Bollywoodelfe's Blog

Eine deutsche Sicht auf Bollywood, Indien , Pakistan

Lipstick under my Burkha – die Sehnsüchte der Frauen

Ach wie schön! Einer der seltenen indischen Filme, in denen reale indische Frauen dargestellt werden, keine SuperHeldinnen und keine Vamps. Frauen, die versuchen, das Beste aus ihrer Situation zu machen, eingeengt und gefangen in gesellschaftlichen Zwängen, unterdrückt und bevormundet. Und holla, die Waldfee! Da geht es ganz schön realistisch zu, vor allem in Sachen Sex. Die Zensurbehörde hatte zuerst dafür gesorgt, dass der Film nicht veröffentlicht werden darf. Nachdem die Filmemacher dagegen Berufung eingelegt hatten und einige zu eindeutige Szenen heraus geschnitten wurden, darf der Film nun doch auch in Indien starten. Die übrig gebliebenen Szenen erotischen Inhalts sind trotzdem noch hochbrisant für einen indischen Film und ich hoffe, die Hauptdarstellerinnen werden dafür nicht von einem wilden Mob verfolgt, der es nicht zulassen will, dass Frauen auch sexuelle Sehnsüchte haben und von Freiheiten träumen.

Wenigstens das Träumen kann ihnen keiner nehmen. Erzählt wird das Leben von vier Frauen zwischen 18 und 55 Jahren. Shirin, eine junge Mutter von drei Kindern, muss den ständig lieblosen Sex ihres Mannes ertragen und ist ohne sein Wissen eine erfolgreiche Verkäuferin. Leela, eine Kosmetikerin mit ehrgeizigen unternehmerischen Plänen wird gegen ihren Willen verheiratet, obwohl sie ein Verhältnis mit einem Fotografen hat. Rehana hat strenge muslimische Eltern und muss hart in deren Geschäft für Burkhas arbeiten, legt diese aber heimlich im College ab und klaut für ihr weltliches Outfit auch schon mal (da erfüllt die Burkha mal einen interessanten Zweck zum Verstecken der Beute). Und dann ist da noch Tante Usha, verwitwet, die ebenso heimlich erotische Frauenliteratur liest und sich auf ein amouröses Abenteuer telefonischer Art einlässt. Dieses aberwitzige Verlangen einer älteren Dame wird sowas von herzallerliebst von Ratna Pathak dargestellt, dass man zwischendurch vor Heiterkeit tatsächlich jauchzen muss. Auch Konkona Sen Sharma als taffe Haustür-Verkäuferin ist wie immer sehr sehenswert.  Alles in allem ein wirklich liebevoll gemachter, sehenswerter Film über die Sehnsüchte von Frauen.

Sehr köstlich finde ich auch das Video der Hauptdarsteller dazu, wie es wäre, wenn Männer wie Frauen behandelt würden:

Am besten erklärt man in Indien alles mit sehr viel Witz. Das ist hier wirklich gut gelungen. Frau hat noch zu lachen, auch wenn die Geschichten der Frauen eher zum Weinen sind.

Der Film läuft noch auf der IndoGerman Filmweek: Fr, 21.7. 19:30 Uhr und Sa, 22.7. 21:15 Uhr. Viel Vergnügen!

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IndoGerman Filmweek – Hotel Salvation

Morgen ist es wieder soweit: die mittlerweile 5. IndoGerman Filmweek verwöhnt uns mit vielen indischen Filmen und ich darf Tickets für die Berlin-Premiere von „HOTEL SALVATION“ (MUKTI BHAWAN) am 14. Juli um 19:30 Uhr im Kino Babylon verlosen. Anschließend an die Filmpremiere wird es ein Gespräch mit Filmemachern und Hauptdarsteller Adil Hussain geben, der einigen vielleicht als Zoodirektor in „Life of Pi“ bekannt sein dürfte. Der Film feierte seine Weltpremiere bei den Filmfestspielen in Venedig und erhielt unter anderem die UNESCO Gandhi Medaillie. Bei den National Awards in Indien wurden der Film und Adil Hussain als bester Darsteller ausgezeichnet.  HOTEL SALVATION wird Ende des Jahres in den deutschen Kinos zu sehen sein. In der Komödie geht es um Rajiv (Adil Hussain) der seinen alten Vater pflichtbewusst auf eine Reise in die heilige Stadt Varanasi begleiten muss, weil dieser dort auf Erlösung hofft.

Wenn ihr Tickets für die Premiere am 14.7. gewinnen möchtet, hinterlasst mir hier einen Kommentar oder schreibt mir eine Nachricht bei Twitter. Viel Glück und ansonsten schaut gern bei dem einen oder anderen Film auf der Filmweek vorbei!

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WAZIR – Schachmatt – wer verliert, gewinnt

Also eines zur Warnung vorweg: wer den Film „TE3N“ gesehen hat, darf nicht enttäuscht sein, wenn der Film nur halb so viel Spannung bietet. Es gibt einfach so verdammt viele Parallelen, dass man schnell erahnt, welche Wendung dieser Film nehmen wird. Wird das jetzt DIE ewig gleiche Rolle für Amithab?

Es geht mal wieder um verlorene Kinder, Schuldzuweisungen, Trauer, Rachefeldzüge. Als Schauspielplatz der Kashmirkonflikt.

Man muss Schach mögen…denn der ganze Film dreht sich so sehr um Schach, dass man am Ende den Film vor lauter Schach nicht mehr sieht. Am Anfang konnte ich noch herrlich darüber lachen, wie die kleinen Kinder Anti-Terror-Polizist Daanish (Farhan Akhtar) so richtig beim Schach dissen, weil er ständig verliert. Dass sich ein Schachspiel bestens als Trinkspiel eignet, auch sehr amüsant. Dann muss das Schachspiel ständig für versteckte Hinweise in der Geschichte herhalten und am Ende gibt es auch noch eine Tanzaufführung in Form eines Schachspiels, welches den entscheidenden Hinweis für Polizist Daanish gibt, um das ganze Spiel, in dem er unfreiwillig mitgewirkt hat, zu durchschauen. Wahhhh! Wieviel Schach kann man ertragen, wenn man mit diesem Spiel auf Kriegsfuß steht wie ich?

Es sind die besten Schauspieler am Werk und der Film hat seine tollen Momente, z.B. wenn am Anfang in Zeitlupe die Romanze von Daanish und seiner Frau gezeigt wird, die zugleich Zeitraffer ist. Oder wenn beim Abspann Amithab und Farhan zusammen einen Song zum Film im Tonstudio einsingen. Großartig! Das hat sich gelohnt. Das ewige Schachspiel dazwischen mit den stets grimmigen Bösewichtern und der ewig leidenden Frau hat mich nicht wirklich gefesselt. Aber hey, ein Film mit Farhan lohnt doch immer. Ich hoffe nur, ich träume heut nicht von Schachfiguren. Ein Spiel ist ein Spiel ist ein Spiel.

 

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Margarita with a straw – wieviel Drama passt in einen Film?

„Margarita, with a straw“ ist der Cocktail, den sich Laila (Kalki Koechlin), durch Kinderlähmung an einen Rollstuhl angewiesen, als ersten Cocktail ihres Lebens bestellt, als sie mit ihrer blinden Mitstudentin Khanum einen Abend in einer Bar in New York verbringt. Nach New York ist sie mit Hilfe eines Stipendiums gekommen.

Bei diesem Film, so preisgekrönt er ist, hat man am Ende das Gefühl: weniger wäre mehr gewesen. Es hätte durchaus gereicht, das Leben einer an den Rollstuhl gefesselten jungen Frau zu beleuchten. Auch sie hat sexuelle Bedürfnisse, auch sie durchlebt das Drama einer unerwiderten Liebe. In Indien werden benachteiligte Personen sehr stiefmütterlich behandelt und versucht, diese nicht im öffentlichen Leben zu präsentieren. Stars wie Aamir Khan versuchen diese Situation zu ändern. Also das Thema hätte schon allein genug Stoff gegeben. Aber nein! Dann stellt Laila auch noch fest, dass sie bisexuell ist. Zwei Frauen mit Behinderung verlieben sich. (Und ihre Liebe Khanum stammt auch noch aus Pakistan). Diese Liebe bringt natürlich ein großes Drama mit den Eltern mit sich und dann erkrankt die Mutter auch noch am Ende an Krebs. Alles ungewohnt offenherzig und ungeschönt dargestellt. Hallooooo? Das ist echt too much!

Offensichtlich hatte Regisseurin Shonali Bose ganz viel zu sagen. Ihr Cousine litt an zerebraler Kinderlähmung und als sie diese sie zu ihrem 40.Geburtstag fragte, was ihren Geburtstag zum besten jemals machen würde, meinte diese „Sex“.  Über die Sexualität ihrer Cousine hatte sie bis dahin nie nachgedacht. Shonali Bose hat sich selbst als bisexuell geoutet.

Normalerweise lässt die indische Zensur solch realistische Darstellungen von Sexszenen nicht zu. Interessanterweise wurde hier von der indischen Zensurbehörde zwar verlangt, die hetereosexuelle Sex-Szene mit Lailas Mitstudenten etwas weniger deutlich darzustellen, aber die lesbische Liebesszene blieb zum Erstaunen der Regisseurin absolut ungeschnitten.

So einen Film hat man auf jeden Fall noch nicht gesehen, so viel steht fest. Darauf sollte man gefasst sein. Er will ein bisschen zuviel für meinen Geschmack. Aber hinterlässt so natürlich genug Stoff für zahlreiche Gedankenanstöße weit nach Anschauen des Films.

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Te3n – wer findet den Mörder

Teen, stylisiert zu Te3n (in Hindi bedeutet es die Zahl 3) war gestern der Eröffnungsfilm bei der IndoGerman Filmweek. Kein kunterbunter Quietsche-Bollywoodschmalz, sondern ein durchaus packender und düsterer Thriller nach koreanischer Filmvorlage mit der Starbesetzung Amitabh Bachchan, Nawazuddin Siddiqui und Vidya Balan. Es geht um das ernste Thema Kidnapping/Kindesentführung. Nach acht Jahren versucht der Großvater (Amitabh) immer noch täglich die Entführung und den damit verbundenen Tod seiner Enkelin aufzuklären. Der frühere Polizist (Nawazuddin), der mit dem Fall betraut war, ist inzwischen Priester geworden, wird aber vom Großvater immer wieder wegen des Falls bedrängt. Täglich fährt er zudem zur Polizeistation, um die dortigen Polizeiinspektorin (Vidya) immer wieder nach dem Fall zu fragen, der nie aufgeklärt werden konnte. Als dann plötzlich ein neuer Fall von Kindesentführung geschieht, der allerlei Parallelen zu dem von vor acht Jahren aufweist, machen sich alle drei intensiv auf die Suche.

Die drei Hauptdarsteller sind einfach großartig. Da kann man auch über kleine Ungereimtheiten und unlogischen Entwicklungen in der Geschichte hinweg sehen. Es ist sehr rührend mit anzusehen, mit welcher Sisyphos-Arbeit Amithab versucht, den Fall anhand  noch so kleinster Hinweise wie einem Stift nachzugehen oder riesige Listen mit Namen bearbeitet. Für ihn gibt es im Leben nur noch ein Ziel, dieses schwere Schicksal zu verarbeiten, indem er den Verbrecher seiner gerechten Strafe zuführt. Der Ausgang dieses Films ist tatsächlich ungewiss, man kann die Entwicklungen nicht wirklich voraussehen und es bleibt bis zum Schluss spannend. Amithab spielt den gebrochenen Großvater absolut realistisch und herzergreifend.

Also kein Film für unbeschwerte Stunden, in denen man sich nach bunter Unterhaltung ala Bollywood sehnt. Aber ein absolut qualitatives Filmereignis.

Heißt der Film eigentlich „3“, weil sich die 3 (Haupt)Personen mit dem Fall beschäftigen? So wirklich hinweisend darauf, um was es in diesem Film geht, finde ich den Filmtitel nicht.

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Farhan Akhtar in Berlin

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Am nächsten Samstag wird mein Bollywood-Fan-Herz endlich mal wieder sehr viel höher schlagen, denn Farhan Akhtar erweist uns zur IndoGerman Filmweek im Babylon Berlin die Ehre.
Und ihm zu Ehren wird gleich eine Reihe von Farhan-Akhtar-Filmen gezeigt. Mir unvergesslich wird natürlich immer die Zeit bleiben, in der er DON2 in Berlin gedreht hat.
Extra für diesen Film wurden damals auch Komparsen gesucht und so habe ich mich damals bei der Filmagentur angemeldet und prompt auch einen Drehtag ergattert.
Leider war genau an diesem Tag King Khan nicht dabei, aber dafür konnte ich aus nächster Nähe Priyanka Chopra, Om Puri und eben auch Farhan Akhtar als Regisseur bei der Arbeit beobachten.
Ich habe Farhan von damals als üblich verwuschelten und hochkonzentrierten Regisseur in Erinnerung. Die Fanbelagerung vorm Hotel war ihm (nachvollziehbar) eher nicht so geheuer.

Nun dürfen wir ihn also wieder in Berlin begrüßen. Es wird zwei Gelegenheiten geben, ihn bei der IndoGerman Filmweek zu treffen:
Für das Panel mit ihm gibt es auf der Website des Babylon extra Karten zu kaufen für 10€.
Das Meet&Greet ist im Ticket für „Der Lauf seines Lebens – The Flying Sikh“ mitinbegriffen. Daran können also alle Filmbesucher teilnehmen.

Ob ich die Gelegenheit dazu haben werde, ihn vielleicht noch nach einem Foto zu fragen oder nach einem Autogramm?
Ich würde vielleicht die DVD „Zindagi Na Milegi Dobara“ (Man lebt nur einmal) mitnehmen und ihm sagen, dass ich dieses Jahr zum Tomatina-Festival nach Spanien fahre, weil die Freude, die sie in diesem Film vermittelt haben so ansteckend war, dass diese Reise zu einem erklärten Lebensziel wurde. Denn, YOLO. Man lebt nur einmal. Und wenn ich überströmt mit zermatschten und klebenden Tomatenresten in Brunol stehe, dann an ihn denken werde. Diese Vorstellung sollte ihn doch sicher erheitern.

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Aber wahrscheinlich wird es wieder so sein, dass ich sprachlos vor meinem Bollywoodstar stehen werde und mich von etwas robusteren Fans zur Seite drängen lasse.

Wie auch immer dieser Tag ausgehen wird, ich freue mich schon sehr darauf.

Update: es ging mal wieder alles so schnell, dass ich ihm nichts weiter sagen konnte, sondern nur um ein Autogramm bitten. Das war immerhin sehr lustig, denn er versuchte den deutschen Titel von Zindagi Na Milegi Dobara“Man lebt nur einmal“ auszusprechen. Der Talk mit ihm war leider etwas ambivalent, was die Organisation betraf. Es konnten bestimmte Trailer nicht auf Leinwand abgespielt werden, denn Farhan engagiert sich z.B. für die Organisation „Mard – Men Against Rape & Discrimination„. Gern hätte man etwas mehr darüber erfahren. Zudem stellte eine der Moderatorinnen des Talks unter Beweis, dass man nicht jeder beliebigen Information im Internet ungeprüft trauen sollte. So musste Farhan immer wieder falsche Informationen berichtigen. Das tat er zwar äußerst charmant, witzig und überlegen, aber für den Zuhörer war etwas Fremdschämen angesagt. Später stellten die Zuhörer im Saal auch durchaus interessantere Fragen.

Und es war ihm auch nicht zu peinlich, uns ein Lied zu singen:

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Original Copy – Ehrung der letzten Filmplakatemaler

Diese wunderbare Dokumentation über den aussterbenden Beruf des Filmplakatemalers zeigt den ehrwürdigen Malermeister Sheikh Rehman in seinem Atelier in einem alten Kino, den „Alfred Talkies“. Mit einer über all die Jahre ungebrochenen Leidenschaft, Herz und Phantasie zaubert er als einer der letzten Plakatemaler Kinofilme auf die Leinwand, um Kinobesucher aufmerksam zu machen und anzulocken, manchmal auch mit actionverheißenden Hubschraubern und Waffen, die dann im Film überhaupt nicht auftauchen. Ein bisschen Trickserei muss sein, um die wenigen willigen Kinozuschauer hinein zu locken. Das Kino steht jeden Monat vor dem Aus. Ganz sicher aber ist das Ende seines Berufs. So leidenschaftlich wie er malt, so leidenschaftlich beschimpft er auch jeden um ihn herum. Da bezeichnet er den „Boss“, der seine Entwürfe zu seinem neuesten Plakat mit Änderungswünschen kommentiert, schon mal als „Schwesternficker“. Die Heldin ist keine „Scheißheldin“ und sollte größer gemalt werden und der Schurke nicht so herausstechen. Auch seine Söhne kommen im Film nicht gut weg. Er schimpft über sie, sie ehren den Beruf ihres Vaters nicht, treten nicht in seine Fußstapfen und mögen seine Kunst nicht.

Das Kino wird geführt von Najma Loymoon, welches ihr Großvater in den 30er Jahren aufbaute. Es geht hier sehr familiär zu, wie einem der Film nahe bringt. Das besondere: das Kino ist auch wahrscheinlich der letzte Ort in Mumbai nach den Terroranschlägen, in dem sich täglich Hindus und Moslems begegnen und ihre jeweiligen Rituale an einer Stätte pflegen. Das Kino ist im Gegensatz zu den neuen Multiplex-Kinos auch für arme Menschen und Obdachlose bezahlbar, die hier für ein paar Stunden Zuflucht vor der Hitze draussen und dem schrecklichen Alltag finden. Und diese Menschen wollen keine neuen Filme sehen, sondern Filme, deren Handlungen sie auswendig kennen, deren Musik sie mitsingen können, weil schon so oft gehört. Und so zeigt das Kino nur Filme aus den 80er und 90ern, deren Farben schon längst verblasst sind. Neue Filme, selbst wenn die teuren Kopien von einem großen Schauspieler wie Aamir Khan gespendet werden, haben hier keine Chance.

Wir sehen im Film, wie (meist innerhalb von sieben Tagen) ein Plakat entsteht. Von der Skizze auf Plastikfolie übertragen (Leinwand ist viel zu teuer) und im Team zusammen kunstvoll mit Farben bemalt. Dabei spart Sheikh Rehman wieder nicht mit wüsten Beschimpfungen, weil ihm diese und jene Malart seiner Kollegen nicht gefällt. Am Ende ist ein Kunstwerk entstanden, dass nach Laufzeit des Films wieder übermalt wird, um ein neues Filmplakat zu malen.

Filmemacher Georg Heinzen hat ein halbes Jahr in Mumbai gelebt und wurde auf dieses Kino aufmerksam und kam dabei auch ins Gespräch mit Malermeister Sheikh. So entstand die Idee des Films. Zusammen Florian Heinzen-Ziob musste man nun erst familiäre Bande knüpfen, um hier Vertrauen zu gewinnen und drehen zu können.

Mit der Premiere ihres Films in einem Multiplex-Kino (für das „Alfred Talkies“ hatten sie keine 35mm Filmrolle und kein Soundsystem) erfuhr Meister Rehman nun auch endlich die Ehre, die er bis hierher so vermisst hatte. Nach dem Film bekam er nicht nur die Bewunderung vieler Zuschauer, auch seine Söhne waren endlich stolz auf ihn.

Das Kino steht nach wie vor jeden Tag vor dem Aus und die Filmemacher haben das Gefühl, inzwischen ist schon die gesamte Rentensicherung für den Erhalt drauf gegangen. Aber wie kann man einen familiären Betrieb wie diesen so einfach aufgeben, an dem so viele Schicksale hängen?

Sehr liebevolle Doku über einen aussterbenden Beruf und der Probleme eines alten Kinos, das nicht aufgeben will.

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Baahubali – nichts und niemand kann ihn (s)toppen

Selbst die besten Bollywood-Filme schaffen es nicht, alles auf die Spitze der Übertreibung zu katapultieren wie Tollywood-Filme…und das ist noch untertrieben. Die Südinder sind die Meister aller Klassen darin. Sollte man auf jeden Fall einmal gesehen haben, und Baahubali ist wohl die Krönung aller bisherigen südindischen Filme, ein Historienepos um ein früheres Königreich in Südindien.

Kilometerhohe glitschige Wasserfälle mit Free-Climbing zu erklimmen…kein Problem. Dabei unendlich große Schluchten einfach überspringen…kein Problem. In 0,1 Sekunden einen Schlitten aus einer Baumrinde herausschlagen, um rasant vor einer Lawine zu fliehen…eine Leichtigkeit. Eine mehrere hundert Fuß hohe Statue mal eben allein festhalten, weil die hundert Männer umgefallen sind…haha. Und sowieso, allein gegen hunderte Männer kämpfen…wo ist die Herausforderung? Klingt absurd, ist aber eine wahre Augenweide auf der Kinoleinwand! Und als dann das Königreich in die Schlacht gegen eine feindliche Armee ziehen muss, die einen sofort an Orks erinnern, kann diese locker mit der größten Herr-der-Ringe-Schlacht mit halten. Diese Schlachteffekte sind wirklich das Geld wert gewesen, was man so zahlreich in den Film investiert hat.

Gerade diese zweite Hälfte mit der riesigen Schlacht bringt einen so richtig in Begeisterung. Das Liebesgeplänkel davor ist zwar zuckersüß und wenn der Hauptdarsteller so herzlich lacht wie ein kleiner Welpe, der noch nichts Böses in der Welt kennt, dann ist das zum Dahinschmelzen. Aber man vermisst da noch so den roten Faden, der einem die Geschichte des Films vermittelt.

Wenn man dann am Ende des Films den Hinweis bekommt, dass der zweite Teil des Films erst in diesem Jahr herauskommt, ist man schon etwas geschockt. Wie jetzt? Ich wollte doch wissen, wie der Film zu Ende geht! Also soviel steht fest: den zweiten Teil werde ich mir auf jeden Fall anschauen! Baahubali hat mich begeistert. Die absurde Übertriebenheit muss man einfach lieben und die Hauptdarsteller sind auch alle wunderbar.

Leider, so finde ich, vermittelt der offizielle Trailer nicht im Geringsten, was für ein toller Film dahinter steckt. Ich kann ihn auf jeden Fall empfehlen. Einen solch epischen Historienfilm habt ihr garantiert selten so gesehen.

http://www.baahubali.com/

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Mein persönliches IndoGermanFilmweek-Filmefazit

Filme, die mich am meisten beeindruckt haben und die ich uneingeschränkt empfehlen kann (wow!):

Mary Kom.

Film über Chungneijang (später als Mary Kom bekannt), die entgegen aller Widerstände fürs Boxen brennt. Als sie auf dem Höhepunkt ihrer Box-Karriere heiratet, ist ihr Meistertrainer schwer enttäuscht, weil er damit ihre Karriere beendet sieht. Doch die Leidenschaft fürs Boxen brennt weiterhin so sehr in ihr, dass sie trotz ihrer Zwillingsmutterschaft ein Comeback starten will. Unglaublich beeindruckende Geschichte einer Powerfrau, die sich keine Steine in den Weg legen lässt, großartig realistisch dargestellt von Priyanka. Mit dem Film wird man zwangsläufig Fan vom Frauenboxen.

Mardaani.

Film über die coolste Polizistin, die ich je gesehen habe. Clever & smart, taff, da ist man einfach baff. Selbst die miesesten Einschüchterungsversuche der Kriminellen lässt sie nicht aufgeben. Sie hat im indischen „Rechtssytem“ genau die richtigen Antworten parat. Die Hintergründe sexueller Kriminalität sind leider sehr real, aber diese starke Frau gibt Hoffnung. Neben Rani würde sogar der obercoole Dabangg-Matchobulle Salman Khan verblassen. Rani als Police Wala: leider geil.

 

Filme, die mir sehr gefallen haben, auch wenn die angesprochenen Themen die dunklen Seiten der indischen Gesellschaft beleuchteten (yeah!):

Fandry.

Film über die Leiden der niederen Kasten, die die unliebsamen Aufgaben des Dorfes übernehmen müssen und ständig an Grenzen stoßen. Jabya, Sohn einer Familie, die sich z.B. um das Verjagen der Wildschweine kümmern muss, verliebt sich in ein Mädchen einer höheren Kaste, denn die Liebe kennt zwar keine Grenzen, die Gesellschaft schon. Aaaahhh, dieser verliebte Blick, den er ihr immer zuwirft, das ist einfach so betörend! Da geht einem das Herz auf! Und gleichzeitig weiß man, dass es keine Chance auf ein Happy End geben wird. Dramatisch schön!

Jal.

Film über den täglichen Überlebenskampf von Menschen, die in Regionen mit Wasserknappheit leben. Hier wird für Wasser gemordet. Da kommt eine russische Tierschützerin des Weges, deren Herz es bricht, dass die armen Flamingobabys sterben, und prompt wird eine große Rettungsaktion von der Regierung unterstützt und nach sauberem Wasser gebohrt. Flamingos gerettet. Dass die Menschen ebenso dringend das lebensnotwendige Wasser benötigen, interessiert niemanden. Man dürstet beim Filmschauen mit, man taucht ein in die Fata Morganen, die erscheinen. Tolle Bilder! Traurig schaurig schön!

Haider.

Hamlet auf den Kashmir-Konflikt der 90er Jahre übertragen. Kommt leider erst in der zweiten Hälfte richtig in Fahrt. Dann aber auch großes Kino. Blutig schön!

 

Filme, die eine tolle Geschichte zu erzählen hatten (supi):

Traces of Sandalwood. 

Zwei indische Waisenkinder werden als Kinder getrennt, die später erfolgreiche ältere der beiden Schwestern findet schließlich die Spur ihrer jüngeren Schwester Sita in Barcelona und sucht sie dort auf. Die hat so überhaupt keine Ahnung davon, dass sie überhaupt adoptiert wurde und ist total überfordert mit der Tatsache, dass ihre Eltern ihr das bis jetzt verheimlicht haben und dass sie plötzlich eine Schwester hat und ganz andere Wurzeln. Ein Film auch für Barcelona-Fans.

 

Filme, vor denen ich warnen muss (zu Risiken und Nebenwirkungen…):

Titli.

Film über eine kriminelle Familie und dem Versuch des Jüngsten, aus dieser Gewaltspirale auszubrechen. Nach diesem Film hatte ich richtig dramatische Alpträume. Keine Ahnung, wie er das geschafft hat, denn normalerweise finde ich auch an blutigen Szenen durchaus Unterhaltungswert. Aber was hier gezeigt wird, ist eben sehr real und so gar nicht absurd. Der Film soll demnächst regulär in die deutschen Kinos kommen. Da kann ich nur warnen: nur für ganz hartgesottene Gemüter!

 

Filme, von denen ich mir im Nachhinein dachte, schade um die Zeit im dunklen Kinosaal (kann weg):

Suleimani Keeda.

Film über zwei Drehbuchautoren, die Bollywood aufmischen wollen. Getreu der Idee im Film, einen Film ohne Story, außerhalb der üblichen Filmkonventionen zu machen, plätschert eben dieser Film sehr ideenlos vor sich hin. Netter Einblick in Mumbais Kreativviertel. Statt einem Gitarrenspieler hört man hier auf der Party halt einem Sitarspieler zu. Muss man aber nicht gesehen haben. Wie sagte die Hauptdarstellerin so schön: Life is too short. Ja, sollte man seine Zeit nicht mit solchen Filmen verschwenden.

 

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Vorhang auf für eine indische Hamlet-Adaption

Oha. Drama Baby. Haider ist die dritte Shakespeare-Adaption von Vishal Bhardwaj. Seine Othello-Version Omkara hatte richtig gut bei mir gepunktet, da konnte man doch gespannt sein von einer Hamlet-Adaption im Kashmir-Konflikt-Szenario in den 90er Jahren. Was für eine gewagte Idee, sich zu diesem schwierigsten aller politischen Themen zwischen Indien und Pakistan so öffentlichkeitswirksam zu äußern! Im Vorfeld hatte ich nur Lob und Anerkennung für den Film gehört…vielleicht war ich daher etwas zurückhaltend mit meiner Begeisterung im ersten Teil, denn dieser gestaltete sich doch etwas langatmig mit einem etwas langweiligen Shahid Kapoor (als Prinz Hamlet), alles noch sehr verworren und nicht sehr emotional hinein ziehend.

Aber dann: Vorhang auf für den zweiten Teil, der die Zurückhaltung des ersten Teils mit aller Macht sprengte. Peng! Grandioser Auftritt von Irrfan Khan (in der Geist-Adaption). Unglaublich dieser Mann, diese Dramatik mit den kleinsten Gesten. Jetzt wird man gefesselt, jetzt gehts los.

Peng! Auftritt Shahid Kapoor mit dem Bismil-Song, der dem traditionellen Kashmir-Volkstanz huldigt. Shahid sagte selbst, dass es der beste Song seiner Karriere sei. Da stimmte aber auch alles. Theatralik und Musik…ja, spätestens da ist der Punkt gekommen, wofür sich der Film für mich gelohnt hat. Erinnerte mich liebevoll an die Laila & Majnu Theateraufführung bei Aaja Nachle. Wirklich Grandios!

Alles dramatisiert sich weiter, bis zum grandiosen Massaker-Endszenario auf dem Friedhof, eingeleitet von einer perfekt inszenierten Eingangszene. Ja wie geil ist das denn, Gräber ausheben mit passender Musikbegleitung…das muss man gesehen haben!

Und am Ende wirds so richtig schön blutig, mehr Tote hätten könnte man auf ein Schlussbild nicht bekommen. Spitze!

Also durchhalten, was den entschleunigten ersten Teil betrifft und dann wird man durchaus mit einigen Überraschungen belohnt!

Noch erwähnenswert sind auf jeden Fall die beiden Frauen in den Hauptrollen, die nicht nur schön anzusehen sind, sondern auch so gut schauspielern, dass eben ein Shahid daneben auch mal verblasst. Dessen jüngeres Ich wurde so gut gecastet, dass man meinen möchte, das hätte er wirklich in jüngeren Jahren sein können, wenn es mal nicht sogar sein jüngerer Bruder ist.

Haider oder nicht Haider…das ist keine Frage.

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