Bollywoodelfe's Blog

Eine deutsche Sicht auf Bollywood, Indien , Pakistan

Raazi – Agentin mit Gewissen

- Mai 23, 2018

Wow! Spannungsgeladene Agenten-Action geht auch ohne die neueste, hochmoderne Spitzentechnologie! Der Film spielt nämlich in den 70er Jahren, zu Zeiten des Indo-Pakistanischen Kriegs von 1971  und Agenten dieser Zeit müssen noch mit recht altertümlich anmutenden Mitteln auskommen. Da werden kritische Informationen eben mit noch mit Morsezeichen übermittelt. Keine KI flüstert einem Telefonnummern oder Namen ins Ohr, alles muss auswendig gelernt werden. Was an sich auch schon mal spannend ist, denn der Rückblick in diese Zeit erscheint sehr authentisch. Aber noch viel spannender ist es, wenn die indische Agentin Sehmat, gespielt von Alia Bhatt, in Pakistan ihren Aufgaben nachkommt und man als Zuschauer jedes Mal mit ihr kurz vorm Herzinfarkt steht, weil sie entdeckt werden könnte, denn das wäre ja ihr Todesurteil.

Das macht diesen Film aus: Agentin Sehmat ist so dermaßen menschlich, keine reine Agenten-Powermaschine, die jeden eiskalt aus dem Weg räumt. Nein, es zerreißt ihr das Herz, wenn sie Menschen töten muss. Sie ist keine Agentin aus Leidenschaft. In Gehorsam zu ihrem Vater möchte sie alles für ihr geliebtes Indien tun. Sogar in eine pakistanische Familie einheiraten, die sorglos die junge Frau aus Indien bei sich willkommen heißt. Aber was Sehmat wahrscheinlich verdrängen wollte: im Notfall muss sie zur Mörderin werden. Und eine kleine Unachtsamkeit ihrerseits sorgt dafür, dass sie tatsächlich töten muss. Was wiederum noch mehr Leid erzeugt, denn die ermordete Person hinterlässt ja trauernde Menschen. Sie erzeugt damit so viel Unglück in ihrem Umfeld…alles zum Wohle ihres Heimatlandes. In ihrer Vision ging es wahrscheinlich nur darum, Informationen zu sammeln und dabei nicht entdeckt zu werden. Der grausame Part, an dessen Ende auch ihr Leben rein gar nichts bedeutet, wenn es um die Sicherheit Indiens geht, überfordert ihre Vorstellungskraft. Ihr Plan geht nicht auf und nun muss sie mit dem Umstand leben, dass sie Menschen auf dem Gewissen hat. Und Sehmat hat ein Gewissen. Das wird dem Zuschauer sehr deutlich gemacht.

In Pakistan wird der Film nicht in den Kinos gezeigt. Wenn Pakistan in einem Film schlecht wegkommt, versprechen sich die Kinobesitzer nicht viel davon. Dabei kommt Pakistan gar nicht schlecht weg. Jeder normale Mensch kann sich denken, dass es genauso erfolgreiche Missionen von pakistanischen Agenten gegeben haben wird. In diesem Film geht es vielmehr um den menschlichen Aspekt. Warum macht ein Mensch so etwas und was macht es mit ihm. Dem Land dienen ist die eine Sache. Mit all den Konsequenzen leben zu müssen, die diese Tätigkeit mit sich bringt, ist die andere Sache. Der Film macht leider wieder die immerwährende Kluft und die Feindschaft der beiden Länder deutlich. Es hat sich nichts geändert. Über Generationen hinweg wird der Hass aufeinander weiter gegeben. Es scheint keinen Ausweg zu geben.

Ganz und gar unerwartet entzückt war ich auch vom pakistanischen Ehemann, gespielt von Vicky Kaushal. Er spielt auch in meinem Lieblingsthriller „Psycho Raman“ mit und im eigens von Netflix produzierten „Liebe pro Quadratzentimeter“, wo er mir auch schon positiv aufgefallen war. Aber hier war ich einfach hin und weg! So anmutige Inder bin ich gar nicht mehr gewohnt…und dann ist er auch noch so nett und lässt ihr alle Zeit der Welt nach der Hochzeit, um sich näher zu kommen. Das ist dann zwar doch ein etwas unrealistischer Märchenprinz. Aber so schön mit anzusehen!

Der Film lohnt sich definitiv: spannungsgeladen, authentisch, anrührend, feinsinnig. Großartig! So mag ich indische Filme.


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