Bollywoodelfe's Blog

Eine deutsche Sicht auf Bollywood, Indien , Pakistan

Mogul Mowgli – Wer bin ich?

- Februar 22, 2020

Ein Filmemacher und ein Rapper machen quasi einen Film für sich selbst, der ihnen bei der Suche nach ihrer Identität helfen soll. Rapper Riz Ahmed „Riz MC“ spielt im Film den Rapper Zaheer, Sohn pakistanischer Eltern, aufgewachsen in Großbritannien. Zaheer möchte gern nur Zed genannt werden, er lebt schließlich nicht in Pakistan, und hat auf dem Weg seiner Karriere selten Zeit für seine Eltern. Bis ihn eine sehr schwere Autoimmun-Krankheit dazu zwingt, dass sich alle wieder näher kommen. Schnell wird klar, dass er die bevorstehenden Tour nicht antreten kann. Er soll auf der Tour durch Rapper RPG ersetzt werden, der Songs wie „Pussy Fried Chicken“ performt und Zed ist nicht sehr begeistert, hat aber keine Wahl. Am Ende performt RPG sogar Zeds neuesten Song „Toba Tek Singh“. „Toba Tek Singh“ ist eine Kurzgeschichte von „Manto“ über die von den Briten bestimmte Teilung Indiens in Indien und Pakistan, die unendlich viel Leid verursachte.

Während Zed mit der Krankheit kämpft, schwirrt ständig der Geist der Vergangenheit um ihn herum in Form eines Mannes, der den traditionellen Blumenkopfschmuck eines Bräutigams in Indien trägt. Wenn man sich mit sich selbst beschäftigt, kann man nicht außen vorlassen, woher man stammt. Es begleitet einen immer mit. Dies in Form einer solchen Gestalt zu visualisieren, finde ich eine recht geniale filmische Umsetzung. Riz Ahmed meint, wir sind keine Individuen. Wir sind immer Teil einer Familie. Sie gehört zu dem, wer wir sind.

Der Film zeigt wunderbar deutlich die Zerissenheit zwischen dem Leben in Großbritannien und dem Erbe des zurückliegenden Lebens in Indien/Pakistan. Das Mogulreich auf dem indischen Subkontinent war einst ein riesiges Reich. Heutzutage fühlt man sich als Mowgli zwischen den Welten, nicht genau wissend, wohin man wirklich gehört. Wird man so zerrissen jemals bei sich ankommen können?

Der schwarze Humor kommt in diesem Film nicht zu kurz, besonders an dem Punkt, als Zed sein Sperma einfrieren soll, das bei der Therapie geschädigt werden könnte. Natürlich ist einem nicht wirklich zum Lachen zumute, denn Riz Ahmed spielt alles so fucking überzeugend. Am Ende fühlte ich mich fast selbst krank. Es kein Gute-Laune-Film. Aber auch keiner, der einen herunter zieht. Da hat sich einfach nur jemand berechtigterweise die Frage gestellt, wer man eigentlich ist. Und überzeugend filmisch bebildert.

Regisseur Bassam Tariq meinte, eine Filmcrew wie ihre sieht man wohl selten im europäischen Filmbusiness. Leider ja. Ich find es toll. Ich mag die Durchmischung von Kulturen. Und die Auseinandersetzung mit diesem Thema. Und dass Rap dabei helfen kann, seine Gefühle auszudrücken, hatte ja schon „Gullyboy“ hervorragend gezeigt.

EN

A filmmaker and a rapper basically made a film for themselves to help them find their identity. Rapper Riz Ahmed “Riz MC” plays the rapper Zaheer, son of Pakistani parents, who grew up in Great Britain. Zaheer would just like to be called Zed, after all, he doesn’t live in Pakistan, and rarely has time for his parents alongside of his career. Then a very serious autoimmune disease forces him to get closer with his parents again. It quickly becomes clear that he cannot do the upcoming tour because his disease is too serious. He is to be replaced on the tour by rapper RPG, who performs songs like „Pussy Fried Chicken“ and Zed is not very enthusiastic about this, but has no choice. In the end, RPG even performs Zed’s latest song „Toba Tek Singh“. „Toba Tek Singh“ is a short story from the Indian poet „Manto“ about the division of India into India and Pakistan, which was determined by the British, and which has caused infinite suffering.

While Zed struggles with his disease, the spirit of the past buzzes around him in the form of a man wearing the traditional flower headdress of a groom in India. When you take a closer look at yourself, you cannot ignore where you come from. It always accompanies you. Visualizing this in the form of such a shape is a very ingenious film implementation. Riz Ahmed says we are not individuals. We are always part of a family. We are who we are because of them.

The film wonderfully shows the conflict between life in Great Britain and the legacy of the past life in India / Pakistan. The Mughal Empire on the Indian subcontinent was once a huge empire. Nowadays you feel like a Mowgli from the jungle between two worlds, not knowing exactly where you really belong. Would you ever be able to find yourself like this?

Black humor is not missing from this film, especially at the point when Zed is supposed to freeze his sperm, which could be damaged during therapy. Of course you don’t really laugh, because Riz Ahmed plays everything so damned convincingly. In the end, I almost felt as if his illness was my own. It’s not a feel-good movie. But also no film which puts you in a bad mood. Someone justifiably asks himself who he really is. And the film convincingly illustrates this.

Director Bassam Tariq said that a film crew like theirs is rarely seen in the European film business. That is unfortunately true. However, I think what they are doing as filmmakers is great. I like mixing cultures and movies dealing with this topic. „Gullyboy“ has already shown that rap can help express feelings.

 


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