Bollywoodelfe's Blog

Eine deutsche Sicht auf Bollywood, Indien , Pakistan

Rangoon – und was nun?

Also wenn ihr mal so einen richtig merkwürdigen indischen Film sehen wollt: da ist er! Rangoon ist allerdings nicht unbedingt merkwürdig gut…mehr so die Frage: ist das Kunst, oder kann das weg?

Ich habe schon das Gefühl, dass der Film einen künstlerischen Anspruch haben sollte, aber irgendwie ist bei mir der Funke so gar nicht übergesprungen…und ich bin eigentlich für alles offen.

Die Geschichte hinter dem Film ist eigentlich perfekt für eine dramatische Liebesgeschichte: 1944, der 2. Weltkrieg wütet. Indien steht kurz vor dem Befreiungsschlag aus der Britischen Kolonialherrschaft. Die Sängerin Miss Julia (Kangana Ranaut) soll den Soldaten an der Front mir ihren Auftritten etwas Lichtblick verschaffen. Der Mann, der Julia beschützen soll, kommt ihr näher, als er sollte. Krieg – Liebe und Verrat erwarten den Zuschauer.

Soweit so gut. Wenn da nicht zwischendurch so groteske Szenen wären. Die hässlichen Seiten des Krieges sind so realistisch dargestellt wie in den großen Hollywoodschinken Platoon oder Soldat James Ryan…wenn die Kamera hinterher wackelt, dass einem gleich schwindelig wird. Brutal, unmenschlich, die Wahrheit. Und dann plötzlich: Auftritt der Heldin Julia in Form eines 40er Jahre Hollywood-Broadway-Musical. Ähhhm. Wie bitte? Nein! Das passt einfach nicht zusammen. Diese einzelnen Genres für sich, ok, aber zusammen gemixt eher eine Katastrophe für den Zuschauer, der ständig zwischen groteskem Musical und Realität und Lovestory und dramatischem Unabhängigkeitskampf Indiens hin- und herschalten muss. Und dieser verdammte britische Offizier, der ein so abartiges Hindi spricht, dass einem die Ohren bluten…argh!

Das Drehbuch wurde von Matthew Robbins geschrieben, der auch schon an „7 Koon Maaf“ beteiligt war. Der auch einen sehr ungewöhnlichen Stil hatte, aber der war durchgehend und hat einfach gepasst. In Rangoon passt das alles irgendwie nicht zusammen. Was wollte man damit bezwecken? Dass die britische Besatzungsmacht nicht ganz so beschissen dasteht, weil man ja am Ende als Zuschauer gar nicht mehr weiß, war das jetzt ein Theaterstück oder Realität? Weil man mal wieder etwas außergewöhnliches wagen wollte? Lobenswertes Vorhaben…ist bei mir nur leider nicht angekommen.

Bitte melden, wenn jemand diesen Film in seiner künstlerischen Darbietung versteht. Ich kann das so nicht als „historisches“ Drama verstehen.

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Go Goa Gone – indische Zombedy

Auch dieses Jahr hatte das Fantasy Filmfest einen Beitrag aus Indien aufzubieten. Eine Mischung aus Zombie- und Comedy-Film, also ein Zombedy-Film. Und mit Saif Ali Khan diesmal auch ein großer indischer Star mit von der Partie. Klang lustig, neuartig, ich war gespannt.

Der Sprecher des Filmfestes begrüßte das Publikum mit den Worten: „Während andere Leute am Sonntag um 12 Uhr mittags brav in die Kirche gehen, seht ihr euch also einen Zombiefilm an.“  Ja genau…da fühlte ich mich mit Gleichgesinnten gut aufgehoben. Vor mir kam die Frage auf, ob es einen Knall gäbe, wenn sich Anti-Fan & Fan in diesem Film begegnen. Ich dachte mir, den Knall muss man schon haben, um hier zu sitzen. Die Anmerkung des Sprechers, dass dieser Film ohne große indische Musik- und Tanzeinlagen auskommt, wird vom Publikum mit einem ironischen „Ohhhhhhh“ kommentiert.

Der Ansager gab nun zu verstehen, dass es eine große Botschaft in diesem Film gibt, die ständig wiederholt werde, auch in der Intermission, also werde man sich die Intermission sparen und ohne Pause fortfahren. Die Botschaft kam dann auch prompt in Form einer Ansage vor dem Film von Saif Ali Khan, dass Rauchen & Alkohol & Drogen das Leben bedrohen und auch wenn sie es im Film die ganze Zeit tun, sollte man dies im realen Leben bloß nicht nachmachen. An diese Anti-Drogenwerbung vor Filmbeginn bin ich ja schon gewöhnt, aber das FantasyFilmfest-Publikum offensichtlich nicht und es gab großes Gelächter. Ebenso bei der Ankündigung des großen Werbepartners: Starring VW. Gelächter. Bei soviel Gelächter schon bevor der Film angefangen hat, hatte sich der Kinomittag doch schon gelohnt.

Nun zum Film. Eine Party auf einer einsamen Insel, organisiert von der Russenmafia…da klingt so vielversprechend, dass die drei Freunde Hardik (arbeitsloser Draufgänger), Luv (gerade von der Liebe gedisst) und Bunny (naiver Spender der Goa-Reise) unbedingt mitfeiern müssen. Also nichts wie hin mit einem Boot. Auf der Insel geht es auch schon richtig ab…fluoreszierende Pillen versprechen den besten Flash, aber für die Freunde viel zu teuer.  Und das ist auch gut so. Am nächsten Morgen haben sich nämlich die Pillenschlucker in Zombies verwandelt und die Freunde inklusive heißem Chick von der Party müssen sich irgendwie von der Insel retten.

Alles mit diesem Schuss indischem Humor, der mir leider immer etwas zu slapstickmäßig überdreht ist.

Aber, es gibt drei Dinge, für die es sich doch gelohnt hat, den Film zu sehen:

  1. Saif Ali Khan als Terminator-Boris ist wirklich zum schießen. Er versucht den Russen zu mimen und spricht mit russischem Akzent. Herrlich! Bunny enttarnt ihn dann allerdings schnell als Desi.
  2. Boris & sein muskulöser Begleiter kommunizieren zum Schutz vor den Zombies mit einer Zeichensprache. Da die anderen diese nicht verstehen, wird eine lustige Charade daraus.
  3. Hardik wird von einem Zombie-Girl verfolgt und diese Verfolgungsjagd wird mit einem Liebeslied untermalt

Ja, aus diesem Film kann man viel lernen: Hände weg von Drogen, sonst = Hirntot. Fühlt sich wie ein Lehrfilm an. Mit diesem typischen indischen Humor mit allerlei Erkenntnissen: Indien hat doch normalerweise nur Ghosts & Spirits. Wo kommen plötzlich die Zombies her? Globalisierung!

Nunja, ganz amüsant. Genug Blut gespritzt. Genug Munition verballert. Genug Botschaften rübergebracht. Ende? Teil 2 kommt bestimmt…

 http://erosnow.com/#!/movie/watch/1005076/go-goa-gone 

 

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