Bollywoodelfe's Blog

Eine deutsche Sicht auf Bollywood, Indien , Pakistan

Court – gefangen in Absurdistan

- September 12, 2018

Wenn ihr mal sehen wollt, wie sich aus einer eigentlich an den Haaren herbei gezogene Anklage zu einem unendlichen Gerichtsverhandlungsmartyrium entwickelt, dann seid ihr hier richtig . Der Fall an sich ist zwar fiktiv, aber er könnte sich genauso zutragen und das ist wirklich erschreckend. Wenn ein Polizist dich im Gefängnis sehen will, dann wird er es schaffen, egal wie absurd die Anklagepunkte sind.

Narayan Kamble ist ein Poet, bekommt keine Rente und hält sich mit Unterricht und Gesangsauftritten über Wasser. Wir sehen am Anfang einen schönen Auftritt von ihm und seine Verhaftung. Die Anklage lautet: Beihilfe zum Selbstmord. Ein Kanalarbeiter ist tot aufgefunden worden. Die Polizei geht von Selbstmord aus. Zwei Tage nachdem Narayan Kamble einen Auftritt vor den Kanalarbeitern hatte und angeblich Lieder sang, die zum Selbstmord anstiften. Wir hören einen sehr ausführliche Anklageschrift, die vor Absurditäten nur so strotzt. Trotzdem will der Richter Narayan nicht auf Kaution frei lassen, er muss erstmal in Untersuchungshaft.

So gehen dann auch bald unendliche Prozesstage ins Land. Immer wieder wird der Prozess vertagt, weil irgend ein absurder Beweis geprüft werden muss. Da wurde z.B. ein Brief mit Belanglosigkeiten in der Wohnung des Angeklagten gefunden (Durchsuchung ohne Durchsuchungsbefehl) und weil der Polizist in diesen Belanglosigkeiten einen Geheimcode von Extremisten sieht, verschiebt sich der Prozess um eine weitere Unendlichkeit, weil der Geheimdienst erstmal diesen Geheimcode entziffern soll.

Zwischendurch sehen wir das Privatleben von Verteidiger und Anwältin. Was auch schon wieder absurd wirkt. Es hätte mich ja interessiert, wie es dem armen Angeklagten geht, etwas aus seinem Leben. Stattdessen sehen wir, wie sich der Verteidiger mit seinen Eltern beim gemeinsamen Essen über das Thema Heirat streiten muss und nach Feierabend diverse Spirituosen kauft. Oder die Anwältin der Anklage im Zug nach Hause sitzt und mit ihrer Sitznachbarin über diverse Alltagsthemen spricht. Ganz normale Menschen eben, die aber für den Ausgang dieses absurden Prozesses sehr entscheidend sind und den Fortgang eines Menschenleben entscheidend beeinflussen.

Der Verteidiger kann dann letztlich alle an den Haaren herbei gezogenen Anklagepunkte stichhaltig entkräften. Was aber nicht heißt, dass der arme Poet nicht ohne Strafe davon kommt und sein Martyrium ein Ende hat. Nein, da wartet die Anklage auch schon mit einer neuen Anklage auf und das Drama beginnt von vorne.

Unglaublich deprimierend, wie machtlos man gegen die Mühlen der ewig mahlenden Justiz sein kann. Aber filmisch sehr interessant dargestellt. Es ist jederzeit spannend, wie sich das Drama weiter und weiter zuspitzt. Absurd gut. Der Film wurde zurecht mit einigen Filmpreise ausgezeichnet.

Zu sehen bei Netflix: https://www.netflix.com/de-en/title/80017218


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