Bollywoodelfe's Blog

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„Ich bin Malala“ – über ein Bildungsprojekt in Pakistan – kritische Buchbesprechung

- Juli 23, 2014

Ich habe gestern zum ersten Mal am Interaktiven Lesekreis: Frauen am Hindukusch des Vereins „AMIKAL center for educational and cultural exchange e.V.”  teilgenommen. Dieses Mal wurde das Buch „„Ich bin Malala: Das Mädchen, das die Taliban erschießen wollten, weil es für das Recht auf Bildung kämpft“ besprochen. An dieser Veranstaltung kann auch jeder teilnehmen, der dieses Buch nicht gelesen hat. Da ich das Buch tatsächlich noch nicht gelesen habe, kann ich bestätigen, dass man genügend über das Buch erfährt und sich an den Diskussionen darum gut beteiligen kann und viele Anregungen erfährt.

Die Pakistanerin Malala Yousafzai (geb. 1997), um die es in diesem Buch geht, führte schon lange  für die BBC ein Blog-Tagebuch über ihren Alltag unter den Islamisten im Swat-Tal (Region im Nordwesten Pakistans). Am 9. Oktober 2012 wurde sie auf ihrem Schulweg von Taliban-Kämpfern überfallen und niedergeschossen. Die Fünfzehnjährige hatte sich den Taliban widersetzt, die Mädchen verbieten, zur Schule zu gehen. Sie überlebte glücklicherweise, mit für immer bleibenden Schäden und kämpft weiter für das Recht auf Bildung in Pakistan. In diesem Buch wird Malala’s Geschichte autobiographisch beschrieben.

Ihr Vater hatte immer den Traum, eine Schule aufzubauen. Malala wurde geboren, kurz nachdem die Schule tatsächlich eröffnet wurde. Dieses große Engagement ihres Vaters verinnerlichte Malala in großem Maße. Neben der Geschichte ihrer Familie wird in dem Buch beschrieben, wie ein islamistischer Radiosender nach und nach das Leben der Menschen im SWAT-Tal bestimmte. Mädchen sollten nicht mehr zu Schule gehen. Erst gab es öffentlich Lob für die Mädchen, die dies nicht mehr taten. Später wurde der Ton aggressiver und die Mädchen öffentlich angeprangert, die sich nicht davon abhalten ließen, weiterhin zur Schule zu gehen. Die Mullas nutzten die Organisationsproblematik nach dem Afghanistan-Krieg. Auch in weiteren Krisen wie der Überschwemmungskatastrophe 2010 waren sie für die Menschen vor Ort da, während internationale Hilfsorganisationen schnell wieder verschwunden waren und Gericht & Polizei zu ineffizient, um wirklich zu helfen. Im Buch werden viele politische & geschichtliche Zusammenhänge beschrieben, die zur Radikalisierung in dieser Region beigetragen haben.

Die Autorin ist Christina Lamb, und da setzt schon die Kritik des Leserkreises an. Die Erwartung, dass man die Ereignisse aus der Sicht des jungen Mädchens erfährt, wird nicht erfüllt. All die geschichtlichen Hintergründe, die Art, wie gewisse Dinge über den Islam geschrieben werden, lassen erkennen, dass die Autorin einen großen Anteil an dem Buch hat und nicht Malala. Nirgendwo werden dem Leser Informationen dazu gegeben, wie dieses Buch geschrieben wurde, wer welchen Anteil daran hatte. Es lässt sich nur erahnen. Ebenfalls ungewiss ist, inwieweit ihr Vater sie vielleicht für seinen Traum dazu „drängt“, derart aktivistisch zu handeln.

Per Skype zugeschaltet war die pakistanische Menschenrechtsexpertin Anila Noor, die gerade in Den Haag ihre Doktorarbeit schreibt. Sie berichtete, dass Malala in Pakistan sehr kritisch gesehen wird, denn sie steht für eine professionelle westliche Bildungskampagne. Praktisch ein „Werkzeug“ des Westens. Hier ist die Frage, wieviel sie wirklich verändern kann, wenn ihr in ihrem Land soviel Misstrauen entgegengebracht wird. Aber natürlich stößt sie damit dringende Diskussionen über die Bildungspolitik an. In Pakistan ist Bildung eine private Sache. Da müssen schonmal 40.000 Rupien pro Monat für die Schulbildung der Kinder ausgegeben werden. Die wenigsten dort können sich das leisten.

Die Teilnehmer des Lesekreises sind sich einig, dass das Buch eher für ein westliches Publikum geschrieben wurde. Es führt durchaus dazu, dass sich einige jetzt näher mit Pakistan beschäftigen möchten. Bei allem kritischen Blick auf das Buch, finde ich dieses Ergebnis wunderbar, denn dies ist nur ein kleiner Blick auf eine bestimmte Region und Problematik in Pakistan.

Aus dem Leserkreis gab es noch den Hinweis, dass derzeit ein kostenloser Online-Kurs der Stanford Universität läuft, der sehr spannende Materialen zum Thema „International Women’s Health & Human Rights“ bereithält:  http://class.stanford.edu/courses/GlobalHealth/IWHHR/Summer2014/about 

Vielen Dank an AMIKAL für die anregende Diskussion zu diesem Buch!

Mehr zum Thema:

http://www.faz.net/aktuell/politik/politische-buecher/malala-yousafzai-erhaelt-sacharow-preis-gefeiert-von-der-welt-angefeindet-zu-hause-12609269.html

Update: Nun hat sie ihn bekommen, den Friedensnobelpreis 2014, zusammen mit dem Kinderrechtler Kailash Satyarthi.

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One response to “„Ich bin Malala“ – über ein Bildungsprojekt in Pakistan – kritische Buchbesprechung

  1. Salu sagt:

    Ihre Geschichte stimmt nicht ganz.. Ihr Vater hatte wahrscheinlich mit ihrem Name den Blog für BBC geschrieben, deswegen war es auch Interessant für BBC gewesen. Sie ging nicht alleine zur Schule. Es gab viele andere Mädchen und sie war auch nicht allein nicht angegriffen. Es gab ein anderes Mädchen, die schwer verletzt war, aber keiner hat sich um sie gekümmert oder auf sie geachtet. Damals waren viele Mädchen zur Schule gegangen und gehen jetzt auch.Ihr Vater sagt bzw. zwingt indirekt ,was sie sagen soll oder was sie in Zukunft vorhat. Das hat auch das Gefühl die Generalistin gehabt, die ein Doku über Malala für deutschen Sender gedreht hat.

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