Bollywoodelfe's Blog

Eine deutsche Sicht auf Bollywood, Indien , Pakistan

No toilet, no bride

- Oktober 2, 2018

Vielleicht kennt ihr den Freitagswitz: „Wo befindet sich beim Inder die Toilette? Am Ende des Ganges“.

Das Toilettendilemma in Indien ist in der Realität natürlich nicht witzig. Es gibt mehr Handys als Toiletten, wer als Reisender eine öffentliche Toilette sucht, muss lange suchen. Besonders in dörflichen Gegenden, in denen noch ein Ältestenrat Regeln für das Dorf aufstellt, werden gern aus Tradition die Dinge immer noch so gemacht, wie sie schon immer waren. Weil in einem Sanskrit-Heiligtum geschrieben steht, dass man sein Geschäft fern von Haus und Hof machen sollte (was zu der Zeit, als das Werk entstand, sicher auch ratsam war), wird dies immer noch so praktiziert, obwohl die Möglichkeiten auf ein modernes Toilettensystem durchaus vom Staat gefördert werden. Stattdessen müssen die Frauen nachts auf das Feld, um ihre Notdurft zu verrichten und werden so ein leichtes Opfer für Vergewaltigungen. Die Frauen selbst ändern aber nichts an ihrer Situation, sondern ordnen sich wie so oft (gezwungenermaßen) den Männern unter.

Die im Film dargestellten Situationen sind genauso geschehen. Frauen, die nachts aufs Feld müssen, werden leichter Opfer von Vergewaltigungen und es gibt auch die Geschichte von der Braut, die ihren Ehemann verließ, weil er keine Toilette im Haus hatte. Immer mehr Frauen weigerten sich in den letzten Jahren einen Mann zu heiraten, der keine Toilette vorweisen konnte getreu dem Motto „No toilet, no bride“.

In diesem Artikel ist das Toilettendilemma in Indien sehr schön zusammengefasst:

https://www.zeit.de/2015/20/hygiene-indien-toiletten-mangel/komplettansicht

Der bollywoodreife Stoff wurde nun sehr unterhaltsam mit „Toilet“ verfilmt und wird hoffentlich auch viele Menschen in Indien erreichen und zum Nachdenken bringen, die das Thema lieber nicht öffentlich besprechen wollen. Akshay Kumar kann den Konflikt zwischen den fast religiös fanatischen Ansichten seines Vaters gegenüber neuen Lebensweisen sehr gut nachvollziehbar darstellen. Nicht nur, dass er sich wegen seines schlechten Horoskopes schon mit einer Kuh verheiraten musste…eine Braut mit zwei Daumen zu finden wäre ohne einen Trick nicht gelungen. Ein Vater mit solch unabweichbaren traditionellen Vorstellungen vom Leben einer Frau in seinem Hause in Einklang mit seiner gebildeten modernen Frau zu bringen, war fast unmöglich. Dass der Film letztlich doch noch eine gute Wendung nehmen kann, scheint mit diesen verhärteten Fronten kaum zu glauben.

Zu sehen bei Netflix: https://www.netflix.com/de/title/80199962


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