Bollywoodelfe's Blog

Eine deutsche Sicht auf Bollywood, Indien , Pakistan

Te3n – wer findet den Mörder

Teen, stylisiert zu Te3n (in Hindi bedeutet es die Zahl 3) war gestern der Eröffnungsfilm bei der IndoGerman Filmweek. Kein kunterbunter Quietsche-Bollywoodschmalz, sondern ein durchaus packender und düsterer Thriller nach koreanischer Filmvorlage mit der Starbesetzung Amitabh Bachchan, Nawazuddin Siddiqui und Vidya Balan. Es geht um das ernste Thema Kidnapping/Kindesentführung. Nach acht Jahren versucht der Großvater (Amitabh) immer noch täglich die Entführung und den damit verbundenen Tod seiner Enkelin aufzuklären. Der frühere Polizist (Nawazuddin), der mit dem Fall betraut war, ist inzwischen Priester geworden, wird aber vom Großvater immer wieder wegen des Falls bedrängt. Täglich fährt er zudem zur Polizeistation, um die dortigen Polizeiinspektorin (Vidya) immer wieder nach dem Fall zu fragen, der nie aufgeklärt werden konnte. Als dann plötzlich ein neuer Fall von Kindesentführung geschieht, der allerlei Parallelen zu dem von vor acht Jahren aufweist, machen sich alle drei intensiv auf die Suche.

Die drei Hauptdarsteller sind einfach großartig. Da kann man auch über kleine Ungereimtheiten und unlogischen Entwicklungen in der Geschichte hinweg sehen. Es ist sehr rührend mit anzusehen, mit welcher Sisyphos-Arbeit Amithab versucht, den Fall anhand  noch so kleinster Hinweise wie einem Stift nachzugehen oder riesige Listen mit Namen bearbeitet. Für ihn gibt es im Leben nur noch ein Ziel, dieses schwere Schicksal zu verarbeiten, indem er den Verbrecher seiner gerechten Strafe zuführt. Der Ausgang dieses Films ist tatsächlich ungewiss, man kann die Entwicklungen nicht wirklich voraussehen und es bleibt bis zum Schluss spannend. Amithab spielt den gebrochenen Großvater absolut realistisch und herzergreifend.

Also kein Film für unbeschwerte Stunden, in denen man sich nach bunter Unterhaltung ala Bollywood sehnt. Aber ein absolut qualitatives Filmereignis.

Heißt der Film eigentlich „3“, weil sich die 3 (Haupt)Personen mit dem Fall beschäftigen? So wirklich hinweisend darauf, um was es in diesem Film geht, finde ich den Filmtitel nicht.

Advertisements
Hinterlasse einen Kommentar »

Shaadi Ke Side Effects – Nebenwirkungen einer Ehe

Was würde Sid, der Ehemann im Film, über diesen sagen? Vielleicht:  Turbulente und herzerfrischende Komödie über den Alltag eines Ehelebens.

Sid hat nämlich Probleme damit, die Wahrheit zu sagen. In Wahrheit müsste er sagen: Der Film ist insbesondere in der zweiten Hälfte absolute Zeitverschwendung. Laaangweilig! Im 10-Minuten-Zeitraffer wärs vielleicht erträglich gewesen.

Gut, vielleicht bin ich mit meiner Aversion gegen die Institution Ehe nicht die Richtige, um über den Film neutral zu urteilen. Ich kann jedenfalls nur den Kopf darüber schütteln, dass ich meine Zeit mit diesem Film vergeudet habe. Wenn nicht die tollen Hauptdarsteller wären, würde ich den Film sogar als Körperverletzung ansehen, denn im Kino kann man schlecht vorspulen und ich habe bis zum Ende an den Kinosessel gefesselt darauf gewartet, dass der Film noch irgendwie zündet oder wenigstens eine noch so kleine lohnenswerte Lebensweisheit bietet. Ja schön, am Ende referiert Sid darüber, dass man sich in der Ehe immer die Wahrheit sagen muss, auch wenn das noch so anstrengend ist und Nerven kostet und Streit verursacht. Aber 3 Stunden, um zu dieser Ansicht zu kommen, sind verdammt nochmal viel zu laaaaaaaaaaang…weilig! Was die Mädels hinter mir auch lautstark zum Ausdruck brachten.

Sid und Trisha wollen eben nicht in den langweiligen Abgründen des Ehealltags verschwinden und treffen sich auch schon mal als Unbekannte beim Feiern, um die gewisse Würze aufrecht zu erhalten. Als Trisha dann ungeplant schwanger wird, weil Sid nicht auf die Verhütung geachtet hat (wtf?, wenn man dem Mann die Verhütung allein überlässt, ist ja wohl eine Schwangerschaft vorprogrammiert!) und sie sich erstmal gegen das Kind entscheiden, kommt aber in allerletzter Sekunde (Trisha sitzt schon auf dem Abtreibungs-OP-Tisch) doch noch Sids Entscheidung dafür, aus Angst vor einer hormonunterstützten Mehrlingsgeburt, falls die beiden es sich in späteren Jahren doch nochmal anders überlegen sollten mit dem Nachwuchs.

Und so kommt es, wie es kommen muss: Trisha verwandelt sich in eine „emotionale Irre“, die nichts Spannendes mehr zu erzählen und einzig das Kind im Kopf hat, ihren armen Mann vernachlässigt und nur noch praktische Dinge und Kleidung bevorzugt. Verwandlung von der coolen Karrierefrau zum Muttermonster. Sid kann ihr nichts recht machen, fühlt sich bald als überflüssigster Trottel der Welt, der nur gut genug zum Geld beschaffen ist. Vom coolen Supermann zum unfähigen Vater, der den fähigeren Nachbarn als Konkurrenten fürchten muss. Aber Sid guckt sich bald einen tollen Plan von seinem Schwager ab. Nimmt sich ab und zu ein Hotelzimmer, später eine WG, um dort Kraft zu tanken, sich mit Sehnsucht zu füllen und zumindest als hart arbeitender Geldbeschaffer Anerkennung zu bekommen. Dass dieses Geheimrezept-Konstrukt irgendwann auffliegen muss, ist klar. Es kommt, wie es kommen muss, Drama, Gegenlüge von Trishan, sie verzeihen sich, die Sonne geht auf, die Lösung allen Übels liegt klar auf der Hand: sagt euch die Wahrheit.

Ok, es gibt ein paar lustige Szenen, vielleicht werde ich den Humor einer indischen Komödie nie in seiner Gänze nachvollziehen können. Es ist schön zu sehen, dass eine nicht verhungerte, sondern mit sexy Rundungen ausgestattete Vidya Balan offensichtlich Spaß am Dreh mit Farhan Akhtar hatte, der wie immer eine super Figur, auch als etwas trotteliger Vater macht, aber sie können diesen langweilig dahinplätschernden Film leider nicht retten. Wenn der Film die langweilige Ehe symbolisieren soll, ist ihm das hinreichend gelungen.

Saket Chaudhary hätte sich den Nachfolgefilm von Pyaar Ke Side Effects sparen können. Er wird schnell vergessen sein.

Hinterlasse einen Kommentar »

IndoGerman Film Dinner zeigte „Kahaani“

Endlich habe ich es auch mal zum IndoGerman FilmDinner im Babylon geschafft. Heute lief der Thriller „Kahaani“ und anschließend gab es noch indisches Essen und eine Q&A-Runde mit Regisseur Sujoy Ghosh per Skype. Da indische Filme selbst im kulturell überladenen Berlin eher eine kleine, überschaubare Menge an Leuten anzieht, blieb alles in einem schon fast familiären Rahmen. Mit 10 Euro Eintritt eine sehr lohnenswerte Veranstaltung für Freunde des indischen Films.

Mehr als „eine schwangere Frau auf der Suche nach ihrem Ehemann“ sollte man als Beschreibung der Geschichte nicht verraten.

„Kahaani“ hat mir sehr gefallen und kann ich nur empfehlen. Nicht nur, weil Vidya Balan ihre Rolle ausgesprochen großartig spielt, eine Heldin wie man/frau sie sich nicht besser vorstellen könnte. Nicht nur, weil der schüchterne, zurückhaltende Polizist Parambrata Chattopadhyay mal so einen ganz anderen indischen Männertypen zeigt. Nicht nur, weil die Stadt Kolkatta dank der „Guerilla“-Filmtechnik absolut spannende Bilder bietet. Letztlich fand ich den Film auch vor allem deshalb so gut, weil es selten Filme gibt, die mich noch überraschen können, was den Ausgang der Geschichte betrifft und das war hier absolut der Fall. Ja, es gibt nicht viele Hinweise darauf, wie sich die Story entwickelt und das könnte einen durchaus auch etwas ungeduldig machen, aber das darf sich dieser Film durchaus leisten.

Sujoy Ghosh meinte im Skype-Interview, dass er die Wandlung einer Frau, wenn sie schwanger und zur Mutter wird, darstellen wollte. Das hätte ich nun hinsichtlich des Filmthemas am allerwenigsten vermutet, ist ihm aber in der Tat wunderbar gelungen, natürlich auch dank der überragenden Vidya.

http://www.kahaanithefilm.com/

Hinterlasse einen Kommentar »