Bollywoodelfe's Blog

Eine deutsche Sicht auf Bollywood, Indien , Pakistan

Sairat – Freier Geist in gesellschaftlichen Ketten

- Februar 21, 2016

Ich war mir nicht sicher, ob mir nach 4 Nachtschichten und wenig Schlaf nicht beim Film schauen die Augen zufallen würden. Aber der Film war so unglaublich wachrüttelnd, dass in keiner Sekunde an Schlaf zu denken war.

Regisseur Nagraj Manjule ist aufgewachsen mit den typischen realitätsfernen Bollywoodfilmen, in denen es meist ein Happy End gibt. Dem wollte er unbedingt das wahre Leben der indischen Gesellschaft entgegnen und auf die Leinwand bringen…das gelingt ihm mit Sairat so außergewöhnlich, dass es der Film an Dramatik und Emotionalität locker mit jedem Bollywoodfilm aufnehmen kann. Und das ganz ohne bombastische SpezialEffekte, berühmte Schauspieler und westliche Urlaubsparadieswelten der schönen Bilder wegen. Das Leben schreibt immer noch die berührendsten Geschichten. Auch wenn der Film nicht auf einer konkreten wahren Geschichte basiert, so könnte es doch jederzeit genauso passieren.

Es ist eines der süßesten Liebespaare, das ich je gesehen habe. Die wunderschöne Aarchi strotzt nur so voll Selbstbewusstsein, lässt sich von niemanden etwas sagen, schon gar nicht von Männern, die sie auch schon mal von der Badestelle vertreibt. Sie fährt Motorrad und Traktor. Taffer geht es kaum. Wie sollte man sich da nicht in sie verlieben. Dem erfolgreichen Cricket-Kapitän Parsha verdreht sie mächtig den Kopf. Ach was kann das Verliebtsein schön sein! So schön, dass der ganze Saal im Kino gleich mit verliebt ist in die Liebenden. Haaach. Es könnte alles so schön sein…wenn es nicht zwei Verliebte aus unterschiedlichen Kasten wären. Das darf nicht sein. Und was nicht sein darf, wird mit Gewalt getrennt.

In ihrer Verzweiflung fliehen sie und landen letztlich ohne Geld im Slum. Eine riesige Probe, auf die ihre Liebe gestellt wird. Obwohl sie ihr Bestes geben, ist Aarchi schnell mit dem beschwerlichen Leben im Slum ohne Familie, Freunde und Hoffnung am Ende ihrer Kräfte. Die Streitereien bringen sie fast auseinander, aber ohne einander wollen und können sie nicht leben und so finden sie den Weg, ein eigenes schönes Leben aufzubauen. Wo Bollywoodfilme aufhören, wenn die Liebenden sich nach dramatischen Ereignissen gefunden haben, da fängt Sairat an, das wahre Leben zu zeigen. Was nach dem Verliebtsein kommt, wenn der hoffnungslose Alltag die Liebe fast erdrückt, das gehört nun mal auch zum Lieben dazu. Dafür liebe ich diesen Film.

Der Regisseur bat darum, das Ende des Films nicht zu verraten, da es ein sehr überraschendes Ende ist. Es war tatsächlich so überraschend, dass viele im Saal ihren Schock darüber lauthals mit „Oh nein!“ äußern mussten. Das habe ich noch selten so erlebt. Soviel Mitgefühl mit der Geschichte, als wären es unsere besten Freunde. So tief drin in der Geschichte, als wäre alles genauso geschehen. Nach dem Film belagerten viele Zuschauer den Regisseur, um sich ihre Aufgewühltheit von der Seele zu reden und ihm zu Recht ihre Bewunderung über diesen besonderen Film entgegen zu bringen.

Ich hoffe, er macht noch weitere solche realistischen Filme. In Indien startet er erst noch, daher kann man über die Reaktionen in Indien noch nichts sagen. Das Berlinale-Publikum war zumindest beeindruckend bewegt und absolut mitgerissen. Unbedingt sehenswert! Ich liebe diesen Film!

https://www.facebook.com/Sairatmovie 

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