit herzhaft lachen. Nicht nur über Dinge, über die man eigentlich keine Witze machen darf. Aber genauso reicht es auch, wenn Kumail seinen einzigartigen Blick aufsetzt, der schon allein so viel Witz widerspiegelt, dass man gar nicht anders kann, als unvermittelt mit schmunzeln. Oder die Wortgefechte, die er sich mit Emily liefert. Während sie behauptet, dass sie eine Beziehung im Moment so gar nicht gebrauchen kann und er daraufhin seine berühmte 2-Tage-Regel zum Besten gibt, nach der er nicht länger als 2 Tage mit einer Person zusammen sein kann. So ernsthaft wie möglich von beiden klar gestellt, doch weiß man als Zuschauer schon genau, das können und wollen sie doch nicht ernst meinen. Das Risiko für Kumail, dass sich hier eine Beziehung entwickeln könnte, ist als westlicher Zuschauer wahrscheinlich nicht im Ansatz nachzufühlen. Sein Cousin wurde schon aus der Familie verbannt, weil er eine „Weiße“ geheiratet hat. Ich selber kenne persönlich einen Fall, in dem der (indische) Mann durch die Familie so unter Druck stand, dass er sich zwangsweise mit einer Inderin verheiraten ließ, obwohl er einen Monat zuvor seine hochschwangere „weiße“ Freundin geheiratet hatte. Es gibt natürlich auch genauso Fälle, in denen die hier lebenden Familien so offen für alles sind, dass man nur staunen kann. Aber bei Kumails Familie dreht sich alle darum, die pakistanischen Wurzeln aufrecht zu erhalten. Gefühlt bekommt Kumail täglich eine neue Braut vorgestellt. Wie groß muss der Druck für diese armen Frauen sein, wenn ihnen ständig damit gedroht wird, sie würden als Äpfel mit braunen Stellen in der Kiste ganz unten landen, wenn sie nicht bald heiraten. Unverheiratet zu sein ist absolut inakzeptabel. Das andere Problem, mit dem Kumail fast täglich konfrontiert wird: mit pakistanischer Herkunft ist man potenzieller Attentäter. Was habe ich gelacht, als Emilys Vater schon immer mit so jemandem…also…einem Menschen…über den 11. September reden wollte. Kumails witzigste Antwort ever auf diese Frage, wie es für ihn war, habe ich gefeiert. Ehrlich. Dafür liebe ich diesen Film und hätte am liebsten eine ganze Serie davon.

Fazit: Zauberhaft! Die Darsteller, die Geschichte, die Situationskomik, der humoristische Umgang mit Vorurteilen, die Überreaktionen im Eifer des Gefechts, die Streitereien, die Darstellung kultureller Problematiken…alles einfach zauberhaft! Familientauglicher Film für die Weihnachtszeit.

http://www.thebigsickmovie.com

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Qarib Qarib Singlle – Bereit für eine neue Liebe?

Mit einem Irrfan Khan Film ist es, wie es ist: man kann nichts falsch machen. Es geht immer direkt ins Herz, wie spielfreudig er seine Rollen zelebriert. Bei Shahrukh Khan hätte es wahrscheinlich wieder große Diskussionen darum gegeben, dass er in seinem Alter doch bitte keine Romanzen mehr mit allzu jungen Damen auf der Leinwand darstellen sollte. Bei Irrfan muss man sich darüber keinen Kopf machen. Trotz fortgeschrittenen Alters steht ihm auch eine jugendliche Leinwandpartnerin sehr gut. Und Flirten kann Irrfan ganz meisterhaft! In diesem Fall muss man sich wohl eher an seine merkwürdige Erscheinung mit Lockenköpfchen, Schweißband und Jogginghose gewöhnen. Wenn dies gelungen ist, kann man sich ganz und gar auf eine außerordentlich charmante und unaufgeregte Romanze einlassen. Unaufgeregt im Sinne von: lassen wir mal den typischen Bollywoodtrubel weg. Wir sehen z.B. das ganz einfache Indien, Orte abseits der üblichen Touristenspots. Der Fokus liegt ganz allein auf dem redefreudigen Poeten Yogi und der jungen Witwe Jaya (Irrfan und Parvathy), die sich über ein Datingportal kennen lernen. Sie machen sich schließlich gemeinsam auf den Weg, ihren verflossenen Lieben noch einmal zu begegnen und diese Beziehungen aufzuarbeiten, damit sie wirklich bereit für eine neue Beziehung sind. Auf dieser Reise lernen sie natürlich viel über sich selbst und es ist sehr unterhaltsam, ihnen dabei zu zuschauen. Der quirlige Yogi, der schon mal den Flug oder den Zug verpasst, es ihm aber zu keiner Zeit die gute Laune verdirbt und die seriöse, ernsthafte Jaya, die mit diesen ungeliebten Überraschungsmomenten erst einmal zurecht kommen muss. Es ist zwar etwas zweifelhaft, wieso Jaya diese Reise mit einem Mann unternimmt, der sie ständig zur Weißglut bringt. Wiederum gut nachvollziehbar ist es, dass Irrfan einen derart um den Finger wickelt.
Das Schöne an dem Film ist: er prügelt nicht so manipulativ aufs Herz ein, wie es sonst Bollywoodfilme gerne wollen. Er schafft es auf eine ganz leichte und frische Art, dass man sich mit der Geschichte der Figuren anfrreunden kann ohne großes Tamtam. Das ist auch mal ganz schön. Man muss ja nicht immer gleich mit dem Gefühlshammer draufhauen.

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Victoria & Abdul – Ein königliches Herz für Inder

Eine innige Freundschaft zwischen Königin Victoria, Kaiserin von Indien und dem indischen muslimischen Bediensteten Mohammed Abdul Karim. Wenn das Leben nicht tatsächlich diese Geschichte (natürlich nur ungefähr so) geschrieben hätte, würde ich meinen, das sei nicht möglich. So viel liebenswürdige Völkerverständigung allen Unterschieden in Schicht, Herkunft und Religion zum Trotz, würde selbst meine unerschütterliche Fantasie nicht annähernd hervor zaubern. Umso schöner, dass diese so unglaubliche Geschichte einen kleinen wahren Ursprung hat.

Ob es am hochbetagten Alter der Queen lag, in dem es einem so langsam egal ist, was die Anderen denken? Müde von den kräftezehrenden, endlos langweiligen Hofprotokoll-Zeremonien ohne herzliche Menschen um sich herum, ständig unter dem Druck, ein riesiges Reich zu verwalten, in dem Wissen, dass sehr viele Menschen sie hassen und Intrigen gegen sie spinnen. Da scheint der warmherzige, weltoffene, menschliche Abdul gerade wie ein retardierendes Moment im Leben zu erscheinen. So scheint es, möchte die Queen am Lebensende ja doch noch einmal ein kleines Fünkchen Glück erleben. Wenn da nicht alle Anderen wären, die Abdul seine plötzliche Gunst bei der Queen missgönnen würden. Ein „Farbiger“, ein Diener, ein Moslem! Was für ein Affront!!!

Für mich als Zuschauer aus einer anderen Zeit ist dieser Affront unheimlich unterhaltsam! Und Judi Dench und Ali Fazal spielen das freundschaftliche ungewöhnliche Paar so liebenswürdig authentisch, dass man denken könnte, es war alles ganz genauso gewesen. Judi Dench ist wahrscheinlich die viel coolere Queen, als die echte Victoria es war. Ganz genau so stellt man sich eine betagte, mächtige Frau mit soviel Last auf ihren Schultern vor. Denn ja, auch sie hat letztlich nur zu dienen.

Eddie Izzard als Prince of Wales hätte ich nie im Leben erkannt. Diesen niederträchtigen, „missratenen“ Sohn hat er ja sowas von unglaublich echt gespielt, und ich hatte ihn doch zuletzt als Komiker live auf der Bühne gesehen. Einfach herrlich.

Es ist mir nicht wichtig, wie verklärt diese Geschichte ist. Ich kann mir denken, dass hier ganz viel süße Mango um die wirkliche Geschichte geschmiert wurde.  Es stört mich auch nicht, dass der Stoff schon fast kitschiger ist als der schmalzigste Bollywoodfilm. Ich möchte auch einfach mal wieder solche schönen Geschichten! Nicht immer nur Hass und Angst und Kälte.

http://www.focusfeatures.com/victoriaandabdul/

 

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