Bollywoodelfe's Blog

Eine deutsche Sicht auf Bollywood, Indien , Pakistan

Indien von A-Z in Filmtipps

- Dezember 20, 2019

Wenn ich Leuten von meiner Leidenschaft für indische Filme erzähle verdrehen die meisten die Augen, da sie diese Tanz- und Musikschnulzen nicht mögen. Es fällt mir dann immer schwer zu erklären, dass es auch wunderbare indische Filme fernab von Bollywood gibt und zwar mit sehr spannenden Themen, weil die indische Gesellschaft so unfassbar viele Facetten und Eigenheiten hat. Daher möchte ich hier auf einige dieser Eigenheiten mit Filmtipps eingehen. Es sind nur eine Handvoll klassischer Bollywood-Filme dabei, da diese selten das reale Leben in Indien beschreiben. Sie dienen hauptsächlich zur Ablenkung vom schwierigen Alltag in Indien. Es würde mich freuen, wenn sich der eine oder andere daraufhin mal an einen indischen Film wagt, weil ihn ein Thema besonders interessiert. Mein Lieblingsthema ist „Frauen“. Gerade auf diesem Gebiet gibt es wahre Film-Diamanten. Für alle Indien-Insider: gern könnt ihr die Themen mit euren Filmtipps anreichern.

Alter –  wer keine Kinder hat, ist in Indien im Alter arm dran. Die Alten sind auf die Versorgung durch die Kinder angewiesen. Traditionell wohnen alle Generationen unter einem Dach. Das bringt natürlich viele Streitpunkte mit sich, wie wir im Film “Radiopetti(Netflix) erfahren. Frauen haben es wie immer besonders schwer, besonders wenn sie ihr Mann vor ihnen stirbt und sie als Witwe von der Gesellschaft ausgeschlossen werden. Zu sehen in “The Last Color”. Wie eine Beerdigung auf indisch geht, erfahren wir in dem Film “Thithi(Netflix).

Bauern – Bauern in Indien haben es schwer. Sie sind auf den Monsun angewiesen. Eine schwache Ernte lässt sie schnell in die Schuldenfalle geraten. Die Gentechnik-Lobby drängte aggressiv auf den Markt. Das Saatgut muss jedes Jahr neu gekauft werden, ist teuer und hält bei weitem nicht das Versprechen, resistent gegen Schädlinge zu sein. Tausende Bauern wurden durch die Schulden, in die sie immer weiter getrieben werden, schon in den Selbstmord getrieben. In “Peepli Live” (Netflix) wird dieses ernste Thema mit einer wunderbaren Prise schwarzen Humor behandelt.

Chai –  das beliebteste Getränk in Indien ist, wie in vielen südasiatischen Ländern, Schwarztee mit Milch, Zucker und einer Gewürzmischung. Chai wird zu jeder Tageszeit getrunken und höflich jedem Gast angeboten. Je näher der Film am richtigen Leben ist, desto mehr Chai wird getrunken. 

Dabbawallahs – Die Essenslieferung in Blechdosen ist für Männer an ihren Arbeitsplätzen überlebenswichtig. Die Ehefrauen geben ihre mit Liebe gekochten Speisen an die Dabbawallahs und diese liefern sie mit einem einzigartigen System aus. Dieses System funktioniert selbst in der Millionenmetropole Mumbai so gut, dass den Dabbawallahs eigens ein Denkmal gewidmet wurde. In “Lunch Box” gerät die Essenslieferung an den falschen Mann und es entwickelt sich eine folgenreiche Brieffreundschaft.    

Elefanten – Nur die in Tempeln lebenden Elefanten haben es gut. Alle anderen müssen schuften, Touristen zu Palästen tragen, schwere Lasten bewegen und in früheren Zeiten mussten sie mit den Menschen in den Krieg ziehen. Die wenigen frei lebenden Elefanten müssen um jeden Zentimeter ihres Lebensraums kämpfen. In “Baahubali 2” zähmt Bahubali einen wild gewordenen Elefanten auf spektakuläre Weise. 

Frauen – Frauen haben es in Indien sehr schwer. Ihr Leben ist durch jahrhundertealte Traditionen beeinflusst. Demnach müssen sie dem Manne Untertan sein. Die Tradition der Mitgift bewirkt, dass eine arme Familie quasi ruiniert ist, sobald eine Tochter geboren wird. Unverheiratete Frauen sind Außenseiter und nach der Heirat müssen auch gut ausgebildete Frauen meist ein Hausfrauendasein führen. In Bollywoodfilmen werden sie oft als Sexobjekte dargestellt. Umso großartiger ist es, wenn es Filme gibt, in denen Frauen ihre ganze Stärke zeigen. Wie z.B. in “Zeit der Frauen” (Parched). Dass es unfassbar schwierig ist, das Leben für Frauen zu verbessern, zeigt der Film “Padman(Netflix), in dem ein Mann den Frauen mit bezahlbaren Binden zu mehr Lebensqualität verhelfen will, aber fast an den uneinsichtigen Frauen selbst scheitert. In Dr. Rakhmabai sehen wir die eindrucksvolle Geschichte der ersten indischen Frau, die als Ärztin praktizierte und ihr schwieriger Weg dorthin mit einer Rechtsstreit-Odyssee um ihre mit 11 Jahren zwangsweise vollstreckte Kinderehe. „Where to miss?“ ist ein unfassbar beeindruckender Dokumentarfilm über die unterdrückten Frauen in Indien, die hier nicht als Opfer gezeigt werden, sondern als Heldinnen, die versuchen keine Angst zu zeigen, um Vorbild zu sein und die ihren Traum eines selbstbestimmten Lebens mit aller Kraft verfolgen. In „Poorna“ können wir Malavath Poorna bewundern, die mit 13 Jahren das jüngste Mädchen der Welt ist, das den Mount Everest bestieg. In „Mission Mangal“ dürfen hauptsächlich Frauen eine Weltraum-Mission leiten, weil man sich aus Budgetgründen keine Männer dafür leisten konnte. In „The Sky is Pink(Netflix) erfahren wir die Geschichte von Aisha, die in ihrem kurzen Leben mehr verstanden hat, was wirklich wichtig ist, als so viele andere. Sehr beeindruckend sind auch immer Polizistinnen, die sich in einer männerdominierten Arbeitswelt als äußert taff erweisen, wie in „Mardaani“, „Soni(Netflix) und „Delhi Crime(Netflix)

Gateway of India – Das Gateway of India ist Mumbais berühmtestes Wahrzeichen und Wahrzeichen des Landes. Der Triumphbogen wurde zur Erinnerung an den Besuch von König Georg V. (1865–1936) und seiner Frau Maria von Teck (1867–1953) errichtet. 1948 gingen dort die noch letzten verbliebenen britischen Truppen an Bord, um sich aus Indien zu verabschieden. Am Gateway tummeln sich tagsüber Fotografen mit ihren Druckern, so dass die Touristen sofort ein Bild zum Mitnehmen bekommen können. Der Film “Photograph” handelt genau von einem dieser Fotografen. Nachdem er eine Frau fotografiert hat, geht diese ihm nicht mehr aus dem Kopf. Es entwickelt sich eine zarte Romanze. Aufgrund dieses Films habe ich diesen Service in Mumbai selbst ausprobiert…auch in dem Wissen, viel zu viel dafür zu bezahlen.     

Heirat – Heiraten ist in Indien ein Muss, unverheiratet zu sein ist absolut inakzeptabel.  In den meisten Fällen wird der Ehepartner von den Eltern bzw. Heiratsvermittlern ausgesucht. Liebesheiraten gibt es zwar auch, aber arrangierte Ehen sind für viele normal. Die Frauen stehen so sehr unter Druck, als “faule Äpfel” könnten sie in der Kiste ganz unter landen. Je weißer die Haut, desto besser ist ihre Punktzahl auf dem Heiratsmarkt. Im Film “Meet the Patels” wird diese Tradition humorvoll in Frage gestellt und die Eltern von Ravi V. Patel müssen einsehen, dass es keinen Sinn macht, eine Tradition aufrecht zu erhalten, die ihren Sohn nicht weiter bringt und nicht glücklich macht. In vielen Filmen wird irgendeine Hochzeit gefeiert und die Wahrscheinlichkeit, dass man in Indien irgendwo auf einer Hochzeitsfeier landet, ist sehr hoch. Die Feierlichkeiten dauern in der Regel sieben Tage. Nach der Hochzeit zieht die Braut sofort zur Familie des Mannes. In den meisten Fällen ist sie ab dann nur noch Hausfrau, hat sich um den Haushalt zu kümmern und muss sollte so schnell wie möglich Kinder bekommen, damit alle zufrieden sind.

Indische Staatsgewalt – Die Staatsgewalt in Indien leidet vor allem an Korruption und Bürokratiewahnsinn. Polizisten sind oft bestechlich, weil das Gehalt sehr gering ist. Mit Geld kann man in Indien wirklich alles regeln. Ich selbst habe in Indien erlebt, dass wir von einem Polizisten mit Schlagstock angehalten wurden. Wir sollten Geld zahlen, um weiterfahren zu dürfen. Es gab keinen Grund für diese Zahlung außer der bedrohliche Schlagstock in der Hand des Polizisten. Wir zahlten. Ein Beispiel dafür, wie leicht man im Gefängnis landen kann, selbst wenn die Anklage an den Haaren herbei gezogen und vollkommen absurd ist, kann man im Film “Court” sehen. Wenn ein Polizist dich im Gefängnis sehen will, dann wird er es schaffen, egal wie absurd die Anklagepunkte sind. Und gegen die Mühlen der ewig mahlenden Justiz ist man machtlos.

Jugend – Die Jugend hat es in Indien nicht leicht. Es ist kaum möglich, nicht ständig unter der Beobachtung der Familie zu sein und eigene Erfahrungen zu machen. Der Druck, die Erwartungen der Familie zu erfüllen, ist enorm. Das Leben der Kinder wird durch die Eltern bestimmt. Was sie studieren sollen, wen sie heiraten sollen. Im oscarnominierten Film “Gully Boy” wird deutlich, dass es nichts bringt, das vorgegebene Leben der Eltern zu leben, wenn man für etwas eine große Leidenschaft entwickelt und diese so fern ist von dem Leben, das man laut Gesellschaft leben soll. 

Kasten – Die Einteilung in Kasten ist in Indien ein religiös begründetes und legitimiertes soziales Phänomen der hierarchischen Einordnung und Abgrenzung gesellschaftlicher Gruppen. Die jeweilige Kaste hat Einfluß auf  Status, Heirat und Arbeit. Es gibt Brahmanen (traditionell die intellektuelle Elite, Ausleger heiliger Schriften (Veda), Priester), Kshatriyas (traditionell Krieger und Fürsten, höhere Beamte), Vaishyas (traditionell Händler, Kaufleute, Grundbesitzer, Landwirte), Shudras (traditionell Handwerker, Pachtbauern, Tagelöhner) und an letzter und unterster Stelle stehen die „Unberührbaren“. Sie werden besonders oft Opfer von Gewalt und Diskriminierung. Obwohl es Gesetze gegen Diskriminierung von Kasten gibt, sind die Jahrtausende alte Traditionen stärker. “Article 15(Netflix) ist besagtes Gesetz und in diesem Film versucht ein Polizist ein Verbrechen an Mädchen der untersten Kaste aufzuklären. In “Sairat” verlieben sich zwei junge Menschen aus unterschiedlicher Kaste. Sie werden mit Gewalt getrennt, weil dies nicht sein darf. In ihrer Verzweiflung fliehen sie aus ihrem Dorf und bauen sich nach großen Schwierigkeiten, der ihre Liebe fast erdrückt, ein eigenes Leben auf. Ihre Familie verhindert schließlich doch noch, dass sie ein glückliches Leben führen dürfen.  

Mumbai  – Mumbai, bis 1996 offiziell Bombay, ist die größte Stadt in Indien. Die in Mumbai ansässige nordindische Filmindustrie ist unter dem Namen Bollywood bekannt. Ihr größter Star Shahrukh Khan lebt hier. Selbst David Letterman (Netflix) versuchte schon heraus zu finden, warum er so ein Mythos in der Filmbranche ist. Er ist der Grund, warum ich seit 2003 mein Herz an indischen Filme und die indische Kultur verloren habe. In Mumbai habe ich mich ebenso verliebt. Leider verbindet man mit Mumbai auch die schrecklichen terroristischen Anschläge von 2008, wie in “Hotel Mumbai” so erdrückend und ergreifend dargestellt. In der Serie “Sacred Games – Der Pate von Bombay” (Netflix) muss ein Polizeiinspektor Mumbai vor einem schrecklichen Unglück bewahren und wir erfahren viel über die Unterwelt von Mumbai und dessen berühmten Paten. “Bombairiya” (Netflix) wurde in über 40 Orten in Mumbai gedreht und ist somit eine kleine filmische Stadtführung.  

Nationalsprache – Zu den Sprachen Indiens gehören über 100 Sprachen verschiedener Sprachfamilien. Aufgrund dieser Sprachvielfalt gibt es keine Nationalsprache in Indien. Die indische Verfassung sieht Hindi und Englisch als Amtssprachen der Zentralregierung vor. In Bollywoodfilmen wird oft ein Sprachmix aus Hindi und Englisch gesprochen. Am meisten gibt es Filme in Telugu, Tamil und Hindi. Oft kopiert die Filmindustrie dann erfolgreiche Filme einfach, um sie auch dem jeweils anderssprachigen Filmpublikum zu präsentieren. Eine besonders absurde Kopiererei fand für den Telugu Film Arjun Reddy (2017) statt. Er wurde nochmal in Hindi gedreht (Kabir Singh – 2019) und dann nochmal in Tamil (Adithya Varma – 2019). Ich habe die beiden letzteren Filme gesehen und es war tatsächlich eine 1:1 Kopie. Dieselben Szenen, Dialoge, Bühnenbilder, nur mit anderen Schauspielern. Nun existieren drei verschiedenen Sprachversionen eines Films, in dem ein Mann am  Ende seiner intensiven Liebesbeziehung in eine zerstörerische Spirale aus Drogen, Alkohol und Wut. 

Obdachlos – Obdachlosigkeit ist in Indien ein häufiger Anblick. Meist bedingt durch das Kastensystem, das einem jegliche soziale Aufstiegschance verwehrt. Am meisten betroffen sind natürlich Kinder. Sie werden oft sich selbst überlassen und geraten schnell in die Fänge von Kriminellen. Die Filme “Slumdog Millionär” und “Lion” sind zwar keine indisch produzierten Filme, aber Filme über das Leben in Indien. In “Lion” wird gezeigt, wie schnell ein Kind in die Obdachlosigkeit geraten kann, ohne dass es jemanden kümmert. Es ist einfach Normalität. Nur mit Glück kann sich der Junge aus der Falle eines Kinderschänders befreien. In “Slumdog Millionär” sehen wir, wie gesunde Kinder absichtlich zu Krüppeln gemacht werden, damit sie beim Betteln mehr Geld einbringen. Unfassbare Realität.

Pakistan – viele wissen nicht, dass Pakistan und Indien bis 1947 ein Land war. Im Film “Viceroy’s House” können wir miterleben, wie diese Trennung durch die britische Politik gesteuert wurde. Der letzte Vizekönig, Lord Mountbatten, sollte in Delhi den Schritt Indiens in die Unabhängigkeit überwachen. Als die Lage unter den verschiedenen religiösen Lagern eskaliert und es zu immer blutigeren Auseinandersetzungen kommt, scheint für ihn die Lösung, das Land in das muslimische Pakistan und das säkulare Indien zu teilen, die einzige Lösung zu sein, nicht den totalen Bürgerkrieg auszulösen. Was dann aber folgte, war so traumatisierend für die Menschen, die getrennt wurden, deren Familienmitglieder getötet wurden, dass es immer wieder Filme gibt, die sich mit diesem Thema beschäftigen. In “Bharat” sucht ein Sohn lebenslang seinen Vater, den er in den Wirren der Trennung verloren hatte. Pakistan und Indien haben seitdem eine hochproblematische Beziehung mit auch kriegerischen Auseinandersetzungen wie dem Indo-Pakistanischen Krieg von 1971. In “Raazi” sehen wir, wie die indische Agentin Sehmat in Pakistan ihren Aufgaben nachkommt und man als Zuschauer jedes Mal mit ihr kurz vorm Herzinfarkt steht, weil sie entdeckt werden könnte, denn das wäre ja ihr Todesurteil. Sie ist eine Agentin mit Herz und Gewissen, soviel ist klar. Viele Filme handeln davon, wie sich der pakistanische und indische Geheimdienst bekämpfen. Im Film “Tiger Zinda Hai” kämpfen ausnahmsweise mal ein indischer (Ex-)Geheimagent Tiger und seine Frau, die ihrerseits für den pakistanischen Geheimdienst tätig ist, zusammen(!!!) gegen Terroristen im Irak, um pakistanische und indische Krankenschwestern zu befreien, die dort als Geiseln fest gehalten werden. Es wird auf in Zukunft eine problematische Beziehung bleiben. Indien droht immer wieder mit Angriffen, um in Pakistan ansässige mutmaßliche Terroristen zu töten. Besonders oft vor dem Wahlkampf. Natürlich sammeln sich dann alle pakistanischen Terroristen an einem Platz, damit man sie dort bombardieren kann. Logisch. 

Religion – Mit über 80% stellen die Hinduisten die Mehrheit der Bevölkerung dar. Danach kommen Muslime und Christen. Ein kleiner Teil sind Sikhs, Buddhisten und andere Religionen. Wenn ihr in einem Film einen Mann mit Turban seht, ist das ein Sikh. Erscheinung. In “Jab Tak Hai Jaan” hat man das Gefühl, der Film wurde teilweise von der christlichen Kirche gesponsert, so dominant tritt sie in einer Szene in Erscheinung. Hindu-nationalistische Gruppen sorgen öfter mal für Ausschreitungen, wenn es um Filme geht. Es muss sich nur um ein Gerücht handeln, und schon rasten sie aus. Wie bei den Dreharbeiten zu “Padmaavat“. Drehorte wurden vom wildgewordenen Mob zerstört, Menschen begingen angeblich Selbstmord, drohten mit Selbstanzündung, die Zensurbehörde und es wurde dafür gesorgt, dass der Release um Monate verschoben wurde. sogar ein Kopfgeld wurde für die Hauptdarstellerin ausgesetzt!  Ausschreitungen gibt es auch immer wieder zwischen Hinduisten und Muslimen. Umso schöner ist es, wenn sich ausnahmsweise Hinduisten und Muslime als Paare zusammen finden. Im echten Leben wie Muslim Shah Rukh Khan und seine aus einer Hindu-Familie stammenden Gauri. Oder im FIlm “Jodha Akbaar”, in der die aus Rajasthan stammenden Hindu-Prinzessin Jodhaa den großen muslimischen Herrschers Akbar heiraten muss und große Vorbehalte hat, ihn dann aber doch lieb gewinnt.  

Sport – Volkssport Nummer 1 in Indien ist Cricket. Ich durfte schon in Mumbai am Ende eines Cricketspiels den Pokal an die Sieger übergeben, weil ich bei der Weltpremiere von Gully Boy in Berlin dabei war und ich damit als Berühmtheit galt. Es war mir und den Spielern eine Ehre. Der wohl berühmteste Film, in dem es sehr intensiv um Cricket geht, ist Lagaan. Sehr empfehlenswert finde ich die Netflix-Serie nach einer Romanvorlage “Golden Boy / Selection Day” (Netflix), in der zwei Jungs von ihrem Cricket-besessenen Vater gedrillt werden. In „The Flying Sikh“ sehen wir einen der wenigen erfolgreichen indischen Läufer. Milka Singh erlebte als Kind bei der Trennung Indiens und Pakistans ein Trauma. Er musste mit erleben, wie seine Familie Opfer der  religiösen Vertreibungen wurde. Kurz bevor auch sein Vater getötet wird, ruft ihm dieser noch zu „Bhaag Milka, Bhaag (Lauf Milka, Lauf!). Dieses Trauma begleitet Milkha sein Leben lang und macht ihn vielleicht deshalb zum größten indischen Läufer aller Zeiten. In „Dangal“ (Netflix) geht es um zwei Schwestern, die von ihrem Vater zu erfolgreichen Ringerinnen gedrillt wurden. Heldinnen, die alles gegeben haben, um für Millionen von Mädchen ein Vorbild zu sein, die von der Gesellschaft für minderwertig gehalten werden. In Mary Kom (Netflix) sehen wir die Geschichte einer Powerfrau, die trotz ihrer Zwillingsmutterschaft ein Comeback startet. Und in „Sultan“ sehen wir Weltklasse-Ringer Salman Khan, der niemals aufgibt.

Tanz  – Inder tanzen sehr gern, viel und zu jeder Gelegenheit. Besonders auch in Filmen. Die Schauspieler von indischen Blockbustern müssen immer mehrere Choreografien für einen Film lernen und tanzen, selbst wenn sie dabei manchmal etwas steif aussehen. Im Film Aaja Nachle (Komm, lass uns tanzen) muss die leidenschaftliche Tänzerin Dia zusammen mit Dorfbewohnern eine Bühnenaufführung auf die Beine stellen, damit das dortige Theater keinem Einkaufzentrum weichen muss. Trotz Schwierigkeiten mit den Dorfbewohnern gelingt ihr ein großartiger Auftritt des klassischen orientalischen Stückes “Laila Majnu” und das Theater wird gerettet. Im Film “Happy New Year” (Netflix) müssen ein paar Möchtegern-Bankräuber für die Durchführung ihrer Tat an einem internationalen Tanztunier teilnehmen und versuchen mit allen Mitteln, sich als absolute Nicht-Tänzer dafür fit zu machen. Dieser Film ist unheimlich mitreißend. Am liebsten möchte man gleich mittanzen. 

Unabhängigkeit  – 1919 ist die politische Stimmung in Indien aufgeheizt. Das „Rowlatt Bill soll auf unbestimmte Zeit verlängert werden. Es ist ein Gesetz, das die Inhaftierung indischer Politiker ermöglicht. Die indische Unabhängigkeitsbewegung reagiert mit einem Generalstreik. Auch in Amritsar, in der Provinz Punjab, kommt es zu friedlichen Protesten, die allerdings von britischen Soldaten mit einem Massaker an der Zivilbevölkerung beantwortet werden. Über 1.000 Menschen werden verwundet oder sterben. Im Film “Phillauri” wird diesen Menschen gedacht. Der Film spielt in der heutigen Zeit, in der ein junger Mann erst einen Baum heiraten soll, bevor er seine wirkliche Braut heiraten kann, weil er unter einem schlechten Stern geboren wurde und das Horoskop nun diese Lösung für ihn vorsieht. So will es die indische Tradition. Der Baum wird danach gefällt. Am nächsten Morgen bekommt er Besuch von einem Geist, der mit diesem Baum zusammenhängt. Der Geist gehört einer Frau, die sich an diesem Baum erhängte, nachdem ihr Verlobter nicht zur Hochzeit erschien. Ihr Verlobter wurde Opfer dieses Massaker. Im Film finden der Geist der Frau und ihres getöteten Verlobten nun wieder zusammen und können endlich endgültig ins Jenseits verschwinden. Ich finde das eine sehr schöne Filmidee, so an das Massaker zu erinnern. Mahatma Gandhi greift nach diesen Ereignissen aktiv in den Kampf um die indische Unabhängigkeit mit seiner Politik der „Non-Cooperation“ ein : Politische Wahlen, britische Einrichtungen wie Schulen und Gerichtshöfe, britische Waren werden systematisch boykottiert. Trotz dieser jahrelangen friedlichen Proteste  wird erst nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs klar, dass die Briten Indien nicht mehr halten können. Am 3. Juni 1947 verkündet der britische Premier Clement Attlee die Unabhängigkeit. Gegen den Willen Gandhis kommt es zur Gründung von zwei verschiedenen Staaten – dem hinduistischen Indien und dem muslimischen Pakistan. Die politischen und religiösen Konflikte wurden bis heute nicht beigelegt. Heute empfinden die Inder einen unermesslichen Nationalstolz, der auf europäische Zuschauer vielleicht manchmal etwas merkwürdig übertrieben scheint. 

Vergewaltigung – Aus Indien hört man immer besonders grausame Fälle von Vergewaltigungen. Massenvergewaltigungen sind keine Seltenheit, selbst vor Kindern wird kein Halt gemacht. In den Filmen “Ajji” (Netflix) und “MOM” (Netflix) werden Großmutter und Mutter zu Rächerinnen, nachdem die Vergewaltiger ihrer Tochter/Enkelin aus haarsträubenden Gründen freigesprochen werden. Das passiert auch oft genug in der Realität: die Täter werden nicht bestraft. Mit genügend Geld kann man sich oft ganz einfach freikaufen. Wie furchtbar ist es, wenn man das zerstörte Leben des Kindes mit ansehen muss, während der Täter unbehelligt sein Leben weiterlebt. Das kann man nicht so einfach hinnehmen, ohne daran kaputt zu gehen. Der Täter muss bestraft werden. Die Rache dieser Frauen ist einmalig ausgefeilt. Auch wenn man weiß, dass Rache falsch ist. In diesem Fall ist es eine Genugtuung, wenn es wenigstens im Film eine Genugtuung gibt, denn das Kind wird ein Leben lang mit den psychischen Folgen solch einer Tat zu leben haben.

WC  – Das Toilettendilemma in Indien ist immer noch bittere Realität. Es gibt mehr Handys als Toiletten, wer als Reisender eine öffentliche Toilette sucht, muss lange suchen. Besonders in dörflichen Gegenden, in denen noch ein Ältestenrat Regeln für das Dorf aufstellt, werden gern aus Tradition die Dinge immer noch so gemacht, wie sie schon immer waren. Weil in einem Sanskrit-Heiligtum geschrieben steht, dass man sein Geschäft fern von Haus und Hof machen sollte (was zu der Zeit, als das Werk entstand, sicher auch ratsam war), wird dies immer noch so praktiziert, obwohl die Möglichkeiten auf ein modernes Toilettensystem durchaus vom Staat gefördert werden. Es stellt ein großes Problem für die Frauen dar, die im Dunklen aus dem Dorf oder Slum heraus müssen, um ihr Geschäft außerhalb zu erledigen. So schutzlos werden sie leicht Opfer von Vergewaltigern. In “Mere Pyare Prime Minister” (Netflix) versucht ein kleiner Junge bis zum Premierminister vorzudringen, um ihn darum zu bitten, in seinem Slum eine richtige Toilette bauen zu lassen, weil seine Mutter eben genau unter diesen Umständen Opfer einer Vergewaltigung wurde. In “Toilet” (Netflix) wurde ein wahrer Fall verfilmt. Ein verliert ein Mann fast seine Ehefrau durch den Toilettenstreit. Sie besteht auf einer Toilette im Haus. Ihr Schwiegervater ist aus Traditionsgründen dagegen. Immer mehr Frauen weigerten sich in den letzten Jahren einen Mann zu heiraten, der keine Toilette vorweisen konnte getreu dem Motto „No toilet, no bride“. 

Yoga – Yoga ist eine aus Indien stammende philosophische Lehre, die eine Reihe geistiger und körperlicher Übungen beinhaltet und inzwischen auch in der westlichen Welt als Breitensport etabliert. In der Dokumentation “Bikram: Yogi, Guru, Raubtier” wird der Aufstieg und Fall des Hot-Yoga-Begründers Bikram Choudhury beleuchtet. Er wurde zum Yoga-Superstar in den USA und Millionär. Als eines Tages sexuelle Übergriffe seinerseits ans Licht kommen, bricht sein Geflecht aus Lügen zusammen.

Zug  – der Zug ist in Indien ein wichtiges Transportmittel. Es versuchen sich so viele Menschen wie möglich in einen Zug zu quetschen. Für Frauen gibt es auch speziell eigene Zugwagen. Auf meiner Fahrt von Mumbai in einen Außenbezirk wurde auf der Zugfahrt Popcorn zum Kauf angeboten. Ich fand das eine wirklich sehr passend, da eine Zugfahrt quasi wie eine Kinovorstellung ist: es gibt unheimlich viel zu sehen. Im Film “Chennai Express(Netflix) muss der noch unverheiratete 40 jährige Rahul nach dem Tod seines Großvaters aufgrund dessen letzten Wunsch die Asche des Toten an einem Wallfahrtsort verstreuen. Die erste Reise seines Lebens mit dem Zug stellt sein Leben völlig auf den Kopf, weil er auf  Meena trifft, die vor einer Zwangsheirat davonlaufen will. Ihr Vater ist ein Mafiaboss und schickt einen Schlägertrupp hinterher, weil sie sie den benachbarten Drogenbaron heiraten soll.

 


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