Bollywoodelfe's Blog

Eine deutsche Sicht auf Bollywood, Indien , Pakistan

10 Tipps für Bollywood-Outsider

- Dezember 13, 2013

Ich versuche ab und zu Leute in indische/Bollywood-Filme zu locken, die bisher damit kaum oder gar nicht in Berührung gekommen sind. Einfach weil ich finde, dass diese Filme ein größeres Publikum verdient haben, als es hier der Fall ist und weil ich denke, dass man nicht unbedingt Fan dieser speziellen Art von Filmen sein muss, um sich einmal auf besondere Art in eine andere, meist bunte Welt entführen zu lassen.

Manchmal vergesse ich dabei Dinge zu erwähnen, die für mich inzwischen selbstverständlich sind, die aber einem neuen Zuschauer schon einen kleinen Schrecken einjagen können, wenn ich diese Kleinigkeiten erst kurz vor Beginn des Films erwähne. Hihi. Daher ein paar Tipps, worauf sich ein bisher Nichteingeweihter einstellen sollte:

1. Achtung: Ausdauer und gutes Sitzfleisch sind notwendige Voraussetzungen, um einen solchen Filmabend unbeschadet zu überstehen. Bollywood-Filme gehen mindestens 2 ½ Stunden. Es gibt nur wenige Ausnahmen. Bei manchen Vorstellungen gibt es daher eine Pause, bei anderen wird diese einfach übergangen. In jedem Fall wird man an einer Stelle des Films den Hinweis „Intermission“ sehen.
2. Meistens werden die Filme nur mit Untertiteln im Kino gezeigt (OmU). Der wahre Bollywood-Fan mag dies auch nur so sehen und die indischen Zuschauer sowieso. Im besten Fall mit deutschen, meist aber mit englischen Untertiteln (OmeU). Das Gute ist aber, dass Bollywood sehr bildhaft erzählt, also man kann das Gröbste auch ohne Mitlesen verstehen. Und es wird ja immer ein Mix aus Hindi und Englisch gesprochen, so dass man ab und zu auch ein paar englische Wörter aufschnappen kann.
3. Es gibt immer Tanz- und Musikszenen. Filme ganz ohne sind die Ausnahme. Die Musik ist ein Anreiz für die indischen Zuschauer, in einen Film zu gehen. Dies verlängert den Film natürlich beträchtlich. Auf DVD spulen die männlichen Zuschauer diese Lieder gern vor. Das geht im Kino natürlich nicht.
4. Gesungen wird meist mit Playback. Also die Schauspieler singen nur in den seltensten Fällen selbst, die Lieder werden von professionellen Sängern gesungen. Also nicht wundern, wenn die Mundbewegungen schonmal absurd daneben gehen. Manchmal ergibt die Musik zum Film auch überhaupt keinen Sinn. Dann sollte einfach nur die gute Musik im Film untergebracht werden.
5. Die dargestellte Welt in Bollywood-Filmen entspricht NICHT der Realität. Es ist meist eine Traumwelt. Natürlich auch mit entsprechend dramatischen Elementen. Die Realität in Indien ist sehr grausam, und die Menschen dort wollen gern ab und zu in solch eine Traumwelt verschwinden. Es gibt inzwischen auch gute indische Filme, die sich durchaus trauen, die Wirklichkeit realistisch darzustellen. Sie sind aber noch selten und keine großen Kassenschlager im indischen Kinogeschäft. Es wird nicht gern gesehen, wenn sich die Schauspieler allzu „westlich“ präsentieren…rauchen, trinken, Sex…sollte höchstens angedeutet sein.
6. Vergesst die Filme, die bei RTL2 gezeigt werden/wurden. Das sind meist Filme, die anscheinend billig genug im Einkauf waren und sind so überhaupt nicht repräsentativ für die indische Filmlandschaft. Oft werden die Filme aus Indien auch unterschätzt. Es wird viel Geld in diese Filme gesteckt (mitunter leider auch dubioses), die Actionszenen könnten geradewegs aus Hollywood kommen. Es wird sehr viel Aufwand in die großen Filme gesteckt.
7. Bollywoodfilme neigen zu Übertreibungen, Overacting, die bei einem deutschem Publikum zu Lachern an Stellen führen können, die ein indischer Regisseur so gar nicht vermutet hätte. Einfach drauf einlassen und nicht weiter drüber nachdenken. Lustig wird’s in jedem Fall. Es gibt allerdings auch Filme, die zuviel an indischem Slapstick-Humor bieten. Dieser Humor ist schon sehr speziell indisch.
8. Nicht wundern, wenn einem die Geschichte des Films verdächtig bekannt vorkommt. Bollywood produziert unglaublich viele Hollywood-„inspirierte“ Filme. Zum einen, weil man bei der Masse an Filmen, die produziert werden, sich natürlich nicht ständig neue, originelle Geschichten ausdenken kann. Zum anderen, weil die westlichen Filme natürlich viel zu viel Sex zeigen. Für den indischen Markt werden diese Hollywood-Blockbuster dann eben nochmal familienfreundlich gedreht.
9. Ist indisches Kinopublikum anwesend, nicht darüber wundern, wenn es schonmal etwas lauter zugeht, mitten im Film telefoniert wird, die Leute erst eine halbe Stunde später eintreffen, die ganze Familie samt kleinen Babys mitkommt. Es ist zudem ein ganz anderes Kinogefühl, da man sich mitten einer eingeschworenen Gemeinschaft wähnt. Falls es ein Film mit Shahrukh Khan sein sollte, ebenfalls nicht über etwas lautere Formen der Freude wundern. Hier darf gekreischt und geklatscht werden.
10. Falls es ein Liebesfilm sein sollte, genügend Taschentücher für sämtliche Sitznachbarn bereit halten. Keine andere Filmindustrie schafft es derart große Emotionen hervorzurufen. Hier muss man sich nicht dafür schämen, am Ende des Films mit geröteten Augen aus dem Kino zu schreiten. Das gehört einfach dazu.

Ich kann auf jeden Fall dringend dazu raten, sich einmal in diese Welt zu begeben und sich sein Urteil fern von RTL2-Filmen zu bilden. Es ist in jedem Fall ein ganz besonderes Kinoerlebnis.

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4 responses to “10 Tipps für Bollywood-Outsider

  1. JOJOEins sagt:

    hihi kann ich als Outsider bestätigen 🙂
    das erste überraschende war in der Tat die Länge
    und man sollte einen fachkundigen Guide für diese und andere Erklärungen mitnehmen ^^

  2. Nancy Z. sagt:

    Ich liebe aber doch die Filme von RTL2. Wo bitte laufen Bollywoodfilme im Kino???

    • In Berlin laufen zum Glück sehr oft indische Filme im Kino, ab 14.7. startet sogar eine ganze Woche, die Indo-German Filmweek. Aber ja, ansonsten verirrt sich leider nur ab und zu ein Film in größere Städte. Wir haben uns zu einer Gruppe zusammen gefunden, die sich regelmässig zu einem Bollywood-DVD-Abend trifft. So überbrücken wir die Zeit ohne Filme im Kino 😉

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