Bollywoodelfe's Blog

Eine deutsche Sicht auf Bollywood, Indien , Pakistan

Photograph – unaufgeregt romantisch

- Februar 14, 2019

Es war ein Wechselbad der Gefühle an diesem vom Nieselregen durchfeuchteten Mittwochabend in Berlin. Draußen vor der Pressekonferenz im Hyatt hatten sich nur wenige Menschen versammelt, um die Hauptdarsteller von „Photograph“ Nawazuddin Siddiqui und Sanya Malhotra zu begrüßen. Wir wähnten also unsere Chancen überaus gut, Autogramme und Bilder zu bekommen, bevor man am roten Teppich aufgrund dichteren Gedränges leer ausgeht. Zuerst wurde Sanya Malhotra mit dem Auto vorgefahren. Sie war so überaus freundlich und gut gelaunt und machte fleißig Fotos mit den Fans und fragte uns, ob wir den Film später mit ansehen. Dann dauerte es noch eine Weile, kamen die anderen Autos angefahren. Ein Kreischen nach Nawaz ging los, aber nein, es war nur sein Bruder, wie er dann erklärte. Wie aus dem Gesicht geschnitten, ein klein wenig fülliger als Nawazuddin, ohne Bart. Dann kam Nawazuddin himself. Kein Bad in der Menge, nur ein kurzes Foto und ein Autogramm und schon war er drinnen verschwunden. Was?! Der Mann, den man im Film sogar als Mörder sympathisch findet, war so ein Grummel? Tausend Fragen schießen einem durch den Kopf: hat er vielleicht einfach einen schlechten Tag, ist ihm das einfach nur unangenehm, mag er Menschen allgemein nicht, ist er im wahren Leben ein Grummel? Nicht der Ansatz seines zauberhaften Lächelns aus seinen Filmen. Wie enttäuschend! Nachdem wir uns beim Inder etwas aufgewärmt hatten, wollten wir es dann doch nochmal im Friedrichstadtpalast versuchen, ihm etwas näher zu kommen. Schließlich hat man einen Nawazuddin nicht alle Tage hier. Und siehe da, dort kamen wir dann also noch zu unseren Autogrammen und Bildern. Aber immer mit dem Gefühl, dass er diese Prozedur nur notgedrungen über sich ergehen lässt. Ein sehr ambivalentes Gefühl und ich hatte die Befürchtung, dass mir nun sein Film gar nicht mehr so gefallen würde.

Zum Glück zerschlug sich diese Befürchtung. Das Film-Nawazuddin-Ich ist einfach immer großartig. Die größere Herausforderung nach dieser ganzen Aufregung war eher, sich auf diesen absolut unaufgeregten ruhigen, sensiblen Film einzulassen. Eine ganz und gar schüchtern aufgebaute Romanze. Rafi verdient sein Geld in Mumbai mit dem Fotografieren von Touristen. Er wird von allen in seiner Umgebung gegängelt, dass er endlich heiraten soll, er sei ja fast schon zu alt dafür. Seine Großmutter tritt schließlich in den Medikamentenstreik, damit er sich endlich eine Frau sucht. Nachdem er eines Tages auf die angehende Buchhalterin Miloni trifft, ein Foto von ihr macht und sie ihm nicht mehr aus dem Kopf geht, schreibt er seiner Großmutter, dass er endlich eine Braut gefunden hat und erfindet einen Beziehung mit Miloni, deren Namen er bis dahin nicht mal kennt und die er „Noori“ nennt, nach einem Lied, das er beim Schreiben des Briefes hört. Kaum erfährt die Großmutter von ihrem Glück kommt sie schnellstens nach Mumbai gereist, um die zukünftige Braut kennen zu lernen. Miloni spielt dieses Spiel tatsächlich mit, denn auch ihr ging Rafi nicht aus dem Kopf, der so ganz besondere Fotos von ihr macht und so langsam, ganz zart und behutsam kommen sich die beiden auch wirklich näher. Die Großmutter bringt sehr viel Humor in die Szenerie, wenn sie geradezu heraus sagt, was sie über das Prinzesschen denkt. Ein bisschen ungewohnt ist es, dass die studierende Tochter offensichtlich ohne Nachfragen der Eltern sehr viel Zeit außerhalb des Hauses verbringen darf. Das habe ich sonst noch selten in einem indischen Film gesehen und erscheint mir zu unrealistisch. Die offensichtlich unterschiedlichen Lebenswelten wären im wahren Leben wohl auch ein eher unüberwindbares Hindernis: er aus dem Dorf in einem Raum mit mehreren anderen Männern lebend und sie aus reicherem Hause mit Dienerin. Aber wir dürfen uns das Ende der Geschichte ja schon wie in Lunchbox schön denken. Die Wirklichkeit sieht anders aus. Von daher eher hoffnungslos romantisch gedacht.

Wunderbare Kameraführung, die Handlung kommt durch wenige feinfühlige Gesten und ohne viel Gerede voran. Man kann sich viel selber denken, während hier eine ganz zarte Blüte der Liebe austreibt. Das Liebespaar nimmt man den beiden auf jeden Fall ab, es könnte genauso gewesen sein, sie bilden eine Einheit ungeachtet ihrer unterschiedlichen Herkunft.

Leise, unaufgeregt, feinfühlig. Etwas für  Romantiker. Kommt ab 11.April regulär ins Kino.


One response to “Photograph – unaufgeregt romantisch

  1. Katja sagt:

    Das hast du wieder sehr schön geschrieben, hab schon den ganzen Tag auf dein Review gewartet 🙂

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