Bollywoodelfe's Blog

Eine deutsche Sicht auf Bollywood, Indien , Pakistan

Drum prüfe, wer sich ewig bindet…

Ravi V. Patel nimmt uns hier persönlich und live mit auf seine große Suche nach einer Frau, die er heiraten kann, um dem Wunsch seiner Eltern nachzukommen, die ganz genaue Vorstellungen davon haben, wie man die indische Tradition auch im Ausland fort führen sollte. Sein Vater wanderte damals in die USA aus und Ravi ist dort aufgewachsen und nun zwiegespalten. Er steht unter so einem emotionalen Druck, dem Wunsch seiner Eltern nach traditionellen Heirat mit einer Inderin nachzukommen, dass er den schwerwiegenden Fehler begeht, sich von seiner 2jährigen Beziehung zu trennen, die er bis dahin vor seinen Eltern verheimlichte, da diese Amerikanerin ist. Nun ist er frei für die Suche nach einer indischen Ehe. Oder doch nicht?

Die Eltern wissen, was sie zu tun haben. Sie sind verantwortlich dafür, ihm eine Braut auszusuchen. Hunderte Biodaten von heiratswilligen Inderinnen werden eingesammelt, ausgewertet und aussortiert. Hier gibt es viele Möglichkeiten, diesen wahnsinnigen Heiratsvermittlungsmarkt auf die Schippe zu nehmen. Immer sehr humorvoll, aber wir wissen genau, wie durchaus diskriminierend dieser Heiratsmarkt sein kann. Bloss nicht zu dunkle Haut haben, dann ist man schon raus. Und nicht nur die Bildung der zukünftigen Frau zählt, sondern auch die Bildung der Eltern, Leidenschaften, Haustiere, und einfach jede verfügbare Information werden hier in die Waagschale geworfen.

Ravi ist wirklich sehr geduldig, sein Bestes zu geben. Er meldet sich bei indischen Partnerbörsen an, trifft unendliche viele Frauen, fährt quer durchs Land. Aber keine scheint ihm zu gefallen und anders herum. Die Eltern sind verzweifelt und meinen, er strengt sich nicht wirklich an. Irgendwann wird es Ravi dann aber doch zuviel, denn bei der sehr intensiven Suche nach der Richtigen ist ihm zum Glück endlich ein Licht aufgegangen. Die Richtige war immer da. Dies muss er nun seinen Eltern beichten.

Es ist wirklich super unterhaltsam, diesen unglaublich erdrückenden Weg dokumentarisch mit Ravi zu gehen. Seine Schwester Geeta filmt das Ganze und so hat man schnell das Gefühl, dass man Teil dieser Familie ist. Alle sehr sympathisch, aber der Druck der Heirat schwebt über allem wie das Damoklesschwert. Für die Eltern ist der Druck gegenüber ihrer indischen Herkunft und Gesellschaft genauso groß, so dass Ravis Vater ihm letztlich sogar vorwirft, er würde ihn für einen Versager halten, wenn er Single bleibt. Am Ende aber müssen sie einsehen, dass es keinen Sinn macht, eine Tradition aufrecht zu erhalten, die ihren Sohn nicht weiter bringt und nicht glücklich macht.

Filmisch sehr clever gemacht: wenn es etwas ernster wird und die Beteiligten dies nicht unbedingt vor der Kamera austragen möchten, wird Zeichentrick angewendet. So bleibt alles im Rahmen, mit dem alle gut leben können. Eine sehr humorvolle Kritik an einer Tradition, die kaum in Frage gestellt wird. Hat mir Spaß gemacht, mit Ravi auf diese beschwerliche Reise vieler Erkenntnisse zu gehen. Auch wenn es natürlich sehr deprimierend für ihn ist, wird es immer mit genügend Augenzwinkern dargestellt. Ravis Vater hat auch ein paar schlaue Weisheiten aus seiner 35jährigen Ehe parat. Lohnt sich 🙂

https://www.meetthepatelsfilm.com/

Gesehen  bei Netflix: https://www.netflix.com/de/title/80005321 

Advertisements
Hinterlasse einen Kommentar »

The Big Sick – Love isn’t easy

Der mit seinen Eltern aus Pakistan in die USA eingewanderte Kumail hat sich in Emily verliebt, verschweigt das aber vor seinen Eltern, die von ihm erwarten, dass er gefälligst eine Pakistanerin heiratet. Als Emily erfährt, dass sie verheimlicht wird und Kumail von seiner Mutter ständig „plötzlich hereingeschneite“ junge Damen als potenzielle Ehefrauen vorgestellt bekommt, macht sie wütend mit ihm Schluss. Kurz darauf fällt sie ins Koma und Kumail wird nun mit ihren Eltern konfrontiert.

Wie sagt Emilys Vater so schön: „Love isn’t easy. That’s why they call it love.“

loveisnteasy

In diesem Fall sind die Umstände wirklich verdammt hart. Aber so herzlich und intelligent verpackt, dass einem warm ums Herz wird. Und wie so oft hat das wahre Leben uns hier eine herzergreifende Geschichte geschrieben, die sich zwar erdrückend tragisch, dramatisch, ja geradezu katastrophal darstellt (man kann sich zwischenzeitlich kaum vorstellen, dass das noch gut enden kann), aber mit so einem feinsinnigen Humor ausgestattet ist, dass einem das Lachen eben nicht vergeht. Im Gegenteil. Dank der grandiosen Figuren und Situationskomik kann man jederzeit herzhaft lachen. Nicht nur über Dinge, über die man eigentlich keine Witze machen darf. Aber genauso reicht es auch, wenn Kumail seinen einzigartigen Blick aufsetzt, der schon allein so viel Witz widerspiegelt, dass man gar nicht anders kann, als unvermittelt mit schmunzeln. Oder die Wortgefechte, die er sich mit Emily liefert. Während sie behauptet, dass sie eine Beziehung im Moment so gar nicht gebrauchen kann und er daraufhin seine berühmte 2-Tage-Regel zum Besten gibt, nach der er nicht länger als 2 Tage mit einer Person zusammen sein kann. So ernsthaft wie möglich von beiden klar gestellt, doch weiß man als Zuschauer schon genau, das können und wollen sie doch nicht ernst meinen. Das Risiko für Kumail, dass sich hier eine Beziehung entwickeln könnte, ist als westlicher Zuschauer wahrscheinlich nicht im Ansatz nachzufühlen. Sein Cousin wurde schon aus der Familie verbannt, weil er eine „Weiße“ geheiratet hat. Ich selber kenne persönlich einen Fall, in dem der (indische) Mann durch die Familie so unter Druck stand, dass er sich zwangsweise mit einer Inderin verheiraten ließ, obwohl er einen Monat zuvor seine hochschwangere „weiße“ Freundin geheiratet hatte. Es gibt natürlich auch genauso Fälle, in denen die hier lebenden Familien so offen für alles sind, dass man nur staunen kann. Aber bei Kumails Familie dreht sich alle darum, die pakistanischen Wurzeln aufrecht zu erhalten. Gefühlt bekommt Kumail täglich eine neue Braut vorgestellt. Wie groß muss der Druck für diese armen Frauen sein, wenn ihnen ständig damit gedroht wird, sie würden als Äpfel mit braunen Stellen in der Kiste ganz unten landen, wenn sie nicht bald heiraten. Unverheiratet zu sein ist absolut inakzeptabel. Das andere Problem, mit dem Kumail fast täglich konfrontiert wird: mit pakistanischer Herkunft ist man potenzieller Attentäter. Was habe ich gelacht, als Emilys Vater schon immer mit so jemandem…also…einem Menschen…über den 11. September reden wollte. Kumails witzigste Antwort ever auf diese Frage, wie es für ihn war, habe ich gefeiert. Ehrlich. Dafür liebe ich diesen Film und hätte am liebsten eine ganze Serie davon.

Fazit: Zauberhaft! Die Darsteller, die Geschichte, die Situationskomik, der humoristische Umgang mit Vorurteilen, die Überreaktionen im Eifer des Gefechts, die Streitereien, die Darstellung kultureller Problematiken…alles einfach zauberhaft! Familientauglicher Film für die Weihnachtszeit.

http://www.thebigsickmovie.com

2 Kommentare »

Qarib Qarib Singlle – Bereit für eine neue Liebe?

Mit einem Irrfan Khan Film ist es, wie es ist: man kann nichts falsch machen. Es geht immer direkt ins Herz, wie spielfreudig er seine Rollen zelebriert. Bei Shahrukh Khan hätte es wahrscheinlich wieder große Diskussionen darum gegeben, dass er in seinem Alter doch bitte keine Romanzen mehr mit allzu jungen Damen auf der Leinwand darstellen sollte. Bei Irrfan muss man sich darüber keinen Kopf machen. Trotz fortgeschrittenen Alters steht ihm auch eine jugendliche Leinwandpartnerin sehr gut. Und Flirten kann Irrfan ganz meisterhaft! In diesem Fall muss man sich wohl eher an seine merkwürdige Erscheinung mit Lockenköpfchen, Schweißband und Jogginghose gewöhnen. Wenn dies gelungen ist, kann man sich ganz und gar auf eine außerordentlich charmante und unaufgeregte Romanze einlassen. Unaufgeregt im Sinne von: lassen wir mal den typischen Bollywoodtrubel weg. Wir sehen z.B. das ganz einfache Indien, Orte abseits der üblichen Touristenspots. Der Fokus liegt ganz allein auf dem redefreudigen Poeten Yogi und der jungen Witwe Jaya (Irrfan und Parvathy), die sich über ein Datingportal kennen lernen. Sie machen sich schließlich gemeinsam auf den Weg, ihren verflossenen Lieben noch einmal zu begegnen und diese Beziehungen aufzuarbeiten, damit sie wirklich bereit für eine neue Beziehung sind. Auf dieser Reise lernen sie natürlich viel über sich selbst und es ist sehr unterhaltsam, ihnen dabei zu zuschauen. Der quirlige Yogi, der schon mal den Flug oder den Zug verpasst, es ihm aber zu keiner Zeit die gute Laune verdirbt und die seriöse, ernsthafte Jaya, die mit diesen ungeliebten Überraschungsmomenten erst einmal zurecht kommen muss. Es ist zwar etwas zweifelhaft, wieso Jaya diese Reise mit einem Mann unternimmt, der sie ständig zur Weißglut bringt. Wiederum gut nachvollziehbar ist es, dass Irrfan einen derart um den Finger wickelt.
Das Schöne an dem Film ist: er prügelt nicht so manipulativ aufs Herz ein, wie es sonst Bollywoodfilme gerne wollen. Er schafft es auf eine ganz leichte und frische Art, dass man sich mit der Geschichte der Figuren anfrreunden kann ohne großes Tamtam. Das ist auch mal ganz schön. Man muss ja nicht immer gleich mit dem Gefühlshammer draufhauen.

Zu sehen bei Netflix: https://www.netflix.com/title/81016192

Hinterlasse einen Kommentar »