Bollywoodelfe's Blog

Eine deutsche Sicht auf Bollywood, Indien , Pakistan

Original Copy – Ehrung der letzten Filmplakatemaler

- Februar 7, 2016

Diese wunderbare Dokumentation über den aussterbenden Beruf des Filmplakatemalers zeigt den ehrwürdigen Malermeister Sheikh Rehman in seinem Atelier in einem alten Kino, den „Alfred Talkies“. Mit einer über all die Jahre ungebrochenen Leidenschaft, Herz und Phantasie zaubert er als einer der letzten Plakatemaler Kinofilme auf die Leinwand, um Kinobesucher aufmerksam zu machen und anzulocken, manchmal auch mit actionverheißenden Hubschraubern und Waffen, die dann im Film überhaupt nicht auftauchen. Ein bisschen Trickserei muss sein, um die wenigen willigen Kinozuschauer hinein zu locken. Das Kino steht jeden Monat vor dem Aus. Ganz sicher aber ist das Ende seines Berufs. So leidenschaftlich wie er malt, so leidenschaftlich beschimpft er auch jeden um ihn herum. Da bezeichnet er den „Boss“, der seine Entwürfe zu seinem neuesten Plakat mit Änderungswünschen kommentiert, schon mal als „Schwesternficker“. Die Heldin ist keine „Scheißheldin“ und sollte größer gemalt werden und der Schurke nicht so herausstechen. Auch seine Söhne kommen im Film nicht gut weg. Er schimpft über sie, sie ehren den Beruf ihres Vaters nicht, treten nicht in seine Fußstapfen und mögen seine Kunst nicht.

Das Kino wird geführt von Najma Loymoon, welches ihr Großvater in den 30er Jahren aufbaute. Es geht hier sehr familiär zu, wie einem der Film nahe bringt. Das besondere: das Kino ist auch wahrscheinlich der letzte Ort in Mumbai nach den Terroranschlägen, in dem sich täglich Hindus und Moslems begegnen und ihre jeweiligen Rituale an einer Stätte pflegen. Das Kino ist im Gegensatz zu den neuen Multiplex-Kinos auch für arme Menschen und Obdachlose bezahlbar, die hier für ein paar Stunden Zuflucht vor der Hitze draussen und dem schrecklichen Alltag finden. Und diese Menschen wollen keine neuen Filme sehen, sondern Filme, deren Handlungen sie auswendig kennen, deren Musik sie mitsingen können, weil schon so oft gehört. Und so zeigt das Kino nur Filme aus den 80er und 90ern, deren Farben schon längst verblasst sind. Neue Filme, selbst wenn die teuren Kopien von einem großen Schauspieler wie Aamir Khan gespendet werden, haben hier keine Chance.

Wir sehen im Film, wie (meist innerhalb von sieben Tagen) ein Plakat entsteht. Von der Skizze auf Plastikfolie übertragen (Leinwand ist viel zu teuer) und im Team zusammen kunstvoll mit Farben bemalt. Dabei spart Sheikh Rehman wieder nicht mit wüsten Beschimpfungen, weil ihm diese und jene Malart seiner Kollegen nicht gefällt. Am Ende ist ein Kunstwerk entstanden, dass nach Laufzeit des Films wieder übermalt wird, um ein neues Filmplakat zu malen.

Filmemacher Georg Heinzen hat ein halbes Jahr in Mumbai gelebt und wurde auf dieses Kino aufmerksam und kam dabei auch ins Gespräch mit Malermeister Sheikh. So entstand die Idee des Films. Zusammen Florian Heinzen-Ziob musste man nun erst familiäre Bande knüpfen, um hier Vertrauen zu gewinnen und drehen zu können.

Mit der Premiere ihres Films in einem Multiplex-Kino (für das „Alfred Talkies“ hatten sie keine 35mm Filmrolle und kein Soundsystem) erfuhr Meister Rehman nun auch endlich die Ehre, die er bis hierher so vermisst hatte. Nach dem Film bekam er nicht nur die Bewunderung vieler Zuschauer, auch seine Söhne waren endlich stolz auf ihn.

Das Kino steht nach wie vor jeden Tag vor dem Aus und die Filmemacher haben das Gefühl, inzwischen ist schon die gesamte Rentensicherung für den Erhalt drauf gegangen. Aber wie kann man einen familiären Betrieb wie diesen so einfach aufgeben, an dem so viele Schicksale hängen?

Sehr liebevolle Doku über einen aussterbenden Beruf und der Probleme eines alten Kinos, das nicht aufgeben will.

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