Bollywoodelfe's Blog

Eine deutsche Sicht auf Bollywood, Indien , Pakistan

Where to, Miss? Eine indische Taxifahrerin erkämpft sich ihren Weg

Dieser Dokumentarfilm ist ein wahrer Goldschatz, denn er zeigt die unterdrückten Frauen in Indien nicht als Opfer, sondern als Heldinnen, die versuchen keine Angst zu zeigen, um Vorbild zu sein und die ihren Traum eines selbstbestimmten Lebens mit aller Kraft verfolgen und das ist verdammt nochmal ziemlich beeindruckend!

Nachdem die Gruppenvergewaltigung 2012 in Delhi für weltweites Entsetzen sorgte, gründeten sich einige Organisationen, darunter auch „Women on Wheels“ von der Azad Foundation. Hier fahren Frauen Taxis, damit Frauen sicher durch Delhi fahren können. Das Großartige daran: Hier lernen die Frauen nicht nur Taxi fahren, sondern auch Englisch, Selbstverteidigung und Gender Studies.

Der größte Wunsch der Hauptdarstellerin Devki ist es, eine solche Taxifahrerin zu werden. Devki fällt schon vom Äußeren her aus dem Rahmen. Mit Jeans und Hemd ist sie für eine Frau ungewöhnlich leger in Delhi unterwegs. Und auch ihr Wunsch zu arbeiten, und das auch noch als Taxifahrerin, ist für eine Frau ihres Standes ungewöhnlich. Von ihrem Vater bekommt sie für diesen Wunsch erst einmal eine Tracht Prügel. Aber nichts hält sie davon ab, für ihren Traum zu kämpfen. Auch als sie ihren (zweiten) Mann kennen lernt (vom ersten hatte sie sich aus guten Gründen getrennt) und dieser wie auch der Schwiegervater nicht möchte, dass sie diesen Job verrichtet, setzt sie alles daran, trotzdem zu fahren. Devki möchte sie selbst sein…nicht nur die Tochter ihres Vaters, die Frau ihres Mannes, die Mutter ihres Sohnes. Sie, Devki, möchte Taxifahrerin sein.

Und auch wenn ihr Weg dorthin natürlich mit vielen beschwerlichen Momenten gepflastert ist, ist man als Zuschauer so hinein gezogen, dass man unheimlich stolz auf Devki ist, als wäre man mit ihr in dieser kurzen Zeit sehr gut bekannt. Alle vor der Kamera sind so natürlich und ich habe mich in vielem an meine Indienreise erinnert gefühlt. Die Kameraführung, die Musik, die Menschen…irgendwie wurde hier alles richtig gemacht.

Nachdem Regisseurin Manuela Bastian 2011 für den Dokumentarfilm „Kampf in Pink“ das Drehbuch schrieb (gekleidet in pinke Saris kämpfen die Frauen der Gulabi Gang notfalls auch mit Stöcken gegen Ungerechtigkeit), war dieser Dokumentarfilm ein weiteres Projekt, welches starke Frauen in Indien porträtiert. Über drei Jahre gingen die Dreharbeiten, oft musste Devki erst wieder mühsam aufgespürt werden, da sie immer wieder umgezogen war und die Handynummern wechselte. Das Festhalten an Devkis Geschichte hat sich in jeder Hinsicht gelohnt. Sehr sehenswert und Mut machend!

Der Film läuft ab 19.1. im Kino (leider nicht in allen Städten). Also wenn er in eurer Stadt läuft, anschauen! http://wfilm.de/where-to-miss/kinotermine/

P.S. wirklich toller Soundtrack!

 

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Die Zeit der Frauen – wer braucht schon Machos?

„Ihr werdet schon sehen, was ihr davon habt. Wie wollt ihr ohne Mann allein zurecht kommen?“ ruft der wütende Sohn, als die Mutter ihn aus dem Haus wirft, nachdem er ihr Erspartes für Alkohol und Prostituierte gestohlen und seine Frau verprügelt hat, die ihn dafür zur Rede stellte. SO VIEL BESSER, DU ARSCH!!! möchte man ihm am liebsten entgegen rufen, denn wenn man sich die Schicksale der vier Frauen anschaut, die in diesem Film so farbenprächtig beleuchtet werden, machen ihnen die Männer das Leben so unendlich schwer, dass sie ohne ihre Männer so viel besser leben könnten.

Dieser Film lässt kein einziges gutes Haar an den Männern dieser Dorfgemeinschaft. Faule, nichtsnutzige Trunkenbolde, die ihre Frauen schlagen und sie als reine Sexobjekte ansehen. Was in ländlichen Gegenden sicher auch noch sehr oft der Fall ist und jeder schlagende und vergewaltigende Mann ist ein schlagender Mann zuviel. Aber so viele Frauen haben dieses Schicksal ja stoisch ertragen und weiter an ihre Töchter gegeben und behandeln ihre Schwiegertöchter so grausam, als würden sie dadurch Vergeltung erlangen wollen für die quälenden Jahre der Erniedrigung. Sie müssten es doch so viel besser wissen. Immerhin schaffen es die vier Frauen zu einem Happy End in dem Film, so dass man die wütende Stimmung verarbeiten kann. Warum sollte man nicht auch mal so absolut schonungslos mit der daueralkoholisierten, agressiven, nichtsnutzigen, sexisitischen Männerwelt abrechnen dürfen. Es gibt ja zum Glück auch noch die gebildeten, warmherzigen, liebevollen, witzigen, treusorgenden Männer. Die kommen in dem Film zwar nur am Rande vor und werden dafür von den Idioten halb tot geprügelt…aber ja, es gibt sie.

Der Film ist auf jeden Fall sehenswert: man verbringt einen Abend mit vier tollen Frauen und ihren Lebensdramen, durch die sie keineswegs ihren Humor verlieren. Selbst ein vibrierendes Handy kann so viel schönes Gelächter hervor rufen. Das alles gespickt mit den wunderschönen Farben Rajasthans und bollywoodesken Tanzsenen. Sozialkritisches Kino auf sehr unterhaltsame Art.

Wie immer empfehlenswert in der OmU-Version, z.B. in den Hackeschen Höfen Berlin

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