Bollywoodelfe's Blog

Eine deutsche Sicht auf Bollywood, Indien , Pakistan

Kaabil -Rache ist süß, der Film ist bitter

Bollywoodfilme sind wie eine Pralinenschachtel…man weiß nie, was man bekommt. Leider ist dieser Film eine Praline mit schlechtem Nachgeschmack.

Da habe ich als letztes einen so tollen Film mit einer starken indischen Frau gesehen, vor der man Respekt hat, die Mut macht. Und dann sowas! In Kaabil begeht eine (blinde) Frau Selbstmord, nachdem sie vergewaltigt wurde. Weil sie nicht ertragen kann, dass ihr Mann unter der Situation leiden könnte. Hallo?!!! fragt sich der (deutsche) Zuschauer: in welches Jahrhundert sind wir hier filmisch zurück geworfen? Die Gerechtigkeit scheitert natürlich, wie sollte es anders sein, an der korrupten Polizei. Hrithik, der blinde Ehemann der geschändeten Frau will sich dann eben auf seine Weise rächen. Das wiederum ist das einzig Fesselnde an diesem Film, wie er die Fäden seiner Rache zusammen schnürt. Das ist schon teilweise sehr trickreich erdacht. Sein Plan geht auch auf, aber die Verwaltigung, die Täter, der Selbstmord…alles geht damit unter, alles wird unter den Teppich gekehrt. Wie immer. Scheiß Korruption, aber nunja, damit muss man wohl leben. Seit Ewigkeiten.

Am schlimmsten ist jedoch der Item-Song, in der sich eine junge Dame halb pornös zum Besten gibt und die Vergewaltiger dürfen lüstern die Partyhelden spielen. Hallo?!!! fragt sich wieder der deutsche Zuschauer. DAS ist zu diesem Thema so unglaublich unpassend, dass sich genau an dieser Stelle der schlechte Geschmack im Mund einbrennt.

Dieser Film ist so unglaublich 90er, dass man sich fragt, wer so etwas sehen möchte? Wollen die Inder das wirklich? Ich will das nicht. Ich will den Film ganz schnell vergessen und hoffentlich ist der nächste Film wieder eine angenehmere Praline.

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Ae Dil Hai Mushkil -in Zeiten schwerer Herzen

„Die Liebe ist wie Krebs – kommt überraschend und geht erst wieder, wenn sie dich zerstört hat“…ziemlich drastische Aussage von Ranbir Kapoor als Ayan Sanger. Er muss versuchen mit einer unerwiderten Liebe klar zu kommen, denn Alizeh, an die er sein Herz verloren hat, möchte niemals die wertvollere Freundschaft zwischen ihnen zerstören.  Und mit dieser Ansicht ist sie ziemlich hartnäckig und Ayan verzweifelt mal mehr, mal weniger daran. Abgesehen von einigen tollen Ablenkungen wie die Beziehung zu einer älteren Frau und seiner Karriere als Sänger, meistens mehr. Wahrscheinlich können die wenigstens Männer nachvollziehen, warum Alizeh ihm nicht die kleinste Chance als Liebhaber geben will. Er hat doch alles. Ist attraktiv, charmant und auch noch reich. Was will man mehr? Doch Alizeh möchte ihn niemals aus seinem Leben gehen lassen und meidet deshalb eine Liebesbeziehung. Ich verstehe zwar nicht, warum man davon ausgehen sollte, dass diese Beziehung früher oder später scheitern sollte, aber gut. An diesem Film ist einiges unverständlich. Vor allem auch das Ende. Liebe und Krebs scheint hier das Mantra des Films, was auch immer Regisseur Karan Johar damit verarbeiten möchte.

Pluspunkte hat der Film bei mir gesammelt, was die Musik angeht. Gefühlt ein Song nach dem anderen. Da hüpft das kleine Bollywoodherz. Eine absolut gelungene Parodie auf die Bollywoodindustrie. Da lacht das kleine Bollywoodherz. Und ein Kurzauftritt von Shahrukh Khan. Da schmilzt das kleine Bollywoodherz nur so dahin.

Obwohl dieser Auftritt von King Khan auch ein wenig ambivalent für mich war. Auftritt der alten Bollywood-Generation. Wirkte wie eine Zeitreise. So ganz anders als der Rest des Films. So  nach dem Motto: der muss auch noch mit rein. Egal wie. Ganz bezaubernd die Rolle von Aishwarya Rai Bachchan als reife Geliebte und Ex-Frau von Shahrukh. Hat auf keinen Fall ihren Reiz verloren und macht eine sexy Figur. Diese zauberhafte Frau hat dann auch noch intellektuell ihre absoluten Vorteile. Wahnsinn.

Der Film hält, was ein Bollywoodfilm verspricht: Liebe, Herz, Schmerz, Musik, Tanz, tolle Kostüme…ein gelungener unterhaltsamer Film. Aber nicht unbedingt nachhaltig beeindruckend.

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Happy New Year – Superduperkrassomataffengeiles indisches Kino

Wenn hier in Deutschland ein Bollywoodfilm gezeigt wird, dann meistens nur für einen Tag. Weil sich das erlesene Publikum in Grenzen hält. Nun ist der neue Bollywood-Bluckbuster mit Shahrukh Khan „Happy New Year“ so erfolgreich gelaufen, dass sich die Kinos glücklicherweise entschieden haben, in die Verlängerung zu gehen. Ich werde das gern unterstützen und nächste Woche wieder ins Kino stürzen. Und wenn ich einen Bollywood-Film ein zweites Mal anschaue, dann will das was heißen. Es ist quasi schon eine Empfehlung. Und hier sind meine 10 Gründe dafür:

1. Ich habe keinen Liebesromantikschnulzendingsbumsschmalz erwartet und wurde daher auch nicht wie einige andere, die sich genau dies gewünscht haben, enttäuscht. Es ist ein Film für die ganze Familie. Jeder hat seinen Spaß daran. Natürlich will man so noch mehr Leute ins Kino locken. Hat ja offensichtlich bestens funktioniert.

2. Diese grellen Farben! Die Augen tun einem verdammt weh. Selbst für einen Bollywoodfilm ist das absolut überdosiert. Noch ein buntes Bild mehr und die Augen würden explodieren. Aber das macht den Film auch unvergesslich.

3. Die mitreißende Musik. Man möchte am liebsten aufspringen und mittanzen. Aber selbst mit indischem Mehranteil im Publikum traut man sich letztlich doch nicht. Wir sind schließlich in Deutschland. Da passt sich auch das indische Publikum an. Etwas zumindest.

4. Diese Dramatik! So mögen wir die indischen Dramaqueens. Wenn man denkt, jetzt geht alles nach Plan, wird einem der Knüppel zwischen die Beine geworfen, der den Film um eine Stunde verlängert. Aber hey, in dem Fall geht das vollkommen in Ordnung, denn man ist so gespannt und unterhalten, dass man gar nicht merkt, wie die Zeit vergeht. Teilweise kann man es gar nicht aushalten vor Spannung und dann dauert die Minute, die der Filmheld nur Zeit hat, um alles zu rocken oder alles zu verlieren, auch noch unerträgliche gefühlte 10 Minuten. Nicht auszuhalten!

5. Die wahnsinnigen Actionszenen, im wahrsten Sinne des Wortes am Abgrund. Gewohnt übertrieben, anfangs sogar etwas zu blutig (und dass ich etwas zu blutig finde, kommt schon selten vor), peng, puff, bäm! Superheros ohne Ende.

6. Bollyrina Shahrukh Khan. Nein, nicht sein 8-Pack, welches mir sogar eher missfällt als gefällt, weil zuviel des Guten und auch nicht seinen coole Sturmfrisur mit blonder Strähne…nein, sein Auftritt als Ballerina ist das Größte und ich finde, vielleicht sogar die beste Rolle seines Lebens. Einfach großartig. Keine Ahnung, wie Farah Khan es geschafft hat, dass sich ausnahmslos alle Männer an dieser Szene beteiligt haben, aber es ist wirklich ein absoluter Höhepunkt des Films!

7. Deepika Padukone. Wunderschön anzusehen, wunderschön getanzt, wunderschön Shahrukh angeschmachtet, wunderschön den indischen Nationalstolz herüber gebracht.

8. Boman Irani. Unser liebenswerter Teddybär, da bevorzugen die Frauen doch zurecht lieber ihn, als durchtrainierte Schönlinge. Den Sprachfehler fand ich zwar etwas zuviel, aber so ist halt Bollywood. Immer eins obendrauf.

9. Abhishek Bachchan. Bei soviel gekonntem Humor könnte man ja glatt Fan werden. Von mir aus kann er gern bei solchen Rollen bleiben. Steht im außerordentlich gut.

10. Der Abspann. Wer noch nicht gehen will, kann sich hier nochmal so richtig gut mit der ganzen Filmcrew amüsieren. Noch eins obendrauf…

Ja, der Film hat so einiges zu bieten und wirklich jeder wird danach vollkommen geplättet sein von soviel Unterhaltungsfeuerwerk. Aber danach kann man die leisen, einfachen, nicht ganz so bunten Dinge noch viel besser genießen als sonst.  Lohnt sich. Unterstützt indische Filme im Kino!

http://bollywoodmachtgluecklich.de/kinospielplan/

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Bollywood-Stars zu Gast bei Madame Tussauds Berlin

Wenn hoher indischer Besuch in die Hauptstadt kommt, dann darf ich natürlich nicht fehlen. Extra aus London eingeflogen gastiert gerade für 3 Monate die Bollywood-Elite in Berlin. Allerdings nur in Wachs. Aber man kann auch mit Wachsfiguren seinen Spaß haben, denn sie können sich ja nicht wehren. Shahrukh Khan ist leider von allen noch am wenigsten lebensecht gelungen…viel zu glatt gebügelt. Bei Hrithik fehlte der hypnotisierende Blick…wobei, nein, ich wurde doch wieder hypnotisiert und habe gar nicht auf seine Hand geschaut, die mit dem doppelten Daumen! Das darf doch nicht wahr sein! Hat irgendjemand auf seine Hand geschaut? Haben sie das naturgetreu nachgestaltet? Oh man! Aber der große Amitabh war auf jeden Fall schon gruselig lebensecht eingefangen, als würde er sich jeden Augenblick bewegen. Und es gab genügend Verkleidungsutensilien, um sich mit den Wachsfiguren fotografisch zu vergnügen und auszutoben inklusive Sari-Bindeanleitung.

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Highway – eine Reise ins Ich

Die Filmbeschreibung las sich so locker und leicht: Die Tochter eines wohlhabenden Mannes wird aus Versehen, kurz vor ihrer Hochzeit, bei einem Überfall entführt. Die Entführer haben gar keinen Plan, was sie mit der wertvollen Beute machen sollen und wollen sie erst einmal möglichst weit von Delhi wegschaffen. Damit beginnt der Roadmovie, in dessen Verlauf sich Veera und der Verbrecher Mahabir näher kommen. „ein moderner Bollywood-Film mit opulenten Bildern, up-and-coming Stars und einem grandiosen Soundtrack von A. R. Rahman.“ (Berlinale-Beschreibung„)

Haaaaaaaaaa! Was da auf einen zukommt, ist nicht einfach nur ein netter Roadmovie mit tollen Bildern, es wird einem verdammt nochmal das Herz zerreißen, weil da noch ein ganz anderes Thema aufkommt, das ungeheuer schwer wiegt. Nach „Monsoon Wedding“ einer der wenigen Filme über sexuellen Missbrauch, der meiner Meinung nach mindestens ebenso erfolgreich sein wird.

Ich muss immer wieder den Kopf schütteln, weil alles so unrealistisch und nicht wirklich ernst zu nehmen anfängt. Die entführte Veera findet plötzlich Gefallen an ihrer Entführung und ihren Entführer eigentlich ganz niedlich, und der räumt ihr mit der Zeit auch immer mehr Freiheiten ein. Na klar, ein Verbrecher, der sonst mordet und ziemlich verbittert ist, wird irgendwann nett zu seinem Opfer. Das ist der übliche Bollywood-Fantasie-Teil. Bei einer Polizeikontrolle hätte Veera die Chance, entdeckt zu werden und nach Hause zurückzukehren. Sie aber versteckt sich und bliebt unentdeckt, weil sie einfach nicht dahin zurück will. In das Gefängnis aus guten Manieren, Verhaltensregeln und…dem Leid, das sie als Kind in ihrem Elternhaus ertragen musste. Als ihr Onkel sie missbrauchte.  Absolut nachvollziehbar…aber wie passt das jetzt in diesen Film und was bitte soll jetzt aus diesem Roadmovie werden? Weiter gehts mit dem Truck durch tolle indische Landschaften, es wird immer heiterer und beschwingter, Veera genießt anscheinend zum ersten Mal ihr Leben und es macht soviel Spaß, ihr dabei zuzuschauen, dass man am liebsten ewig dabei sein möchte, einfach weiterfahren, nie wieder zurückkehren und nirgendwo ankommen müssen. Wunderschön! Mahabir traut sich nicht, die Liebe von Veera anzunehmen, er hat sie schließlich nicht verdient und bricht fast zusammen, als sie kleine Familie in einer Hütte am Rande des Kashmir-Gebirges spielen. Aber wie es so kommen muss, irgendwann ist Schluss mit Lustig, die Polizei findet die beiden, Verbrecher tot, Veera muss nach Hause. Als sie dort aber einfach so weitermachen soll,  wie geplant, heiraten, gute Miene machen, sich „normal“ verhalten, da brechen all die Jahre des Schweigens aus ihr heraus und sie räumt ordentlich auf mit diesem Geflecht aus Schweigen und Verhaltensregeln. Und dieser Schrei der Befreiung geht so unglaublich in Mark und Bein, dass man aus diesem Film auf jeden Fall verwundet herausgeht. Aber er ist trotz des ergreifenden Themas so wunderschön unterhaltsam gemacht, dass man aus einem Mix aller Emotionen nachhaltig beeindruckt entlassen wird. Ich hätte nie gedacht, dass man sich dem Thema auf diese Art und Weise nähern kann. Einfach überraschend genial und anregend zum wiederholten Sehen. Ich frage mich, ob man das tatsächlich so gut schauspielern kann, oder ob da eigene Erfahrungen eine Rolle spielen. Eine wahnsinnige Leistung von Jungschauspielerin Alia Bhatt, oscarreif! Dieser Film ist auf jeden Fall sehr empfehlenswert!

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10 Tipps für Bollywood-Outsider

Ich versuche ab und zu Leute in indische/Bollywood-Filme zu locken, die bisher damit kaum oder gar nicht in Berührung gekommen sind. Einfach weil ich finde, dass diese Filme ein größeres Publikum verdient haben, als es hier der Fall ist und weil ich denke, dass man nicht unbedingt Fan dieser speziellen Art von Filmen sein muss, um sich einmal auf besondere Art in eine andere, meist bunte Welt entführen zu lassen.

Manchmal vergesse ich dabei Dinge zu erwähnen, die für mich inzwischen selbstverständlich sind, die aber einem neuen Zuschauer schon einen kleinen Schrecken einjagen können, wenn ich diese Kleinigkeiten erst kurz vor Beginn des Films erwähne. Hihi. Daher ein paar Tipps, worauf sich ein bisher Nichteingeweihter einstellen sollte:

1. Achtung: Ausdauer und gutes Sitzfleisch sind notwendige Voraussetzungen, um einen solchen Filmabend unbeschadet zu überstehen. Bollywood-Filme gehen mindestens 2 ½ Stunden. Es gibt nur wenige Ausnahmen. Bei manchen Vorstellungen gibt es daher eine Pause, bei anderen wird diese einfach übergangen. In jedem Fall wird man an einer Stelle des Films den Hinweis „Intermission“ sehen.
2. Meistens werden die Filme nur mit Untertiteln im Kino gezeigt (OmU). Der wahre Bollywood-Fan mag dies auch nur so sehen und die indischen Zuschauer sowieso. Im besten Fall mit deutschen, meist aber mit englischen Untertiteln (OmeU). Das Gute ist aber, dass Bollywood sehr bildhaft erzählt, also man kann das Gröbste auch ohne Mitlesen verstehen. Und es wird ja immer ein Mix aus Hindi und Englisch gesprochen, so dass man ab und zu auch ein paar englische Wörter aufschnappen kann.
3. Es gibt immer Tanz- und Musikszenen. Filme ganz ohne sind die Ausnahme. Die Musik ist ein Anreiz für die indischen Zuschauer, in einen Film zu gehen. Dies verlängert den Film natürlich beträchtlich. Auf DVD spulen die männlichen Zuschauer diese Lieder gern vor. Das geht im Kino natürlich nicht.
4. Gesungen wird meist mit Playback. Also die Schauspieler singen nur in den seltensten Fällen selbst, die Lieder werden von professionellen Sängern gesungen. Also nicht wundern, wenn die Mundbewegungen schonmal absurd daneben gehen. Manchmal ergibt die Musik zum Film auch überhaupt keinen Sinn. Dann sollte einfach nur die gute Musik im Film untergebracht werden.
5. Die dargestellte Welt in Bollywood-Filmen entspricht NICHT der Realität. Es ist meist eine Traumwelt. Natürlich auch mit entsprechend dramatischen Elementen. Die Realität in Indien ist sehr grausam, und die Menschen dort wollen gern ab und zu in solch eine Traumwelt verschwinden. Es gibt inzwischen auch gute indische Filme, die sich durchaus trauen, die Wirklichkeit realistisch darzustellen. Sie sind aber noch selten und keine großen Kassenschlager im indischen Kinogeschäft. Es wird nicht gern gesehen, wenn sich die Schauspieler allzu „westlich“ präsentieren…rauchen, trinken, Sex…sollte höchstens angedeutet sein.
6. Vergesst die Filme, die bei RTL2 gezeigt werden/wurden. Das sind meist Filme, die anscheinend billig genug im Einkauf waren und sind so überhaupt nicht repräsentativ für die indische Filmlandschaft. Oft werden die Filme aus Indien auch unterschätzt. Es wird viel Geld in diese Filme gesteckt (mitunter leider auch dubioses), die Actionszenen könnten geradewegs aus Hollywood kommen. Es wird sehr viel Aufwand in die großen Filme gesteckt.
7. Bollywoodfilme neigen zu Übertreibungen, Overacting, die bei einem deutschem Publikum zu Lachern an Stellen führen können, die ein indischer Regisseur so gar nicht vermutet hätte. Einfach drauf einlassen und nicht weiter drüber nachdenken. Lustig wird’s in jedem Fall. Es gibt allerdings auch Filme, die zuviel an indischem Slapstick-Humor bieten. Dieser Humor ist schon sehr speziell indisch.
8. Nicht wundern, wenn einem die Geschichte des Films verdächtig bekannt vorkommt. Bollywood produziert unglaublich viele Hollywood-„inspirierte“ Filme. Zum einen, weil man bei der Masse an Filmen, die produziert werden, sich natürlich nicht ständig neue, originelle Geschichten ausdenken kann. Zum anderen, weil die westlichen Filme natürlich viel zu viel Sex zeigen. Für den indischen Markt werden diese Hollywood-Blockbuster dann eben nochmal familienfreundlich gedreht.
9. Ist indisches Kinopublikum anwesend, nicht darüber wundern, wenn es schonmal etwas lauter zugeht, mitten im Film telefoniert wird, die Leute erst eine halbe Stunde später eintreffen, die ganze Familie samt kleinen Babys mitkommt. Es ist zudem ein ganz anderes Kinogefühl, da man sich mitten einer eingeschworenen Gemeinschaft wähnt. Falls es ein Film mit Shahrukh Khan sein sollte, ebenfalls nicht über etwas lautere Formen der Freude wundern. Hier darf gekreischt und geklatscht werden.
10. Falls es ein Liebesfilm sein sollte, genügend Taschentücher für sämtliche Sitznachbarn bereit halten. Keine andere Filmindustrie schafft es derart große Emotionen hervorzurufen. Hier muss man sich nicht dafür schämen, am Ende des Films mit geröteten Augen aus dem Kino zu schreiten. Das gehört einfach dazu.

Ich kann auf jeden Fall dringend dazu raten, sich einmal in diese Welt zu begeben und sich sein Urteil fern von RTL2-Filmen zu bilden. Es ist in jedem Fall ein ganz besonderes Kinoerlebnis.

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Super-,Iron-,Spider-,X-Men Krrish 3 stirbt langsam, aber gewaltig

Kaboom, peng, puff, knall…was für ein Actionfeuerwerk. Hier ist wirklich alles drin: Matrix, X-Men, IronMan, Spiderman, Superman…alles in einem Bollywood-Film durchgemixt. Es sind schon wahnsinnig starke Actionbilder, die einem da entgegengefeuert werden. Das haben sie inzwischen richtig gut drauf, die Inder. Die Story, nunja, ebenfalls zusammengemixt und nicht wirklich überraschend. Superheld kämpft halt gegen das Böse. Aber schon sehr unterhaltsam umgesetzt und auch für Leute, die sonst nicht so oft in Berührung mit Bollywoodfilmen kommen, durchaus sehenswert. Wie immer mit einem Schmunzeln, denn Bollywood neigt gern zu durchaus ernsthaft gemeinten Übertreibungen. Da schwebt der Superheld schon mal als Kühlerfigur am Rad eines Flugzeuges, damit dieses keinen Horrorcrash hinlegen muss. Alle gerettet. Auch Kinder werden zur Genüge gerettet. Ein starker Bösewicht verbreitet überzeugend Angst und Schrecken.

Er weiß nicht, wie stark das teuflische ist, aber am Ende siegt immer das Gute. Davon ist Krrish überzeugt.  Um über das Böse siegen zu können, muss er aber vorher sehr lange kämpfen, leiden, langsam sterben. Es soll dem Superhelden ja nicht zu einfach gemacht werden. Mission „Stirb langsam“, aber bildgewaltig. Und selbst wenn der Superheld wirklich sterben sollte, so überlebt er doch in allen Menschen weiter. Was für eine schöne Vorstellung. Wieder mit einem Schmunzeln hinzunehmen.

Die Lieder kamen mir etwas überflüssig vor…schön anzusehen, fast hätte man sie in der ersten Hälfte vermisst. Aber hey, das ist ein erstklassiger Actionfilm, was soll die schnulzige Liebeszene dazwischen. Auf große Gefühle kommts hier nicht an. Auch wenn die anscheinend nicht zu kurz kommen sollen. Krrish hat eigentlich Dauerpippi in den Augen. Wieder mit einem Schmunzeln zu genießen.  Kaboom, peng, puff, knall, schmunzel. Alles dabei.  Gewaltiger Actionfetzen mit einem wie immer überzeugenden Super-Muskel-Tanz-Lover-Action-Hrithik.

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Pornohändler Romeo liebt Special-Edition Julia

Diese von Romeo & Julia „inspirierte“ Liebesgeschichte ist zwar nicht ganz so abgefahren wie die Romeo&Julia-Version in „Fack Ju Göthe“, aber wenn das Liebespaar ein Foto von sich twittert ist klar, dass wir in der heutigen Zeit angekommen sind. Die verfeindeten Familien sind Gangsterbanden im Gujarat. Ram (der Romeo) handelt mit Pornos (und würde sich bestimmt auch gut in der Rolle eines solchen gefallen), posiert gern wie ein Pfau und rühmt sich als Herzensbrecher aller Mädchen im Dorf. Leela, die Tochter der verhassten gegnerischen Gangstersippe wird zu Ram’s „Special Edition“, weil sie frech genug ist und ihm ebenbürtig selbstbewusst Gegenfeuer geben kann.

Bildgewaltig ist der Film auf jeden Fall, keine Frage. Aber dass mich ein Bollywood-Film nicht emotional berührt, stellenweise sogar langweilt, weil er einfach nicht vorankommt mit der Geschichte, das ist schon ungewöhnlich und ich frage mich, wo mir das Gefühl abhanden gekommen ist oder warum es nie aufkam. Weil pausenlos mit Gewehren in die Luft und zum Spaß auf Menschen gefeuert wird und man irgendwie abstumpft. Weil der „Romeo“ vor allem mit seinem Sixpack auf Frauenjagd geht. Weil „Julia“ den Affen schon beim ersten Aufeinandertreffen küsst? Vielleicht geht mir noch ein Licht auf. Bis dahin schaue ich mir doch lieber nochmal die Version mit Leonardo Di Caprio an.

Ich bin natürlich trotzdem sehr dankbar, dass der Film im normalen Kinoprogramm zu sehen war. Der graue November wurde so mit einem Rausch an bunten Farben und schönsten Bildern durchzogen.

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Chennai Express – bunt, albern, Bollywood

Na das ist doch mal wieder so ein richtig klassischer Bollywoodschinken vom Feinsten. In Sharukh Khans neuestem Film „Chennai Express“ (http://www.chennaiexp2013.com/) blödelt er herum, als gäbe es kein Morgen. Die wahnsinnig bunten und heroischen Bilder ziehen einem sämtliche Plomben aus den Zähnen.  Der Held kämpft bis aufs Blut um die Dame seines Herzens und dank der Liebe ist er zu eigentlich Unmöglichem im Stande. Diese Liebesgeschichte möchte sagen: Nur der Beherzte gewinnt das Herz einer Frau, unterschätze nie die Kraft des einfachen Mannes…wenn er liebt, dann wird er zu einem unzerstörbaren Helden. In der ersten Hälfte des Films darf Shahrukh Khan sich ausgiebig als Mister Albern austoben und ja, seine Freude daran springt auch über, es gibt viel zu Lachen und bis dahin wäre es eher eine Blödelkomödie ala Akshay Kumar. Aber dann, peng, in der zweiten Hälfte entwickelt sich das Liebesdrama. Man nimmt Deepika durchaus ab, dass sie Shahrukh mehr und mehr mit den Augen einer Liebenden sieht. Shahrukh braucht etwas länger, um zu erkennen, was er fühlt. Das ist ja schon fast realistisch. Das blutige, schier endlose Finale ist absolut klassisch und hinterläßt Eindruck und durchaus mitfühlende Emotionen. Bei diesem Film gibt es keine Gelegenheit, einzuschlafen. Er powert bis zum Ende durch, entweder mit Lachern oder mit Action.

Sehr süß finde ich die Anspielungen auf andere Filme von Shahrukh Khan und die Idee, sich mit Hindi-Songs zu unterhalten, um die tamilischen Mafia-Gangster nichts von ihren Plänen wissen zu lassen.  Menschen sollten sich öfter singend unterhalten. Wahrscheinlich ist Deepikas tamilischer Akzent für Tamilen sehr witzig anzuhören, ich kanns leider nicht beurteilen.

Und dass Shahrukh endlich mal ein realistisches Filmalter von 40 Jahren bekommt, wurde auch mal Zeit. Die 20 Jahre Unterschied zwischen ihm und Deepika sind hier nicht von Bedeutung, es ist ein sehr überzeugendes Paar, welches wir das letzte Mal in „Om Shanti Om“ bewundern durften.

Ein wunderbares Märchen für alle, die sich für ein massentaugliches Liebesdrama mit Albernheitsfaktor nicht zu schade sind und auch mal leichte Kinokost ohne schlechtes Gewissen zu sich nehmen können.  Sowas gibt es sonst nicht zu sehen, nur bei Bollywood!

Immerhin scheint der Film so gut anzukommen, dass die sonst eher spärlichen Termine für Kinovorführungen erweitert wurden und es einige Zusatzvorstellungen gibt:

http://rapideyemovies.de/kinospielplan

In Berlin hat man noch folgende Chancen für das Eintauchen in eine ganz andere Welt:

22.08.2013 – 28.08.2013
Berlin, CineStar Cubix am Alexanderplatz

22.08.2013 – 28.08.2013
Berlin, CineStar Sony Center

http://en.wikipedia.org/wiki/Chennai_Express

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IndoGerman Film Dinner zeigte „Kahaani“

Endlich habe ich es auch mal zum IndoGerman FilmDinner im Babylon geschafft. Heute lief der Thriller „Kahaani“ und anschließend gab es noch indisches Essen und eine Q&A-Runde mit Regisseur Sujoy Ghosh per Skype. Da indische Filme selbst im kulturell überladenen Berlin eher eine kleine, überschaubare Menge an Leuten anzieht, blieb alles in einem schon fast familiären Rahmen. Mit 10 Euro Eintritt eine sehr lohnenswerte Veranstaltung für Freunde des indischen Films.

Mehr als „eine schwangere Frau auf der Suche nach ihrem Ehemann“ sollte man als Beschreibung der Geschichte nicht verraten.

„Kahaani“ hat mir sehr gefallen und kann ich nur empfehlen. Nicht nur, weil Vidya Balan ihre Rolle ausgesprochen großartig spielt, eine Heldin wie man/frau sie sich nicht besser vorstellen könnte. Nicht nur, weil der schüchterne, zurückhaltende Polizist Parambrata Chattopadhyay mal so einen ganz anderen indischen Männertypen zeigt. Nicht nur, weil die Stadt Kolkatta dank der „Guerilla“-Filmtechnik absolut spannende Bilder bietet. Letztlich fand ich den Film auch vor allem deshalb so gut, weil es selten Filme gibt, die mich noch überraschen können, was den Ausgang der Geschichte betrifft und das war hier absolut der Fall. Ja, es gibt nicht viele Hinweise darauf, wie sich die Story entwickelt und das könnte einen durchaus auch etwas ungeduldig machen, aber das darf sich dieser Film durchaus leisten.

Sujoy Ghosh meinte im Skype-Interview, dass er die Wandlung einer Frau, wenn sie schwanger und zur Mutter wird, darstellen wollte. Das hätte ich nun hinsichtlich des Filmthemas am allerwenigsten vermutet, ist ihm aber in der Tat wunderbar gelungen, natürlich auch dank der überragenden Vidya.

http://www.kahaanithefilm.com/

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