Bollywoodelfe's Blog

Eine deutsche Sicht auf Bollywood, Indien , Pakistan

Gully Boy – ein Street Rapper auf dem Weg nach oben

- Februar 10, 2019

 

Alles fing mit der Pressekonferenz von Gully Boy zur Berlinale im Hyatt an. Plötzlich gab es einen unfassbar kalten Regenschauer mit Windböen, als die Autos mit den Stars Alia Bhatt und Ranveer Singh angefahren kamen. Genau an unserer Position stiegen die beiden aus dem Auto. Ich war viel zu abgelenkt von Alia, die sich umringt von zwei Schleppenträgerinnen und Schirmträgern in ihrem luftigen Kleidchen fast zu Tode gefroren haben muss. Es war schließlich Februar. So fasziniert bemerkte ich viel zu spät Ranveer, der alle herzte. 

Als wir danach in der sehr langen Schlange vorm Friedrichstadtpalast auf den Einlass zu Gully Boy warteten, meinte ein Mann hinter uns, dass er die Karten für diesen Film einfach ins Blaue hinein gekauft hatte, also keine Ahnung, was sich hinter dem Film verbirgt und der sich über den großen Andrang wunderte. Ich würde mal behaupten, er wird sein blaues Wunder erlebt haben! Diesen Kinoabend wird er bestimmt nicht so schnell vergessen. Das Publikum war der Hammer. Sie johlten und gröhlten und rapten und fluchten und waren emotional aufgeputscht. Das war ganz großes Kino. Am Ende legte Ranveer noch seine grandiose Rap-Einlage hin (und ich saß in der zweiten Reihe genau vor ihm und konnte mein Glück kaum fassen) und der Saal kochte und bebte.

 

Gully Boy ist inspiriert vom Leben der Indischen Streetrapper Divine and Naezy. Der Film Geschichte über das Erwachsenwerden und über den Weg eines Streetrapper aus den Dharavi slums von Mumbai zu einem Star .

Murad, mit dem späteren Rappernamen “Gully Boy”, was soviel heißt wie “Straßenjunge”, hat viel zu erzählen von seinem Leben, das so viele Schwierigkeiten beinhaltet. Er wohnt in einem muslimischen „Ghetto“, sein Vater bringt eine neue Frau mit nach Hause (Muslime können ja mehrere Ehefrauen haben), womit seine Mutter natürlich sehr schlecht zurecht kommt und er wird von seinem Vater gezwungen, dessen Job als Fahrer reicher Leute zu übernehmen. Neben dem Studium. Sie sind als Diener geboren und so wird es auch immer bleiben. Halte den Kopf gesenkt. Das sind die Dinge, die ihm sein Vater mitgibt fürs Leben. Als das Fass zum Überlaufen kommt, wird Murad seinem Vater gewaltig die Meinung zu dieser Einstellung sagen.

Wenn das Leben komfortabel wäre, würde niemand rappen, meint der Rapper MC Sher zu ihm, als er Murad etwas Mut geben will, seine Texte auch vor Publikum zu präsentieren. Und so begleiten wir ihn Schritt für Schritt auf dem Weg zu einem Star. Nebenbei werden ganz ganz viele Wahrheiten angesprochen und das macht den Film wahnsinnig emotional. Seine heimliche Freundin Safia, gespielt von Alia Bhatt fährt die Krallen aus, wenn es um ihren Murad geht. Keine andere Frau soll ihm zu nahe kommen, sonst gibt es Prügel. Richtig Prügel. Sie studiert Medizin. Als sie verheiratet werden soll, antwortet sie der möglichen Schwiegermutter auf die Frage, ob sie kochen kann: nicht so gut, aber ich kann Ihnen später eine Leber transplantieren. Bäm! In your face. Und es werden noch viele Gelegenheiten kommen in denen die Kinder ihren Eltern sagen, was sie davon halten, dass sie von ihnen in eine bestimmte Richtung gedrängt werden ohne Rücksicht auf ihre Leidenschaften und dem, wie sie sich ihre Zukunft vorstellen. Dass sie Dinge eben heimlich tun müssen, weil sie ihnen nie erlaubt würden, aber sie würden lieber die Wahrheit sagen. Es werden so unheimlich viele Themen angesprochen, manchmal vielleicht auch etwas zu viel, einfach weil es so viele Themen in der indischen Gesellschaft gibt, über die die Zuschauer nachdenken sollten. Am Ende ist der bis dahin absolut uneinsichtige Vater geläutert und der plötzliche Sinneswandel, nur weil der Sohn nun berühmt ist, kommt etwas plump. Aber das ist nicht so wichtig. Wichtig ist der Weg des Gully Boy. Seine Zeit ist gekommen. Er hat an sich geglaubt.

In Indien wird das Leben der Kinder durch die Eltern bestimmt. Was sie studieren sollen, wen sie heiraten sollen. Viele arrangieren sich damit. Wie sich viele Inder eben mit so vielen Dingen arrangieren, die eigentlich geändert werden sollten. Im Film wird deutlich, dass es nichts bringt, das vorgegebene Leben der Eltern zu leben, wenn man für etwas eine große Leidenschaft entwickelt und diese so fern ist von dem Leben, das man laut Gesellschaft leben soll. Wer mutig ist und viel wagt, wird am Ende belohnt. 

Ich bin absolut begeistert von Gully Boy. Ich hab bisher noch nie einen indischen Film gesehen, in dem Rap und Hip Hop wirklich gut rüber kamen. Das war meist mehr gewollt als gekonnt. Hier geht es richtig gut ab und Ranveer kann das! Es hat also lange gedauert bis zur indischen Kopie von 8Mile (ich mache Spaß;), aber hier kommt echt ein Kracher. 

Als ich dieses Jahr nach Mumbai reiste, machte ich auch eine Tour durch den Slum, wo der Film spielte. Es war atemberaubend, in den “Filmkulissen” dieses großartigen Films zu wandeln. Ein bisschen fühlte ich mich dabei ertappt, nun genau einer der Touristen im Film zu sein, die den Slum “so amazing” fanden und sogar das Elternhaus von Gully Boy als Sehenswürdigkeit herhalten musste. Wir wurden aber dann sogar noch zu Stars. Unsere Gastmutter wies jeden darauf hin, dass wir bei der Weltpremiere von Gully Boy in Berlin dabei waren und die Stars trafen. Jeder, der das hörte, hatte sofort ehrfürchtiges Leuchten in den Augen. Am Ende übergaben wir sogar noch Pokale bei einem Kricketspiel, weil wir die berühmten Gully Boy Zuschauer waren. Und ganz am Ende waren wir sogar diejenigen, die die Berlinale veranstalten. Incredible India. 

Der Film hat 13 Auszeichnungen bei den Filmfare Awards erhalten. Zurecht! Superrrrrhit!

EN

It all started with the press conference for the movie Gully Boy at the Hyatt hotel in Berlin in February. Suddenly there was an incredibly cold rain shower with gusts of wind as the cars carrying the stars Alia Bhatt and Ranveer Singh arrived. Exactly where we were standing the two got out of the car. I was so fascinated by Alia, who must have frozen to death because she was wearing a very airy dress. While staring at her I missed seeing Ranveer hugging everyone.

While we then waited in the very long queue in front of the Friedrichstadtpalast for the entrance to watch Gully Boy, a man behind us said that he had bought the tickets for this film without having an idea of what the film is about and was wondering about all the hustle and bustle. I would say, he was going to get the surprise of his cinema-life. He certainly will not forget this movie night. The audience was awesome. They roared and roared and rapped and cursed and were emotionally upset. That was a really great movie. In the end, Ranveer performed his grandiose rap (and I sat in the second row right in front of him and could hardly believe my luck) and the hall went wild.

Gully Boy is inspired  by the lives of Indian street rappers Divine and Naezy. The film is a coming-of-age story about an aspiring street rapper from the Dharavi slums of Mumbai.

Gully Boy, the boy from the street (as it is translated), who is actually named Murad, has a lot to tell about his life, which involves so many difficulties. He lives in a Muslim „ghetto“, his father brings a new wife home (because Muslims can have several wives), which of course his mother gets along with very badly, and he is forced by his father to take over the father’s job as a chaffeur while studying. “You were born a servant and that’s the way it always will be. Keep your head down.” This is the advice his father gives him for life. The straw that broke the camel’s back when Murad tells his father his opinion on this issue.

If life was comfortable, no one would rap, says rapper MC Sher to him, as he wants to give Murad some courage to present his lyrics in front of an audience. And so we accompany him step by step on the way to becoming a star. On his way to stardom you really feel as a spectator how he grows in his own way and how his path becomes clearer and clearer.

Incidentally, quite a lot of truths are addressed and that makes the movie extremely emotional. His secret girlfriend Safia, played by Alia Bhatt, is overly jealous when it comes to her Murad. No other woman should come too close to him, otherwise she will beat them up. She is studying medicine. And she knows what she wants and that does not always fit into the Indian social norms. Her parents want Safia to be married  and when the mother of the selected guy asks her whether she can cook, she answers: not so good, but I give you a liver transplant later on. A really In your face-answer. And there will be many more opportunities for the children to tell their parents what they think about them being pushed in a certain direction, regardless of their passions and how they imagine their future. They have to do things secretly, because they would never be allowed to do them openly, even though they would rather live their lives honestly. 

There are so many topics addressed, sometimes maybe too many, simply because there are so many topics in Indian society that viewers should think about. At the end of the film the continually unreasonable father experiences a sudden change of heart, just because his son has become famous. This change in the father’s personality is somewhat excessive. But this is not so important. Important is the path of the Gully Boy. His time has come. He believed in himself.

In India, the lives of children are determined by their parents. What you should study, whom you should marry. How many Indians have to accept things that actually should be changed? Many simply accept it. It becomes clear in the film that living a life predetermined life by your parents is not a good idea if you develop a passion for something that is so far away from the life you want to live. If you are brave and daring, you will be rewarded in the end.

I am absolutely thrilled by Gully Boy. I have never seen an Indian movie where rap and hip hop really came across well. The will was there, but the talent wasn’t. Ranveer was the best actor for this role. It took a long time for the Indian copy of 8Mile (just joking;) to be made.. 

When I traveled to Mumbai this year, I took a tour to the slum where the movie was set. It was breathtaking to walk on the film set of this great movie. But I caught myself feeling a bit guitly, since I felt a bit like the tourists shown in the film, who find the misery in the slum „so amazing“ and they even take tours through Gully Boy’s parental home, as if the people living there are just tourist features.

 


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: