Bollywoodelfe's Blog

Eine deutsche Sicht auf Bollywood, Indien , Pakistan

BNA Germany vs. ISHQ – Hat das neue Bollywood-Magazin Überlebenschancen?

Bnagermany

Entgegen der Entwicklung, dass Printmedien einen deutlichen Rückgang verzeichnen, bekommt die deutsche Bollywood-Fangemeinde nun ein neues Bollywood-Magazin.  BNA Germany fühlte sich durch ihren Erfolg der Web Edition dazu ermutigt, auch mit einem Print-Magazin auf den Markt zu kommen.  Doch braucht der Markt ein weiteres Bollywood-Bunte-Magazin? Der Versuch, eine deutsche Ausgabe der indischen „Filmfare“ herauszubringen, scheiterte recht schnell, denn diese automatisch übersetzte Ausgabe war einfach kein Lesevergnügen und war so gar nicht auf die deutschen Fans zugeschnitten. Nach nur 8 Ausgaben war Schluß. Auch das Magazin „Indien“ gibt es nicht mehr. Der Spiegel bezeichnete es als das „anspruchsvollste unter den Indien-Heften“. 2 1/2 Jahre konnte es sich halten, doch ohne Werbeeinnahmen war es nicht mehr zu finanzieren. Die Herausgeberin schrieb damals, dass die indische Touristikindustrie kaum noch an deutschen Touristen interessiert sei und somit dieses Magazin, welches vor allen Dingen für touristische Ziele und Möglichkeiten werben wollte, aufrecht zu erhalten. Überlebt haben bisher nur die ISHQ und die Bollywood-Sammlung.

Das BNA Germany-Magazin kostet im Gegensatz zur ISHQ nur 2,50 Euro. Auf den ersten Blick wird klar, dass eindeutig an Design und Aufmachung gespart wurde. Es ist nicht wirklich ansprechend. Das kleinere Format der ISHQ finde ich viel praktischer (passt besser in die Handtasche *hüstel*). Inhaltlich bietet das Magazin viele gleichen Themen wie die ISHQ: Previews und Reviews, Stars, Interviews, Fashion, Rezepte, Musik, Wissen über Indien. Viel Wert wird auch aufs regionale Kino gelegt. Das Horoskop finde ich eine sehr nette Idee. Nicht zu finden sind Buchbesprechungen, Kreuzworträtsel, Kalender mit wichtigen Informationen zu Events und TV-Ereignissen. Der Schreibstil ist professionell, wie es sich für eine Nachrichtenagentur gehört. „Warm“ geworden bin ich mit dem Magazin noch nicht. Ob ich es mir noch einmal kaufe, hängt wohl davon ab, ob es ein bestimmtes Thema gibt, was mich sehr interessiert. Ansonsten sehe ich die Überlebenschancen aber als eher gering an. Die Online Edition finde ich vollkommen ausreichend.

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Edition LE MONDE diplomatique No. 7: Indien – Die barfüßige Großmacht

Die neueste Edition Le Monde diplomatique widmet sich dem Thema Indien.
Neben sehr detaillierten Artikeln zur Geschichte,der politischen und wirtschaftlichen Lage und gesellschaftlichen Themen wie dem Kastenwesengibt es auch einen Artikel über den neuen Realismus in Bollywood.
 
Die Autorin führt an, dass die Branche bisher "den eher konservativen Filmgeschmack der "Auslandsinder" bediente und deren verstaubtes Indienbild bestätigt". In letzter Zeit jedoch gibt es immer mehr junge Drehbuchautoren, die sich neuen Themen widmen, die sich mehr mit dem realen Leben in Indien beschäftigen. Sie führt Filme wie "My Name is Khan" (Terrorismus), "Ishqiya" (Mafia-Millieu) und "Peepli live" (Bauernselbstmorde) an. Ob vielleicht der unglaubliche Erfolg von Slumdog Millionär sein Gutes dazu getan hat, dass man sich nun auch traut, den bisher ausgeblendeten Realismus zu zeigen, vermag sie nicht zu sagen.
 
Ich bin auf jeden Fall sehr begeistert von der neuen Entwicklung. Gab es bei der Berlinale 2009 keinen einzigen indischen Beitrag, so wurde man in diesem Jahr mit tollen Beiträgen aus Indien geradezu überhäuft. Ich hoffe, dieser Trend wird uns auch in der nächsten Zeit wieder viele interessante Filme bescheren.
 
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Anosh Irani – Die Weisheit meines verlorenen Arms

Die Rezensionen bei Perlentaucher beschreiben den Roman „Die Weisheit meines verlorenen Arms“ von Anosh Irani als „Hardcore-Horrorfilm“, in dem ein „zu unmotivierten Gewaltausbrüchen neigender Verlierertyp“ durch Bombay irrt und seinen linken Arm sucht, der ihm unter unbekannten Umständen abhanden gekommen ist und es wird dem Roman vorgeworfen, dass er dem Leser „weder Zuwachs an Weisheit noch einen Einblick in die komplexe Lebenswirklichkeit der indischen Megapolis“ verspricht. 

Ich finde es ganz gut, dass es auch solche Bücher gibt, die einfach nur eine vollkommen abstruse Geschichte erzählen und gerade der schwarze Humor, der einen von jeder Seite entgegenschreit, hat mich sehr entzückt. Hier sind eine meiner Lieblingsstellen:

„Aber ich habe in meinem Leben nie einen Finger krummgemacht. Eigentlich ein schrecklicher Gedanke. Arbeit. Das einzige Wort, das noch deprimierender klingt, ist Ehe.“

„Der Mahlstein wird meinen Flug beschleunigen. … Je höher die Geschwindigkeit, desto härter der Aufprall. Je härter der Aufprall, desto weiter die Ausbreitung der Hirnmasse auf dem Gehweg. Ich werde den Behörden das Saubermachen möglichst erschweren.“

„Wie groß sind sie?“
„Zwischen eins einundsiebzig und eins dreiundsiebzig.“
„Entscheiden Sie sich.“
„Welche Rolle spielen denn zwei Zentimeter?“
„Fragen Sie Ihre Frau.“

Fazit: für Freunde des schwarzen Humors und skurrilen Geschichten

Vielen Dank an anwyn fürs Ausleihen!

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Kamala Markandaya – Eine Handvoll Reis

Eines der vielen Bücher, die den unfairen und aussichtlosen Kampf ums Überleben in einer indischen Großstadt beschreibt. Es geht um Ravi, der aus seinem indischen Dorf in der Hoffnung geflohen war, zumindest in der Großstadt überleben zu können. Zuerst auf Gelegenheitsarbeiten und Diebereien angewiesen, findet er doch noch den Weg zur ehrlichen Arbeit. Doch auch dieser Weg bietet letztendlich keine Lösung für ein besseres Leben. Wenn er anfangs noch der Meinung war, dass man sich das bessere Leben mit höheren Löhnen erkämpfen muss und jedem predigte, dass etwas gegen die ständig größer werdende Ungerechtigkeit zwischen arm und reich, gegen Korruption getan werden muss, so prügelt doch der harte tägliche Überlebenskampf derart auf ihn ein, dass am Ende nichts von seinem stolzen Denken übrig bleibt und er sogar so tief sinkt, seine Frau und Kinder zu schlagen und den ganzen Druck mit Alkohol zu betäuben.

Wie schon „Nektar in einem Sieb“ besticht dieser Roman durch seinen Realismus und man kann sich vorstellen, dass sich die Geschichte einmal genauso zugetragen hat. 

An dieser Stelle möchte ich mich bei Petra bedanken, die mir dieses Buch geschenkt und meinen Blog somit bereichert hat.

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Kamala Markandaya – Nektar in einem Sieb

Kamala Markandaya – Nektar in einem Sieb, Unionsverlag 

Wenn man dieses Buch gelesen hat, ist man ungemein froh, nicht selber die Erfahrungen dieses dermaßen beschwerlichen Bauernlebens in Indien machen zu müssen, tagtäglich von der Hand in den Mund zu leben und bei Ernteausfällen durch Dürre ständig mit dem Tod durch Verhungern konfrontiert zu sein. Und wenn der Verpächter des Landes sein Land verkauft, ist von einem Tag auf den anderen die Lebensgrundlage dahin. Da wundert es nicht, dass sich Jahr für Jahr auch zu dieser Zeit die Bauern vor Verzweiflung das Leben nehmen, weil sie sich hoch verschulden mussten und gewisse Konzerne mit ihrem überteuerten und trotzdem schlechten Saatgut, aber dem alleinigen Patent, dafür sorgen, dass ihr Kampf ums Überleben immer aussichtsloser wird.

Im Roman gibt es den in größter Not helfenden Engländer Kenny, der in seinem Land Spenden für das Dorf sammelt und sogar ein Krankenhaus damit aufbauen lässt. Er kann einfach nicht verstehen, dass die Leute ihr Leiden einfach nur ruhig hinnehmen und es nicht in die weite Welt hinaus schreien, damit ihnen geholfen wird. Doch die indische Bauersfrau Rukmani gibt zu bedenken, dass ihnen gelehrt wurde, alle Sorgen und Leiden schweigend zu ertragen und das alles so sein soll, damit die Seele gereinigt wird. Hier zeigt sich, dass sich die Autorin sehr gut in beiden Kulturen auskennt und das Unverständnis gegenüber der jeweils anderen Kultur zum Ausdruck bringt.

Das Erstlingswerk der Autorin gilt als Grundstein der indoenglischen Frauenliteratur und wurde mit dem LiBeraturpreis ausgezeichnet. Es ist alles so lebendig beschrieben, dass man mit dieser Bauernfamilie lebt, leidet und sich über jeden noch so kleinen Erfolg mit ihr freut. Allerdings überwiegt das Leiden und so bleibt als Erinnerung an dieses Buch vor allem dieser Schmerz der Hilflosigkeit gegenüber aller Ungerechtigkeiten auf dieser Welt haften.  

An dieser Stelle möchte ich mich bei Petra bedanken, die mir dieses Buch geschenkt und meinen Blog somit bereichert hat.
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Ye kitab achi hai – Vishnus Tod

 

Vishnus Tod – The Death of Vishnu von Manil Suri

Der alte Vishnu haust auf dem untersten Treppenabsatz, geduldet von den anderen Bewohnern und ist sehr krank. Sein Tod steht bald bevor. Vishnus schillernde Erinnerungen an die Vergangenheit liefern Bilder aus seiner Kindheit und auch durchaus erotische Erinnerungen an seine Jugendliebe. Währenddessen ereignen sich viele turbulente, dramatische Geschichten im Haus.

Für einige mag das ein wenig zuviel Ereignisreichtum auf einmal zu sein, aber so vielfältig, spannend, abstoßend, gegensätzlich und voller Leben ist Indien nunmal.

Wer einmal in einem Haus mit vielen spannenden Ereignissen leben möchte, dem sei dieses Buch empfohlen. Man ist mittendrin und wirklich dabei.
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Ye kitab achi hai – Der weiße Tiger

Der weiße Tiger von Aravind Adiga

Im Verlauf von sieben Nächten und in der Form eines Briefes an den chinesischen Ministerpräsidenten erzählt Balram Halwai seine Aufsteigergeschichte aus den Sümpfen des Kastensystems in die Gegenwart. Er hat den „Schlüssel“ gefunden, um aus dem „Hühnerkäfig“ zu entfliehen, wie er sein Diener-Dasein empfand. Dass er dafür seinen Herrn ermorden musste, sieht er als Fehler, aber jede Minute seines neuen Lebens war es ihm wert. Der Autor will allen Indern Mut machen, sich aus ihren Kasten zu befreien und weist darauf hin: „Das Buch deiner Revolution liegt Dir im Magen, junger Inder. Du musst es nur ausscheißen und lesen. Aber stattdessen sitzen sie alle vor ihren Farbfernsehern…“
Am besten an diesem Buch hat mir der anfängliche bissige Zynismus und schwarze Humor gefallen, der leider im Verlaufe des Buches ein wenig nachlässt. Trotzdem eine sehr gelungene Darstellung eines Unterdrückten, der bis zum äußersten geht, um seine Freiheit zu erlangen. Eine andere Lieblingsstelle aus dem Buch:
„Ich glaube, dass auch ich so anfangen sollte, Exzellenz, indem ich irgendeinem Gott in den Arsch krieche.
Aber welchem? Die Auswahl ist so riesengroß.
Es ist nämlich so:
Die Moslems haben einen Gott.
Die Christen haben drei Götter.
Und wir Hindus haben sechsunddreißig Millionen Götter.
Das macht zusammen 36 000 004 Götterärsche, in die ich kriechen könnte.“
Mal wieder eine ganz andere, zum Teil sehr witzige Darstellung der schwarzen Seele Indiens.
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Ye kitab achi hai – Der Fundamentalist, der keiner sein wollte

 

Der Fundamentalist, der keiner sein wollte – Mohsin Hamid

Dieses Buch würde ich nicht unbedingt als herausragend bezeichnen oder jedem empfehlen wollen, aber es hat doch das gewisse Etwas, was diesen Roman trotzdem zwischen all den anderen herausstechen läßt, auch lange, nachdem man ihn gelesen hat. Das mag wohl daran liegen, dass der Autor viele biographische Erlebnisse in die Figur des jungen Pakistani hat einfließen lassen. Nach dem 11. September gerät er unweigerlich immer mehr und mehr in Konflikt mit der westlichen Welt, die er zuvor in allen Zügen genossen hat und die ihm zu Füßen lag. Warum aus dieser durchaus nachvollziehbaren Entwicklung allerdings ein Radikalismus entstehen kann, wird nicht wirklich deutlich. Trotzdem eine sehr gelungene Darstellung einer Wandlung, die wahrscheinlich viele andere auch zumindest in Ansätzen nach dem 11. September durchlebt haben. Und dass das Thema aktueller denn je ist, zeigt der aktuelle Vorfall mit Shah Rukh Khan, der am New Yorker Flughafen stundenlang verhört wurde, nur weil er einen muslimischen Namen trägt.
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Ye kitab achi hai – Der Buddha aus der Vorstadt

 

Der Buddha aus der Vorstadt – The Buddha of Suburbia von Hanif Kureishi 

Sex, Drugs und Rock’n Roll in den schrillen 70er in England…zu gern wäre ich dabei gewesen. Mit diesem Buch ist man mittendrin…im vielschichtigen kulturellen und religiösen Leben einer Großstadt, den Problemen des Erwachsenwerdens. Hanif Kureishi wurde 1954 als Sohn einer Engländerin und eines Pakistani in Südlondon geboren, er schreibt somit aus eigener Erfahrung. Das besondere an diesem Roman ist auf jeden Fall der Witz und die tragikomische Ironie, mit der erzählt wird. Ein rundum amüsantes Lesevergnügen. 

(Dank an FRB fürs Ausleihen:-)
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Ye kitab achi hai – Frauen in Indien

 

Frauen in Indien: Erzählungen von Urvashi Butalia

Es schockiert einen immer wieder aufs Neue, wenn man Geschichten darüber liest, was Frauen in Indien auch heute noch an Grausamkeit und Unterdrückung erleiden müssen, obwohl ihnen die Verfassung eigentlich Gleichberechtigung zugesteht. Einen sehr ausführlichen Artikel dazu gibt es bei der Bundeszentrale für politische Bildung. Dieses Buch sollte jeder lesen, der sich für die Frauen in Indien interessiert. Die Autorinnen schaffen es, dass man dieses Thema auch bei den schönsten Bollywoodfilmen im Hinterkopf behält und niemals vergißt, wie hart sich der Alltag in Indien wirklich darstellt. Doch keine Angst vor feministischer Prosa, denn die sehr schön geschriebenen Geschichten bieten trotz aller harter Realität auch Lesevergnügen.
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