Bollywoodelfe's Blog

Eine deutsche Sicht auf Bollywood, Indien , Pakistan

Papilio Buddha – Das Leiden der Unberührbaren

- Februar 16, 2014

Vor der Aufführung dieses Films herrschte im Kino noch ein heiteres Scherzen und Lachen, das Berlinale-Publikum war ausgelassen und heiter, und überlegte über die Sitze hinweg, was es denn von diesem Film erwarten könnte. Irgendwo hatte er schon sehr gute Bewertungen erhalten, andere haben ihn einfach nach dem Motto „Auf gut Glück“ ausgewählt. Es konnte wohl niemand ahnen, welch schwere Kost sie zu dieser späten Stunde noch vor sich haben würden. Am Ende des Films war alle Heiterkeit verflogen und die sichtlich getroffenen Zuschauer hatten jede Menge Fragen an den Regisseur.

Es geht um das Leben der Dalits, die Kastenlosen oder Unberührbaren, die in Indien einen brutalen Kampf um Landrechte führen und ständiger Unterdrückung, Diskriminierung und Gewalt ausgeliefert sind. Kampflos wollen sich die Dalits dem nicht hingeben, aber dieser Kampf und alle möglichen Fluchtwege scheinen aussichtlos. Shankaran hilft z.B. einem amerikanischen Schmetterlingsforscher mehr als nur mit seinen Diensten, seltene Schmetterlingsarten zu fangen. Er bedient auch dessen homosexuellen Neigungen, da er den Amerikaner als Fluchtweg in die USA sieht. Er erträumt sich ein neues Leben in einem anderen Land, bis ihm klar wird, dass er auch dort immer ein Unberührbarer sein wird.  Nachdem eine Unberührbare, eine Lehrerin, es wagt, sich gegen aufdringliche Männer zu wehren, wird sie grausam geschlagen und massenvergewaltigt. Sie entrinnt nur knapp dem Tod, aber von der Politik haben sie keine Hilfe zu erwarten, und schon gar nicht von der Polizei, in deren Augen sie nur Terroristen sind.

Die zwei Inder neben mir meinten nach dem Film, dass es der schrecklichste Film sei, den sie je gesehen haben. Sie hätten eine Lösung für dieses Problem erwartet. Die reine Dokumentation der Leiden der Dalits war es für sie ein sinnloses Unterfangen. Aber genau das ist es, was dieser Film in die Welt tragen will: Seht her, das ist grausame Realität in Indien. Es geht nicht um eine Lösung, denn die gibt es nicht, so der Regisseur. Selbst wenn die Dalits wie im Film einer anderen Religion wie dem Buddhismus übertreten, sie werden dann Dalit-Buddhisten sein. Die Christen vor Ort haben separate Kirchen, eine für die Dalits. Die Einordnung als Dalit erfolgt unabhängig von der Religion.

Der Film fiel in Indien der Zensur zum Opfer. In seiner Orginialfassung, wie wir ihn gesehen haben, darf er in Indien nicht gezeigt werden. Dort mussten 56 Szenen herausgeschnitten werden. Insbesondere die Szenen, in denen vor keinen politischen Tabus Halt gemacht wird und z.B. Gandhi-Anhänger angeklagt werden, dass sie gegen die Dalits kämpfen, statt für sie.

Auf die Frage aus dem Publikum, warum nicht mehr solcher politischen Filme in Indien gedreht werden, antwortete der Regisseur: „Bollywood rules“. Filme in Indien werden nur finanziert, wenn sie ein Massenpublikum ansprechen und nicht der Zensurbehörde zum Opfer fallen. So hat der Regisseur diesen Film allein mit ein paar Freunden finanziert. Viele Schauspieler sind Freunde. Die Dalits wurden auch hauptsächlich von wirklichen Dalits gespielt, darunter etliche Aktivisten.

Nachhaltig schwere Kost. Nicht nur, weil der Film mit ungewohnt ruhigen Bilder die Gewaltsszenen noch brutaler erscheinen läßt, sondern weil er die Unterdrückung einer bestimmten Bevölkerungsgruppe so schonungslos darstellt, dass man es kaum ertragen kann. Aber es muss gezeigt werden, dieses Leid darf keiner Zensur oder realtitätsfernen Filmindustrie zum Opfer fallen. Die Dalits müssen Gehör finden, und sei es über solch einen Film.

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