Bollywoodelfe's Blog

Eine deutsche Sicht auf Bollywood, Indien , Pakistan

„Mitternachtskinder“ – angenehm leichte Verfilmung

- April 5, 2013

Die Verfilmung von Salman Rushdies Roman „Mitternachtskinder“ zeigt sich etwas widerspenstig. Zum einen wegen der ungewöhnlich schwierigen Informationssituation zum Kinoprogramm. Am Starttag des Films wurde er nur in einem Kino in Berlin gezeigt, die Woche darauf auch nur in sehr wenigen weiteren Kinos. Und nur in einem wurde die Originalversion gezeigt. Es schien, als scheue sich der Film, gezeigt zu werden. Zum anderen waren die bis dahin veröffentlichen Kritiken alles andere einladend, diesen Film zu sehen, sondern durchaus abschreckend:

„Weder die Literatur noch das Kino haben mit dieser Verfilmung etwas gewonnen“ (http://www.taz.de/!113602/)
„Mitternachts¬kinder ist somit eine kleine Enttäuschung: Ein gefälliger in der Machart sehr verwestlicher Blick auf Indien, ein Film, der nicht stört, nicht weiter anstößig ist, aber auch nicht wirklich fesselt. „ (http://www.artechock.de/film/text/kritik/m/mitter.htm)
„Unter der Perfektion der schillernden Oberfläche hat kein Geheimnis mehr Platz, da ist kein Raum für Imaginationen. So entsteht Gleichgültigkeit statt Emphase. Das langweilt. Und über indische Geschichte lernt man so erst recht nichts.“
(http://www.fr-online.de/film/salman-rushdie–mitternachtskinder–mit-viel-abrakadabra-in-den-sand-gesetzt,1473350,22228398,view,asFirstTeaser.html)
„Erfolgreiche Romane werden nun einmal verfilmt, koste es künstlerisch, was es wolle“ (http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kino/video-filmkritiken/filmkritik-videos/video-filmkritik-mitternachtskinder-12129996.html?ressort=2.1686)

Da ich mir gern selber ein Bild von dem Film machen wollte, habe ich mich also trotzdem hinein gewagt. Und das Gute an so vernichtenden Kritiken ist, dass man am Ende des Films beschwingt aus dem Kino schlendert, weil es doch gar nicht so schlimm war, wie man befürchten musste.

Natürlich können 700 Seiten großer Erzählkunst kaum ansprechend in einem 146minütigen Film verarbeitet werden, aber das hätte ich auch nie erwartet. Und mit Deepa Mehta war doch auch eine durchaus passende Regisseurin kritischer Bollywoodfilme mit diesem Vorhaben betraut. Es stimmt schon, der Film ist nicht weiter aufwühlend, fesselnd, überdramatisch…aber das kann auch durchaus erholsam sein. Ich habe mich nicht bedrückt und überfordert durch gefühlt, der Film erzählt einfach die Geschichte in einer angenehmen Kinoerzählzeit und damit ist gut. Die unendlich vielen phantastischen Bilder, die sich beim Lesen ergeben, könnten nie in einen Film gepresst werden. Natürlich ist es vorstellbar, dass sich dieser Roman in einem 3teiler oder in einer Serie vielleicht besser darstellen ließe, wenn mehr Zeit für Details wäre, für die ausufernden magischen Momente des Romans. Aber man könnte den Film auch als Appetithäppchen zum Buch sehen. Für weitere, ausführlichere Informationen zur Geschichte Indiens/Pakistans/Kashmir/Bangladeschs, verpackt in einem einfallsreichen Familienepos mit phantastischen Elementen, wenden sie sich vertrauensvoll an die Romanvorlage, die gewiss eine größere Herausforderung ist.

Liebhaber indischer Filme kommen auf jeden Fall auf ihre Kosten, da es ein Wiedersehen mit sehr vielen bekannten indischen Schauspielern gibt. Nur sollte man den Film dann tatsächlich lieber im Original sehen. Die deutsche Synchronisierung klingelt einem bei einigen original gehaltenen Wörtern schrecklich laienhaft in den Ohren.

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