Bollywoodelfe's Blog

Eine deutsche Sicht auf Bollywood, Indien , Pakistan

Hindi Medium – Überleben in der Optimierungsgesellschaft

- April 1, 2018

Wie schon oft erwähnt: mit Irrfan Khan Filmen kann man nichts falsch machen. Dieser hier ist wirklich wunderbar unterhaltsam, weil er das Thema „wie erlange ich das Optimum für meinen Nachwuchs“ in seinen blütenhaftesten Absurditäten darstellt, wie es (auch in Deutschland) schon zu oft der Fall ist: hier wird mit allen Mitteln gekämpft, um den Kindern die besten Chancen zu geben. Denn allein die „richtige“ Schule wird später unabänderbaren Einfluss auf die Karrieremöglichkeiten des Kindes haben. Kommt es auf die „falsche“ Schule, wird das Kind ein trauriges Schicksal erleiden und in der Gosse landen. Irrfan Khan und Saba Qamar als Eltern möchten ihrer Tochter alles ermöglichen, sind aber weder besonders reich, um die Tochter auf eine teure Privatschule zu schicken, noch sind sie besonders arm, denn arme Familien bekommen eine Quote und haben auch eine Chance auf einen Platz in einer besseren Schule, die von Chinesisch bis Klavierunterricht alles bieten. Sie lassen sich nun von einer Beraterin in langen Sitzungen auf das Interview in ihrer Lieblingsschule vorbereiten. Leider fällt der Vater dann beim Interview durch und ihre Tochter wird somit weder auf dieser, noch auf anderen guten Schulen angenommen, wo die Kinder den ganzen Tag auf außergewöhnliche Leistungen getrimmt werden. In ihrer Verzweiflung lassen sie sich dazu hinreißen, so zu tun, als wären sie so arm, dass sie wenigstens über die Armenquote in die Schule kommen können. Dafür ziehen sie aus ihrer Mittelklasse-Gegend in ein Armenviertel und versuchen den Kontrolleur davon zu überzeugen, wirklich arm zu sein. Man kann sich vorstellen, wie lustig allein diese Szenen sind. Natürlich verläuft das alles nicht nach Plan…und am Ende sind sie geläutert und finanzieren eine dieser „schlechten“ Schulen, damit aus der Schule eine wird, die ihrer Tochter ebenso gute Möglichkeiten bietet wie jede andere Schule.

Das Traurige ist, dass hier wirklich alles auf realen Bedingungen beruht, denen sich Eltern heutzutage gegenüber sehen. Man muss fast seine Seele verkaufen, um gewisse Bedingungen zu erfüllen. Man muss am besten schon Entscheidungen treffen, wenn das Kind noch gar nicht geboren ist. Wenn das Kind nicht schon mit dem ersten Lebensjahr mehrere Sprachen spricht, wie soll es da jemals mit dem großen Konkurrenzdruck zwischen all den Supertalenten zurecht kommen. Aber diese traurige Wahrheit wird in dem Film mit einem so wunderbaren Humor begleitet, dass man wirklich sehr gut darüber lachen kann, wie abartig diese Optimierungsgesellschaft funktioniert.  Großartig!


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