Bollywoodelfe's Blog

Eine deutsche Sicht auf Bollywood, Indien , Pakistan

Padman – ein realer Superheld hat’s schwer

- September 17, 2018

Es gibt auch im realen Leben Superhelden. Man kann sich (als Nicht-Inder) nicht annähernd ausmalen, was für schwere Brocken dem armen Arunachalam Muruganantham in den Weg gelegt wurden, der eigentlich nur das Beste für Frauen wollte und vorhatte, das Leben von indischen Frauen revolutionär mit bezahlbaren Damenbinden zu verbessern. Das menstruale Tabu war der größte Kampf seines Lebens.

Als moderne Frau möchte man die Frauen, die dem „verrückten Bindenmann“ das Leben so schwer machten, am liebsten kräftig durchschütteln und ohrfeigen, bis sie sich eines Besseren besinnen, aber man darf natürlich nicht vergessen: sie sind in einer ganz anderen Kultur aufgewachsen und gerade die Frauen im Dorf haben oft nicht die Bildung, die ihnen Aufklärung bietet. Trotzdem ist man den großen Teil des Films richtig richtig wütend auf die unbelehrbaren Frauen, die das Thema Monatsblutung gern totschweigen, sich 5 Tage wegen „Unreinheit“ aus dem Haus vertreiben lassen und lieber Krankheiten in Kauf nehmen, weil sie einen schmutzigen Lappen benutzen, den sie dann zum Trocknen auch noch unter dem Sari verstecken. Als „Padman“ dies bei seiner innig geliebten Frau entdeckt, will er, dass sie lieber saubere Binden benutzt. Diese sind aber so teuer, dass sie ihn dazu zwingt, die gekauften Binden zurück zu geben, da sie sich das nicht leisten können. „Padman“ ist verzweifelt, will er doch auf keinen Fall, dass seine Frau dadurch ernsthaft erkrankt, wie ein Arzt ihm bestätigt. Er versucht Binden selbst herzustellen, und da fängt das riesige Problem an. Sobald er das Thema anspricht, werden alle Frauen in seiner Umgebung hysterisch und schämen sich zu Tode. Es gibt zahlreiche Verwicklungen, weil er versuchen will, die Binden zum Test und als gut gemeintes Geschenk an die Frau zu bringen. Die Frauen seiner Familie sind schon alle gegen ihn, seine Frau will ihn aus Scham verlassen. Schließlich geht er einen Schritt zuviel und testet die Binde selbst auf ihre Funktion, worauf hin es ein riesen Drama im Dorf gibt und sie ihn schon am Baum aufhängen oder verprügeln wollen. „Padman“ sieht ein, dass er hier nicht weiter kommt und verlässt schweren Herzens seine Familie und das Dorf.

Nun wird sein schwerer Weg bis zur Herstellung einer Maschine, die für nur 2 Rupien statt 55 Binden herstellt, aufgezeigt. Im Film sind es dann glückliche Umstände und eine kluge Frau, die ihn letztlich ans Ziel führe. Nachdem er seine Innovation erfolgreich an einem Institut vorführen konnte, kommt alles ins Rollen und er kann seine Maschine im ganzen Land von Frauen kaufen lassen, damit sie die Binden selbst herstellen und verkaufen können.

Es ist mein erster Akshay Kumar-Film nach bestimmt 15 Jahren. Zum Glück konnte ich meine persönliche Aversion gegen ihn außer Acht lassen, weil dieser Film unendlich wichtig für die Bildung von Frauen zu diesem Thema ist. Im Film erzählt „Padman“, dass man „lebt“, wenn man Probleme überwinden muss. Ich hätte mir nie vorstellen, wie groß dieses Problem in Indien ist. Selbst heute noch wird an Tempeln mit Verbotsschildern darauf hingewiesen, dass Frauen den Tempel während ihrer Menstruation nicht betreten dürfen, weil sie zu der Zeit „unrein“ sind. Das sind wieder so Momente, wo man ungläubig den Kopf schütteln muss, weil man es einfach nicht versteht. Hoffen wir, dass der Film wirklich zu etwas mehr Offenheit führen wird. Dass „Padman“ dieses Durchhaltevermöge hatte, grenzt an ein Wunder und man kann ihn tatsächlich mit einem Superhelden vergleichen.

Zu sehen bei Netflix: https://www.netflix.com/TITLE/81016191 


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