Bollywoodelfe's Blog

Eine deutsche Sicht auf Bollywood, Indien , Pakistan

Highway – eine Reise ins Ich

- Februar 16, 2014

Die Filmbeschreibung las sich so locker und leicht: Die Tochter eines wohlhabenden Mannes wird aus Versehen, kurz vor ihrer Hochzeit, bei einem Überfall entführt. Die Entführer haben gar keinen Plan, was sie mit der wertvollen Beute machen sollen und wollen sie erst einmal möglichst weit von Delhi wegschaffen. Damit beginnt der Roadmovie, in dessen Verlauf sich Veera und der Verbrecher Mahabir näher kommen. „ein moderner Bollywood-Film mit opulenten Bildern, up-and-coming Stars und einem grandiosen Soundtrack von A. R. Rahman.“ (Berlinale-Beschreibung„)

Haaaaaaaaaa! Was da auf einen zukommt, ist nicht einfach nur ein netter Roadmovie mit tollen Bildern, es wird einem verdammt nochmal das Herz zerreißen, weil da noch ein ganz anderes Thema aufkommt, das ungeheuer schwer wiegt. Nach „Monsoon Wedding“ einer der wenigen Filme über sexuellen Missbrauch, der meiner Meinung nach mindestens ebenso erfolgreich sein wird.

Ich muss immer wieder den Kopf schütteln, weil alles so unrealistisch und nicht wirklich ernst zu nehmen anfängt. Die entführte Veera findet plötzlich Gefallen an ihrer Entführung und ihren Entführer eigentlich ganz niedlich, und der räumt ihr mit der Zeit auch immer mehr Freiheiten ein. Na klar, ein Verbrecher, der sonst mordet und ziemlich verbittert ist, wird irgendwann nett zu seinem Opfer. Das ist der übliche Bollywood-Fantasie-Teil. Bei einer Polizeikontrolle hätte Veera die Chance, entdeckt zu werden und nach Hause zurückzukehren. Sie aber versteckt sich und bliebt unentdeckt, weil sie einfach nicht dahin zurück will. In das Gefängnis aus guten Manieren, Verhaltensregeln und…dem Leid, das sie als Kind in ihrem Elternhaus ertragen musste. Als ihr Onkel sie missbrauchte.  Absolut nachvollziehbar…aber wie passt das jetzt in diesen Film und was bitte soll jetzt aus diesem Roadmovie werden? Weiter gehts mit dem Truck durch tolle indische Landschaften, es wird immer heiterer und beschwingter, Veera genießt anscheinend zum ersten Mal ihr Leben und es macht soviel Spaß, ihr dabei zuzuschauen, dass man am liebsten ewig dabei sein möchte, einfach weiterfahren, nie wieder zurückkehren und nirgendwo ankommen müssen. Wunderschön! Mahabir traut sich nicht, die Liebe von Veera anzunehmen, er hat sie schließlich nicht verdient und bricht fast zusammen, als sie kleine Familie in einer Hütte am Rande des Kashmir-Gebirges spielen. Aber wie es so kommen muss, irgendwann ist Schluss mit Lustig, die Polizei findet die beiden, Verbrecher tot, Veera muss nach Hause. Als sie dort aber einfach so weitermachen soll,  wie geplant, heiraten, gute Miene machen, sich „normal“ verhalten, da brechen all die Jahre des Schweigens aus ihr heraus und sie räumt ordentlich auf mit diesem Geflecht aus Schweigen und Verhaltensregeln. Und dieser Schrei der Befreiung geht so unglaublich in Mark und Bein, dass man aus diesem Film auf jeden Fall verwundet herausgeht. Aber er ist trotz des ergreifenden Themas so wunderschön unterhaltsam gemacht, dass man aus einem Mix aller Emotionen nachhaltig beeindruckt entlassen wird. Ich hätte nie gedacht, dass man sich dem Thema auf diese Art und Weise nähern kann. Einfach überraschend genial und anregend zum wiederholten Sehen. Ich frage mich, ob man das tatsächlich so gut schauspielern kann, oder ob da eigene Erfahrungen eine Rolle spielen. Eine wahnsinnige Leistung von Jungschauspielerin Alia Bhatt, oscarreif! Dieser Film ist auf jeden Fall sehr empfehlenswert!

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