Bollywoodelfe's Blog

Eine deutsche Sicht auf Bollywood, Indien , Pakistan

Indien verstehen: Was die Gruppenvergewaltigung 2012 in Indien veränderte

- Oktober 6, 2014

Im Wahljahr Indiens bietet die Heinrich-Böll-Stiftung mit der Vortragsreihe Understanding India  „Einblicke in die Politik, Wirtschaft und Gesellschaft des Subkontinents, um so zu einem besseren Verständnis von Indien beizutragen.“

Die heutige von mir besuchte Diskussionsrunde zum Thema „Women in India – The Role and Status of a Marginalized Sex“ wurde geleitet von Urvashi Butalia, einer Journalistin, die für Frauenrechte in Indien kämpft und weltweit über die aktuelle Situation in Indien informiert. Aus ihrer Feder stammt auch das Buch „Frauen in Indien„, das ich mit großem Interesse gelesen habe und jedem empfehlen kann, der sich für die Rolle der Frau in Indien interessiert.

So leitete sie ihren Vortrag auch mit Geschichten von 3 Frauen ein, z.B. die von „Salma„, aufgewachsen im tamilischen Südindien, in Dörfern der muslimischen Minderheit, die mit Beginn ihrer Pubertät bis zu ihrer Verheiratung eingesperrt wurde. Aber auch nach ihrer Verheiratung mit einem Politiker war sie Gefangene, diesmal im Haus ihres Mannes. In den Jahren ihrer Abschottung begann sie Gedichte zu schreiben. Die Mutter unterstützte sie dabei und schmuggelte die Prosa zu einem Verleger, der diese unter ihrem Pseudonym Salma veröffentlichte. So wurde sie berühmt, konnte sich politisch engagieren und ein Vorbild für viele andere Frauen werden. Ihre Geschichte wurde gefühlvoll von Kim Longinotto in dem Dokumentarfilm „Salma“ erzählt. Dann ist da noch die Geschichte einer Unberührbaren aus Rajastan, die mit Hilfe eines Regierungsprogramms versucht, Familien zu überzeugen, ihre Kinder nicht so früh zu verheiraten. Die Männer in ihrem Dorf finden es schändlich, sich etwas von einer Unberührbaren sagen zu lassen und es kommt zu einer Massenvergewaltigung.

Diese Geschichten sollen dem Zuhörer aufzeigen, dass sich schwer über die „indische Frau“ an sich sprechen lässt, da dieses Land viel zu vielfältig ist, was Religion, Kasten, Politik, Kultur betrifft und es soll eine emotionale Ebene zu den Frauen schaffen, die sich schwer in Statistiken zu Vergewaltigungen herstellen lässt.

Was veränderte sich nun für die Frauen in Indien nach der Massenvergewaltigung im Jahre 2012 in Delhi, bei der die 23-jährige Inderin Jyoti Singh Pandey von ihren Peinigern so stark gefoltert wurde, dass sie Tage später ihren inneren Verletzungen erlag. Urvashi Butalia wies darauf hin, dass die Unruhen und Proteste ein Level erreichten, das bis dahin einmalig war, da wirklich alle Klassen der Gesellschaft involviert waren. Die unglaubliche nationale und internationale Aufmerksamkeit der Medien machte das Thema wie noch nie publik. Plötzlich wurde das Schweigen gebrochen. In der Zeit danach stieg die Vergewaltigungsrate enorm an, was sicher damit zusammen hängt, dass sich nun vielmehr Menschen trauten, Vergewaltigung anzuzeigen. Auch konnte ein neues Gesetz zu diesem Thema auf den Weg gebracht werden.

Und doch stellt sich Urvashi Butalia berechtigt die Frage: hätte dieser Fall annähernd soviel Aufmerksamkeit bekommen, wenn das Opfer eine Unberührbare, eine Prostituierte oder wenn die Armee involviert gewesen wäre. Mit Sicherheit nicht.

Natürlich kamen die Fragen auf, wie es zu diesem Anstieg von Vergewaltigungen kommt und was getan werden kann, um die Situation für Frauen zu verbessern. Sicher spielen die immer größer werdende Kluft zwischen Arm und Reich eine Rolle, die zu Kriminalisierung führt, dass sich Frauen heutzutage viel mehr in der Öffentlichkeit zeigen, wo sie vorher versteckt im Haus waren (und eher Opfer familiärer Vergewaltigung wurden), fehlende Aufklärungsmöglichkeiten und vieles mehr spielen da eine Rolle. Ganz vehement lehnten die Zuhörer aus Kashmir eine Hilfestellung westlicher Staaten ab. Von den westlichen Ländern, die nur Tod & Ausbeutung gebracht haben, möchte man keine Hilfe erhalten.

Ich denke, die Frauenbewegung in Indien ist auch mächtig genug, um noch viel zu verändern. Und dieses Thema ist auch nicht nur der eine Aspekt, den die Frauen in Indien ausmacht und der sie bewegt. Es gibt so viel mehr.

Für alle Indien-Interessierten gibt es noch viele weitere Vorträge bei der Heinrich-Böll-Stiftung: http://calendar.boell.de/de/taxonomy/term/12645

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4 responses to “Indien verstehen: Was die Gruppenvergewaltigung 2012 in Indien veränderte

  1. S. sagt:

    So sind doch alle weibliche Bollywood-Fans. sie können nicht mal zwischen Bollywood ( Fantasie-Welt) und realles Indien unterscheiden. sie wissen nicht mal, warum die Frauen sowas erleben müssen.

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